Regierungswechsel Ein komisches GefühlSeite 3/3

Viel wichtiger ist doch die Frage, ob Deutschland seine relativ vernünftige und, wie man früher sagte, fortschrittliche Rolle in der internationalen Klimapolitik nun ausbaut oder zurücknimmt. Wird Schwarz-Gelb noch mehr Rücksicht auf die deutschen Energieriesen nehmen als die SPD, oder wird die neue Koalition ihnen an das Monopol gehen? Nicht beim Kündigungsschutz oder bei den Sozialleistungen, aber auf anderen Feldern darf man doch hoffen, dass Schwarz-Gelb ein bisschen marktradikaler wird.

Die langen Phasen repressiven Schweigens müssen nun aufhören

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Bei all dem kommt es auf die Kanzlerin an. Überhaupt kommt es sehr auf sie an. Sie hat jetzt tatsächlich eine Richtlinienkompetenz. Schreck, lass nach! Sie muss jetzt können!

Guido Westerwelle hat ein gutes Ergebnis erzielt. Aber er ist der deutlich kleinere Partner, und er hat keine Koalitionsalternative. Und er muss, anders als vorher Frank-Walter Steinmeier, nicht ums Kanzleramt konkurrieren.

All das bietet der Kanzlerin die Möglichkeit, die Mitte und die Themen zu definieren. Angela Merkel hat schon angekündigt, sie wolle bleiben, wie sie ist. Das ist zur einen Hälfte beruhigend und zur anderen eine Drohung. Denn sie war bisher eine halbierte Kanzlerin, sie war darum – hoffentlich nur darum – oft zu blass, sie wartete manchmal zu lange ab, sie gab zu wenig vor. Am Grundmuster ihrer Politik – eine lernende Kanzlerin in einer lernenden Gesellschaft – muss sich nichts ändern. Aber die langen Phasen repressiven Schweigens, ihre Weigerung, wenn schon nicht Reden zu halten, so doch zumindest Stichworte zu geben, all das kann nun aufhören.

Vielleicht war es ungerecht, von ihr zu verlangen, dass ihr Denken und ihr Reden weiter reichen solle als ihre Macht. Aber dann muss sich ihr Reden und Denken jetzt spürbar ausdehnen, weil ihre Macht größer ist als je zuvor. In der Koalition, weil die FDP nicht die SPD ist. Und in der eigenen Partei, weil die mürbe gewordenen Ministerpräsidenten keine Gefahr mehr darstellen und die CSU machtpolitisch ihrer wahren Größe entgegenschrumpft – 6,5 Prozent.

Klima, Bildung, Afghanistan, Integration, Arbeit von morgen – es gibt viel zu besprechen in diesem Land, wir warten auf Vorschläge aus dem Kanzleramt.

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Leser-Kommentare
  1. Nach einem, ich nenne es mal vorsichtig "lahmen" Wahlkampf steht die Entscheidung fest. Es wird eine Legislaturperiode einer Schwarz-Gelben Koalition. War das aber nicht zu erwarten? Es gab zwei sichtbare Möglichkeiten!Eine davon war eine Schwarz-Rote Koalition. Wie zu erwarten ehr unwarscheinlich, denn diese zwei waren gezwungener Maßen "Regierungsfreunde". Bleibt also noch eine weitere Möglichkeit: Schwarz-Gelb eben,den wem war es nicht eine Schlussfolgerung des Verstandes, dass es zu keiner Ampelkoalition kommen würde.Dafür fehlten eben wenige Sitze! Umso mehr heißt es nun aus diesem Wahlkampf klare Linien zu ziehen und nicht so lapidar und unbestimmt daher zu reden, wie bereits geschehen. Eine große Herausforderung wartet auf diese beiden Partner. Wünschen wir ihnen das sie ihren Versprechungen und den damit verbundenen Wählern gerecht werden.

    • klaemi
    • 02.10.2009 um 5:55 Uhr
    2.

    Der Autor irrt, wenn er schreibt, die "angeblich so angstbesetzten Deutschen" hätten "ausgerechnet in der tiefsten Wirtschaftskrise seit dem Krieg diejenigen gewählt", "die eher auf den Markt setzen, die weniger Sicherheiten versprechen". Gerade einmal 34,33% der Wahlberechtigten haben sich für die sich anbahnende Koalition entschieden, 19,03 für die CDU, 10,16 für die FDP, 5,14 für die CSU. Daß Koalitionspolitiker den Eindruck zu erwecken versuchen, von der Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung legitimiert zu sein, ist ja - wenn auch unredlich - noch verständlich, daß Journalisten diese Täuschung auch noch unterstützen, nicht.

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