Personenrätsel Lebensgeschichte

Viele Dichter haben ihre Stadt besungen, doch als er damit anfing, horchte man auf. Was für ein Ton! So atemlos-zärtlich und zugleich schonungslos bitter hatte noch keiner der »schillernden Stadt« ein Denkmal gesetzt, diesem lauten, urbanen »Knäuel aus Fantasien und Lügen, Trugbildern und Täuschungen«. Binnen Kurzem rutschte sein Erstling auf die Bestsellerlisten, und er war nach Jahrzehnten als Journalist zum Homme de Lettres geworden. Freilich sollten ihm nur noch fünf Jahre zum Schreiben bleiben, dann riss ihn der Krebs aus dem Leben, und ein Sohn verlor zu früh den Vater.

Die Liebe zur Literatur hatte er als Kind entdeckt, all den »Reichtum an Gedanken und Bildern in den Romanen«, obwohl ihm das nicht in die Wiege gelegt worden war. Sein Vater, ein Italiener, arbeitete in den Nächten als Barkeeper, seine Mutter verdiente den Lebensunterhalt an der Nähmaschine. Mehrfach wechselte die Familie die Adresse auf der Flucht vor dem Gerichtsvollzieher, dann fand der Junge ein paar Tage Unterschlupf bei der Oma. Ihr Wohnviertel wurde so zu seiner Heimat. »Für mich ist das ein wichtiger Ort, weil hier meine Großmutter wohnte, meine Cousins, ich spielte immer in diesem Viertel. Von hier aus gingen wir zum Schwimmen an den Hafen.«

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Später erinnerte er sich: »Das Leben hier hat meine Schriftstellerei ausgelöst… Als ich eines Tages … (zurück)kam, war ein ganzer Teil meiner Kindheit und Jugend weg, weil der Straßenzug niedergerissen worden war. Mein erster Roman fängt deshalb hier an, zwanzig Jahre später, als nur noch die Hälfte der Straße existiert.«

Dabei verzichtete sein Debüt auf den sonst üblichen nostalgisch gefärbten Blick. Stattdessen las man über das Leben, wie es für die meisten Menschen eben ist: mit Licht und Schatten, Widerständen und Widersprüchen, erfüllten oder zerplatzten Träumen und den kleinen Alltagsfreuden. Die familiäre Atmosphäre in den Restaurants, die Musik, der Wein, das Essen – etwa »eine Portion Ravioli mit Olivenpüree … oder ein paar Tintenfischringe mit Petersilie«. Und man las über das, was sich hinter der Fassade oft auch verbirgt: eine sinnlos brutale Bereitschaft zum Töten.

Den klaren Blick auf die Realität hatte er früh geschult. In den Elendsgebieten der Welt hatte er sich als junger Mann umgesehen, bis Äthiopien war er gereist, bevor er in seine Heimatstadt zurückkehrte und bei der Presse landete. Er sei bei denen, »die nichts als ihre Hände haben, um sich zu ernähren«, bekannte er. Ein Erbe seiner Kindheit wie die Nähe zum Meer, die ihn und sein Werk geprägt hat: der Rhythmus der Wellen, der Blick ins Blau und – das Licht. »Man wird diese Stadt nie verstehen, wenn man das Licht nicht kennt«, sagte er. »Im Licht ist sie greifbar, sogar in den Stunden, wenn die Luft brennt … und einen zwingt, die Augen niederzuschlagen.« Wer war’s?

Lösung aus Nr. 39:
Yves Saint Laurent (1936 bis 2008) stammte aus Algerien. 1958 wurde er als Nachfolger von Christian Dior berühmt, 1961 gründete er mit Pierre Bergé sein eigenes Couture-Haus. 1971 warb er mit seinem Nacktporträt für den Herrenduft YSL und verkündete das Ende der Couture. Zu seiner Clique gehörten Paloma Picasso, Catherine Deneuve, Andy Warhol und Rudolf Nurejew. Er war drogenabhängig, seit er während des Militärdienstes nach einem Nervenzusammenbruch in die Psychiatrie gekommen war

 
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