Unter den jungen deutschen Hotels mit moderner Architektur, coolem Design und ausgefallener Küche ist ein Wettstreit ausgebrochen. Jedes strebt den Titel des Platzhirschen in seiner Stadt an. Platzhirsch wird man aber nur, wenn auch die jungdynamischen Einheimischen Restaurant und Bar des Hotels nutzen – als Bühne, um zu sehen und gesehen zu werden. In Frankfurt gelingt das im Roomers und im Pure, in Hamburg im East und im Side Hotel. Und in München? Rocco Forte hat es mit The Charles probiert – vergeblich, denn die Münchner mögen das Hotel und seine Lage am Hauptbahnhof nicht. Jetzt starten Rudi Kull und Albert Weinzierl mit dem Louis Hotel einen neuen Versuch. Die beiden betreiben bereits erfolgreich das Hotel Cortiina, die Bar Centrale und die Restaurants Brenner’s, Riva, und Buffet Kull.

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Das Louis steht direkt am Viktualienmarkt. Aus der vierten Etage schaut man in das Grün der Kastanienbäume und auf die weißen Zeltdächer der Obststände. Man riecht die gebrannten Mandeln, die bei Casa Dolce verkauft werden, man hört das Klacken der Krüge und die Stimmen der Menschen, die im Biergarten sitzen. Kein Zweifel, dies ist München. Näher am Puls der Stadt zu wohnen ist nicht möglich.

Bei der Einrichtung der 72 Zimmer hat man auf Lokalkolorit verzichtet, nicht aber auf den Einsatz einheimischer Materialien. Beim Namen »Louis« schwingt nämlich ein wenig »Ludwig« mit, aber auch etwas »Louis Vuitton«, im Sinne von Koffern, Reisen und großer, weiter Welt. In den Zimmern sind Minibar, Fernseher und Safe in einem mannshohen Schrankkoffer mit Ledergriffen verstaut, auf geölten bayerischen Eichendielen liegen handgewebte Teppiche mit bunten Navajo-Mustern. Sessel und Sofas sind mit ihren geflochtenen Lehnen dem Wiener Kaffeehausstil nachempfunden, allerdings sind sie mit Samtkissen in müden Oliv- und Moostönen gepolstert, die dem städtischen Chic eine ländliche Note geben. Die weiß gekachelten Wände im Bad erinnern an die Pariser Metro, während die Böden aus graubraunem Kirchheimer Muschelkalk gefertigt sind.

Das Ganze wirkt gemütlich und nur ein klein wenig cool. Das Hotel passt nach München. Es ist nicht kosmopolitisch-großstädtisch und nicht bieder-provinziell, sondern gratwandert selbstsicher dazwischen. Man kann sich darüber ärgern, dass 12 Euro für 24 Stunden Internet berechnet werden. Man kann die kleinen Schränke ohne Hosenbügel und den winzigen Fitnessraum bemängeln. Nette Kleinigkeiten wie der abends ans Bett gelegte Ausstellungstipp für den nächsten Tag oder die Bose-iPod-Station wiegen das wieder auf. Wie auch das Personal, das zwar in minimalistisches Schwarz gehüllt, aber keineswegs unterkühlt ist.

Und der Platzhirsch-Anspruch? Es ist ein wenig früh, um das zu beurteilen, das Louis Hotel hat erst am 9. September eröffnet. Auffällig ist, dass für Bar und Restaurant nicht irgendwo ein Plätzchen gefunden wurde, sondern dass sie als zentraler Treffpunkt im Hotel gedacht sind. Schon beim Einchecken hat man Lounge, Bartresen und Restauranttische im Blickfeld, sie sind durch halbhohe Zwischenwände voneinander getrennt. Beim Frühstück ist durch eine breite Fensterfront das Treiben auf dem Viktualienmarkt zu sehen, die meisten Produkte auf dem Buffet kommen von dort.

Am Abend wird japanisch gegessen, und was Tajima Atsushi in der Küche zubereitet, schmeckt hervorragend: hauchdünn aufgeschnittene Hokkaido-Jakobsmuscheln auf Gurkenscheiben an einer Yuzu-Ume-Sauce, Edamame, butterzartes Wagyu-Rinderfilet. Es hilft, dass der junge Kellner Gästen notfalls auch in flüssigem Englisch erklären kann, dass Yuzu eine Zitronenart ist und Ume eine japanische Pflaume, dass Edamame (gekochte und gesalzene Bohnen) zum Aperitif passen und das Wagyu-Rindfleisch aus Australien geliefert wird. Er empfiehlt einen deutschen Riesling dazu – und liegt richtig. Restaurant und Bar könnten für einen sonnenwarmen Dienstagabend in der Oktoberfestzeit schlechter besucht sein. Sieht ganz so aus, also ob Rudi Kull und Albert Weinzierl es geschafft hätten.

Louis Hotel, Viktualienmarkt 6, 80331 München, Tel. 089/41119080, www.louis-hotel.com. DZ ab 195 Euro