60 Jahre Volksrepublik China: "Lang lebe das Volk!"
Vor 60 Jahren rief Mao Tse-tung die Volksrepublik China aus. Sein Triumph mündete in eine Schreckensherrschaft, die Millionen Chinesen Not und Tod brachte.
© AFP/Getty Images

Am 1. Oktober 1949 verkündet der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Mao Tse-tung auf dem Söller am Tor des Himmlischen Friedens die Gründung der Volksrepublik China
Es ist nicht gerade eine mitreißende Rede, in der am 1. Oktober 1949 der Vorsitzende der Kommunistischen Partei die Gründung der Volksrepublik China verkündet. Mao Tse-tung, wie er da in Peking auf dem Söller am Tor des Himmlischen Friedens steht, wirkt nervös.
Er räuspert sich nach jedem Satz, zählt langweilig eine Reihe von Ernennungen auf, gibt nichts Programmatisches von sich. Aber seine Kernbotschaft, vorgetragen zehn Tage zuvor beim Zusammentritt des Volksrates, klingt mit Macht noch immer nach. Sie hat weltgeschichtliches Gewicht: »Unsere Nation wird nie wieder eine gedemütigte Nation sein. China hat sich erhoben!«
Die hunderttausend Menschen, die sich auf dem Tiananmen-Platz versammelt haben, jubeln dem Sieger des chinesischen Bürgerkriegs zu. »Lang lebe der Vorsitzende Mao!«, skandieren sie. Er aber geht, aufgeregt winkend, auf der Balustrade des Tores hin und her und ruft Mal um Mal: »Lang lebe das Volk!«
Mao war erfüllt von seinem Triumph. Landstrich um Landstrich hatten die kommunistischen Truppen seinem Gegenspieler entrissen, dem Nationalisten-Chef Chiang-Kai-shek, geschlagen zog sich der Generalissimus mit Chinas Goldreserven und den Schätzen des Nationalmuseums auf die Insel Taiwan zurück.
Zwei Millionen Kuomintang-Anhänger folgten ihm dorthin; die Zahl der Inselbewohner stieg damit auf acht Millionen. Mao Tse-tung jedoch herrschte jetzt auf dem Festland über 550 Millionen Chinesen.
»China hat sich erhoben!« Im Jahre 1817 hatte der nach St. Helena verbannte Napoleon geweissagt: »Wenn China erwacht, wird die Welt erzittern.« Nun war der napoleonische Moment gekommen.
Maos Ausrufung der Volksrepublik setzte einem Jahrhundert der nationalen Schmach, der Erniedrigung, Unterjochung und Zerstückelung durch fremde Mächte ein Ende. Der blutige Bruderkrieg der vorausgegangenen 25 Jahre verebbte zu einer noch lange anhaltenden Propagandaschlacht. Bald schon war nicht mehr der geringste Zweifel daran erlaubt, wer das wiederauferstehende Reich der Mitte in die Zukunft führen werde: Mao Tse-tung.






"Die historische Größe Maos, des Befreiers, erweist sich in seiner Beharrlichkeit während der Kampfjahre; sie ließen ihn zu einem der großen Beweger und Gestalter des 20. Jahrhunderts werden."
Hat er eigentlich auch Autobahnen gebaut?
Mao hat drei Jahre nach seinem Tod Vietnam überfallen?
Lieber Leser, herzlichen Dank, Sie haben Recht, der Fehler wurde korrigiert. Viele Grüße aus der ZEIT ONLINE Wissenschaftsredaktion.
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Trotz Ihrer kritischen Einschaetzung Maos sollten Sie nicht versaeumen zu sehen, dass es Mao zu verdanken ist, wenn immer mehr Individuen in China sich trauen, unabhaengig zu denken. Ohne Napoleon kein modernes Europa, ohne Mao kein modernes China. Eine Milliarde Menschen aus einem geistigen Kerker zu befreien, ist keine kleine Leistung. Zumal aus den Fesseln des Konfuzianismus, dem blutruenstigen Pseudo-Moralismus, dem seelenfressenden, geistig vernichtenden Mechanismus von 2000 Jahren, der wie Opium von den Herrschern benuetzt wurde, um das Volk zu vergiften. Diese der Naturvernunft feindliche Ideologie mit aller ihrer Diskriminierung und Vorverurteilung erzeugt in einem Volk nur Angst, Neid, Hass und alle moeglichen sklavischen Einstellungen. Alle Elemente, die die echte „gelbe Gefahr“ ausmachen. Deng XiaoPings Groesse besteht darin, die zwei fatalen Knoepfe der Menschheit Habgier und Neid aufgedreht zu haben und zwei ungeheure Gewalten freizusetzen. Ein von den eigenen Herrschern unterdruecktes und ausgebeutetes Volk wurde dagegen durch Mao zur Erkenntnis gebracht: Rebellion ist gerechtfertigt. Es ist die Bequemlichkeit des kleinen Intellektuellen, historische Katastrophen einer Person zuzuschreiben. Massenmorde dem Bauernsohn Mao und dem Deserteur Hitler. Das ist zu leicht behauptet.
Ihre Abscheu vor Mao stellt Ihre Ignoranz ueber die tiefe psychokulturelle Struktur der Chinesen bloss. Sie sollten nicht erwarten, in einer populaeren Biografie von Mao wie der von Jung Chang, historische Wahrheiten gefunden zu haben. Beschraenkte Sicht erzeugt nur falsche Vorstellungen. Jung Chang schrieb diese Biografie mit der Absicht, den Quaeler ihres Vaters blosszustellen. Ohne die Kontinuitaet der Geschichte in Betracht zu ziehen und anhand von ein paar statistischen Zahlen die Wahrheit zu postulieren, ist eine intellektuelle Anmassung. Was Mao vorhatte, haben nicht viele Leute verstanden. Die Wirkungen kommen noch.
Seit ueber 2000 Jahren ist China der schlimmste geistige Kerker der Welt. Unter dem Konfuzianismus haben sowohl die chinesischen Herrscher als auch das Volk zwanghaft gelernt, viele Masken zu tragen. Die Macht ist der Regisseur, nach dessen Pfeife man tanzt. Das Volk hat nur eine vegetative Existenz, die bloss dem Steuer- und Militaerdienst fuer den Herrscher dient. Ob Kaiser in der Vergangenheit oder Obrigkeit heutzutage, kein neues System kann China helfen, wenn die alte Mentalitaet bleibt. Dieser Mentalitaet ein Ende zu machen, ist Maos Vorhaben. Diese alte sklavische Mentalitaet wird von der kommunistischen Partei benuetzt und gefoerdert. Beachten Sie, dass der Konfuzianismus in uebersetzten Texten und im chinesischen Alltagsleben zwei wesentlich verschiedene Angelegenheiten sind.
Alle Uebersetzungen betrachten den Text mit einer westlichen humanistischen Brille. Der Konfuzianismus ist das allerschlimmste Uebel, das das chinesische Volk seit 2000 Jahren geplagt hat (Sie koennen bei Karl Jaspers ueber Konfuzius nachlesen). Diese Ideologie ist wie Maggi fuer die Herrscher und Opium fuer das Volk. Der Schwachsinnige, der einmal davon gekostet hat, wird suechtig: Harmonie, Friede und Ordnung sind im Konfuzianismus Begriffe, die sich von denen im Westen total unterscheiden. In der Tat steht diese Ideologie nur fuer Verfolgung, Unterdrueckung und Verdraengung aller anders gesinnten, viel schlimmer als der Katholizismus in Europa („Religious Persecution in China „ von J.J.M. de Groot).
Warum die Grande Dame Geschichte eine Persoenlichkeit wie Mao geschickt hat, ist kein Zufall. Vorher war der Opiumkrieg. Sie glauben nicht an Mystizismus, macht nichts, reiner Zufall. Entzug ist nicht gemuetlich, ist schmerzhaft und chaotisch. Aber dadurch wird mancher endlich von diesem Opiumuebel des Konfuzianismus befreit. Bewusst oder unbewusst. Der im Westen gefeierte Ai WeiWei ist das beste Beispiel dafuer. An ihm kann der erfolgreiche Entzug studiert werden. Das alles mag man dem Mao verdanken, genauer gesagt, seiner Botschaft: Wo es Unterdrueckung gibt, da gibt es Aufstand. Mao ist immer auf der Seite der sozial Schwachen, der Armen und Mittellosen.
Aber als oberster Machthaber wird man nur mit entstellten Informationen gefuettert. Jeder chinesische Beamte ist ein manipulativer Eunuch. Mao war auch von lauter solchen eunuchenartigen Mandarinbeamten umzingelt. Die, die sich Kommunisten nennen, sind es nicht, sondern in der konfuzianistischen Ideologie tief verwurzelt. Sie sind gegen Demokratie und gegen Meinungsfreiheit, machtsuechtig und eifersuechtig. Sie sind die wahre „gelbe Gefahr“.
Was alles Boeses man Mao zugeschrieben hat, geschieht nur aus medialer Bequemlichkeit. Was Mao fuer das Volk und ueberhaupt fuer die Welt getan hat, wird erst Wirkung tragen. Ein Adler fliegt in der Hoehe vorbei, man sieht nur einen schwarzen Punkt. Lieber Herr Sommer, seien Sie nicht zu eilig zu behaupten, sie haetten einen Spatzen gesehen.
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