Praktikum So geht’s
Zehn Tipps für das Praktikum
© Peter Macdiarmid/Getty Images

Wie schreibt man einen Lebenslauf richtig? Zum Glück gibt es zahlreiche Trainings, bei denen man lernen kann, worauf es ankommt
1 Wie finde ich das richtige Praktikum?
"Die Suche ist schon Teil des Praktikums", sagt Andreas Eimer vom Career Service der Universität Münster. Wer sich selbst darum kümmert, lernt bereits sehr viel. Denn vor der Bewerbung steht die persönliche Orientierung, sich zu überlegen, was man will und kann. Dann gilt es, den dazu passenden Arbeitgeber zu finden, der tatsächlich Einsatzmöglichkeiten für Praktikanten hat. Mit einer realistischen Einschätzung der eigenen Voraussetzungen vermeide man es, zum Kaffeemaschinenbediener zu werden, sagt Jürgen Albers vom Career Center der FH Hamm: "Oft ist es besser, nicht zu BMW oder zu Scholz & Friends zu gehen, sondern eine Hausnummer kleiner anzufangen." Unternehmen, die nicht jeder kennt, werden nicht mit Bewerbungen überflutet und geben Praktikanten oft mehr Verantwortung.
2 Wie bewerbe ich mich?
Unternehmen, die infrage kommen, finden sich neben dem Internet auch über Berufs- und Fachverbände und in den Online-Firmenverzeichnissen der Industrie- und Handelskammern. Auch die Stellenanzeigen der Tageszeitungen liefern Hinweise, ebenso wie die Ausbildungsplatzbörse der Arbeitsagenturen. Dann sollte man sich bei ein paar Firmen gezielt bewerben, statt zwei Dutzend Blindbewerbungen zu verschicken. "Praktikumsstellen werden nicht ausgeschrieben, sondern oft nur deswegen vergeben, weil der Bewerber den Arbeitgeber überzeugt", sagt Eimer. Gerade als Abiturient hat man noch nicht so viele Möglichkeiten, sich von anderen abzuheben, daher: sauberes Papier, keine Tippfehler, keine Klappmappen oder Hefter, unterschreiben nicht vergessen und nicht rauchen beim Fertigstellen – das riecht der Personaler. Im Anschreiben sollten drei Fragen beantwortet werden: Wer bin ich? Was will ich in der Firma? Und warum will ich gerade zu dieser Firma? Auf der Homepage des Unternehmens finden sich in den Pressemitteilungen gute Hinweise für die Beantwortung.
3 Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Praktikum?
Auch wenn ein Praktikum vor dem Studium nicht Pflicht ist, kann es direkt nach dem Abi durchaus hilfreich sein. Es dient dazu, sich zu orientieren und zu prüfen, ob die Fachrichtung hält, was man sich von ihr verspricht. Wer sich da sicher ist, für den ist ein Praktikum nach zwei, drei Semestern sinnvoller, weil er bereits Wissen aus dem Studium mitbringt und das Praktikum helfen kann, künftige Schwerpunkte festzulegen. Viele Bachelorstudiengänge sehen auch bereits Praktika oder Praxissemester fest vor.
4 Wie lange sollte es dauern?
Wer wirklich etwas lernen möchte, sollte wenigstens sechs Wochen hospitieren. Es dauert schon zwei, drei Wochen, bis der Neuling die Kollegen kennt und sich im Computersystem zurechtfindet. Erst dann kann der Arbeitgeber mehr mit seinem Praktikanten anfangen, als ihn nur zuschauen zu lassen. Länger als ein halbes Jahr darf ein Praktikum aber nicht dauern, sonst muss man sich und seinen Chef fragen, ob man nicht nur eine billige Arbeitskraft ist. "Ein Praktikum ist eine Mischform aus Lernen und Mitarbeiten – nach sechs Monaten kippt diese Balance zugunsten der Mitarbeit, das ist dann kein Praktikum mehr", sagt Andreas Eimer vom Career Service.
5 Wie viele Praktika sollten im Lebenslauf stehen?
Dass verschulte Bachelorstudiengänge zwischen Prüfungsvorbereitungen und Seminararbeiten nicht allzu viel Zeit lassen, muss kein Nachteil sein. "In den alten Studiengängen hat es teils eine Inflation gegeben", sagt Eimer, "da haben die Leute sechs, acht, zehn Praktika nach dem Trial-and-Error-Verfahren aneinandergereiht." Jetzt seien Vorbereitung und Reflexion der eigenen Erwartungen wichtiger. Dadurch erhöhe sich die Chance auf eine positive Praktikumserfahrung. Zudem kommt eine lange Reihe von Praktika auch bei potenziellen Arbeitgebern nicht so gut an – im schlimmsten Fall ziehen sie den Schluss, dass der Kandidat nirgendwo überzeugt hat. Ein Richtwert sind drei, vier Praktika, aber wichtig ist vor allem, dass sie einen roten Faden im Lebenslauf erkennen lassen.
6 Es geht los – was sollte ich am ersten Tag beachten?
Damit der erste Eindruck stimmt, sollte man schon bei vorangehenden Telefonaten auf den Stil der Firma achten und beim Bewerbungsgespräch auf den Dresscode. Gibt es keinen Besuch vorher, liefern Fotos auf der Website Hinweise auf die Kleiderordnung. "Im Zweifel lieber zu formell als zu wenig", rät Albers. An der zukünftigen Wirkungsstätte grüßt der Praktikant als Rangniederer zuerst, aber wartet, bis der Chef ihm die Hand zum Schütteln entgegenstreckt. Und: Auch wenn sich alle anderen duzen oder die Kollegen nur ein paar Jahre älter sind, siezt sie der Praktikant, bis ihm das Du angeboten wird.
7 Wie trete ich als Praktikant auf?
"Neugierde öffnet einem alle Türen", sagt Eimer. Also deutlich machen, dass man lernen will, aber es nicht einfordern, sondern durch Interesse signalisieren. Sich möglichst reibungslos ins Team einfügen, sich zu Wort melden und eine eigene Meinung vertreten. Trotzdem darf sich der Praktikant nicht zu schade sein, Kaffee zu kochen oder auch mal eine halbe Stunde am Kopierer zu stehen. "Nicht gleich versuchen, den Vogel abzuschießen, und sich selbst nicht so wichtig nehmen", rät Albers.
8 Ich stehe nur am Kopierer – wie komme ich aus der Handlanger- Falle raus?
Gerade bei größeren Unternehmen und längeren Praktika können Aufgaben schon vorher in einem Praktikumsplan oder vertrag festgelegt werden. Später sollte man klarmachen, dass man richtig arbeiten will – oft merken die Kollegen gar nicht, dass man unterfordert ist. Wer nach einer Weile die Arbeitsabläufe kennt, kann direkt nach bestimmten Aufgaben fragen – dann hat man auch eine gute Entschuldigung, wenn einen jemand mit Botendiensten beauftragen will. Wer trotzdem mit den Arbeiten abgespeist wird, die sonst keiner machen will, sollte Einspruch erheben. Aufgabe eines Praktikums ist es, praktische Erfahrungen zu vermitteln, und darauf hat man Anspruch. "Selbst wenn man kreuzunglücklich ist, sollte man nicht aufgeben und nur seine Zeit absitzen, sondern das offene Gespräch suchen", sagt Albers. Wenn sich nach zwei Wochen immer noch nichts geändert hat, ist es besser, das Praktikum abzubrechen.
9 Wie umgehe ich Fettnäpfchen?
Es gibt nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bundesweit mehr als 600.000 Praktikanten. Wer nicht untergehen will, sollte einige Grundregeln beachten. "Der größte Fehler ist, zu erwarten, dass der Arbeitgeber den Tisch deckt und ich nur essen muss – man hat selbst großen Anteil an der Gestaltung des Praktikums", sagt Eimer. Ansonsten: pünktlich sein und nicht um Punkt 17 Uhr zusammenpacken, nur weil der Tischnachbar heimgeht; Fragen stellen, aber die Kollegen in Ruhe lassen, wenn in einer halben Stunde die Präsentation fertig sein muss; privates Surfen und Telefonieren bleiben lassen und das Handy auf lautlos stellen.
10 Welche Rechte habe ich?
Praktikanten gelten als Arbeitnehmer mit ähnlichen Rechten und Pflichten. Wie ihre Kollegen dürfen sie im Regelfall höchstens acht Stunden täglich arbeiten und haben ein Recht auf Urlaub, je nach Anzahl der Arbeitstage und Länge des Praktikums – meist sind es zwei Tage pro Monat. Obwohl es in der Realität oft anders aussieht, haben Praktikanten laut Bundesgesetzbuch Anspruch auf eine angemessene Vergütung. Der Verein Fairwork, der sich für die Rechte von Praktikanten einsetzt, fordert 400 bis 600 Euro pro Monat für Studenten. Was angemessen ist, entscheidet allerdings am Ende der Arbeitgeber. Gerade vor dem Studium muss man sich darauf einstellen, nur das Essen in der Kantine zu bekommen. Wichtigster Lohn ist ohnehin das Zeugnis: Wer länger als zwei Monate hospitiert, dem steht ein qualifiziertes Arbeitszeugnis mit Beurteilung zu. Aber auch wer darunter bleibt, hat das Recht auf ein einfaches Zeugnis, in dem Art und Dauer der Tätigkeit beschrieben werden.
- Datum 06.10.2009 - 10:44 Uhr
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- Serie Abi 2009
- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
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... der die wichtigsten Fragen super beantwortet. Allerdings stimme ich nicht ganz darin überein, dass man sich als Praktikant lieber kleinere Unternehmen suchen sollte als BMW & Co. Gerade die großen Unternehmen haben oft richtige Praktikanten-Programme und auch nach Erfahrungen in meinem direkten Bekanntenkreis kann man dort sehr gute Praktika absolvieren. Vor allem die "Big-Player" können es sich meiner Meinung nach eher weniger erlauben, Praktikanten als billige Vollzeit-Arbeitskräfte einzusetzen. Diese Gefahr sehe ich bei kleinen und mittelständischen Unternehmen viel eher.
Praktikanten, die sich vorab über Erfahrungen von Praktikanten in den verschiedenen Praktikumsbetrieben informieren möchten, haben z.B. auf www.prakti-test.de die Gelegenheit dazu. Auch wenn die Plattform noch recht jung ist, kann auch dort herausgelesen werden, dass die Praktika in großen Unternehmen im Durchschnitt als sehr gut bewertet werden.
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