Die FDP favorisiert zwar eine Regelung bei der deutsche Forscher unabhängig vom Herstellungsdatum auf Stammzellinien aus ausländischen Embryonen zugreifen dürfen - die Stichtagsregelung finden sie dennoch akzeptabel © dpa

Frei sollen Wissenschaft und Medizin sein, ohne Denkverbote und unbelastet von Ideologien. So lautete das Mantra der FDP in den vergangenen Jahren. Bei den großen bioethischen Themen (Embryonenschutz, Sterbebegleitung, genveränderte Lebensmittel) gab sie die Anwältin des Fortschritts und der Selbstbestimmung.

Mancher erwartet daher nun eine biopolitische Wende von den Liberalen – gegen den Widerstand der Union, die sich als Hüterin einer christlich inspirierten Menschenwürde sieht.

Doch dazu wird es kaum kommen. Die meisten Kriegsschauplätze hat Rot-Schwarz längst befriedet: die moralisch aufgeladene Debatte um Patientenverfügung und Spätabtreibung auch die Gewinnung von Stammzellen aus Embryonen.

Zwar favorisiert die FDP bis heute eine Regelung, bei der deutsche Forscher sich ungeachtet des Herstellungsdatums mit Stammzelllinien aus ausländischen Embryonen versorgen dürfen. Doch auch die aktuelle Stichtagsregelung finden die Experten in der Partei durchaus praktikabel. »Da herrscht kein Handlungsbedarf«, heißt es.

Die Stammzellforschung eignet sich schon deshalb nicht mehr für politischen Streit, weil es mittlerweile eine alternative Quelle für den begehrten Biorohstoff gibt: die sogenannte Reprogrammierung  (ZEIT Nr. 24/09). Anstatt Embryonen zu verbrauchen, entwickeln dabei Forscher normale Körper- zu Stammzellen zurück.

Konflikte wird es hingegen um die grüne Gentechnik geben – allerdings nicht mit der FDP, sondern innerhalb der Union. Denn die CSU hat gerade in ländlichen Gebieten Stimmen verloren. Sie wird daher den Anbau der bei bayerischen Bauern unbeliebten genveränderten Pflanzen weiterhin zu verhindern suchen

Die Merkel-CDU hingegen ist da liberaler. Und das kommt der FDP politisch zupass – gibt es ihr doch die Möglichkeit, die Schwesterparteien gegeneinander auszuspielen.