Kunst Die Schuhe der Philosophen

Kaum ein Bild wurde so oft ausgedeutet wie van Goghs "Ein Paar Schuhe". Nun wird es in Köln gezeigt – mitsamt Interpretationen

Vincent van Gogh fand die Schuhe 1886 auf einem Pariser Flohmarkt – und malte sie dann in seinem Atelier

Vincent van Gogh fand die Schuhe 1886 auf einem Pariser Flohmarkt – und malte sie dann in seinem Atelier

Dieses Schuhwerk hatte Glück, denn es landete nicht auf dem Müll, sondern auf einem Pariser Flohmarkt. 1886 entdeckte der junge Maler Vincent van Gogh das ausgelatschte Paar und schleppte es mit in sein Atelier am Montmartre. Selbst getragen hat er es angeblich nur ein einziges Mal, aber van Gogh wollte in den Schuhen auch nicht laufen, er wollte sie malen. Daraus wurden die berühmtesten Schuhe der Kunstwissenschaft und das Lieblingsobjekt der philosophischen Ästhetik. Bis heute trainieren Wissenschaftler an diesem Meisterwerk ihre Deutungskunst, und es gibt kaum ein Werk, das so unauflöslich mit seinen Interpretationen »vernäht« ist wie van Goghs Ein Paar Schuhe.

Das Kölner Wallraf-Richartz-Museum hatte nun die schöne Idee, an diese wechselvolle Geschichte zu erinnern, und dafür genügt dem Haus ein einziger Raum. In der Blickachse des Besuchers hängt wie ein Altarbild van Goghs Ein Paar Schuhe, von allen Seiten bedrängt und belagert von sinnfälligen Zitaten und ausgreifenden Deutungen. In Zeiten, in denen das Publikum ausdauernd über »Präsenz« schwadroniert und selbst winzige Theorie-Fetzen als Anschlag auf die seelische Unversehrtheit des Kunstwerks gelten, ist das natürlich ein kühnes Unterfangen. Aber der Kölner Plan geht auf. Das Gemälde verliert nicht sein Geheimnis, im Gegenteil, die Theorie intensiviert die Betrachtung, das Bild wird immer rätselhafter, je mehr Lesarten auf es einstürmen.

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Warum sind die Schuhe unterschiedlich geschnürt? Ist es überhaupt ein Paar?

Den Stein ins Wasser geworfen hatte Martin Heidegger (1889 bis 1976) mit seinem berühmten Aufsatz Der Ursprung des Kunstwerks aus dem Jahr 1960, der mehrere Einzelarbeiten zusammenfasst. Seine Beschäftigung mit van Goghs Ein Paar Schuhe geht bis auf das Jahr 1930 zurück; der Philosoph hatte das Bild in Amsterdam im Stedelijk-Museum entdeckt und ihm 1935 in Freiburg einen Vortrag gewidmet. Noch immer ist es lohnend, Heideggers in Granit gemeißelte Bildbetrachtung in Erinnerung zu rufen:

»Aus der dunklen Öffnung des ausgetretenen Inwendigen des Schuhzeugs starrt die Mühsal der Arbeitsschritte. In der derbgediegenen Schwere des Schuhzeugs ist aufgestaut die Zähigkeit des langsamen Ganges durch die weithin gestreckten und immer gleichen Furchen des Ackers (…). Auf dem Leder liegt das Feuchte und Satte des Bodens. Unter den Sohlen schiebt sich hin die Einsamkeit des Feldesweges durch den sinkenden Abend. In dem Schuhzeug schwingt der verschwiegene Zuruf der Erde (…) Durch dieses Zeug zieht das klaglose Bangen um die Sicherheit des Brotes, die wortlose Freude des Wiederübstehens der Not, das Beben in der Ankunft der Geburt und das Zittern in der Umdrohung des Todes. Zur Erde gehört dieses Zeug und in der Welt der Bäuerin ist es behütet.«

Van Goghs Bild, so lautete Heideggers Gedanke, holt in die »Unverborgenheit«, was von den Routinen des Alltag und dem Gebrauch der Dinge verdeckt wird. Es zeigt unseren verborgenen Bezug zur Erde und zur Welt, setzt die Wahrheit »ins Werk« und hält die Welt »offen«. Schönheit ist eine »Weise, wie Wahrheit west«.

Und doch – so eindrucksvoll Heideggers Deutung auch klang, nach den monströsen deutschen Großverbrechen und den technoiden Rasereien des Zweiten Weltkriegs klang seine Idyllenmalerei für viele Zeitgenossen ausgesprochen frivol. Es regte sich Widerstand, und den gewichtigsten Einspruch formulierte der amerikanische Kunsthistoriker Meyer Schapiro. Für ihn war Heideggers überzeitliche Deutung der Schuhe längst historisch geworden. In einem Aufsatz aus dem Jahr 1968 warf Meyer Schapiro (1904 bis 1996) dem Philosophen vor, das Malerische an der Malerei zu ignorieren und van Gogh als Vorwand für seine raunenden Fantasien zu missbrauchen, für das tremolierende »Pathos des Ursprünglichen und Bodenständigen«. Weihevoll, so Meyer Schapiro, lese Heidegger aus ein paar ausgelatschten Schuhen genau die dunkle Seinsphilosophie heraus, die er vorher stillschweigend, sozusagen auf leisen Sohlen, in sie hineingelegt habe. Auch in der Sache sei Heideggers Deutung falsch. Die Schuhe hätten nie einer Bäuerin gehört, sondern einem Städter, und sie seien imprägniert vom Leben ihres Malers - von der schwärenden Pilgersehnsucht des Vincent van Gogh.

Meyer Schapiros Angriff ließ wiederum den französischen Philosophen Jacques Derrida nicht ruhen. Derrida war kein Freund von schlichten Oppositionen, sein Genie bestand gerade darin, Gegensätze aufzulösen, zu dekonstruieren und zu unterlaufen. Derrida war überzeugt, die Wahrheit des Bildes liege nicht zwischen Heidegger oder Schapiro, sie liege jenseits beider Positionen. In einem langen und schwierigen Aufsatz suchte Derrida (1930 bis 2004) Mitte der siebziger Jahre eine Haltung, die das Kunstwerk ästhetisch ernst nehmen sollte – eben als Malerei und nicht als Bebilderung einer philosophischen oder kunstwissenschaftlichen Meinung. Und nebenbei fragte Derrida: Handelt es sich überhaupt um ein Paar Schuhe? Sind es nicht zwei linke Schuhe? Und warum sind sie unterschiedlich geschnürt?

Derridas Einmischung hatte den Streit über die Frage, was ein Kunstwerk »repräsentiert«, noch einmal aufs Neue entbrennen lassen. Zeigt ein Kunstwerk ein »Sein«, oder ist es bloß »Schein«? Oder ist es – eine »Erscheinung«? Worüber spricht das Unbestimmte eines Werkes, und was sehen wir im Unsichtbaren?

Der ewig neue Fortschritt lässt die alte Mühsal und Plackerei vergessen

In Köln bekommt der Zuschauer Gelegenheit, seine eigene Sehweise einem Buch anzuvertrauen, gleichsam als Fußnote zur Wirkungsgeschichte. Gewiss, Derridas »malerische« Lesart des Werks hat hier das letzte Wort, weil sie sogar ihren Widerspruch einbezieht und im Unendlichen aufzuheben sucht. Man kann sie nur bewundern, sie in Ehren halten – und eine neue Deutung versuchen. Und was sieht man auf van Goghs Bild? Man sieht, dass man dieses Schuhwerk heutzutage nicht mehr sieht. Van Goghs Schuhe bezeugen eine vorindustrielle Mühsal, eine unmenschliche Plackerei und Schufterei, die den Bewohnern der Hochzivilisation erspart bleibt. Genau diese alte Mühsal ist es, die der ewig neue Fortschritt verdeckt und vor den Augen seiner Nutznießer »verbirgt«. Van Goghs Bild dagegen setzt die vergessene Quälerei ins Bild und ruft sie ins Gedächtnis. Er bringt sie zur Erscheinung in einem ästhetisierten »Ding«, das man sonst umstandslos in den Müll befördern würde.

Ist das die Wahrheit? Nein, es ist eine mögliche Wahrheit, sonst wären van Goghs »Schuhe« ja keine Kunst.

Bis zum 10. Januar im Kölner Wallraf-Richartz-Museum. Der Katalog mit einem Essay von Geofffrey Batchen ist bei E. A. Seemann erschienen und kostet 9,90 €

 
Leser-Kommentare
    • revm
    • 29.09.2009 um 19:23 Uhr

    Es ist die Krux mit Heiddegger, dass er, sobald er seine theoretischen Erwägungen verlässt und aufs ästhetische Terrain überwechselt, bloß noch Quatsch schreibt. So ist es auch mit dem Bild van Goghs. Sein weihevolles Hohelied auf das einfache Leben der Bäuerin, in dem jeder Gegenstand, das Zeug um genauer zu sein, seinen Platz hat und dessen Verschleiß als Wahrheit des Zeugs van Gogh ins Bild setze, ist kaum erträglich. Simpelste Assoziationen, getarnt als vermeintlich phänomenologische Methode, überkreuzen sich mit Versatzstücken aus Heideggers "Sein und Zeit". Schlimmer wird's noch in den Aufsätzen zu Hölderlin. - Danke aber für den Verweis auf Derrida. Werde ich mir mal ansehen. An diesem kann man übrigens, wenn man die Interpretation zu Kafka sich anschaut, wie bei Heidegger und van Gogh oder bei Gadamer und Celan ebenso, gut nachvollziehen, welchen Schund Philosophen sich getrauen in die Welt zu setzen, wenn es um ästhetische Wahrheit geht.

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    • keox
    • 29.09.2009 um 20:35 Uhr

    aus dem Herzen

    Wenn Sie in die vor-heideggerische Diskussion über Kunst zurückschauen, werden Sie finden, dass Wahrheit nur für das wissenschaftlich Erfahrbare erserviert ist. In der Ästhetik gibt es keine Wahrheit, sondern nur eine subjektive Empfindung, sodass Kunstgegenstände von den einen für schön und dieselben von den anderen für nicht schön gehalten werden. Geschmacksache also. Nun mag sich der eine Kunstkritiker oder andere komplizierter oder sachbezogener auf ein Kunstwerk sich bezieht, aber eine ästhetische *Würdigung* bleibt Geschmacksache.
    Dann bahnt sich Heideggers Denken mit der phänomenologischen Bewegung anfang des 20 Jh.'s, wo eine komplett neue Methode des Denkens aufgestellt wird, die Dinge (die pragmata, griechisch) nicht nur wissenschaftlich zu betrachten, sondern vor allem sie aus ihrem alltäglichen Gebrauch her zu beschreiben und zu interpretieren. Nur weil es Husserl, Heidegger und andere Phänomenologen gab, kann heute von *ästhetischer Wahrheit* geredet werden. Wo Platon die Dichter aus seiner Idealpolis austreiben möchte, weil die Dichtung nur den Schein und nicht der Wahrheit verpflichtet ist, nimmt Heidegger die Kunst sehr ernst, sofern das Kunstwerk nicht blos eine Wahrheit "repräsentiert" oder dokumentiert (siehe die Interpretation des Autors dieses Artikels), sondern erstmal die Dimension der Wahrheit schafft und erblicken lässt. Heidegger nimmt Künstler als kreative Geister, Macher und Hersteller zugleich ernst.

    Es ist ein Missverständnis, Heidegger so zu deuten, dass alle Gegenstände Zeug seien. Auch die ästhetische Dimension in der Natur wird bei Heidegger ernst genommen. Die Gegenstände, sofern sie nicht auf ihre Verwendbarkeit hin interpretiert werden, sind nicht immer (wenngleich meistens) theoretische Gegenstände für wissenschaftliche Betrachtung und Erforschung, sondern können sie in ihrer nicht Verwendung eine ästhetische Bedeutung haben, z.B. Naturphänomene. Bei Heidegger heißt es in Sein und Zeit..

    "Natur darf aber hier nicht als das nur noch Vorhandene verstanden
    werden – auch nicht als Naturmacht. Der Wald ist Forst,
    der Berg Steinbruch, der Fluß Wasserkraft, der Wind ist Wind
    »in den Segeln«. Mit der entdeckten »Umwelt« begegnet die so
    entdeckte »Natur«. Von deren Seinsart als zuhandener kann
    abgesehen, sie selbst lediglich in ihrer puren Vorhandenheit entdeckt und bestimmt werden. Diesem Naturentdecken bleibt aber
    auch die Natur als das, was »webt und strebt«, uns überfällt, als
    Landschaft gefangen nimmt, verborgen. Die Pflanzen des Botanikers
    sind nicht Blumen am Rain, das geographisch fixierte »Entspringen« eines Flusses ist nicht die »Quelle im Grund«."

    (Heidegger: Sein und Zeit, Max Niemeyer Verlag, S. 70.)

    An Heidegger ärgert, dass
    seine Wortwahl so provinziell ist.
    Aber, was tun, wenn er so originell ist?

    • keox
    • 29.09.2009 um 20:35 Uhr

    aus dem Herzen

    Wenn Sie in die vor-heideggerische Diskussion über Kunst zurückschauen, werden Sie finden, dass Wahrheit nur für das wissenschaftlich Erfahrbare erserviert ist. In der Ästhetik gibt es keine Wahrheit, sondern nur eine subjektive Empfindung, sodass Kunstgegenstände von den einen für schön und dieselben von den anderen für nicht schön gehalten werden. Geschmacksache also. Nun mag sich der eine Kunstkritiker oder andere komplizierter oder sachbezogener auf ein Kunstwerk sich bezieht, aber eine ästhetische *Würdigung* bleibt Geschmacksache.
    Dann bahnt sich Heideggers Denken mit der phänomenologischen Bewegung anfang des 20 Jh.'s, wo eine komplett neue Methode des Denkens aufgestellt wird, die Dinge (die pragmata, griechisch) nicht nur wissenschaftlich zu betrachten, sondern vor allem sie aus ihrem alltäglichen Gebrauch her zu beschreiben und zu interpretieren. Nur weil es Husserl, Heidegger und andere Phänomenologen gab, kann heute von *ästhetischer Wahrheit* geredet werden. Wo Platon die Dichter aus seiner Idealpolis austreiben möchte, weil die Dichtung nur den Schein und nicht der Wahrheit verpflichtet ist, nimmt Heidegger die Kunst sehr ernst, sofern das Kunstwerk nicht blos eine Wahrheit "repräsentiert" oder dokumentiert (siehe die Interpretation des Autors dieses Artikels), sondern erstmal die Dimension der Wahrheit schafft und erblicken lässt. Heidegger nimmt Künstler als kreative Geister, Macher und Hersteller zugleich ernst.

    Es ist ein Missverständnis, Heidegger so zu deuten, dass alle Gegenstände Zeug seien. Auch die ästhetische Dimension in der Natur wird bei Heidegger ernst genommen. Die Gegenstände, sofern sie nicht auf ihre Verwendbarkeit hin interpretiert werden, sind nicht immer (wenngleich meistens) theoretische Gegenstände für wissenschaftliche Betrachtung und Erforschung, sondern können sie in ihrer nicht Verwendung eine ästhetische Bedeutung haben, z.B. Naturphänomene. Bei Heidegger heißt es in Sein und Zeit..

    "Natur darf aber hier nicht als das nur noch Vorhandene verstanden
    werden – auch nicht als Naturmacht. Der Wald ist Forst,
    der Berg Steinbruch, der Fluß Wasserkraft, der Wind ist Wind
    »in den Segeln«. Mit der entdeckten »Umwelt« begegnet die so
    entdeckte »Natur«. Von deren Seinsart als zuhandener kann
    abgesehen, sie selbst lediglich in ihrer puren Vorhandenheit entdeckt und bestimmt werden. Diesem Naturentdecken bleibt aber
    auch die Natur als das, was »webt und strebt«, uns überfällt, als
    Landschaft gefangen nimmt, verborgen. Die Pflanzen des Botanikers
    sind nicht Blumen am Rain, das geographisch fixierte »Entspringen« eines Flusses ist nicht die »Quelle im Grund«."

    (Heidegger: Sein und Zeit, Max Niemeyer Verlag, S. 70.)

    An Heidegger ärgert, dass
    seine Wortwahl so provinziell ist.
    Aber, was tun, wenn er so originell ist?

    • keox
    • 29.09.2009 um 20:35 Uhr

    aus dem Herzen

  1. Wenn Sie in die vor-heideggerische Diskussion über Kunst zurückschauen, werden Sie finden, dass Wahrheit nur für das wissenschaftlich Erfahrbare erserviert ist. In der Ästhetik gibt es keine Wahrheit, sondern nur eine subjektive Empfindung, sodass Kunstgegenstände von den einen für schön und dieselben von den anderen für nicht schön gehalten werden. Geschmacksache also. Nun mag sich der eine Kunstkritiker oder andere komplizierter oder sachbezogener auf ein Kunstwerk sich bezieht, aber eine ästhetische *Würdigung* bleibt Geschmacksache.
    Dann bahnt sich Heideggers Denken mit der phänomenologischen Bewegung anfang des 20 Jh.'s, wo eine komplett neue Methode des Denkens aufgestellt wird, die Dinge (die pragmata, griechisch) nicht nur wissenschaftlich zu betrachten, sondern vor allem sie aus ihrem alltäglichen Gebrauch her zu beschreiben und zu interpretieren. Nur weil es Husserl, Heidegger und andere Phänomenologen gab, kann heute von *ästhetischer Wahrheit* geredet werden. Wo Platon die Dichter aus seiner Idealpolis austreiben möchte, weil die Dichtung nur den Schein und nicht der Wahrheit verpflichtet ist, nimmt Heidegger die Kunst sehr ernst, sofern das Kunstwerk nicht blos eine Wahrheit "repräsentiert" oder dokumentiert (siehe die Interpretation des Autors dieses Artikels), sondern erstmal die Dimension der Wahrheit schafft und erblicken lässt. Heidegger nimmt Künstler als kreative Geister, Macher und Hersteller zugleich ernst.

  2. Es ist ein Missverständnis, Heidegger so zu deuten, dass alle Gegenstände Zeug seien. Auch die ästhetische Dimension in der Natur wird bei Heidegger ernst genommen. Die Gegenstände, sofern sie nicht auf ihre Verwendbarkeit hin interpretiert werden, sind nicht immer (wenngleich meistens) theoretische Gegenstände für wissenschaftliche Betrachtung und Erforschung, sondern können sie in ihrer nicht Verwendung eine ästhetische Bedeutung haben, z.B. Naturphänomene. Bei Heidegger heißt es in Sein und Zeit..

    "Natur darf aber hier nicht als das nur noch Vorhandene verstanden
    werden – auch nicht als Naturmacht. Der Wald ist Forst,
    der Berg Steinbruch, der Fluß Wasserkraft, der Wind ist Wind
    »in den Segeln«. Mit der entdeckten »Umwelt« begegnet die so
    entdeckte »Natur«. Von deren Seinsart als zuhandener kann
    abgesehen, sie selbst lediglich in ihrer puren Vorhandenheit entdeckt und bestimmt werden. Diesem Naturentdecken bleibt aber
    auch die Natur als das, was »webt und strebt«, uns überfällt, als
    Landschaft gefangen nimmt, verborgen. Die Pflanzen des Botanikers
    sind nicht Blumen am Rain, das geographisch fixierte »Entspringen« eines Flusses ist nicht die »Quelle im Grund«."

    (Heidegger: Sein und Zeit, Max Niemeyer Verlag, S. 70.)

    An Heidegger ärgert, dass
    seine Wortwahl so provinziell ist.
    Aber, was tun, wenn er so originell ist?

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    Seine Verschrobenheit nicht als Philosophie aufwerten, so originell ist es nicht, war er nie; außerdem lohnt es zu wissenschaftlichen und weniger poetischen Philosophen zu wechseln. Andernfalls interpretiert man in diese Verschrobenheit wie in jedes missverständliche Medium - Bibel - alles Erdenkliche hinein: am Ende schreiben Sie noch ein Buch darüber und dieses Massenmedium rezensiert es.

    Seine Verschrobenheit nicht als Philosophie aufwerten, so originell ist es nicht, war er nie; außerdem lohnt es zu wissenschaftlichen und weniger poetischen Philosophen zu wechseln. Andernfalls interpretiert man in diese Verschrobenheit wie in jedes missverständliche Medium - Bibel - alles Erdenkliche hinein: am Ende schreiben Sie noch ein Buch darüber und dieses Massenmedium rezensiert es.

  3. Seine Verschrobenheit nicht als Philosophie aufwerten, so originell ist es nicht, war er nie; außerdem lohnt es zu wissenschaftlichen und weniger poetischen Philosophen zu wechseln. Andernfalls interpretiert man in diese Verschrobenheit wie in jedes missverständliche Medium - Bibel - alles Erdenkliche hinein: am Ende schreiben Sie noch ein Buch darüber und dieses Massenmedium rezensiert es.

    Antwort auf "Ad "Sein und Zeit""
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    philosophischen Beschäftigung, wie auch das Mittel. Philosophie ist ein vollständiges Ganzes. Es *lohnt* sich überhaupt nicht zu philosophieren; man philosophiert oder man philosophiert nicht. Ich rede hier nicht über die akademischen Philosophen, die sich vor Geldgebern und Steuerzahlern rechtfertigen müssen, und sich als nützliche Werkzeuge zeigen müssen. Ich meine, Philosophie, und darüber hinaus nichts.

    Was die "wissenschaftlichen Philosophen" angeht, die aus der Philosophie eine Grammatik zu machen versuchten, also meine ich die Vertreter der analytischen Philosophie, deren Ursprung bei Rudolf Carnap und dem Wiener Kreis liegt, so sagte der heutige Hauptvertreter dieser Philosophie, John Searle, vor zehn Jahre folgendes:

    A generation ago it was widely believed that we had at last discovered, through the efforts of Wittgenstein, Austin and other "linguistic philosophers”, systematic methods for solving philosophical questions, and it seemed to some philosophers that we might be able to solve all the questions within a few lifetimes. Austin, for example, believed that there were about a thousand philosophical questions left, and with systematic research, we should be able to solve all of them. I do not think anyone believes that today.
    (Searle, J. R.: The future of philosophy. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. B (1999) 354, London, S. 2069-2080.)

    Soweit die Confessionen der wissenschaftlichen Philosophen.

    philosophischen Beschäftigung, wie auch das Mittel. Philosophie ist ein vollständiges Ganzes. Es *lohnt* sich überhaupt nicht zu philosophieren; man philosophiert oder man philosophiert nicht. Ich rede hier nicht über die akademischen Philosophen, die sich vor Geldgebern und Steuerzahlern rechtfertigen müssen, und sich als nützliche Werkzeuge zeigen müssen. Ich meine, Philosophie, und darüber hinaus nichts.

    Was die "wissenschaftlichen Philosophen" angeht, die aus der Philosophie eine Grammatik zu machen versuchten, also meine ich die Vertreter der analytischen Philosophie, deren Ursprung bei Rudolf Carnap und dem Wiener Kreis liegt, so sagte der heutige Hauptvertreter dieser Philosophie, John Searle, vor zehn Jahre folgendes:

    A generation ago it was widely believed that we had at last discovered, through the efforts of Wittgenstein, Austin and other "linguistic philosophers”, systematic methods for solving philosophical questions, and it seemed to some philosophers that we might be able to solve all the questions within a few lifetimes. Austin, for example, believed that there were about a thousand philosophical questions left, and with systematic research, we should be able to solve all of them. I do not think anyone believes that today.
    (Searle, J. R.: The future of philosophy. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. B (1999) 354, London, S. 2069-2080.)

    Soweit die Confessionen der wissenschaftlichen Philosophen.

  4. philosophischen Beschäftigung, wie auch das Mittel. Philosophie ist ein vollständiges Ganzes. Es *lohnt* sich überhaupt nicht zu philosophieren; man philosophiert oder man philosophiert nicht. Ich rede hier nicht über die akademischen Philosophen, die sich vor Geldgebern und Steuerzahlern rechtfertigen müssen, und sich als nützliche Werkzeuge zeigen müssen. Ich meine, Philosophie, und darüber hinaus nichts.

    Was die "wissenschaftlichen Philosophen" angeht, die aus der Philosophie eine Grammatik zu machen versuchten, also meine ich die Vertreter der analytischen Philosophie, deren Ursprung bei Rudolf Carnap und dem Wiener Kreis liegt, so sagte der heutige Hauptvertreter dieser Philosophie, John Searle, vor zehn Jahre folgendes:

    A generation ago it was widely believed that we had at last discovered, through the efforts of Wittgenstein, Austin and other "linguistic philosophers”, systematic methods for solving philosophical questions, and it seemed to some philosophers that we might be able to solve all the questions within a few lifetimes. Austin, for example, believed that there were about a thousand philosophical questions left, and with systematic research, we should be able to solve all of them. I do not think anyone believes that today.
    (Searle, J. R.: The future of philosophy. In: Philosophical Transactions of the Royal Society. B (1999) 354, London, S. 2069-2080.)

    Soweit die Confessionen der wissenschaftlichen Philosophen.

  5. Hoffnung schöpfen ist für mich ein Sinn der Philosophie. Gute Gefühle bekommen auch. Negatives vergessen. Im Schönen versinken und vor dem Hässlichen keine Angst haben. Schwierige Texte verstehen und verdeutlichen - die Aufgabe des Hermeneuten. Dem alltäglichen Leben gewachsen sein. Freude am Lesen und am Leben entwickeln.

    Da hilft es nicht wenn man nur die schnöde Realität sieht. Die Realität der Schreie in Fussballstadien. Die Realität überlauter Popkonzerte. Die Realität der Unruhe und der Hektik.

  6. Als Künstlerin (Malerei, Objekte) ist mir das ganze prätentiöse philosophische Reden zuwider. Ich schließe mich Rilke an mit "ich fürchte mich so vor der Menschen Wort":
    "Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
    Die Dinge singen hör ich so gern.
    Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
    Ihr bringt mir alle die Dinge um."

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