Deutschlandkarte Die Kriminalität der Straße
In München wurde ein Mann öffentlich zu Tode getreten. Da mag man fragen, wie sicher Städte in Deutschland sind. Hier können Sie es sehen
Der tödliche Angriff von München-Solln ist auch deshalb so erschreckend, weil er in München geschah, einer Stadt, von der man glaubt: Da geht es noch friedlich zu. Tatsächlich gibt es, wie die Karte zeigt, ein ziemliches Nord-Süd-Gefälle, was die Straßenkriminalität anbelangt, zu der Handtaschendiebstahl genauso gehört wie Autoknacken und Körperverletzung.
Im Süden haben die Menschen bessere Aussichten auf einen Job, sie kommen seltener auf die Idee, Autos aufzubrechen oder zuzuschlagen. Stadtviertel, in denen es fast zur Gewohnheit geworden ist, kriminell zu sein, sind hier seltener. Stuttgart hat die geringste Quote, so gering, dass Kriminologen überlegen, ob es an der schwäbischen Mentalität liegen könnte.
Am höchsten ist die Quote in Bremen und in Münster. Bremen ist sehr arm, Münster eine sehr junge Stadt: gutes Nachtleben, es wird viel gefeiert – und da passiert leider auch mehr. Bielefeld, gleich daneben, ist langweiliger und friedlicher. Soll man in Münster oder Bremen also abends besser zu Hause bleiben? Bitte nicht. Für den Einzelnen kann es fatal sein, wenn die Straße zu leer ist.
- Datum 08.10.2009 - 10:04 Uhr
- Serie Deutschlandkarte
- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
- Kommentare 14
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Ich schätze ja die Deutschlandkarten des Zeitmagazins im Allgemeinen als recht gute Unterhaltung. Sie machen allerdings manchmal auch deutlich, was für verzerrte Bilder Statistiken hervorrufen können, selbst wenn die Daten an sich korrekt sein mögen. In diesem Fall habe ich zufällig anderswo gelesen, dass die hohen Kriminalitätsraten Bremens und Münsters ("es wird viel gefeiert - und da passiert leider auch mehr"; jaja, diese wilden Studenten) vor allem durch Fahrraddiebstahl verursacht werden. Vielleicht kein Kavaliersdelikt, aber das ruft doch ganz andere Bilder hervor, als Gewaltdelikte. Ohne Hintergrundwissen wäre keine Information manchmal besser als solche, Stichwort gefährliches Halbwissen. Auch wenn die Kolumne ihren Reiz vermutlich gerade aus dem ins-dunkle-Spekulieren bezieht.
Enweder mein Browser ist furchtbar eingestellt oder aber die Zahlen auf der schönen Grafik sind furchtbar klein, bzw. unlesbar.
einen Artikel den ich letztens bei Spiegel.de gelesen habe. (Kann ihn leider grad nicht wiederfinden)
Ein Polizist berichtet über die teilweise alarmierenden Bedingungen unter denen unsere Freunde und Helfer Ihre Arbeit machen - das könnte vllt. einiges erklären.
Eine These des Artikels: Kriminalstatistiken zeigen Straftaten die zur Anzeige kommen. Weniger Polizisten im Dienst führen also evtl. zu weniger Anzeigen und damit zu weniger Kriminalität in Deutschland.
//Malte
Ich denke schon, daß die Logik 'Hat der Mensch Arbeit, so hat er Einkommen und kein Interesse und Zeit kriminelle Taten zu begehen' allemal richtiger ist als die gern verkündete Parole: 'Die wollen alle nicht arbeiten und klauen lieber und schlagen Leute zusammen'.
Wenn wir die Zukunftsoptionen unserer heranwachsenden Generation nüchtern betrachten, kommt kein Optimismus auf. Ein immer größerer Teil der jungen Menschen erleben schon sehr früh, dass ihre Träume sich eher in manipulierbaren Spielszenarien verwirklichen und die erlebte Ohnmacht im Rausch vergessen lässt. Sie erleben, dass eine desorientierte und oft eher infantil agierende Erwachsenenwelt den sich auftürmenden Problemen der Gegenwart immer weniger gewachsen ist.
Bei der Suche nach Alternativen stösst sie auf eine ebenso verwirrende wie überwältigende Vielfalt unterschiedlicher Optionen und immer mehr junge Menschen entscheiden sich für das bloße Abreagieren ihrer Wut, für das die Unterhaltungsindustrie genug Modelle liefert.
Solange sie weder Halt unter glaubwürdigen Erwachsenenmodellen noch unter ihresgleichen finden, kann die sich inzwischen schneller drehende Spirale zu einem existentiellen Problem unserer Gesellschaft werden.
Verständigungsmöglichkeiten mit den Erwachsenen, Gelegenheiten, sich mit anderen in einem sinnvollen Projekt zu bewähren, können der Verzweiflung, die hier regiert, das Wasser abgraben. Hier gibt es viel zu viel zu tun, um auch nur einen Augenblick noch damit zu warten.
Schade finde ich daß einem die üblichen, nicht belegbaren Erklärungsversuche angeboten werden.
Obwohl es selbst User Karamargos nicht schwerfällt in wenigen Zeilen offensichtliche Interpretationsspielräume zu benennen. Daneben gibt es noch eine Menge nicht so offensichtliche Einflüsse: Werden die Statistiken in allen Ländern nach den gleichen Kriterien erstellt? Welchen Einfluß haben die Innenministerien auf die Zahlen? Wie sehen die Anweisungen an die Dienststellen aus?
Stuttgart als schönes Beispiel, gelesen vor ein paar Tagen in den Stuttgarter Nachrichten: Angesichts der schönen Grafik sollte man meinen auf der Theodor Heuss Strasse lässt sich sicher feiern. Ja nun. Schade. Leider gibt es hier in schöner regelmässigkeit Tote aus Messerstechereien und täglich Verletzte aus Schlägereien.
Die Zahlen dazu werden aber schön auf die umliegenden Gemeinden verteilt weil größtenteils von Leuten verübt die aus eben jenen kommen. Und schwupps ist Stuttgart hübsch. Stellt sich die Frage: Hat Bremen diese Möglichkeit auch?
Stellt sich die Frage: Sind die Zahlen vergleichbar. Sind die Zahlen aussagefähig. Ich würde mich freuen wenn die Zeit dazu zukünftig auch ein paar Randbedingungen erläutern wollte. Sind schliesslich grundlegende Dinge, keine Hexerei.
Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die fahrrad- und familienfreundlichste Stadt Deutschlands mehr Strassenkriminalität aufzuweisen hat als z. B. Köln. Allerdings kann ich die auf der Karte angezeigten Werte übehaupt nicht lesen. Allerdings, wenn es sich die Bevälkerung auf engerem Raum aufhält, ist die Gefahr, überfallen zu werden, für durchschnittlichen Bürger natürlich größer. Ein bißchen detallierter könnte die Info schon sein.
Werden die "No Go" oder fast "No go" Areale da eigentlich mitgezählt? Denn in solchen Gegenden haben die Kriminellen genug zu tun und müssen nicht erst weitere Fahrten unternehmen. Aber vielleicht ist das ja eher Gegenstand der Statistik über die allgemeine Kriminalität.
Ich bin überrascht, wie eine solide Zeitung eine solche Statistik übernimmt, und noch gleich die Gründe der unterschiedlichen Kriminalität anführt.
Wie karamagos richtig schreibt, sind es in Münster die Fahrraddiebstähle die zu diesem Ergebnis führen.
Übrigens nachzulesen in den örtlichen Zeitungen.
Ich lebe im Umkreis von Münster und fühle mich in dieser Stadt allemal sicherer als z.B. in München, wo es doch die gewalttätigsten Übergriffe mit Todesfolgen gab.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren