Schmiergeld-Vorwürfe gegen von Pierer Sauber? Ethisch?
Das Vorgehen von Siemens gegen Heinrich von Pierer ist maßlos.
© Getty Images

Siemens hat seinem früheren Vorstandschef und Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer ein Ultimatum gestellt
Sicher ist es richtig, wenn auch Topmanager für Fehler zur Verantwortung gezogen werden. Aber die Art und Weise, wie Siemens gegen seinen langjährigen Vorstandschef und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden vorgeht, ist maßlos. Der Konzern hat Heinrich von Pierer (und einer Reihe weiterer Ex-Vorstände) jüngst ein Ultimatum gestellt. Bis Mitte November soll der Ex-Chef seine Zustimmung zu einem Vergleich erklären, dessen Konditionen ihm Siemens diktiert hat. Sechs Millionen Euro Schadensersatz verlangt der Konzern von ihm. Pierer würde einen Großteil seines privaten Vermögens einbüßen. Und vor allem: Wenn er zahlt, gesteht er indirekt eine Schuld ein.
Lässt er sich nicht auf den Deal ein, wird ihn der Konzern verklagen, das hat der Aufsichtsrat angekündigt. Angeblich soll Pierer dann der gesamte Milliardenschaden angelastet werden, der im Zuge der Schmiergeldaffäre entstanden ist. Dabei besteht ein beträchtlicher Teil des Schadens in den Kosten, die bei der Aufklärung entstanden sind: Honorare in Höhe von Hunderten Millionen für eine amerikanische Anwaltskanzlei.
Heinrich von Pierer, der das Unternehmen mit nicht geringem Erfolg von 1992 bis 2005 geführt hat, müsste sich über Jahre gegen eine Meute hoch bezahlter Anwälte zu Wehr setzen. Er hat gegen diese Übermacht keine Chance. Selbst wenn die Gerichte die Zivilklage am Ende ganz oder teilweise abweisen sollten, läuft er Gefahr, durch die Verfahren psychisch und finanziell niedergestreckt zu werden. Der frühere Vorzeigemanager weiß das und hat seine Bereitschaft zu einer außergerichtlichen Einigung erklärt. Allerdings will er weniger zahlen, und das in Form einer Spende an die Siemens-Stiftung, doch auf beides mag sich der Konzern nicht einlassen. Dabei könnte so eine menschlich saubere Lösung aussehen.
Ohne Zweifel trägt Pierer eine Mitverantwortung dafür, dass Mitarbeiter des Unternehmens auch dann noch Schmiergeld in vielen Ländern verteilten, als das vom deutschen Gesetzgeber nach Jahren des Nichtstuns endlich unter Strafe gestellt worden war. Er hat das inzwischen eingeräumt. Andererseits hat sich Pierer persönlich nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft in München nichts Gravierendes zuschulden kommen lassen. Nach gründlicher Prüfung hat die Anklagebehörde im Frühjahr 2008 mitgeteilt, dass es »keine zureichenden Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten« Pierers gebe.
Was der Konzern bislang gegen Pierer vorbrachte, reicht also nicht einmal dafür aus, dass der Staatsanwalt ein Ermittlungsverfahren einleiten konnte. Dabei spricht nichts dafür, dass die Ankläger eine ungebührliche Milde walten ließen, war es doch diese Staatsanwaltschaft (und nicht etwa die amerikanische Börsenaufsicht SEC), die das Verfahren durch eine groß angelegte Durchsuchungsaktion im November 2006 überhaupt erst in Gang brachte. Seit nunmehr eineinhalb Jahren prüft die Staatsanwaltschaft, ob Heinrich von Pierer vielleicht eine Ordnungswidrigkeit begangen hat, weil er die Mitarbeiter womöglich nicht genügend überwachen ließ. Eine Ordnungswidrigkeit! Aber selbst dabei kam bis heute nichts heraus.
- Datum 02.10.2009 - 07:53 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
- Kommentare 24
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Ob etwas strafrechtlich relevant oder haftpflichtig ist, bzw. von einem Geschädigten als haftpflichtig angesehen wird, hat wenig miteinander zu tun, das sind zwei vollkommen verschiedene paar Schuh.
Mittlerweile ist kaum noch ein Geschäftszweig der Siemens AG übrig, der nicht als korrumpiert gilt. Eine derartige Ausbreitung ist nur durch Anstiftung erklärbar. Des weiteren ist die unterlassene Unterbindung nicht mehr durch Fahrlässigkeit zu erklären, man hätte von den korrupten Zuständen wissen müssen, d. h. Pierer wußte zumindest durch wegsehen von ihnen.
Wenn Siemens Pierer in der Haftung sieht, ist es deren gutes Recht diese Ansicht vor einem Gericht prüfen zu lassen. Einen guten Ruf kann von Pierer dadurch auch nicht mehr verlieren
Immer heißt es, die "Topmanager" bekommen Millionengehälter weil sie u.a. so eine große Verantwortung tragen. H. V. Pierer war für die Aktivitäten bei Siemens verantwortlich, also soll er jetzt auch die Verantwortung tragen - sprich haften.
Dass er auch davon auch nichts gewußt haben soll - bei einem Milliardenbetrag - das kann man nur noch einem Volltrottel erzählen.
Das ist doch das große Problem in Deutschland: jeder möchte nur noch in ein großes Unternehmen gehen und abkassieren. Warum gründen denn all diese Supermänner/-frauen nicht selbst ihre eigenen Unternehmen? Weil sie nichts können!!!!
Deshalb haften, haften, haften!!!
Gründen Sie doch mal eine GmbH ausserhalb der subventionierten und moralisch guten Branchen. Sie werden sich wundern, was Ihnen alles so passieren kann.
Und falls Sie in einem mittelständischen Privatunternehmen angestellt sind, freuen sich über den Trottel, der für Sie arbeitet.
Haftungsregeln gelten für alle Unternehmer und Geschäftsführer egal welcher Betriebsgröße. Schauen Sie mal in die Kommentierung im Strafgesetzbuch. Das und das Insolvenzrecht sollten Sie intensiv studiert haben, sonst gehen Sie im Streitfall schon an den Anwaltskosten zugrunde.
"Das ist doch das große Problem in Deutschland: jeder möchte nur noch in ein großes Unternehmen gehen und abkassieren."
Siemens zahlt Schmiergelder und wird dies, wenn es weiter existieren will, auch in Zukunft tun - hoffentlich. Es muss dann halt in Zukunft nicht nur auf dem Weltmarkt bestehen, sondern auch gegen die Heimatfront, um im Geschäft zu bleiben. Denn jeder weiß, dass im globalen Konkurrenzkampf in Südamerika, Afrika oder Asien nicht ein Großauftrag an Land gezogen wird, ohne Geld in irgendwelche Hände zu legen - und in Frankreich beispielsweise, wo sie niemals auf die Idee kämen, ausgerechnet den eigenen nationalen Unternehmen destruktiv-feindselig gegenüber aufzutreten, reiben sie sich die Hände über die Fesselung eines erfolgreichen Konkurrenten.
Und die Welt der Bakschischempfänger pfeift darauf, am Wesen deutscher Saubermänner zu genesen!
Unser wirkliches Problem ist, wie wir endlich einmal die Pest des selbsternannten Moralapostels loswerden, die abertausende Arbeitsplätze über die Wupper gehen zu lassen bereit ist, nur um sich ein wenig in der Rolle des Scharfrichters zu gefallen und Schulterklopfen zu ernten, wie wir diesen rot-braunen Hass auf den Kapitalismus und seine Repräsentanten niederringen können. Diese Leute haben mit der Torpedierung des Transrapid schon ein Menetekel für die Zukunft unseres Landes als exportlastigste aller High-Tech-Nationen gesetzt.
Wie die Staatsanwalt das hinkriegt, ist egal, sie soll sich auf's Inland beschränken.
Gründen Sie doch mal eine GmbH ausserhalb der subventionierten und moralisch guten Branchen. Sie werden sich wundern, was Ihnen alles so passieren kann.
Und falls Sie in einem mittelständischen Privatunternehmen angestellt sind, freuen sich über den Trottel, der für Sie arbeitet.
Haftungsregeln gelten für alle Unternehmer und Geschäftsführer egal welcher Betriebsgröße. Schauen Sie mal in die Kommentierung im Strafgesetzbuch. Das und das Insolvenzrecht sollten Sie intensiv studiert haben, sonst gehen Sie im Streitfall schon an den Anwaltskosten zugrunde.
"Das ist doch das große Problem in Deutschland: jeder möchte nur noch in ein großes Unternehmen gehen und abkassieren."
Siemens zahlt Schmiergelder und wird dies, wenn es weiter existieren will, auch in Zukunft tun - hoffentlich. Es muss dann halt in Zukunft nicht nur auf dem Weltmarkt bestehen, sondern auch gegen die Heimatfront, um im Geschäft zu bleiben. Denn jeder weiß, dass im globalen Konkurrenzkampf in Südamerika, Afrika oder Asien nicht ein Großauftrag an Land gezogen wird, ohne Geld in irgendwelche Hände zu legen - und in Frankreich beispielsweise, wo sie niemals auf die Idee kämen, ausgerechnet den eigenen nationalen Unternehmen destruktiv-feindselig gegenüber aufzutreten, reiben sie sich die Hände über die Fesselung eines erfolgreichen Konkurrenten.
Und die Welt der Bakschischempfänger pfeift darauf, am Wesen deutscher Saubermänner zu genesen!
Unser wirkliches Problem ist, wie wir endlich einmal die Pest des selbsternannten Moralapostels loswerden, die abertausende Arbeitsplätze über die Wupper gehen zu lassen bereit ist, nur um sich ein wenig in der Rolle des Scharfrichters zu gefallen und Schulterklopfen zu ernten, wie wir diesen rot-braunen Hass auf den Kapitalismus und seine Repräsentanten niederringen können. Diese Leute haben mit der Torpedierung des Transrapid schon ein Menetekel für die Zukunft unseres Landes als exportlastigste aller High-Tech-Nationen gesetzt.
Wie die Staatsanwalt das hinkriegt, ist egal, sie soll sich auf's Inland beschränken.
Die öffentliche Hinrichtung von Pierers durch seine Nachfolger ist ein klares Symbol dessen, was in Deutschland läuft. Eine Ikone des rheinischen Konsenskapitalismus wird von den neoliberalen Profitgeiern gefällt. Pierer (der teilweise im Jahr das verdiente was Löscher im Monat einsackt) stand für einen verantwortlichen Kapitalismus, für gerechte (wenn auch scharf verhandelte) Teilhabe der Arbeitnehmer, Rücksichtnahme auf nationale Interessen und gegenseitige Vorteilsnahme und -gewährung einer deutschen Wirtschaftselite zum Wohle des Landes - den rheinischen Konsenskapitalismus eben. Zu den üblichen Geschäftspraktiken gehörte seinerzeit auch die Auslandsbestechung (die OECD Konvention wurde erst 1999 in nationales Recht umgesetzt) - zum Nutzen der Republik(!!).
So wie die neue Wirtschaftselite mit dem Land, mit den Menschen und deren Ressourcen umgeht, so geht sie mit vonPierer um: ohnes jedes Quentchen Verbundenheit, rücksichtslos, egoistisch und scheinheilig (ohne auch nur den Ansatz einer Möglichkeit von den international immer noch üblichen Bestechungspraktiken abzusehen)
Am Ende des Tages wird Deutschland sehen, was es davon hat, diejenigen gewähren zu lassen, die durchreisen um zu nehmen, was sie kriegen können.
Der Hinweis auf die OECD Konvention kann gar nicht genug betont werden. Danke.
Ich das nicht ein klein wenig durchgeknallt? Von Pierer wird von den Neoliberalen verfolgt? Dass Neoliberale nach Ansicht von NPD/Linkspartei gerne Christenkinder und Arbeitslose frühstücken, daran haben wir uns ja schon gewöhnt, aber dass die jetzt auch noch "Konsenskapitalisten" wegmachen wollen...???
Glauben Sie eigentlich, dass die Amis tatsächlich auf dem Mond waren?
Der Hinweis auf die OECD Konvention kann gar nicht genug betont werden. Danke.
Ich das nicht ein klein wenig durchgeknallt? Von Pierer wird von den Neoliberalen verfolgt? Dass Neoliberale nach Ansicht von NPD/Linkspartei gerne Christenkinder und Arbeitslose frühstücken, daran haben wir uns ja schon gewöhnt, aber dass die jetzt auch noch "Konsenskapitalisten" wegmachen wollen...???
Glauben Sie eigentlich, dass die Amis tatsächlich auf dem Mond waren?
Könnte man Kinderschändern ihre Tat nicht durchgehen lassen, wenn sie doch schöne Filme drehen? Muss man denn wirklich korrupte Manager bestrafen, wenn sie doch dabei Geld verlieren, womöglich sogar viel? Das ist mittlerweile das erschreckende Niveau von Zeit-Autoren. Herr Pierer hat Jahre, vielleicht Jahrzehnte das Zigfache Durchschnittseinkommen verdient, weil er so fleißig war und diese unglaubliche Verantwortung getragen hat. Das soll aber natürlich nur gelten, solange es damit nicht ernst wird. Wann lese ich hier ein Pläydoyer für den Jatz-IV-Empfänger, dem man das letzte Hemd auszieht?
Das ist definitiv Bildzeitungsniveau. Erstens werden Leute, die sich Sex mit jungen Frauen erschleichen, nicht noch nach 30 Jahren gejagt - und zwar in *allen* Rechtsstaaten, die sich zu Recht als solche bezeichnen -, und zweitens würde ich gerne mal von Ihnen wissen, wieviele Arbeitsplätze Sie denn so geschaffen haben in Ihrem Leben, wenn Sie schon Ihr Einkommen mit dem von von Pierer vergleichen. Oder schwingt in Ihrem Beitrag tatsächlich noch ein anderes Motiv mit als Neid und Häme gegen die da oben?
Das ist definitiv Bildzeitungsniveau. Erstens werden Leute, die sich Sex mit jungen Frauen erschleichen, nicht noch nach 30 Jahren gejagt - und zwar in *allen* Rechtsstaaten, die sich zu Recht als solche bezeichnen -, und zweitens würde ich gerne mal von Ihnen wissen, wieviele Arbeitsplätze Sie denn so geschaffen haben in Ihrem Leben, wenn Sie schon Ihr Einkommen mit dem von von Pierer vergleichen. Oder schwingt in Ihrem Beitrag tatsächlich noch ein anderes Motiv mit als Neid und Häme gegen die da oben?
Oh mein Gott, wo kommen wir denn da hin wenn, jetzt die Leute die das ganze verbrochen haben zur Rechenschaft gezogen werden und auch noch mit ihrem Privatvermögen haften sollen?
"der das Unternehmen mit nicht geringem Erfolg von 1992 bis 2005 geführt hat,"????
Hallo? Das einzige was dieser Mann gemacht hat war Sparten die sich nicht mehr "gelohnt" haben zu verkaufen oder auszulagern. Wobei die Definition von "nicht mehr lohnen" "kein Gewinnzuwachs" war. Ich sage nur Mobilfunk Sparte. Ohne auch nur ein bisschen Rücksicht auf die Mitarbeiter zu nehmen.
Falls sich eine Sparte dann wieder berappelt hatte und nicht Pleite gegange war, hat er sie für teures Geld wieder zurückgekauft.
Das alles auf der jagt nach dem besten Quartalsergebnis.
Schon möglich, dass Siemens hier zwecks Reinwaschung seines Rufs ein Exempel statuiert. Für mich ist es ein Hoffnungsschimmer am Horizont: Hier wird ein Manger der grossen Schaden angerichtet hat, ausnahmsweise mal nicht mit einer Abfindung nach Hause geschickt wird, sondern für das, was er angerichtet hat, persönlich zur Rechenschaft gezogen. Mehr davon! So etwas hätte ich auch gern bei Politikern und Amtsträgern, die aus - echter oder vorgetäuschter - Dummheit dem Staat, also uns allen, beträchtlichen Schaden verursachen.
Herr von Pierer hat sich strafrechtlich nichts zuschulden kommen lassen.
Also erinnert das Ganze an die "Säuberungen" in sozialistischen Ländern. Änderte sich die Parteilinie, wurden die Vertreter der vorherigen Linie ins Gefängnis gesteckt oder hingerichtet obwohl sie sich nichts hatten zuschulden kommen lassen.
Im Kapitalismus wird dagegen bei Änderung von Moralvorstellungen mittlerweile ordentlich verdient und finanziell gefoltert.
Gerüchten zufolge sollen ja die leitenden und einfachen Angestellten, Arbeitnehmer, Pensionäre und Aktionäre, die von diesen Geschäften profitiert haben, bereit sein, ihren anteiligen Verdienst an diesen Geschäften zurück zugeben. Aber das ist nur ein Gerücht. Braucht man sie nicht mehr, darf man die Kuih, welche einen ernährt hat, ruhig schlachten.
Hoch lebe die neue Moral, die uns jetzt ernährt. Man darf gespannt sein, was danach kommt.
...kann er ja einen Prozess anstrengen. Mit 6 Mio. EUR bin ich guter Dinge, dass sich auch Herr von Pierer ordentliche Anwälte leisten kann
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