Statussymbol Auto »BMW, Mercedes oder Porsche wirken weniger erotisch«

Der Psychologe Peter Kruse sagt, deutsche Kunden gäben ihre innige Beziehung zum Auto auf. Ein Interview mit einem Jaguar-Fahrer.

DIE ZEIT: Herr Professor Kruse, während sich die PS-Branche über erste Zeichen eines Aufschwunges freut, behaupten Sie, es sei vorbei mit der innigen Beziehung deutscher Männer zu den blechernen Statussymbolen. Wie kommen Sie darauf?

Peter Kruse: Gleich vorweg, ich bin kein Autohasser und fahre selbst Jaguar. Aber es stimmt schon, unsere Studien, die wir seit 2006 jedes Jahr durchführen, deuten klar auf eins hin: Die Menschen verlieren ihre emotionale Nähe zum Auto. Dies trifft insbesondere die Einstellung zu Premiummarken wie BMW, Mercedes oder Porsche. Diese Kultmarken wirken nicht mehr so erotisch auf die Menschen. Das Konsumgut Auto hat seine Poleposition im emotionalen Raum verloren.

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DIE ZEIT: Wie haben Sie das herausgefunden?

Kruse: Wir haben eine spezielle Methodik entwickelt, um das kollektive Unbewusste zu erfassen: eine neuartige Methode, die die qualitativen Vorteile von Tiefeninterviews und die quantitativen von Fragebögen verbindet. Sie ermöglicht uns, die Veränderung von gesellschaftlichen Wertestrukturen zu messen…

DIE ZEIT: …und zu behaupten, starke und große Autos taugten nicht mehr als Statussymbol.

Kruse: Wir waren selbst völlig verblüfft, als wir 2006 im Auftrag eines Autoherstellers unsere erste Studie durchführten. Damals stellten wir fest, dass ein Auto mehr als entweder nur reines Transportmittel oder emotionales Premiumprodukt sein kann. Es kann auch nur dem Gefühl entsprechen, »sinnvoll in meinen Alltag zu passen«. Das ist neu.

DIE ZEIT: Was bedeutet das für die deutschen Marken, deren Welterfolg viel mit Status zu tun hat?

Kruse: Unsere Ergebnisse, die sich in den Jahren 2007 bis 2009 verfestigten, legen jedenfalls nahe: Wer morgen Erfolg haben will, darf nicht mehr vor allem PS-Stärke und Größe anbieten.

DIE ZEIT: Hat diese Erkenntnis Mercedes, BMW und Co. schon alarmiert?

Kruse: Leider denken viele Ingenieure immer noch, tolle Technik und hervorragende Qualität überzeugten den Kunden schon. Falsch. Heute ist es so, dass viele Kunden zwar ihrer Marke noch treu sind, innerlich aber schon den Rückzug angetreten haben.

DIE ZEIT: Immerhin hat die Abwrackprämie den Autoabsatz massiv ankurbeln können.

Kruse: Das ist ja der Witz. Die Abwrackprämie hat der emotionalen Verankerung des Autos sogar geschadet. Im Vordergrund steht jetzt die Schnäppchenjagd; die gibt den emotionalen Push und nicht mehr die Wertigkeit der Marke.

DIE ZEIT: Was können die Autohersteller tun, um nicht zum Opfer dieser Entwicklung zu werden?

Kruse: Sie müssen den Menschen eine sinnstiftende Lösung für ihre Mobilitätsbedürfnisse anbieten. Die muss nicht unbedingt immer billig sein. Aber sie muss zum Alltagsgefühl passen.

DIE ZEIT: Sinnvoll kann es auch sein, kein Auto zu besitzen.

Kruse: Genau. Deshalb erprobt Daimler in Ulm gerade ein Konzept, bei dem Smarts an vielen Orten der Stadt stundenweise gemietet und anderswo wieder abgegeben werden können. Unverständlich finde ich, dass die Bahn ihre historische Chance nicht nutzt. Dort ist weit und breit kein Angebot für Premium-Mobilität zu erkennen.

DIE ZEIT: Hat der von Ihnen festgestellte Wertewandel die ganze Gesellschaft erfasst?

Kruse: Unsere Studien geben exakte zahlenmäßige Antworten darauf nicht her. Aber es lassen sich einige Trends erkennen. Der kulturelle Wertewandel ist bei Frauen stärker ausgeprägt. Die Generation 50 plus wird noch etwas länger brauchen, um ihre Verhaltensgewohnheiten zu verändern. Der emotionale Wandel läuft dem konkreten Tun voraus. Und noch eines: Die junge, mit dem PC aufgewachsene Generation, die »digital natives«, wird sich vom Thema Auto nicht mehr so anfixen lassen wie frühere Generationen. Haben die Jungs erst mal aufgehört, Autoquartett zu spielen, ist die alte Bindung für immer hin.

DIE ZEIT: Geht der Trend über Deutschland hinaus?

Kruse: Wir forschen viel in Asien. Und in China differenziert sich der emotionale Raum um das Auto gerade erst richtig aus, und zwar sehr schnell.

DIE ZEIT: Die folgen also noch dem alten Muster, was die Erfolge von Audi, BMW, Mercedes und Porsche dort erklären würde.

Kruse: Richtig. In China nimmt die emotionale Bedeutung des Autos noch zu, während sie in Deutschland weiter abnimmt.

DIE ZEIT: Also ab nach Asien.

Kruse: Vorsicht. Der kulturelle Wertewandel geht da viel schneller als bei uns.

Die Fragen stellte Dietmar H. Lamparter

 
Leser-Kommentare
    • ben_
    • 29.09.2009 um 11:33 Uhr

    Da muss ich schon ein wenig drüber schmunzeln. Qualitative und Quantitavie Werkzeuge in allen Ehren. Und gerne glaube ich auch an die Ergebnisse. Aber "das kollektive Unbewusste zu erfassen" ist schon ein ziemlich unerhörtes Vorhaben, fast schon esoterisch, schamanistisch.

  1. glaube ich, dass diese verallgemeinerten Schlussfolgerungen wohl "Schnulli" sind.

    Seit tausenden von Jahren gehört zum Manne nicht nur sein getreuer Hund, sondern auch seun feuriges Roß. Das wird sich wohl auch nicht ändern.

  2. 3.

    Zugegeben der Artikel klingt im ersten Moment etwas esoterisch, aber ich denke er hat recht. Jenseits von mit Gimick und PS vollgestopften Wagen gibt es eigentlich kein Auto auf dem Markt das für schlicht,elagant, einfach aber nicht billig steht. Das was Statussymbol war schlägt auch schnell in hirnlose Prozerei um.

  3. 4. Bahn

    Die BAhn nutzt die Chance nicht?
    "Dort ist weit und breit kein Angebot für Premium-Mobilität zu erkennen."

    Erste Klasse ICE ist schon Premium.
    Indirekt finde ich ist die gesamte Bahn nur noch "Premium" (Preise!!) und eben KEINE Alternative zum Auto, sonst könnte man sie längst als solche nutzen.

  4. das wäre also der Wunschtraum aller Grünen. Der Mann schwört seinem "stolzen Schlachtroß" ab, und ergötzt sich zukünftig im Freundeskreis an CO2-Ausstoß und Niedrigstverbrauch, bevor er dann die Bahn besteigt.Brrrrr.... Gottseidank hat der Markt Ulk-Autos wie smart roadster, Audi A2, Lupo 3L etc aussterben lassen. Diese Autos
    sollen zukünftig, nach Aussage unseres Psychologen auf uns Deutsche
    (und auch auf Frauen) erotisch wirken? Wer´s glaubt.
    Die Wirklichkeit sieht gottseidank anders aus. Allein die Begeisterung für das Auto ( und nicht dessen Verteufelung) hat den Fortschritt immer wieder vorangetrieben. Daß zukünftig verstärkt alternative
    Antriebe wie die Brennstoffzelle irgendwann die Straßen bevölkern werden, ist doch ein positiver Nebenaspekt. Auch Elektroautos können 300 km/h schnell sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kommentar 4 u. 5
    sorry,
    aber wie gründlich lesen Sie die Artikel?

    Komm.5
    Unabhängig von Ihrer ideologischen Verblendung.
    Wer ist wir?
    Sind Frauen keine Deutsche?
    [Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche und niveauvolle Diskussion. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

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    Wer ist wir?
    Sind Frauen keine Deutsche?
    [Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche und niveauvolle Diskussion. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  5. Kommentar 4 u. 5
    sorry,
    aber wie gründlich lesen Sie die Artikel?

    Komm.5
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    Wer ist wir?
    Sind Frauen keine Deutsche?
    [Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche und niveauvolle Diskussion. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

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    noch als bedenklich gemeldet.

    Vielleicht sollte sich der Herr mal Gedanken machen,
    ob er die Wirklichkeit (die er ja zu kennen scheint) nur deswegen kennt, weil er blind gegenüber allem anderen ist.
    ... oder ist es die Ignoranz gegenüber einer Wissenschaft, die schon oft als undeutsch galt?

    noch als bedenklich gemeldet.

    Vielleicht sollte sich der Herr mal Gedanken machen,
    ob er die Wirklichkeit (die er ja zu kennen scheint) nur deswegen kennt, weil er blind gegenüber allem anderen ist.
    ... oder ist es die Ignoranz gegenüber einer Wissenschaft, die schon oft als undeutsch galt?

  6. Prius II Hybrid.

    Für Kurzstrecken Fahhrad, für weite Strecken ICE oder auch IC.

    Meine emotionale Bindung an Autos/Motorräder/Flugzeuge konnte ich schon vor einigen Jahren lösen: BMW 730 IA, BMW Z3 2.8, Piper Dakota.

    Ich bin sehr viel gealssener geworden, ob das Ursache oder Folge meines veränderten Mobilitätsverhaltens ist, mag dahingestellt sein.

  7. noch als bedenklich gemeldet.

    Vielleicht sollte sich der Herr mal Gedanken machen,
    ob er die Wirklichkeit (die er ja zu kennen scheint) nur deswegen kennt, weil er blind gegenüber allem anderen ist.
    ... oder ist es die Ignoranz gegenüber einer Wissenschaft, die schon oft als undeutsch galt?

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