Rohstoffkonzern Sie versetzen Berge…Seite 3/3

»Es ist ein Riesenkrake«, sagt der Konzernchef eines andern Rohstoffhändlers. »Glencore macht alles: Herstellung, Finanzierung, Handel, Transport. Da wird nicht gekleckert, da wird immer gleich geklotzt.« Obwohl direkter Konkurrent, will der Mann nicht zitiert werden. »Man begegnet sich zu oft in dieser Zunft.« Und fallweise müssen eben auch Konkurrenten mit Glencore zusammenarbeiten, denn nur die Schweizer verschiffen regelmäßig die Massen, bei denen man gut ins Geschäft kommt mit einem Speditions- oder einem Energiekonzern. »Wenn dann eine Containerlinie mit denen verhandelt, wird sie gedrückt, bis sie erstickt«, beschreibt der Konkurrent die Wucht von Glencore. »Oder zumindest bis kurz davor.« Gleichzeitig steht das Unternehmen im Ruf, in jeder Beziehung sehr zuverlässig zu sein.

Mit ihrem Gründer will die Firma nichts mehr zu tun haben

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Glencore-Leute selber beschreiben ihre Firma mit dem Satz: »Wir verstehen uns als Logistikunternehmen.« Das ist korrekt und untertrieben zugleich. Untertrieben, weil die Logistikfirma faktisch überall auftritt, wo Geld zu verdienen ist, egal ob in Iran, in zerrütteten afrikanischen Staaten oder damals im Irak von Saddam Hussein. Zugleich beugt sich Glencore ungern den Interessen der US-Regierung oder den Anliegen von Menschen- und Bürgerrechtlern – eine Tradition, die auf den Unternehmensgründer zurückgeht.

Offiziell will Glencore heute nichts mehr mit dem Gründer zu tun haben. Die Website unterschlägt Marc Rich vollständig, und einen seiner seltenen öffentlichen Auftritte nutzte Willy Strothotte im Jahr 2001 dazu, um in der Financial Times das Verhältnis zu Rich zu klären: »Eine Beziehung gibt es absolut nicht, zilch, zero, nada. « Andererseits pflegen die Nachfolger ebenfalls den Stil hartgesottener Händler. Auch sie scheinen eher am Deal als an der Moral interessiert, auch sie beurteilen politische Entwicklungen und Konflikte danach, welche Geschäftslücken sich dadurch auftun.

Laut einem CIA-Report schmierte Glencore das Regime von Saddam Hussein mit 3,222 Millionen US-Dollar, um im Rahmen des Oil-for-Food-Programms zwischen 2000 und 2002 irakisches Öl exportieren zu können.

Insgesamt allerdings ist es in der gewandelten Welt schwieriger geworden, dass sich das Handelshaus als Sanktionsbrecher hervortun kann. Von Zeit zu Zeit scheint die Firma noch als Ärgernis für Nichtregierungsorganisationen auf, bietet sie Anlass zu Protesten wegen Umweltzerstörung oder schlechter Arbeitsbedingungen in Südamerika oder Afrika. Im Februar 2007 enteignete Boliviens Präsident Evo Morales eine Zinnhütte von Glencore mit dem Argument, beim Kauf sei es zu Unregelmäßigkeiten gekommen.

»Im Umweltbereich könnten sie mehr tun«, sagt Stephan Suhner. »Auch hat Glencore immer wieder versucht, eine gewerkschaftliche Organisation mit Zeitarbeitern zu umgehen.« Suhner leitet die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien, die wegen einer Kohlemine in Nordkolumbien mehrfach gegen den Konzern vorging. »Sie unterstützen soziale Einrichtungen, aber sie sind zugleich knallhart: Wie arbeitgeberfreundlich die Gesetze in solch einem Land auch sind – Glencore reizt sie aus und zieht Urteile notfalls bis zur letzten Instanz weiter.«

Das Unternehmen beantwortet derartige Vorwürfe üblicherweise mit dem Statement, dass die Mitarbeiter in jedem Land gehalten seien, sich an die Gesetze zu halten.

Ohne Zweifel ist Glencore heute ein Schlüsselunternehmen der Weltwirtschaft. Dabei hat das Unternehmen eine historische Regel überwunden, welche in der Rohstoff-Welt von den Fuggern bis zu Marc Rich gültig gewesen war – das patriarchalische Prinzip. Beendet ist die Herrschaft der Familie, abgeschafft die einzelne Führungsfigur; stattdessen gibt es einen sich selbst erneuernden Kreis von Profis, denen es ums Geschäft geht. Und um gar nichts sonst.

 
Leser-Kommentare
  1. ...Und angesichts Anekdoten wie dieser schütteln die Leute dann die Köpfe und schimpfen über die Schlechtigkeit der Welt anstatt mal konsequent zu sein und die Systemfrage zu stellen.
    Es wird Zeit, dass sich die Wirtschaft an den Menschen orientiert und nicht die Menschen an der Wirtschaft; Das wir arbeiten um zu leben statt zu leben um zu arbeiten.
    www.thezeitgeistmovement.com

  2. Roberto Saviano lässt grüßen;)

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