Frank-Walter Steinmeier Er hört die Signale
Vorerst möchte er im Bund keine rot-rote Koalition, aber mittelfristig setzt er auf die Vereinigung von SPD und Linkspartei. Mutmaßungen über den Parteistrategen Frank-Walter Steinmeier
© Andreas Rentz/Getty Images

Eine Autogrammkarte von SPD-Kandidat Frank-Walter Steinmeier
Warum, um Himmels willen, hat der Mann so gute Laune? Nicht erst seit dem Duell, seit Wochen schon. Früher musste man Frank-Walter Steinmeier bei Interviews jedes Wort einzeln mit dem Korkenzieher aus dem Mund drehen, heute sprudelt er. Nahezu. Geschauspielert kann seine Laune kaum sein, schauspielern kann er nämlich nicht so gut. Dass er sich große Hoffnungen auf den kommenden Sonntag macht, darf man ebenfalls ausschließen. Der Kandidat wird nicht Kanzler, davon geht er wohl selbst aus. Und seine Partei dürfte kein allzu gutes Ergebnis erreichen im Moment lautet die unter Sozialdemokraten am meisten genannte Prozentzahl: 28. Immerhin besser als bei der Europawahl, aber schlechter als bei jeder Bundestagswahl vorher.
Warum also ist er so guter Dinge?
Der Grund dafür liegt weit jenseits des 27. September. Wenn wir ihn richtig verstehen, dann hat Steinmeier eine Vision, die Lösung für das Problem, das die SPD seit Jahren quält – das Abschmelzen der Wähler und die Abspaltung der Linkspartei.
Seine Taktik: Hinwendung zur Linken; sein strategisches Ziel: Vereinigung; der Hauptakteur: er.
Zwei Entwicklungen haben ihn an diesen Punkt gebracht, eine politische und eine persönliche.
Politisch hat die SPD in den letzten Jahren alles ausprobiert, um den Aderlass an die Linkspartei und den raschen Machtverlust aufzuhalten. Mit Stigmatisierungen, Koalitionen, Absagen an Koalitionen, mit einem Ja im Osten, einem Nein im Westen, einem Ja im Land, einem Nein im Bund und so weiter und so fort. Geholfen hat alles nichts. Etwas ganz Neues muss beginnen.
- 140 Jahre SPD
In ihrer 140-jährigen Geschichte hat sich die SPD immer wieder gespalten und wiedervereinigt. 1917 gründen enttäuschte Sozialdemokraten die radikale USPD, nachdem die SPD-Reichstagsfraktion mehrheitlich für Kriegskredite gestimmt hat. Fünf Jahre später zerfällt die USPD: Die meisten gehen zur KPD, der Rest kehrt zur SPD zurück.
- 1945/46
Nach der Verfolgung durch die Nazis und dem Zweiten Weltkrieg muss sich die SPD 1945 neu aufbauen: im Westen unter Kurt Schumacher in Hannover, im russisch besetzten Osten unter Aufsicht der Sowjets. Während Schumacher einen strikt antikommunistischen Kurs fährt, sieht die Ost-SPD die KPD anfangs als Partner einer »antifaschistischen Einheit«. Zur Zwangsvereinigung kommt es auf Druck der KPD und ihrer sowjetischen Unterstützer, die Sozialdemokraten als »Verräter der Arbeiterklasse« diffamieren und verfolgen lassen. Beim Vereinigungsparteitag von SPD und KPD im April 1946 verkündet Walter Ulbricht: »Mit dem heutigen Tage gibt es keine Sozialdemokraten und keine Kommunisten mehr, mit dem heutigen Tage gibt es nur noch Sozialisten.« Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ist geboren.
- Grundwerte-Papier
-
Die SPD im Westen schwankt zwischen Ablehnung und Annäherung. 1987 veröffentlicht sie mit der SED ein umstrittenes Grundwerte-Papier, in dem sich »beide auf das humanistische Erbe Europas berufen«. Rückblickend erklärt die SPD, sie habe die SED damals »ernster genommen, als sie, von heute aus gesehen, zu nehmen war«.
Im Geheimen, in einem Pfarrhaus im brandenburgischen Schwante, gründet sich 1989 die Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP). Nachdem die West-SPD anfangs kühl auf die Neulinge reagiert, fusionieren SPD und SDP ein Jahr später auf dem Vereinigungskongress in Berlin. »Wir sind wirklich eine neue Partei«, erklärt Wolfgang Thierse dort, »eine Partei des Anfangs, was auch heißt: von Anfängern.« Eines der Grundprinzipien: SEDler werden nicht aufgenommen. Zu tief sitzt das Trauma der DDR-Zeit.
- Linkspartei
2005 verliert Schröders Agenda-SPD verbitterte Mitglieder an die neu formierte Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit (WASG). Unter Führung des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine verschmilzt die WASG 2007 mit der SED-Nachfolgepartei PDS zur Linkspartei. Auf dem Gründungsparteitag betont Lafontaine ihr sozialdemokratisches Erbe, nennt Willy Brandt eine Leitfigur.
- Koalitionen
Inzwischen hat es rot-rote oder rot-rot-grüne Landesregierungen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gegeben. Sondierungsgespräche zwischen SPD, Linken und Grünen laufen derzeit in Thüringen und im Saarland – ein Trend, der sich in Zukunft verstärken wird. Zwischen 2009 und 2013 könnten SPD und Linke in immer mehr Bundesländern miteinander regieren. Der nächste Bundestagswahlkampf 2013 wird eine neue Option beinhalten: Rot-Rot-Grün.
Persönlich hat sich Steinmeier in rasantem Tempo verändert. Zunächst, im Jahre 2005, wurde er vom Beamten zum Politiker und Außenminister. Vor gut einem Jahr dann sah er sich genötigt, mit anderen zusammen Kurt Beck zu stürzen und selbst in die Rolle des Kanzlerkandidaten zu schlüpfen. Doch holte er Franz Müntefering für die Partei und den Wahlkampf, auch deshalb, weil er sich diese Machtseite der Politik noch nicht zutraute. Dann stellte er zu seinem eigenen Schrecken fest, dass Münte nicht mehr Münte kann, dass das Schicksal der SPD nun an ihm, Steinmeier, hängt.
Unbeachtet von der Öffentlichkeit, verwandelte er sich im Kopf immer mehr zum Parteipolitiker, sein Ziel ist nicht wirklich das Kanzleramt, sondern der Parteivorsitz, egal, ob die SPD noch mal mit der Union koaliert oder ob sie in die Opposition muss. Deswegen verdirbt ihm die Bundestagswahl auch nicht die Laune, ein nichtkatastrophales Ergebnis einmal vorausgesetzt.
Beide Entwicklungen, die politische im Verhältnis zur Linkspartei und die persönliche im Verhältnis zu Müntefering, kulminieren nun in seinem Plan. Denn so wie Müntefering die Öffnung gegenüber der Linken betrieben hat, funktioniert es nicht: Koalitionen in den Ländern anstreben, aber dabei weiterhin den eigenen Ekel gegenüber der Lafontaine-Partei zur Schau stellen. So erweckte die SPD von sich aus den Eindruck, als handle es sich um schmutzige Bündnisse, und vergraulte damit die eigenen Wähler. Beispiel Hessen.
Schlimmer noch und strategisch bedeutsamer ist die Wirkung dieser Ekel-Strategie auf die Linkspartei. Denn natürlich stärkt die Sozialdemokratie auf diese Weise die dortigen Trotzkräfte, jene, die auf maximale Abgrenzung zur Sozialdemokratie setzen. Die Ätsch-SPD schaffte sich die Bätsch-Linke. Ungewollt machte Müntefering den Fundamentalismus sozusagen zur Parteiräson der Linken.
Wenn die SPD auf die Linke zugeht, wird die realpolitischer
So wurden innerhalb der Linken über Jahre hinweg künstliche radikale Mehrheiten produziert, gestützt übrigens auf einen ebenso künstlichen Verteilungsschlüssel innerhalb der Partei. Denn um die Vereinigung der numerisch kleinen, politisch radikalen WASG aus dem Westen mit der ungleich größeren, realpolitischen PDS im Osten zu bewerkstelligen, wurden die Kleineren satzungsmäßig bevorteilt. WASGler stellen nun überproportional viele Delegierte, doch die Regelung gilt nur bis Mai nächsten Jahres. Dann hat der Osten wieder die Mehrheit.
Dies und die geänderte Strategie der Steinmeier-SPD ließen dann die realen Kräfteverhältnisse in der Linken lebendig werden. Realos eben. Steinmeier selbst formulierte vor Kurzem in einem Interview mit der ZEIT, etwas verklausuliert, seine Überlegungen: »Manche aus der alten PDS im Osten sind in ihren Positionen wahrscheinlich näher bei der SPD als die Linkspartei-Fundis im Westen der Republik.« Steinmeier will mit seiner Öffnung und mit seiner Respekt-Strategie den Realismus zur Parteiräson der Linken machen.
Eine andere Bemerkung aus dem Interview zeigt, wie die weitere Annäherung zwischen seiner Partei und Linkspartei verlaufen könnte. Auf die Frage, ob die SPD bei dieser Bundestagswahl zum letzten Mal mit eingeschränkten Koalitionsoptionen antreten werde, sagt er: »Das hängt weniger von der SPD als von der Entwicklung in anderen Parteien ab.«
Das bekommt man in Steinmeiers Umfeld und bei anderen führenden Sozialdemokraten noch klarer: Nie wieder Tabu, das sagen sie ohne jedes Zögern.
Es wird also in den nächsten Jahren oft, vor oder nach Wahlen, zu rot-roten Verabredungen und Koalitionen kommen. Und die zentrale Erfahrung, die beide Parteien dabei machen, ist die ihrer Ähnlichkeit. Das Sondierungsgespräch zwischen Heiko Maas und Oskar Lafontaine im Saarland dauerte nur knapp zwei Stunden. Hinterher wurde verlautbart, ein zweites Treffen werde es angesichts der großen inhaltlichen Übereinstimmung nicht geben.
Dass es in Thüringen viel schlechter läuft, spricht nicht gegen die Konsenserfahrung in der Sache. Der Konflikt zwischen Christoph Matschie und Bodo Ramelow rührt allein daher, dass der schwächere Partner das Amt des Ministerpräsidenten beansprucht, mit dem kaum verhüllten Argument, die Linke sei eben eine vorbestrafte Schmuddelpartei und müsse dafür büßen. Auch dieses Verhalten erinnert an die überkommene Müntefering-Strategie. Doch so wird es nicht noch einmal kommen.
Nun behauptet die SPD-Führung stets, eine Koalition mit der Linken im Bund sei aus inhaltlichen Gründen ausgeschlossen. Das ist zumindest übertrieben. Längst hat die Gradualisierung scheinbar fundamentaler Differenzen begonnen. Zum Thema sofortiger Abzug aus Afghanistan sagte Lafontaine zuletzt: »Sofort heißt natürlich nicht kopflos. Das Parlament müsste entscheiden, dann müsste die Regierung mit den Partnern über die Modalitäten des Abzugs verhandeln.« Mit anderen Worten: Sofort heißt natürlich nicht sofort. Der Rest wäre Verhandlungssache.
Ähnlich verhält es sich mit der Abschaffung von Hartz IV. Dem könnte die SPD niemals zustimmen, aus Überzeugung und weil sie sonst das Gesicht verliert. Aber mit der Abmilderung der Hartz-Gesetze hat sie schon längst begonnen. Bei der Gewichtung programmatischer Unterschiede zwischen beiden Parteien darf eines nicht vergessen werden: Die SPD war in den letzten Jahren unnormal rechts, die Linken waren unnormal links. Das wird sich ändern.
Die Angst der einen und die Scham der anderen bringen beide zusammen
Wenn die beiden Parteien demnächst immer mehr Näheerfahrungen machen, dann steht über kurz oder lang auch die Vereinigung zur Debatte. Denn anders als die Grünen, deren Weltbild sich von der Ökologie her formt, sind die Linken tatsächlich »Fleisch vom Fleische der SPD« (Steinmeier). Dass es sie überhaupt in Parteiform gibt, hängt zum einen mit der Ost-West-Spaltung der Republik zusammen, die sich allerdings zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer relativiert hat. Zum anderen mit einer Spaltung des linken Lagers, die freilich keinen Sinn ergibt. Schließlich wollen nicht die einen Reformen und die anderen die Revolution. Vielmehr wollen die einen mehr soziale Gerechtigkeit. Und die anderen noch mehr.
Zudem wirken in beiden Parteien gewaltige Kräfte auf Vereinigung hin: bei der SPD die Angst, bei der Linken die Scham. Die Sozialdemokratie fürchtet, ihren Status als Volkspartei zu verlieren. Und das ist für die stolze alte Dame nicht bloß eine Frage von mehr oder weniger Macht, es ist eine existenzielle. Wenn die SPD den Anspruch aufgibt, das Ganze von Staat und Gesellschaft zu vertreten, dann verkommt sie zu einer Klientelpartei und verliert ihre Würde.
Die Linke wiederum, genauer die PDS, ist sich – weit mehr, als sie es zugibt – ihrer eigenen krummen Vergangenheit bewusst, auch ihrer falschen Kompromisse damit. Das zeigt beispielsweise die Bereitwilligkeit, mit der sich Bodo Ramelow von der SPD und den Grünen in Thüringen die Bedingungen diktieren lässt. Für die Ex-SED wäre die Verselbstverständlichung rot-roter Koalitionen und erst recht eine Fusion die ultimative Rehabilitierung.
Spätestens hier fangen auch die erheblichen Probleme dieser ganzen Annäherung an. Beide Parteien stehen schließlich knietief in der Geschichte, auch in einer Geschichte miteinander.
Wer mit den Betreibern rot-roter Perspektiven spricht, landet sogleich im Jahre 1917. Damals spaltete sich die radikale USPD von der SPD ab und paktierte mit dem Spartakusbund im Kampf für eine Räterepublik. Die USPD wurde zum politischen Gegner ihrer einstigen Mutterpartei; die Zersplitterung der Linken trug indirekt zum Sieg der Nazis bei. Dann fällt im Gespräch rasch das Datum 1946, als SED und SPD in der DDR zwangsvereinigt wurden. Darüber wird in den nächsten Jahren unter Genossen noch mal zu reden sein.
Doch vor allem das Jahr 1989 könnte zu einem echten Problem für die beiden Parteien werden – und zu einer Chance. Am 7. Oktober gründete sich in Schwante bei Berlin die SDP, eine Gruppe von Bürgerrechtlern, deren Ziel es war, Ost-SPD zu werden und sich gewissermaßen zwischen die SPD und die zerfallende SED zu stellen.
Seinerzeit konnte die CDU die Blockflöten aufnehmen, nicht aber die SPD geläuterte SEDler. Die West-SPD hätte das damals moralisch nicht überlebt. Zu sehr hatte sie sich in den Jahren zuvor mit dem SED-Staat abgefunden, bis hin zu dem zweifelhaften, gemeinsam mit dem DDR-Regime formulierten Grundwerte-Papier im Jahr 1987.
Diese Selbstvergiftungsgefahr besteht heute kaum noch, im Gegenteil: Wenn die Fusion von SPD und Linken nicht als rein machtpolitischer Akt behandelt wird, dann könnte sogar eine historische Reinigung dabei herauskommen.
Ehrliche Vergangenheitsdebatten müssten auch noch mal stattfinden, denn sonst verlöre die SPD in der Wiederannäherung zur PDS zu viele Mitglieder und Wähler, die hüben oder drüben gegen den Kommunismus gekämpft oder sich zumindest über diesen Kampf definiert haben.
Schon wegen der Gefahr einer Desintegration der rechten SPD (West) und der Bürgerrechtler-SPD (Ost) ist völlig klar, dass eine Annäherung von Sozialdemokraten und Linken nur von einem rechten SPD-Mann vorangetrieben werden kann, eben von Frank-Walter Steinmeier. Doch auch mit Blick auf die Zukunft hat ja ein rot-rot-grünes Bündnis nur Aussicht auf Macht, wenn es nicht von einem angeführt wird, der selbst als Rot-Roter gilt wie Klaus Wowereit oder als etwas unzuverlässig wie Sigmar Gabriel. Die Brücke zur gesellschaftlichen Mitte zu schlagen, das ist für Rot-Rot-Grün entscheidend.
Der Rest sind Details, wichtige, interessante, pikante. Wenn etwa die SPD in einer Großen Koalition landet, was wird das ändern? Nicht so viel, wie man denkt. Selbst eingefleischte Regierungs-Sozis sagen heute ganz trocken, dass in dem Fall selbstverständlich ordentlich regiert würde – und dass ebenso selbstverständlich der Wahlkampf weiterginge.
Nein, die Große Koalition wäre für die SPD in den nächsten Jahren der Nebenschauplatz, die Partei die Hauptsache. Weswegen Steinmeier dahin gehen wird, wo das Herz schlägt. Daneben müsste, so malt man sich das aus, Hans-Jochen Vogel zu einer Art Zeremonienmeister der Vereinigung bestellt werden, ein unverdächtiger, weiser Mann mit großer Autorität bis tief ins bürgerliche Lager hinein.
Und, noch so ein Detail, was macht Lafontaine dabei? Man kann lange darüber philosophieren und psychologisieren, ob bei ihm das Rachebedürfnis oder die Versöhnungsbereitschaft größer ist. Doch sind die politischen Kräfte, die SPD und Linke aufeinander zutreiben lassen, größer als er. Lafontaine wird die Sache mitgestalten, oder er wird zur Seite treten. Oder erst das eine, dann das andere. Ankommen wird es auf ihn nicht.
Nicht zuletzt, schließlich sind wir kurz vor einer Wahl, muss noch darüber geredet werden, ob Steinmeier seine rot-roten Pläne verfolgen kann, ohne sein Versprechen zu brechen, sich in der nächsten Legislaturperiode nicht von den Linken zum Bundeskanzler wählen zu lassen. Er wird Wort halten. Zum einen, weil er, soweit ersichtlich, ein anständiger Kerl ist. Zum anderen, weil das strategische Ziel zu wichtig ist, um es mit dem Makel des Wortbruchs zu gefährden. Als Ferdinand Lassalle gestartet, als Andrea Ypsilanti gelandet – diese politische Flugbahn wird er vermeiden wollen.
Kann das alles gelingen? Möglich ist es. Und wenn es dann in einigen Jahren, sagen wir, in sechs, einen Vereinigungsparteitag zur New SPD geben wird, wo sollte der dann stattfinden? In Bad Godesberg am besten, unter dem Banner von Herbert Wehner. Der würde sich darüber freuen.
Mitarbeit: Khuê Pham
- Datum 25.09.2009 - 09:29 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.09.2009 Nr. 40
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so einen Artikel kann nur jemand schreiben, der noch nie in einem SPD-Ortsverein in Brandenburg, in Potsdam, in Eisenhüttenstadt, in Darmstadt u n d noch nie in einer Sitzung der LINKEN in Frankfurt/Oder,Berlin-Lichtenberg, Berlin-Hellersdorf, Eberswalde, Letschin etc. gewesen ist.
Ich empfehle 1 Jahr einen Selbstversuch!!!
Ob es wünschenswert ist oder nicht sei einmal dahingestellt: Zwischen den Zeilen gelesen, hat Steinmeier eine linke Koalition nicht ausgeschlossen.
Nur mal so als Denkanstoß:
Zwar bemüht Steinmeier sich zu sagen, Rot-Rot-Grün sein keine Option. Doch am Tag, als die FDP die Ampel ausschloß sagten Müntefering und Steinmeier in zwei Interviews übereinstimmend (ich zitiere zwar aus dem Kopf aber in etwa wörtlich):
- "Koalitionsaussagen und Absichtserklärungen sind doch spätestenst am Sonntag um 18.01 nichts mehr Wert."
- "Auch ein Guido Westerwelle wird sich dem Wählervotum beugen müssen."
Während die erste Aussage eindeutig ist, kann man in die zweite ("Auch") schonmal das etwaige Credo herauslesen ("Ich habe immer gesagt das an erster Stelle der Wählerwille...").
Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass dieser Artikel auch, unter einem entsprechenden Pseudonym natürlich, von einem aus dem SPD-Präsisium hätte geschrieben sein können.
In jedem Fall werden so ziemlich alle Positionen geräumt, die das Regierungshandeln der letzten 11 Jahre ausgemacht haben. Wenn man sich davon aber komplett verabschieden will, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten.
Entweder man setzt gemeinsam mit Linken populistische Forderungen in Gestze um und riskiert damit einen Rückfall in den "Reformstau" der letzten Kohl-Jahre.
Oder man verzichtet konsequent auf Regierungsverantwortung und kann gegen Realpolitiker der anderen Parteien die reine Lehre aufrecht erhalten.
Wie man allerdings bei einer Fusion von SPD und Linken auf den Begriff "New SPD" kommt, ist mir schleierhaft, oder war etwa die Nähe zum Begriff "New Labour" eher zufällig? Denn programmatisch hat beides nicht, aber auch gar nichts gemeinsam.
Schöner Artikel!
Eine Vereinigung könnte zu einer lange vermissten Vision für die Zukunft Deutschlands führen, welche so lange schon vermisst wird. Vielleicht bekommen wir dann die Chance, nicht mehr Büroleiter zu wählen, sondern Politiker mit IDEEN!!!
Es stimmt zwar, dass der PDS-Anteil der Linken rechter ist als die West-Linke, aber die PDS hat sich auch immer über ein ambivalentes Verhältnis zur DDR definiert.
Die meißten Ex-DDR-Bürger unterschreiben den Satz, "Manches war besser, anderes war schlechter". Eine generelle Verteufelung der DDR ist mit der PDS-Basis nicht zu machen. Das die Wiedervereinigung immer noch nicht abgeschlossen ist kann man auch an der Verachtung sehen, die die immer noch westlich dominierten Eliten dem "anderen Deutschland" entgegenbringen. Wenn die SPD die PDS-Teile der Linken integrieren will kommt sie um ein anderes Verhältnis zur DDR nicht herum.
Leute die mit der SPD wegen der Agenda 2010 gebrochen haben werden sich nicht durch minimale Änderungen an der neoliberalen Schröder-Linie wieder einfangen lassen. Ich bin "West-Linker", habe die Linke diesmal schon gewählt (Briefwahl), aber sollte die Linke plötzlich zu einer Partei werden die den neoliberalen Geist der Agenda 2010 und "regime change" Kriege unterstützt ist sie meine Stimme ganz schnell wieder los.
Eine Vereinigung der "Roten" unter den Bedingungen der Seeheimer wird es nicht geben. Ich meine den Parteispitzen (die ja auch bei der Linken korrupt sind) traue ich alles zu, aber die Wähler werden da nicht mitgehen.
Eine Spaltung in "Sozialdemokraten" und "Sozialisten" ist in vielen Europäischen Ländern Normalität und ich glaube, dass diese Spaltung auch in Deutschland bestand haben wird.
Vielleicht sollte irgendjemand die SPD gelegentlich an das Zitat von Kurt Schumacher erinnern: "Kommunisten sind nur rotlackierte Faschisten". Oder darf man das schon nicht mehr?
Natürlich darf man das, wenn es Kommunisten wären. Sozialisten und Kommunisten sind nicht das Gleiche. Nicht jeder, der den Kapitalismus einschränken oder abschaffen will, ist ein Kommunist.
Vielleicht nochmal nachdenken, bevor du so plakative Äußerungen von dir gibst. Sein Zitat war auf die KPD bezogen, und kann ja wohl nicht einfach mal so auf die heutige LINKE übertragen werden.
Natürlich darf man das, wenn es Kommunisten wären. Sozialisten und Kommunisten sind nicht das Gleiche. Nicht jeder, der den Kapitalismus einschränken oder abschaffen will, ist ein Kommunist.
Vielleicht nochmal nachdenken, bevor du so plakative Äußerungen von dir gibst. Sein Zitat war auf die KPD bezogen, und kann ja wohl nicht einfach mal so auf die heutige LINKE übertragen werden.
Natürlich darf man das, wenn es Kommunisten wären. Sozialisten und Kommunisten sind nicht das Gleiche. Nicht jeder, der den Kapitalismus einschränken oder abschaffen will, ist ein Kommunist.
Vielleicht nochmal nachdenken, bevor du so plakative Äußerungen von dir gibst. Sein Zitat war auf die KPD bezogen, und kann ja wohl nicht einfach mal so auf die heutige LINKE übertragen werden.
Wenn Sie mit Sozialismus nicht gerade "soziale Demokratie" meinen, ein anderes Wort für "Sozialdemokratie", dann bezeichnet der Begriff Sozialismus den Prozess mit dem Ziel des Kommunismus. Wenn Sie das gut finden, dann schämen Sie sich doch nicht, sondern stehen Sie dazu - aber diese ständigen "Kommunismus: Nein, Sozialismus: Ja"-Beteuerungen sind doch Selbstverleugnung.
Wenn Sie mit Sozialismus nicht gerade "soziale Demokratie" meinen, ein anderes Wort für "Sozialdemokratie", dann bezeichnet der Begriff Sozialismus den Prozess mit dem Ziel des Kommunismus. Wenn Sie das gut finden, dann schämen Sie sich doch nicht, sondern stehen Sie dazu - aber diese ständigen "Kommunismus: Nein, Sozialismus: Ja"-Beteuerungen sind doch Selbstverleugnung.
Wenn Sie mit Sozialismus nicht gerade "soziale Demokratie" meinen, ein anderes Wort für "Sozialdemokratie", dann bezeichnet der Begriff Sozialismus den Prozess mit dem Ziel des Kommunismus. Wenn Sie das gut finden, dann schämen Sie sich doch nicht, sondern stehen Sie dazu - aber diese ständigen "Kommunismus: Nein, Sozialismus: Ja"-Beteuerungen sind doch Selbstverleugnung.
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