Archäologie Kultivierte ErobererSeite 5/5
Mit einer logistischen Meisterleistung setzten sie über. Es war nicht, wie Historienmaler später fantasierten, eine martialische Elitetruppe in Kriegskähnen nach Wikingerart. Vielmehr segelte, auf Frachter gepackt, eine bunte Schar von mindestens 50000 auswanderungswilligen Vandalen, Alanen, Sueben und Westgoten über die Meerenge. Darunter waren Frauen, Kinder, Greise und 15000 Krieger. Außerdem 5000 Pferde. Die Nussschalen, die Geiserichs Leute zu diesem Zweck gechartert (oder geraubt) hatten, wurden nur zwischenzeitlich zweckentfremdet. Danach dienten sie wieder dem Transport von Olivenöl, Getreide und Keramik.
Zehn Jahre später eroberten die Vandalen Karthago und herrschten dort bis 534. Die Karlsruher Ausstellung beschränkt sich nicht auf diese Zeitspanne. Sie beleuchtet die ganze spätrömische, frühchristliche Epoche in Nordafrika. Da wird sichtbar, dass die Regentschaft der Vandalen die architektonische Entwicklung nicht etwa gebremst hat. Die Ankömmlinge hatten einfach auf höchstem – römischem – Niveau weitergemacht.
Als neue Elite fühlten sie sich nicht gedrängt, der Opulenz ihrer Vorgänger Bescheidenheit folgen zu lassen. Sie übernahmen gerne deren Immobilien und Ländereien samt Pächtern und Sklaven. Ihre Landschaftsgärtner legten »mit Bäumen reich bestandene Lustgärten« (Prokop) an. Sie veranstalteten Wagenrennen und Konzerte und ließen, wie zuvor die Römer, in Mosaiken ihre neu gewonnene Leidenschaft in Szene setzen: die Jagd.
Doch auch das harmlose Luxusleben bescherte den Vandalen einen schlechten Ruf. War zwischenzeitlich der Kirchenschriftsteller Salvianus noch zur Einsicht gelangt, sie seien trotz »Irrglaubens« ein tugendhaftes Gegenbild der lasterhaften Römer, beschrieb Prokiopos von Caesarea die Vandalen gegen Ende ihrer Herrschaft als verweichlicht und dekadent. Hier Vereinnahmung, dort Verleumdung – beim heterogenen »Volk« der Vandalen läuft jede Verallgemeinerung ins Leere. Schon die Vorstellung, dass es sich um eine kulturell überschaubare Gruppe gehandelt haben könnte, ist abwegig. In den Anfängen der Völkerwanderungszeit, sagt Siebenmorgen, »stauten sich die Stämme am römischen Limes zu locker zusammengewürfelten Gruppen«. Die wurden zu einem Verbund, deren Individuen in den seltensten Fällen einer Ethnie zugeordnet werden konnten.
So zog ein polyglotter, teilgermanischer Trupp nach Afrika, um sich in den dortigen Verhältnissen einzuleben. Als aber im 6. Jahrhundert an den südlichen und westlichen Rändern dieses Reichs vermehrt die Mauren nagten und schließlich die Oströmer mit 500 Schiffen eintrafen, endete das vandalische Experiment. Der letzte König, Gelimer, zog sich noch ins Gebirge zurück und dachte über einen Guerillakrieg (mit Unterstützung der Mauren) nach. Vergebens. Belisar schickte ihn nach Kleinasien in den Ruhestand, die überlebenden Soldaten verfrachtete er als Kriegsgefangene nach Konstantinopel und gliederte sie in sein Heer ein, wo sich ihre Spur verliert. »Ihre zurückgelassenen Frauen«, berichtet Castritius, »schlossen mit Soldaten des Invasionsheeres den Ehebund.« Ihren Landbesitz brachten die Frauen »als Mitgift in diese Ehen ein«. Der Rest der vandalischen Bevölkerung lebte weiter und ging im Genpool Nordafrikas auf.
Mit der Sprache war es bald schon bergab gegangen. Erst redeten die meisten Einwanderer noch in einer dem Gotischen verwandten Sprache – aber kaum in Afrika, legten sie sich als Lateinschüler ins Zeug. Kein vandalisches Textdokument ist erhalten, immerhin aber 140 Namen. Da diese, wie die gotischen, aus zwei Wortstämmen bestehen, haben ein paar semantische Sprengsel überlebt: Ari-fridos heißt Heer-Friede, Guilia-runa Wille-Geheimnis, Vili-mut Wille-Mut.
Als letztes Zeugnis ihres Glaubens sind zwei Wörter geblieben, der einzige vollständig erhaltene vandalische Satz: »Froia arme!« Eine verzweifelte Formel, immerhin, hat den Untergang der Vandalen überdauert: »Herr, erbarme dich!«
- Datum 02.10.2009 - 15:31 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
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Das kommt davon, wenn man nur den christlich- europäischen Kontext im Blick hat, wie es beim Verfasser des Artikels der Fall zu sein scheint. Er zitiert auch noch den allerletzten katholisch- frühmittelaterlichen Scheiberling aus irgendwelchen Provinzstädten rund ums Mittelmeer. Nicht eigefallen oder nicht bekannt ist ihm aber, dass in der gesamten muslimischen Welt der Name der Vandalen weiterlebt in Verbindung mit dem Landstrich, den Muslime (zu echt oder zu Unrecht, aber jedenfalls) assoziieren mit einer Hochblüte ihrer Kultur und Zivilisation, nämlich Andalusien in Südspanien, das der Verfasser nicht namentlich erwähnt, aber dazu bemerkt, die Vandalen hätten dort "bewegte Jahre" verbracht, bevor sie nach Nordafrika übersetzten.
Vielleicht hölt er (V)Andalusien" auch für eine nicht erwähnenswerte Volksetymologie, oder ihr Makel ist einfach, dass keine der frühmittelalterlichen christlich- polemischen Quellen sie erwähnt. Diese romtreiuen Schreiberlinge ergehen sich mit ähnlicher Liebe für maßlos hasstriefende Polemik über ihre ariansh- unitarischen Mitchristen wie später über die muslimischen Eroberer, deren Glaube in Vielem auf dem unitarischen Christentum aufbaut und diesem wie auch dem Judentum viel näher steht als dessen heute leider vorherrschender trinitarischer Ausprägung. Dennoch sind es in erster Linie solche Quellen, auf denen die vermeintlich vernichtende Islamkritik des Althistorikers Egon Flaig beruht.
Wahrscheinlich nur ene Frage der Zeit, bis diese politisch motivierten Polemiken wider die Muslime genauso relativiert werden wie dies gerade mit der Abstempelung der Vandalen ans Ausgeburt des Bösen geschieht.
Aber es geht ja um die Wahrnehmung, die Assoziationen, die mit dem Namen verbunden sind. Und die sind bei (V)Andalusien vorhanden, und sie sind eindeutig positiv.
"Diese aus heutiger Sicht lächerlichen Nuancen im Gottesverständnis" ... Ich habe das Gefuehl, der Papst sieht das anders.
"...dass in der gesamten muslimischen Welt der Name der Vandalen weiterlebt in Verbindung mit dem Landstrich, den Muslime (zu echt oder zu Unrecht, aber jedenfalls) assoziieren mit einer Hochblüte ihrer Kultur und Zivilisation..."
Mir erschliesst sich nicht der Zusammenhang zwischen Moslems und Vandalen in Andalusien. Waren die V. vorher da? Während der M. Herrschaft? Welchen Einfluß hatten die Vandalen in Andalusien worauf und wo ist das in der muslimischen Welt dokumentiert?
Es gab viele s.g. "Boosporen" oder "Ochsenfuhrte" - Margiana, Kimmeria (deutsch - "Kimme", als "Rand", oder "Horizont" bei den Fliegern oder bei den Seeleuten), Livonia (engl. "liev" oder "khasar" judisch), spaeter "hansa" (ghilda) - militerische Korporation, also - "Philadelphila". Das waren s.g. "Handelsoede" nicht "Wueste", sondern "Freie Zoonen" fuer den Handel(vadhalen)unter Schutz der Militaerleuten (Kosaken, Hetten usw.). Deshalb hiessen sie "Vandalen".
Das ist wichtig um zu verstehen vorum es geht.
Es war so.
Sachsen - von dem Lateinischen "saxe" - Fels
Silesien - von dem Latainischen "silex" - Feuerstein.
So kriegen wir Feuerzeug, von dem "Brandenburg" angezuendet wird.
Also, die "deutschen" zuenden den "Polar-Stern" (Odygitria) an.
Davon - von "deuten" (wie "be-deuten")- werden die "Deutschen" genant.
Nicht von einem "grosch" wie ich gelesen habe.
Also, alteurropaesche "gher-" heisst "brennen" und "Germania" heisst "Agnieland" (Agnie - Goetin des Feuers), Flammenland, Ardoland oder "Pyro-land". So ist es auch mit dem "Vandalen" (Lousera - die Goetin der Lousitanen - Vandalen - Serben - Bosnien - Sloboda - alle diese Benennungen bedeuten "frei" - van, vanesco/
Sprachliche Völkerwanderung? Oder sprachlicher Vandalismus?
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