Buchbranche Googles andere SeitenSeite 2/2
Warum also die Aufregung? Weil der Eintritt von Google in den Buchmarkt auf eine Weise geschah, die mancher Autor als Nötigung empfinden musste.
Zentrum der juristischen Auseinandersetzung sind die USA. Dort ist Google mit brachialer Konzernherrenart vorgegangen, hat Verträge mit Bibliotheken geschlossen und alle Bücher, egal, woher sie stammen, also auch deutschsprachige, eingescannt, selbst wenn sie hierzulande noch dem Urheberrecht unterlagen. Das war, wenn man so will, uramerikanisch, weil es durchaus der dortigen Rechtstradition entspricht: Wenn ein Konzern die Regeln und Kräfteverhältnisse auf einem bestehenden Markt so sehr verändern will wie Google im Buchmarkt – oder einen Markt neuen schaffen will –, dann verletzt das Unternehmen oft die Rechte anderer – und zwar durchaus bewusst. Es rechnet geradezu damit, dass später in einer Class-Action, in einem einzigen Prozess die Ansprüche aller Betroffenen geklärt werden. Das läuft dann meist auf einen Vergleich hinaus, und um die Bedingungen eines solchen Vergleiches ringen die Parteien in New York.
Die von vielen in Europa empfundene Nötigung besteht darin, dass sich deutsche Verlage und Autoren, deren Bücher in den USA eingescannt wurden, ob sie wollten oder nicht, mit dem Vergleich auseinandersetzen müssen. Lehnen sie es ab, dass die Nutzer von GoogleBooks in den USA die deutschsprachigen Werke einsehen können und Google sie vermarktet, müssen sie es aktiv ablehnen und das zugehörige Formular ausfüllen.
Begleitet wird die hiesige Kritik von dem Vorwurf, Google strebe eine dominierende Stellung im Geschäft mit digitalisierten Büchern an. Richtig daran ist: Microsoft hat es aufgegeben, eine ähnliche Datenbank aufzubauen. Staatliche Versuche schlugen fehl, und der Einzige, der für aktuelle Bücher ein Digitalgeschäft in internationalem Maßstab aufbaut, ist der marktbeherrschende Onlinebuchhändler Amazon. Deutsche Buchverlage haben es versäumt, ein sicheres und nutzerfreundliches Verfahren populär zu machen. Man könnte also sagen: Google erarbeitet sich mangels Konkurrenz eine herausragende Stellung.
So bleibt am Ende die Sorge, dass – aus welchen Gründen auch immer – zu viele digitalisierte Bücher in der Hand eines Unternehmens sein werden und dieses diktieren kann, unter welchen Bedingungen die Welt liest. Dieses Risiko gibt es, auch wenn Google ihm begegnen will, indem eine noch zu gründende, nicht-kommerzielle Organisation den Zugriff auf die Datenbank haben und auch Lizenzen an Dritte vergeben soll. Die Bedingungen sind aber noch unklar, und sollte sich herausstellen, dass Google um die Bücher eine schwer zu überwindende Mauer zieht, würde der Konzern über kurz oder lang ein Problem bekommen. Denn die Amerikaner, die das Unternehmertum so lieben, kennen auch die Enteignung. Da sind sie, wenn sie das Gemeinwohl in Gefahr sehen, weniger zimperlich als Europäer.
- Datum 02.10.2009 - 13:54 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
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... in dem kein Wort verloren wird, dass Google das Internet erst begehbar gemacht hat. Wäre ja total schlimm, wenn Google Ähnliches auch mit den Buchbeständen dieser Welt machen würde - AN DEN VERLAGEN VORBEI!
Diesem Frevel würde auf dem Fuße der Untergang der Kultur folgen. Denn es ist gottgewollt, dass die Verlage die Sachwalter des geschriebenen Wortes sind, für heute und für immerdar.
Ich kann Ihnen nur beipflichten. Google hat als erster richtiger Internetdienstleister Dienste geschaffen die mir persönlich einen hohen Nutzen bringen.
@ Zeit Redaktion
Ein wirklich schöner Artikel über die Auswirkungen der digitalen Revolution. Neuerungen oder Innovationen werden ja gerne gelobt, aber dass Neuerungen auch zerstören können, bekannt seit Schumpeter, scheint nicht von allen akzeptiert zu werden; schon gar nicht von Etablierten, wie den Verlagen in diesem Fall. Die Reaktion ist typisch, Blockade und Rechtsweg statt Miteinander. Dabei ist die Veröffentlichung gesamter Werke über das Internet nichts neues. Schon seit längerem profitiert die Wissenschaft von Büchern und Veröffentlichungen die elektronisch über Bibliotheken zugänglich gemacht werden. Natürlich kann man damit den Google-Dienst direkt nicht vergleichen, aber durch den Wandel unserer postindustriellen Gesellschaft zur Informationsgesellschaft und später vielleicht zur Wissensgesellschaft, wird die umfassende Beschaffung von Information zur notwendigen Bedingung. Daher könnte der Google-Dienst ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.
Da uns im Übrigen einige Herausforderungen in naher Zukunft erwarten schadet freier Zugang zum „weltweitem Wissen“ sicher nichts. Nur muss die Gesellschaft auch gewillt sein das Wissen anzuwenden.... ;)
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