GesellschaftskritikDie kindliche Modezarin

Tavi Gevinson ist 13 Jahre alt, Modebloggerin und saß bei den New Yorker Shows in der ersten Reihe. Ursula März über ein seltsames Kind, das in der Szene gefeiert wird wie der Messias. von Ursula März

Sieht sie was, was wir nicht sehen? Die 13-jähirge Modebloggerin Tavi mit dem japanischen Designer Yohji Yamamoto auf der New York Fashion Week

Sieht sie was, was wir nicht sehen? Die 13-jähirge Modebloggerin Tavi mit dem japanischen Designer Yohji Yamamoto auf der New York Fashion Week  |  © Jemal Countess/Getty Images

Tavi Gevinson ist 13, also genau in dem Alter, in dem es keine Ambivalenz gibt. Dachte man bisher jedenfalls. Die junge Amerikanerin gibt dem Betrachter in dieser Hinsicht jedoch ein Rätsel auf. Tavi ist Bloggerin. Das Thema ihres Blogs ist die internationale Mode und ihr eigenes Styling, zu dem sie sich beispielsweise von Filmen aus den Achtzigern, Folksängern aus den Siebzigern und einem Secondhandladen um die Ecke inspirieren lässt.

Mit seinen Kommentaren wurde das seltsame Kind zur Kultfigur der Szene. Tavi sitzt bei den New Yorker Shows in der ersten Reihe, neben Branchengöttinnen wie der Vogue- Chefin Anna Wintour und der Modekritikerin der International Herald Tribune, Suzy Menkes. Tavi ist bei den After-Show-Partys der Designer Marc Jacobs und Alexander Wang dabei, trägt Piratenhüte zu Netzstrumpfhosen, wird gefeiert wie der Messias, und eigentlich weiß niemand so richtig, wofür und warum.

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Denn das Verwirrende an dem Geschöpf mit seiner Riesenbrille und seinem Bubenhaarschnitt ist die Tatsache, dass es sich auf nichts festlegen lässt. Man kann Tavi rührend naiv finden. Oder berechnend. Wer ins Netz geht und zusieht, wie Tavi sich auf der Wohnzimmercouch mit einem Designexperten über den Modeschöpfer Balenciaga unterhält, kann beim besten Willen nicht entscheiden, ob das subversiver Klamauk sein soll oder eine Ranschmeiße ans Geschäft. Ob diese Tavi sich ernsthaft als Modepüppchen stylt oder Kritik am Modepüppchentum verkörpert. Auch Anna Wintour könnte vermutlich nicht sagen, ob sie von Tavi einfach nur verarscht oder angehimmelt wird.

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Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen.  |  © Frazer Harrison/Getty Images

Ihr plötzliches Erscheinen an den heiligen Orten der Mode erinnert tatsächlich an die biblische Szene im Tempel (* vgl. Kommentar). Nur ist deren Botschaft von größtmöglicher Eindeutigkeit, während Tavi als Ausbund von Ambivalenz daherkommt und wohl darum solchen Erfolg hat. Vermutlich muss man einfach umdenken. Und sich den neuesten Jugendprotest als eine Strategie der Uninterpretierbarkeit vorstellen, die Erwachsenengehirne leerdrehen lässt.

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Leserkommentare
  1. Selbst ich weiß, daß Jesus die Händler zu einem Zeitpunkt aus dem Tempel getrieben hat, als er schon als Wanderprediger unterwegs war, also etwa in einem Alter von 30 Jahren.

    Es gibt allerdings eine andere Bibelstelle (Lukas 2,41-52), wo Jesus noch nicht mal im Teenageralter, also mit zwölf Jahren, während einer Jerusalemreise mit der ganzen Familie ausbüxt, die Schriftgelehrten im Jerusalemer Tempel aufsucht und diese mit seiner Sicherheit in der Auslegung der Schrift schockiert und entzückt. Ist ja auch Papas Firma, wie er seinen Eltern erklärt, die sich drei Tage lang die Hacken im Jerusalemer Stadtverkehr wundgelaufen haben, um das Kind zu suchen.

    In Bibelsprech klingt das so: http://www.predigten.de/stelle.php3?buch=52&kap=2&von=41&bis=52&von2=0&b...

  2. Alexander Wang ist kein Modefotograf, sondern ein Designer, der in New York gerade seine Kollektion gezeigt hat.
    Und Suzy Menkes schreibt für die IHT, nicht für die New York Times. Auch wenn die beiden Zeitungen zusammengehören, die Modekritikerin der New York Times heißt Cathy Horyn, und wenn man einen Artikel über die Bedeutung von Modeblogs schreibt, sollte man von ihr vielleicht schon mal gehört haben...

  3. 3.

    gesellschaftskritik?
    was von der internationalen mode in der gesellschaft ankommt, ist bestenfalls als trend erkennbar. und spektakulär ist das auch nicht. röcke kürzer oder länger, zwei drei farben, die dieses jahr angesagt sind (und die dann genauso getragen werden, wie alle anderen auch), figurbetont oder nicht, es ist langweilig.
    und das auf dem level der modedesigner abläuft siehe hier,
    http://www.zeit.de/lebensart/mode/2009-09/bg-mailand-modewoche
    das ist nur noch albern und bestenfalls am rande der gesellschat einzuordnen.
    ;-)

  4. gibt es ein Schulprojekt, das die Website zurzeit etwas auflockern soll oder ist das der neue Stil der ZEIT? Nicht recherchiert, ein wenig auf den Putz gehauen und ansonsten möglichst wenig Gehalt und viele Fehler?

    Bitte lasst das wieder!

  5. Redaktion

    Sie haben natürlich Recht, werte Leser. Den ursprünglichen ersten Satz der Autorin: "Jesus könnte 13 gewesen sein, als er die Händler in heiligem Zorn aus dem Tempel warf. Es ist, profan betrachtet, die Urszene antikapitalistischen Jugendprotestes, der kein Wenn und Aber kennt", haben wir daher ersatzlos rausgenommen. Und die "New York Times" ist in diesem Sinne natürlich die "International Herald Tribune". Solche Fehler passieren leider auch unseren besten Autoren - und zu diesen gehört zweifelsohne Ursula März.
    Mit ganz freundlichen Grüßen
    Wenke Husmann

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  • Serie Gesellschaftskritik
  • Schlagworte Anna Wintour | Blog | Blogger | Marc Jacobs | Modeschöpfer | Vogue
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