Die Geschichte von Sabrina Panknin wird gern erzählt, wenn es um eine in der Bloggerszene heiße Frage geht: Eignet sich der Microblogdienst Twitter für die Jobsuche? Können Firmen so ihren Nachwuchs rekrutieren? Sabrina Panknin suchte im Frühjahr eine Stelle im Bereich PR. Um möglichst viele Unternehmen mit ihrer Bewerbung zu erreichen, postete sie ihre Anzeige auch bei Twitter.

Gleichzeitig wurde sie "Follower" ihrer potenziellen Arbeitgeber. Als angemeldete Benutzerin konnte sie so die Nachrichten anderer Autoren abonnieren. Diese Nachrichten nennen sich Tweets, und sie sind so lang wie eine SMS – 140 Zeichen. Follower können die Tweets ihrer Autoren regelmäßig auf ihrer eigenen Twitter-Seite im Internet lesen.

Panknin hatte ihr Glück versucht und getwittert: "Suche Job im Bereich Kommunikation und PR". Keine drei Monate vergingen, bis sie einen Vertrag unterschrieben hatte. Eine PR-Agentur mit dem Schwerpunkt Social Media, also einer Spezialisierung auf Online-Netzwerke wie Facebook, hatte ihr Twitter-Profil gelesen und sie kontaktiert. War es nur ein Glückstreffer, oder sieht so die Kandidatensuche der Zukunft aus?

Twitter ist ein Eldorado für Personaler
Thorsten zur Jacobsmühlen, Personalberater

Thorsten zur Jacobsmühlen berät Firmen bei ihrem Umgang mit Social-Media-Diensten und ist davon überzeugt, dass der Microblog die Jobbörse der Zukunft ist: "Twitter ist ein Eldorado für Personaler, hier haben sie Zugriff auf unglaublich viele potenzielle Mitarbeiter." Dass Twitter Potenzial für die Job- und Kandidatensuche hat, fanden auch Jan Kirchner und Alexander Fedossov, die im Frühjahr Jobtweet entwickelten, eine deutschsprachige Suchmaschine, die Twitter-Mitteilungen und die Profile nach Jobangeboten und Anzeigen durchkämmt: "So finden Unternehmen und die Bewerber leichter und schneller zusammen", sagt Kirchner.

Wenn ein Unternehmen Twitter nutzt, um geeignete Kandidaten für eine Stelle zu finden, sendet es meist einen Link zu einer ausführlichen Stellenanzeige. Der Link führt dann direkt zur Homepage. Oft sind die Interessierten bereits Follower des Unternehmens, sie bekommen die Stellenanzeige direkt als Twitter-Nachricht. Hat der Bewerber dann die ausführliche Stellenanzeige auf der Seite der Firma gelesen, kann er sich entweder ganz regulär bewerben oder vorab über Twitter mit dem Personaler in Kontakt treten. Die Vorteile von Twitter gegenüber einer "normalen" Jobbörse liegen für zur Jacobsmühlen auf der Hand: Das Unternehmen kann durch seine "Follower" Kontakt zu potenziellen Mitarbeitern halten, auch wenn akut keine Stelle zu besetzen ist. Gleichzeitig erreichen die Personaler auch die Fachkräfte, die gar keine Stelle suchen – und die trotzdem oder gerade deswegen interessant für das Unternehmen sein können: "Branchen mit Nachwuchsproblemen können bei Twitter auch die passiv Suchenden erreichen", sagt zur Jacobsmühlen. Gleichzeitig beweise das Unternehmen, dass es modern sei und mit den neuen Medien arbeite.