Iran Das Grün, das nicht verblasstSeite 3/3
Mussawi ähnelt eher der Figur des Königs beim Schach: kleine Züge, bei Gefahr Rückzug, immer gedeckt von seinen Leuten. Feigheit ist das nicht. Mit Mussawi im Gefängnis würde die Bewegung in den Untergrund abrutschen, sich radikalisieren und gefährlich verengen, fürchten seine Mitstreiter. Er selbst sieht sich als jemanden, der einen unblutigen Weg zu Veränderungen öffnen kann. Danach müsse das Volk entscheiden, in welchem System es leben wolle.
Erstmals seit der iranischen Revolution von 1979 hat die iranische Opposition im Ausland eine gemeinsame Sprache gefunden mit den Kräften der Veränderung im Land. Das eröffnet Optionen, die vor Kurzem noch undenkbar waren. Im Falle der Verhaftung von Mussawi und Karubi würde die Führung der grünen Bewegung automatisch vom Ausland aus wahrgenommen. Aus Teheran wird demnächst eine Erklärung kommen, dass ein fünfköpfiges Komitee – die Namen werden nicht enthüllt – als Ersatzführung in der Diaspora autorisiert ist. Die symbolische Geste sagt viel in einem Land, wo die Angst vor ausländischen Agenten fast obsessiv ist. Und dem Regime signalisiert Mussawi: Seht euch vor! Wenn ihr mich verhaftet, ist der friedliche Weg zu Veränderungen verbaut.
In der Diaspora haben sich frühere erbitterte Feinde versöhnt. Die Monarchisten sind in die Bedeutungslosigkeit abgedrängt, und die Verfechter einer säkularen Republik äußern Kritik an Mussawi vorerst nur gedämpft. Diverse prominente Köpfe der Reformer halten sich gegenwärtig im Westen auf, darunter in London der Ex-Kultusminister Ataollah Mohajerani, in Paris der Regisseur Mohsen Makhmalbaf, in den USA der Reformtheologe Mohsen Kadivar.
Kadivar, der derzeit an der Duke University lehrt, appelliert an »die iranische Bourgeoisie«, Mittel für ein neues, unabhängiges nationales Fernsehen bereitzustellen. »Die Kosten eines grünen Mediums müssen von iranischen Investoren getragen werden.« Die iranischen Frauen sollten dafür in einer patriotischen Geste ihre Juwelen hergeben. Radio und Satellitenfernsehen, nicht zensierbar und zugleich genuin iranisch: Daran wird derzeit in vier Ländern gearbeitet. In Amsterdam hat Mehdi Jami als früherer Chef des farsisprachigen Radio Zamaneh schon viel Erfahrungen mit Bloggern in Iran. Nun will er mit Bürgerjournalismus »eine neue Generation von TV« machen, will den jungen Iranern, die mit ihren klandestinen Videos ständig YouTube beliefern, eine nationale Plattform schaffen.
So vernetzt, vielstimmig und virtuell zu sein, das ist die Stärke der grünen Bewegung – und ihre Schwäche. Es fehlt eine klar vernehmbare Stimme, die etwa zu den Nuklearverhandlungen Stellung nimmt, die am 1. Oktober zwischen Iran und der internationalen Gemeinschaft wieder aufgenommen werden sollen. Die Befürchtung, Ahmadineschad erkaufe sich im Ausland eine Legitimation, die ihm im Inland versagt bleibt, grassiert auch bei denen, die den Dialog im Prinzip wollen. In Mussawis Umgebung heißt es: »Was immer jetzt vereinbart wird, hat keine Gültigkeit, bevor es von einer rechtmäßigen, neuen Regierung Irans überprüft worden ist.« Mussawi selbst will bei diesem hochsensiblen Thema nicht die Konfrontation suchen.
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
- Datum 01.10.2009 - 09:30 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 24.09.2009 Nr. 40
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Der Mut, den die persische Opposition aufbringt ist bewundernswert, und ich wünsche ihr Erfolg im Kampf gegen dieses widerliche Mullahregime. Auch wenn ich leider nicht dran glaube.
Die Autorin sollte sich mal die Domino-Theorien des American Enterprise Insitute oder dessen Verläufer, des America for the New Century zu Gemüte führen. Vor 2001 gab es eine Demokratisierung und auch eine nahezu unglaubliche Öffnung des Iran gegenüber dem Westen.
Dann gabe es die Invasion der aufgeblasenen "Sole Superpower" im Osten und zwei Jahren später im Westen. Ein Iran im Zangengriff. "America needs the Oil" sagte Jack Kornblum, der US-Botschafter, damals ganz offen im ARD Pressclub
Dummerweise sind die Dominos von Afghanistan und Irak nach der falschen Seite gekippt und werden nun den nicht gerade smarten Obama und seine debilen Hillbillies unter sich begraben.
No cash, no war. Den Amis geht der Kredit aus. China und Öl-Scheichs sagen NO. Bernanke druckt grünes Klopapier, das niemand haben will.
Da helfen auch keine schwachsinnigen Artikel über die Iranischen Oppositionellen.
Oder um es nochmals in Zahlen zu fassen: die USA drucken sich zur Zeit am Tag 6 Mrd USD-Klopapier um diese beiden Kriege zu führen und ihre Homeland Security zu finanzieren.
... mit dieser Vorstellung: USA sind pleite, und Ahmadi wird trotzdem gestürzt. Unvorstellbar? Ja, für jeden, der glaubt, nur durch die Yankees bewegt sich die Welt. Demonstrative Amerikafeinde sind in dieser Hinsicht oft besonders gläubig.
Wie aber, wenn es in dem Land da unten ein Bürgertum gäbe, eine Bourgeoisie, die politische Macht will? Einen "dritten Stand", der es satt hat, die nationalen Exporterlöse in den Taschen der Militärs verschwinden zu sehen? Der es leid ist, überall sanktioniert zu werden - von außen per Embargo, von innen durch Willkür und altertümliche Gesetze?
Dieses iranische Bürgertum ist zahlreich, gebildet, wirtschaftlich potent. Es fordert die Rechte ein, die seinen Interessen dienen: Bürgerrechte.
Der Umschwung wird kommen, und wenn Washington vorher pleite ist: umso besser, werden sich die persischen Kaufleute sagen, ist die Konkurrenz vom Markt.
... mit dieser Vorstellung: USA sind pleite, und Ahmadi wird trotzdem gestürzt. Unvorstellbar? Ja, für jeden, der glaubt, nur durch die Yankees bewegt sich die Welt. Demonstrative Amerikafeinde sind in dieser Hinsicht oft besonders gläubig.
Wie aber, wenn es in dem Land da unten ein Bürgertum gäbe, eine Bourgeoisie, die politische Macht will? Einen "dritten Stand", der es satt hat, die nationalen Exporterlöse in den Taschen der Militärs verschwinden zu sehen? Der es leid ist, überall sanktioniert zu werden - von außen per Embargo, von innen durch Willkür und altertümliche Gesetze?
Dieses iranische Bürgertum ist zahlreich, gebildet, wirtschaftlich potent. Es fordert die Rechte ein, die seinen Interessen dienen: Bürgerrechte.
Der Umschwung wird kommen, und wenn Washington vorher pleite ist: umso besser, werden sich die persischen Kaufleute sagen, ist die Konkurrenz vom Markt.
... mit dieser Vorstellung: USA sind pleite, und Ahmadi wird trotzdem gestürzt. Unvorstellbar? Ja, für jeden, der glaubt, nur durch die Yankees bewegt sich die Welt. Demonstrative Amerikafeinde sind in dieser Hinsicht oft besonders gläubig.
Wie aber, wenn es in dem Land da unten ein Bürgertum gäbe, eine Bourgeoisie, die politische Macht will? Einen "dritten Stand", der es satt hat, die nationalen Exporterlöse in den Taschen der Militärs verschwinden zu sehen? Der es leid ist, überall sanktioniert zu werden - von außen per Embargo, von innen durch Willkür und altertümliche Gesetze?
Dieses iranische Bürgertum ist zahlreich, gebildet, wirtschaftlich potent. Es fordert die Rechte ein, die seinen Interessen dienen: Bürgerrechte.
Der Umschwung wird kommen, und wenn Washington vorher pleite ist: umso besser, werden sich die persischen Kaufleute sagen, ist die Konkurrenz vom Markt.
Man kann nur stolz auf diese Bevölkerung sein. Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass so eine Bewegung im Iran möglich sei. Die Diktatur um Ahmadinejad hat praktisch keinen Rückhalt mehr im Volk und das spürt sie. Das ist auch der Grund, warum das Regime mit außenpolitischen Provokationen um das Atomprogramm von den innenpolitischen Problemen ab zulenken versucht. Es versucht sich, Rückhalt zu schaffen und mit der A-Bombe nicht angreifbar zu machen. Vergeblich!!!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren