Gewerkschaften "Die FDP ist eingeladen"Seite 4/4

Vassiliadis: Täuschen Sie sich mal nicht. Der neuen Regierung wird es nicht gelingen, das Thema wegzuschieben. Gelöst werden muss es ja. Entweder bezuschusst man die Löhne durch Aufstockung, dafür muss man aber das Geld haben. Das ist angesichts der schlechten Haushaltslage gar nicht so einfach. Oder man bestimmt den Mindestlohn – dann zahlt der Arbeitgeber.

ZEIT: Hilft Schwarz-Gelb bei der Mobilisierung, oder wird der Wechsel die Gewerkschaften schwächen?

Vassiliadis: Ich glaube, dass die Gewerkschaften und die Betriebsräte in den vergangenen Monaten bewiesen haben, wie gut es ist, dass es sie gibt. Auch die Arbeitgeber haben das eingesehen. Ich hoffe, dass sich die FDP dem nun auch anschließt. Ob wir allerdings langfristig an Zuspruch gewinnen, hängt nicht nur vom Krisenmanagement ab.

ZEIT: In zwei Wochen werden Sie aller Voraussicht nach zum neuen Chef Ihrer Gewerkschaft gewählt. Was sind Ihre Ziele?

Vassiliadis: Das werde ich auf dem Kongress meinen Mitgliedern erzählen. Eines aber wird eine zentrale Rolle spielen: Bei Betriebsratswahlen in den Unternehmen unserer Branche werden unsere Leute von knapp 90 Prozent der Beschäftigten gewählt. Nur 49 Prozent sind aber bei uns organisiert. Unsere Mitgliederzahl muss wachsen.

ZEIT: Ihr künftiger Vorgänger Hubertus Schmoldt hatte immer sehr gute Kontakte in die Politik, insbesondere zur SPD. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Vassiliadis: Ich übernehme diese Kontakte.

ZEIT: Die SPD nützt Ihnen aber nicht mehr viel. Kommt Guido Westerwelle zum Gewerkschaftstag?

Vassiliadis: Ich glaube nicht.

ZEIT: Ist er nicht eingeladen?

Vassiliadis: Die FDP ist eingeladen. Vergangenes Mal hatten wir sie kurzfristig ausgeladen, weil sie Blödsinn zum Kündigungsschutz verkündet hatten. Aber eigentlich sind alle Parteien bei uns eingeladen, weil wir die Chance wahrnehmen wollen, miteinander zu reden. Und die FDP hat auch zugesagt zu kommen.

Das Gespräch führten Kolja Rudzio und Christian Tenbrock

 
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