Sigmar Gabriel Der letzte SchröderistSeite 3/3
Erst einmal stürzte er sich mit Lust in den Wahlkampf. Fast im Alleingang zwang er der Union eine Debatte über die Zukunft der Atomkraft auf. Auch diejenigen in der SPD, die noch nicht so recht an Gabriels Wechsel ins ernste Fach glauben wollten, nickten anerkennend. Der Spiegel adelte ihn als »Schattenkanzlerkandidaten«. Und Schröder, in Sachen Wahlkampf noch immer eine Autorität, lobte Gabriels »Kraft, die ich jetzt in diesem Wahlkampf spüre«. Gabriel selbst sagte: »Ich war mir meiner Sache noch nie so sicher. Mir hat Politik noch nie so viel Spaß gemacht.«
Es ist spät geworden an diesem Wahlabend in Wolfenbüttel. Der Umweltminister hat Zuflucht unter einem klimaschädlichen Heizpilz gesucht und sich die zweite Zigarre angezündet. Dass Steinmeier im Angesicht der Niederlage gleich nach dem Fraktionsvorsitz gegriffen hat, versteht er. Andererseits ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, um gründlich über die vergangenen Jahre nachzudenken – und darüber, wie es weitergehen soll. Seit Langem klagt Gabriel, die SPD habe das Verständnis für die Veränderung der Gesellschaft verloren: »Früher waren wir eine Partei der Lehrer, heute sind wir eine Partei der alten Lehrer.« Nun endlich müsse sich die Partei öffnen und wieder diskutieren. »Wir dürfen nicht gleich wieder alle Räume zustellen.«
Von drinnen kommen Gitarrenklänge, ein paar Jusos singen Bella Ciao. Gabriel horcht auf. Das Lied haben sie früher auch im Zeltlager bei den Falken gesungen, er hat es lange nicht gehört. Auch dies ist ein Erfolg seines Wahlkampfs: Eine Gruppe von 15 bis 20 Jusos, die sich im Laufe der Kampagne gefunden haben. Die müsste man dauerhaft für die Partei gewinnen! Aber wie? Gabriel schaut seinen Büroleiter an: »Schick sie bloß nicht zu einer Sitzung des Ortsvereins!« Dann nimmt er die Hand seiner Freundin, gemeinsam verschwinden sie in der Nacht.
- Datum 30.09.2009 - 18:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
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Nach Steinmeier und Müntefering kann ja alles nur noch besser werden.
Und eine gute Sache hat der Sieg der Schwarz-Gelben doch:
Ein Teil der frustierten Nichtwähler zeigt sich nach diesem Sieg vor allem die im Osten ernüchtert.
"Vielleicht hätte man doch wählen gehen sollen!".
ist der Kommentar von Prantl in der SZ: "Sigmar Gabriel? Er ist der falsche Vorsitzende. Er ist eher ein Haudrauf als einer, der ausgleichen und zusammenführen kann. Er ist eher ein Agitator, der zuspitzen, als ein Moderator, der entschärfen kann. Er kann Kampagnen führen, Menschen aber nicht so gut."
Und Prantl ist wahrlich keine Mimose.
... er hat zuviel Schröder im Blut v... und was der verzapft hat ...und aus dem geworden ist, wissen wir ja.
Ulrich Scharfenorth, Ratingen
www.stoerfall-zukunft.de
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Ulrich Scharfenorth, Ratingen
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... er hat zuviel Schröder im Blut v... und was der verzapft hat ...und aus dem geworden ist, wissen wir ja.
Ulrich Scharfenorth, Ratingen
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Was wär aus Herrn Gabriel eigentlich bei einer rot-grünen Koalition geworden?
Aufbruch heißt Veränderung.
Diese kann ganz sicher mit SG erreicht werden.
Viel Erfolg und alle guten Wünsche.
...ausgerechnet. Auf den haben wir noch gewartet.
Die Presse hat viel zum Niedergang der SPD beigetragen. Sie setzte auf den alten Mann Müntefering, der sich in egomanischer Manier und völliger Verkennung der eigenen Wirkung durch Ausbreitung seines Privatlebens bei Bild und anderswo lächerlich gemacht hat. Währenddessen war Eindreschen auf Frau Nahles angesagt. Ein Gespann Beck / Nahles hätte 5% mehr eingefahren, aber so ein Ergebnis hätte man ihnen als Verlust sauer gemacht.
Die Grünen habe ihr bestes Wahlergebnis erhalten. Ihr Umgang damit ist ganz unspektakulär. Welch testosterongespeistes Geröhre wäre einem zu Ohren gekommen, hätten sie mit Herrn Fischer an der Spitze jemals so ein Ergebnis eingefahren.
Die Übernahme des Modells Blair hat die sozialdemokratischen Parteien zum Niedergang geführt. Man glaubte gutes zu tun, wenn man den letzten alten kranken Sozialhilfeempfänger zur Arbeit antreibt und die arbeitslos Gewordenen - selbst nach 30 Jahren Arbeit - binnen 2 Jahren mit diesem gleichstellt.
Wie man der Presse entnimmt, lässt sich Blair nun für seine Reden 100000 Euro bezahlen. Herr Schröder und Herr Fischer gehen ihren Geschäften bei Gazbrom, Mercedes und anderswo nach.
Dem Aufbruch der SPD mit Brandt und später Schmidt an der Spitze folgte ein Niedergang, in dem man glaubte, die Positionen der Gegenparteien rechts überholen zu müssen; nicht zuletzt, weil man im privaten Verhalten längst dort angekommen war. Das führt zu Unkenntlichkeit und somit zur Unwählbarkeit.
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