Archäologie
Kultivierte Eroberer
Von wegen destruktiv! Die Vandalen setzten im Jahr 429 nach Afrika über und pflegten dort die römische Kultur, statt sie zu zerstören. Nun legen Archäologen das erstaunliche Erbe frei.

Im Jahr 429 setzten die Vandalen nach Afrika über. Diese freie Interpretation eines Historienbildes aus dem 19. Jahrhundert zeigt Geiserich, den König der Vandalen, auf seiner Reise
Als der oströmische General Belisar im Jahr 534 Karthago zurückeroberte, kam er rechtzeitig zum Essen. Er drang, berichtet der Augenzeuge Prokop, in den Palast ein und stieß im königlichen Speisesaal auf eine frisch gedeckte Tafel. Der feindliche Regent war geflohen – die Köstlichkeiten aber hatte er stehen lassen: Vor Belisar und seinen Kriegern türmten sich typisch römisch-mediterrane Gerichte.
Nicht eine kulinarische Spur verwies darauf, dass hier ein anderer Menschenschlag gewohnt haben könnte als vornehme Römer. Kein Indiz für die angeblich kulturlosen Horden, die von hier aus ein Jahrhundert lang ein mächtiges Reich regiert hatten – jene Germanen mit dem miserabelsten Ruf aller antiken Völker: die Vandalen.
Von der vermeintlichen Kulturlosigkeit dieser Barbaren – so nannten die Römer jeden ohne griechisch-römische Bildung – war in Karthago weit und breit nichts zu sehen. Das Volk aus Mitteleuropa, stellten Belisar und seine Soldaten überrascht fest, hatte den römischen Lebensstil verinnerlicht. Weit und breit weder Haferbrei noch Schwarzwurzeleintopf mit gepökeltem Schweinefleisch. Die Vandalen ernährten sich offensichtlich zu hundert Prozent typisch römisch: Oliven, Sardinen, Feigen. Ja, sie würzten sogar Salziges wie Süßes mit der berüchtigten Sauce aus vergammeltem Fisch, Garum. Auch Trinkbecher, Fruchtschalen, die Mosaike kamen den Rückeroberern so durch und durch römisch vor, dass sie sich wie zu Hause fühlten. Sie setzten sich zu Tisch.
104 Jahre Imperium – dann verschwand das Volk aus Germanien spurlos. Heute kennen die meisten nur ihren Namen, der in fast allen europäischen Sprachen zum Synonym geworden ist für Menschen mit Zerstörungswut. Haben Radikale randaliert, sind U-Bahn-Scheiben zerkratzt, Luxuskarossen abgefackelt, Hauswände besprayt worden, waren »Vandalen« am Werk.
- Echnatonismus
Als Synonym für blindwütige Zerstörung hätte man wohl besser den Begriff »Echnatonismus« geprägt. Denn um 1350 vor Christus zerstörte Pharao Echnaton aus religiöser Überzeugung die Heiligtümer von Amun-Re und wütete dabei so, wie man es heute gern den Vandalen zuschreibt. Doch die Wortschöpfung Vandalismus ist nun einmal seit dem 18. Jahrhundert in der Welt und lässt sich nicht mehr aus derselben schaffen. In seinem Buch »Vandalismus: Gewalt gegen Kultur« definiert der Althistoriker Alexander Demandt den Begriff Vandalismus als Kampf gegen Träger der Erinnerung, Produkte des Kunstsinns und Objekte des Denkens und Glaubens.
- Geschichte
Insbesondere der Monotheismus hat Intoleranz und damit Vandalismus befördert. Echnaton verehrte Aton, der keinen neben sich duldete. Dieses Muster setzt sich in den biblischen Kämpfen fort. Die Israeliten rannten gegen die Denkmäler der Kanaaniter an: »Zerstöret alle Orte, da die Heiden, die ihr vertreiben werdet, ihren Göttern gedient haben (…), reißt ihre Altäre um, und zerbrecht ihre Säulen, und verbrennt mit Feuer ihre Haine, und die Bilder ihrer Götter zerschlagt, und vertilgt ihren Namen!«, heißt es im 5. Buch Mose. Auch das Wüten spanischer Konquistadoren in Amerika verdient die Bezeichnung Vandalismus. Beispiele im 20. Jahrhundert sind Mao Tse-tungs Kulturrevolution, die Zerstörung der Buddhastatuen von Bamian durch die Taliban oder die systematische Entfernung von Kulturdenkmälern aus »feudalistischer, kapitalistischer und nationalsozialistischer Zeit« in der DDR.
- Sinnlose Gewalt
In der Gegenwart gilt jegliche Form sinnloser Gewalt oder das Abreagieren von Wut im öffentlichen Raum als Vandalismus: die Zerstörung von Bushaltestellen, Autos oder Grünanlagen, das Zerkratzen von Fensterscheiben oder das Auskippen von Müllcontainern. Selbst mit dem illegalen Sprayen von Graffiti kann man sich heute den Ruf eines Vandalen erwerben.
Doch Archäologen und Historiker skizzieren mit ihren jüngsten Forschungen ein anderes Bild von dem angeblich so verruchten Volk. Die Vandalen passten sich klug ihrer Umgebung an, regierten als Staatengründer mit politischem Fingerspitzengefühl und besaßen sehr wohl einen Sinn für Kunst. »Vor wenigen Jahren noch datierten Experten alle in Tunesien gefundenen Mosaike entweder in die vorvandalische oder in die nachvandalische Zeit«, sagt Philipp von Rummel vom Deutschen Archäologischen Institut in Rom. Den Barbaren traute man höhere Fertigkeiten und Kunstsachverstand einfach nicht zu. Heute weiß man: Sogar Meisterwerke wie die Dame von Karthago entstanden im regum vandalorum .
Als die Oströmer (aus Konstantinopel kommend) ihrem so verhassten Gegner in Nordafrika schließlich 534 den Garaus machten, eroberten sie im Grunde genommen eine unversehrte römische Stadt. Nichts in Karthago wies auf eine destruktive Veranlagung der Exherrscher hin. Überall standen römische Villen. Das Vandalenreich, stellt von Rummel fest, sei »im Grunde eine kleine Kopie des Römischen Reiches« gewesen.
Ausgerechnet die Vandalen hausten wie die Römer! Selten klaffen, wenn es um ein untergegangenes Volk geht, Vorstellung und Wahrheit so weit auseinander wie im Fall der Vandalen. Tatsächlich weiß man wenig über diese Barbaren aus dem Norden. Und was man zu wissen glaubt, ist meist falsch.
- Datum 2.10.2009 - 14:31 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
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Das kommt davon, wenn man nur den christlich- europäischen Kontext im Blick hat, wie es beim Verfasser des Artikels der Fall zu sein scheint. Er zitiert auch noch den allerletzten katholisch- frühmittelaterlichen Scheiberling aus irgendwelchen Provinzstädten rund ums Mittelmeer. Nicht eigefallen oder nicht bekannt ist ihm aber, dass in der gesamten muslimischen Welt der Name der Vandalen weiterlebt in Verbindung mit dem Landstrich, den Muslime (zu echt oder zu Unrecht, aber jedenfalls) assoziieren mit einer Hochblüte ihrer Kultur und Zivilisation, nämlich Andalusien in Südspanien, das der Verfasser nicht namentlich erwähnt, aber dazu bemerkt, die Vandalen hätten dort "bewegte Jahre" verbracht, bevor sie nach Nordafrika übersetzten.
Vielleicht hölt er (V)Andalusien" auch für eine nicht erwähnenswerte Volksetymologie, oder ihr Makel ist einfach, dass keine der frühmittelalterlichen christlich- polemischen Quellen sie erwähnt. Diese romtreiuen Schreiberlinge ergehen sich mit ähnlicher Liebe für maßlos hasstriefende Polemik über ihre ariansh- unitarischen Mitchristen wie später über die muslimischen Eroberer, deren Glaube in Vielem auf dem unitarischen Christentum aufbaut und diesem wie auch dem Judentum viel näher steht als dessen heute leider vorherrschender trinitarischer Ausprägung. Dennoch sind es in erster Linie solche Quellen, auf denen die vermeintlich vernichtende Islamkritik des Althistorikers Egon Flaig beruht.
Wahrscheinlich nur ene Frage der Zeit, bis diese politisch motivierten Polemiken wider die Muslime genauso relativiert werden wie dies gerade mit der Abstempelung der Vandalen ans Ausgeburt des Bösen geschieht.
Aber es geht ja um die Wahrnehmung, die Assoziationen, die mit dem Namen verbunden sind. Und die sind bei (V)Andalusien vorhanden, und sie sind eindeutig positiv.
"Diese aus heutiger Sicht lächerlichen Nuancen im Gottesverständnis" ... Ich habe das Gefuehl, der Papst sieht das anders.
"...dass in der gesamten muslimischen Welt der Name der Vandalen weiterlebt in Verbindung mit dem Landstrich, den Muslime (zu echt oder zu Unrecht, aber jedenfalls) assoziieren mit einer Hochblüte ihrer Kultur und Zivilisation..."
Mir erschliesst sich nicht der Zusammenhang zwischen Moslems und Vandalen in Andalusien. Waren die V. vorher da? Während der M. Herrschaft? Welchen Einfluß hatten die Vandalen in Andalusien worauf und wo ist das in der muslimischen Welt dokumentiert?
Es gab viele s.g. "Boosporen" oder "Ochsenfuhrte" - Margiana, Kimmeria (deutsch - "Kimme", als "Rand", oder "Horizont" bei den Fliegern oder bei den Seeleuten), Livonia (engl. "liev" oder "khasar" judisch), spaeter "hansa" (ghilda) - militerische Korporation, also - "Philadelphila". Das waren s.g. "Handelsoede" nicht "Wueste", sondern "Freie Zoonen" fuer den Handel(vadhalen)unter Schutz der Militaerleuten (Kosaken, Hetten usw.). Deshalb hiessen sie "Vandalen".
Das ist wichtig um zu verstehen vorum es geht.
Es war so.
Sachsen - von dem Lateinischen "saxe" - Fels
Silesien - von dem Latainischen "silex" - Feuerstein.
So kriegen wir Feuerzeug, von dem "Brandenburg" angezuendet wird.
Also, die "deutschen" zuenden den "Polar-Stern" (Odygitria) an.
Davon - von "deuten" (wie "be-deuten")- werden die "Deutschen" genant.
Nicht von einem "grosch" wie ich gelesen habe.
Also, alteurropaesche "gher-" heisst "brennen" und "Germania" heisst "Agnieland" (Agnie - Goetin des Feuers), Flammenland, Ardoland oder "Pyro-land". So ist es auch mit dem "Vandalen" (Lousera - die Goetin der Lousitanen - Vandalen - Serben - Bosnien - Sloboda - alle diese Benennungen bedeuten "frei" - van, vanesco/
Sprachliche Völkerwanderung? Oder sprachlicher Vandalismus?
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