Der Bischof steckt im Stau – eigentlich sollte er den internationalen Orgelwettbewerb mit einer eigenen Komposition eröffnen. Ein Organist springt ein und wird, kaum dass er tiefe Töne anschlägt, von einer herabsausenden Orgelpfeife erschlagen. Dies sorgt im Kloster für große Verwirrung, der Abt eilt zur Totenandacht, die im Dialekt nasennuschelnden Darsteller huschen in ihre Mönchszellen. Kommissar Eisner hat gerade noch das Gesäß der Sekretärin beglotzt, jetzt brütet er über den Blutflecken auf dem Notenblatt. Erkennt er ein Zeichen? Nein, aber das macht nichts, denn er lässt sich alles erklären. Die alte Orgel wurde nicht renoviert, weil das Geld fehlte. Die jungen Orgelmusiker sind einsam, weil jeder dem anderen sein Talent neidet. Die Musikanten nehmen an diesem Wettbewerb teil, weil der Preisträger 20.000 Euro und eine Konzertreise durch halb Europa gewinnt. Schön, denken wir, aber könnte der Herr Kommissar mal damit aufhören, fast jede Frau lasziv anzugrinsen? Eisner ist aber eben ein Kerl, also greift er nach der Hand der Professorin und lässt sich die Zimmer ihrer Schützlinge zeigen. Sie hält ihre Schüler für gut bis sehr gut und den Professor von der konkurrierenden Musikhochschule für einen Pädagogenkasperl. Der Professor sagt, sie habe sich hochgeschlafen und ihre Studenten spielten bestenfalls passable Hausmusik.

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Eisner lauscht heimlich einem Streit zwischen dem Abt und dem Bischof; der eine versteckt sich hinter dicken Klostermauern, um Gott zu dienen; den anderen kümmert allein das Heil der brasilianischen Straßenkinder. Nanu, denken wir, Seine Exzellenz, der Bischof, sieht aus wie ein viriler Tennislehrer. Und tatsächlich, er hat in seiner profanen Zeit Rosalie den Kopf verdreht, jener Rosalie, die der Abt heiraten wollte. Nun aber streiten die hohen Geistlichen darüber, welchen Weg Jesus gewiesen habe. Aha, wir verstehen: Überall wird ein Wettstreit ausgetragen, und die Menschen sind elende Neider. Eisner schleicht herum und stellt Fragen – er ist recht stinkig ob der Mordlust des Meuchlers. Ein zweiter Organist stirbt, weil er vom vergifteten Kakao des Bischofs getrunken hat. Wer ist das Schwein im Gotteshaus? Wer Disteln sät, wird Dornen ernten, sagt der Abt und steckt die Hände in die Ärmel seiner Kutte. Das bringt uns nicht weiter, wir stecken alle fest: der Zuschauer, der Kommissar, die talentierten Organisten.

Schließlich löst der Mörder den Fall, er hält ein Referat über sein Innenleben und über die smarten Musikanten von säuischem Charakter. Und während er referiert, erwarten wir, dass Eisner sich auf die Stirn klatscht und ausruft: Ja, Herrgottsakrament, darauf hätte ich doch kommen müssen! Ist er aber nicht, und da es ihm die Laune vermiest, dass ihm lauter Referenten die Arbeit abnehmen, steigt er in den Wagen. Und fährt wahrscheinlich zu der Sekretärin, auf dass der Anblick ihres Gesäßes den Tag erhelle. Wir schalten traurig den Fernseher aus – aus Rache werden wir mindestens sieben Tage kein Orgelkonzert besuchen.

ORF, Sonntag, 20.15 Uhr (Wdh.)