Iran Das Grün, das nicht verblasst
Protest der Mütter und Pläne für den Tag X: Wie die iranische Opposition sich organisiert und weiterkämpft
© AFP/Getty Images

Grün ist weiterhin die Farbe der Opposition: Ende September in Teheran
In einer Livesendung des iranischen Staatsfernsehens erteilt ein Mullah geistliche Ratschläge. Eine Anruferin spricht über ihr Eheproblem, dann sagt sie plötzlich: »Zufällig heißt mein Mann Mir Hussein Mussawi, genauso wie der neugewählte Präsident.« Der Moderator versteinert; die Sendung wird unterbrochen.
Auf Geldscheinen ist jetzt öfter ein grünes Victory-Zeichen zu sehen oder der Schriftzug »Nieder mit der Diktatur«. Oder ein kleines Porträt von Neda, der bekanntesten Toten aus den Tagen nach der Wahl im Juni. Die Aufdrucke wirken professionell, die Anleitung dazu kursiert im Internet.
Ein Fußballspiel in Isfahan, viele Zuschauer tragen Grün. Die Fernsehkameras versuchen, die Bilder auszusparen. Allerdings ist Grün auch die Farbe des Isfahaner Clubs; der Verein wird aufgefordert, sich eine andere Farbe zu suchen.
Die Demokratiebewegung bleibt sichtbar in Iran, trotz Repression, Folter, Schauprozessen. Sie ist nicht stark genug, der Regierung Ahmadineschad in den Arm zu fallen. Aber sie ist stark genug, das Land in Anspannung zu halten. Weil Versammlungen verboten sind, werden offizielle Anlässe gleichsam unterwandert, wie am vergangenen Freitag: Beim antiisraelischen Quds-Aufmarsch hielten Zehntausende die Finger hoch zum Victory-Zeichen, verlangten die Freilassung inhaftierter Reformer. An diesem Tag hat sich eine Erfahrung wiederholt, die bereits im Juni die Psychologie der Gesellschaft veränderte: Es ist möglich, auf die Straße zu gehen und Verboten zu trotzen. Es ist gefährlich, aber es ist möglich.
Eine andere verborgene Kraftquelle nährt die grüne Bewegung: Sie hat in vielen Familien die Generationen versöhnt, hat die Kluft überbrückt zwischen den Alten, die vor 30 Jahren die Revolution machten, und den Jungen, die unter dem Ergebnis leiden. Nun reden Söhne wieder mit ihren Vätern.
Im Teheraner Laleh-Park stehen jeden Samstagnachmittag schweigend und schwarz gekleidet die Mütter von Getöteten. Um sie herum weitere Frauen, in stummer Solidarität. Auf einer Liste von 72 Toten, die namentlich bekannt sind, finden sich auch Arbeiter, Schuhverkäufer, kleine Angestellte. Wie sich die Fronten verhärten, das ist an der Verletzung bisher geltender Tabus ablesbar. Mohammed Chatami, der Ex-Präsident, wurde am vergangenen Freitag zu Boden gestoßen, seines schwarzen Turbans beraubt. Schon vorher hatte der gewöhnlich milde Chatami dem Regime »faschistische« Methoden vorgeworfen.
Hinter solche Taten, hinter solche Worte gibt es kaum ein Zurück mehr. Die Ereignisse in Iran wälzen sich mit einer zähen Unerbittlichkeit voran. Nur wohin? Und kann überhaupt jemand diesen Prozess steuern?
Die Jungen hoffen auf die große Wende, die Älteren fürchten das Chaos
Die Jungen, die Studenten, deren Kreativität die Ästhetik der Bewegung prägte, brennen immer noch in der Hoffnung, dass sich bald etwas Großes tut, eine radikale Wende – im System wie in ihrem Leben. Besonnenere Iraner haben hingegen Angst vor einem Machtvakuum, wenn das Regime zu rasch zerfallen sollte.
- Datum 01.10.2009 - 09:30 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.09.2009 Nr. 40
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Der Mut, den die persische Opposition aufbringt ist bewundernswert, und ich wünsche ihr Erfolg im Kampf gegen dieses widerliche Mullahregime. Auch wenn ich leider nicht dran glaube.
Die Autorin sollte sich mal die Domino-Theorien des American Enterprise Insitute oder dessen Verläufer, des America for the New Century zu Gemüte führen. Vor 2001 gab es eine Demokratisierung und auch eine nahezu unglaubliche Öffnung des Iran gegenüber dem Westen.
Dann gabe es die Invasion der aufgeblasenen "Sole Superpower" im Osten und zwei Jahren später im Westen. Ein Iran im Zangengriff. "America needs the Oil" sagte Jack Kornblum, der US-Botschafter, damals ganz offen im ARD Pressclub
Dummerweise sind die Dominos von Afghanistan und Irak nach der falschen Seite gekippt und werden nun den nicht gerade smarten Obama und seine debilen Hillbillies unter sich begraben.
No cash, no war. Den Amis geht der Kredit aus. China und Öl-Scheichs sagen NO. Bernanke druckt grünes Klopapier, das niemand haben will.
Da helfen auch keine schwachsinnigen Artikel über die Iranischen Oppositionellen.
Oder um es nochmals in Zahlen zu fassen: die USA drucken sich zur Zeit am Tag 6 Mrd USD-Klopapier um diese beiden Kriege zu führen und ihre Homeland Security zu finanzieren.
... mit dieser Vorstellung: USA sind pleite, und Ahmadi wird trotzdem gestürzt. Unvorstellbar? Ja, für jeden, der glaubt, nur durch die Yankees bewegt sich die Welt. Demonstrative Amerikafeinde sind in dieser Hinsicht oft besonders gläubig.
Wie aber, wenn es in dem Land da unten ein Bürgertum gäbe, eine Bourgeoisie, die politische Macht will? Einen "dritten Stand", der es satt hat, die nationalen Exporterlöse in den Taschen der Militärs verschwinden zu sehen? Der es leid ist, überall sanktioniert zu werden - von außen per Embargo, von innen durch Willkür und altertümliche Gesetze?
Dieses iranische Bürgertum ist zahlreich, gebildet, wirtschaftlich potent. Es fordert die Rechte ein, die seinen Interessen dienen: Bürgerrechte.
Der Umschwung wird kommen, und wenn Washington vorher pleite ist: umso besser, werden sich die persischen Kaufleute sagen, ist die Konkurrenz vom Markt.
... mit dieser Vorstellung: USA sind pleite, und Ahmadi wird trotzdem gestürzt. Unvorstellbar? Ja, für jeden, der glaubt, nur durch die Yankees bewegt sich die Welt. Demonstrative Amerikafeinde sind in dieser Hinsicht oft besonders gläubig.
Wie aber, wenn es in dem Land da unten ein Bürgertum gäbe, eine Bourgeoisie, die politische Macht will? Einen "dritten Stand", der es satt hat, die nationalen Exporterlöse in den Taschen der Militärs verschwinden zu sehen? Der es leid ist, überall sanktioniert zu werden - von außen per Embargo, von innen durch Willkür und altertümliche Gesetze?
Dieses iranische Bürgertum ist zahlreich, gebildet, wirtschaftlich potent. Es fordert die Rechte ein, die seinen Interessen dienen: Bürgerrechte.
Der Umschwung wird kommen, und wenn Washington vorher pleite ist: umso besser, werden sich die persischen Kaufleute sagen, ist die Konkurrenz vom Markt.
... mit dieser Vorstellung: USA sind pleite, und Ahmadi wird trotzdem gestürzt. Unvorstellbar? Ja, für jeden, der glaubt, nur durch die Yankees bewegt sich die Welt. Demonstrative Amerikafeinde sind in dieser Hinsicht oft besonders gläubig.
Wie aber, wenn es in dem Land da unten ein Bürgertum gäbe, eine Bourgeoisie, die politische Macht will? Einen "dritten Stand", der es satt hat, die nationalen Exporterlöse in den Taschen der Militärs verschwinden zu sehen? Der es leid ist, überall sanktioniert zu werden - von außen per Embargo, von innen durch Willkür und altertümliche Gesetze?
Dieses iranische Bürgertum ist zahlreich, gebildet, wirtschaftlich potent. Es fordert die Rechte ein, die seinen Interessen dienen: Bürgerrechte.
Der Umschwung wird kommen, und wenn Washington vorher pleite ist: umso besser, werden sich die persischen Kaufleute sagen, ist die Konkurrenz vom Markt.
Man kann nur stolz auf diese Bevölkerung sein. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass so eine Bewegung im Iran möglich sei. Die Diktatur um Ahmadinejad hat praktisch keinen Rückhalt mehr im Volk und das spürt sie. Das ist auch der Grund, warum das Regime mit außenpolitischen Provokationen um das Atomprogramm von den innenpolitischen Problemen ab zulenken versucht. Es versucht sich, Rückhalt zu schaffen und mit der A-Bombe nicht angreifbar zu machen. Vergeblich!!!
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