Klappräder Glück auf kleinen Reifen
Schneller als zu Fuß gehen, gesünder als Auto fahren: Mit dem Klapprad kommt man überall durch. Manchmal sprechen einen sogar Damen an. Ein Testbericht
© rolphe und heidi/Photocase

Sie haben ein eigenwilliges Design und Charisma: Klappräder sind im Trend, sagen die Hersteller
Das Hässliche wird, wie Entenfahrer, Zungenringträger und Nacktmullzüchter wissen, dann schön, wenn es in einer Gruppe von Menschen als Distinktionsmerkmal anerkannt ist. Klappfahrräder sind hässlich. Ausgeklappt wirken sie unproportioniert und verwachsen, eingeklappt wie ein Schrotthaufen. Doch eine Gruppe von Menschen – nennen wir sie: die urbanen Nomaden – hat das Klapprad als ultimativen Ausdruck individueller Mobilität, ja Freiheit auserkoren.
Diese Leute finden nicht nur, dass Klappräder ein Hingucker sind. Sie geben auch enorme Summen dafür aus, betreiben Homepages und lassen sich von Uneingeweihten verspotten. Klappradtester laufen Gefahr, von der Klappradhysterie angesteckt zu werden. Angesteckte Klappradtester erkennt man am Gebrauch des Euphemismus »Faltrad«.
Mein erstes Faltrad im Test war ein Brompton. Sein Name war LD6, ebenso eigenwillig war sein Design mit einem charakteristischen Knick im Oberrohr, sehr kleinen 16-Zoll-Rädern (40,64 cm Durchmesser) und einer gewaltigen, verchromten Sattelstütze, maximal herausgezogen für den langen Tester. Ein bisschen snobbish und very British.
Ich verließ den Fahrradladen, brauste los und war glücklich. Ja: glücklich! Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass man auf diesem komischen Gefährt dank der mit sechs Bar aufgepumpten Reifen und einer perfekten Sechsgangschaltung dahinzischt wie auf einem Rennrad. Das Rennradfeeling stellt sich übrigens auch auf Pflastersteinen ein: Da rüttelt es den Fahrer enorm durch. Bordsteinkanten sind ein Grund abzusteigen.
Am Bahnhof faltete ich das Ding mit wenig Mühe zu einem appetitlichen, 11,2 Kilo wiegenden Päckchen zusammen. Sensationelle und von der Konkurrenz kaum erreichte Packmaße: 27 mal 56 mal 57 Zentimeter. Im ICE fand ich nach einigem Suchen ein Plätzchen zwischen den Rücklehnen zweier Sitzreihen. Man lässt das edle Teil (knapp 1100 Euro) ungern aus den Augen.
Falträder sind im Trend, sagen die Hersteller. Selbst in Deutschland gibt es schon organisierte Brompton-Ausfahrten; in England fährt man Faltradrennen unter Berücksichtigung eines strikten Dresscode (Sakko, Hemd und Krawatte). Der urbane Nomade will offenbar nicht nur sein Büro in Gestalt von Laptop, Smartphone und mobilem Internet immer am Körper tragen, sondern auch jederzeit über persönliche Mobilität verfügen.
Wer von Termin zu Termin hastet, für den schließt das Faltrad die Lücke zwischen Zufußgehen und Bus und Bahn, Taxi oder PKW. Außerdem ist Faltradeln gesund und öko. Früher, als man noch Klapprad sagte, war das Ding für den Kofferraum, die Jacht oder das Wochenendhaus konzipiert. Heute reist es überall gratis mit und muss nicht einmal mehr verpackt werden.
Das Faltrad fügt sich ins öffentliche Verkehrssystem ein. Besonders im Leben eines Bahnpendlers wie ich es bin tun sich immer wieder Lücken auf, die das Faltrad schließt: zwischen Heim und Bahnhof und zwischen Zielbahnhof und Büro. Dort faltete ich es einfach wieder zusammen und stolzierte damit an den Kollegen vorbei in mein Zimmer, wo ich mein Rad eher als Skulptur betrachtete denn als Fahrrad.
Vergangenen Monat dann ein Besuch auf der Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen. Dort stand das IOS XL Urban Bike. Erste Reaktion: wow! Schwarz bis zu den Speichen, wirkt es mit seinen großen 24-Zoll-Slicks (profillosen Reifen namens Kojak) fast wie ein ausgewachsenes Mountainbike. Es ist mit Alfine, der Edelschaltung von Shimano, und Scheibenbremsen ausgestattet. Außerdem besitzt es ein hoch suggestives Signal für urbane Nomaden: eine USB-Schnittstelle zum Aufladen des MP3-Players oder des iPhones.

Falt- oder Klappräder lassen sich als handliche Päckchen selbst im Intercity Express verstauen und sind das passende Fortbewegungsmittel für urbane Nomaden. Es gibt sie mittlerweile auch mit USB-Schnittstelle, um etwa Akkus von MP3-Playern aufzuladen
Mit dem IOS versucht sich der Weltmarktführer Dahon (USA/Taiwan) an der Eier legenden Wollmilchsau: Es soll echt schickes Radeln mit hohem Falt- und Tragekomfort kombinieren und dazu noch cool verstaubar sein. Das gelingt aber nur eingeschränkt: Das gefaltete Paket ist weder klein noch leicht, sondern wiegt mindestens 16 Kilo. Andererseits sagen selbst junge Menschen, die es angesichts eines Faltrads normalerweise würgt, beim Anblick des IOS anerkennend: »stylish!«
Beim Testen hatte ich schon morgens im Zug die ersten Bewunderer. Ich wurde auf offener Straße von Damen angesprochen! Das hübsche Gerät ist ab dem Jahr 2010 zu haben und kostet in der Vollversion rund 1500 Euro, in einer abgespeckten City-Version immer noch 1000 Euro. Ein happiger Preis.
Doch wer sein Klapprad nicht gerade bei Aldi kaufen will, muss in der Regel Geld in die Hand nehmen. Das Birdy beispielsweise, das der deutsche Hersteller Riese und Müller als »Kultobjekt« anpreist, kostet mit Rohloff-Schaltung um die 3000 Euro. Dafür bekommt man ein echt schrilles, voll gefedertes Gerät, das sich etwas umständlich falten lässt.
Am Ende bin ich allerdings auf ein Faltrad gestoßen, das weder mich noch mein Konto einschüchtert (500 Euro). Die Firma Dahon hat nämlich auch ein Modell ohne alles im Angebot, ein naked bike. Es heißt Mµ Uno, hat nur einen Gang und 20-Zoll-Räder; batteriebetriebenes Licht muss man anklemmen, gebremst wird mit Rücktritt. Aber es faltet sich flott und wiegt nur zehn Kilo.
Das Mµ Uno hat mich durch die Eifel getragen, bergauf im Wiegetritt, und über verlotterte Feldwege. Die Übersetzung ermöglicht zügiges Radeln auf Asphaltpisten. Mit dem schlichten Begleiter an meiner Seite habe ich sogar den Schrecken einer jeden Bahnreise ertragen – den Schienenersatzverkehr, das erzwungene Umsteigen vom Zug in einen Ersatzbus. Normalerweise käme da ein Fahrrad nicht mit.
Das Mµ Uno hat keine Federung; wenn der Untergrund zu ruppig wird, lässt man einfach Luft aus den Reifen. Zum Aufpumpen zieht man das Sattelrohr aus dem Rahmen. Darin versteckt sich eine formidable Klappluftpumpe. Zur Vollendung des Glücks fehlt nur noch ein Klapphelm, aber auch der wurde auf der letzten Eurobike bereits präsentiert. Was übrigens nicht fehlt, ist das Faltelektrorad. Das gibt es nämlich schon.
- Datum 02.10.2009 - 09:47 Uhr
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- Serie Technik im Trend
- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
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Ich freue mich sehr, dass jetzt auch Fahrradthemen zu Zeit-Online finden.
Noch schöner wäre es die Rubrik 'Auto' in 'Mobilität' umzubennen und die Frequenz der Zweirad-Artikel noch deutlich zu steigern. Das (Elektro)Zweirad wird immer wichtiger werden im urbanen Verkehr.
Umweltzonen, Citymauten und Carsharing sind entscheidende Schritte zur Entmotorisierung von Stadtbewohnern. Vorbild sind Städte wie Amsterdam und Kopenhagen, in denen es genauso viele Radfahrer wie Fahrgäste des ÖPNV gibt. Fahrrad- und Fußgängerwege werden ausgebaut und Leihfahrradsysteme installiert. Das Fahrrad bildet die Schnittmenge zwischen den Bedürfnissen nach umweltfreundlichen Verkehrslösungen, Gesundheit, High Tech und High Touch, sowie Convenience.
Um die mobile Flexibilität in den Städten zu erhöhen, sind Klappräder ideal. Es kann einfach mit ins Büro genommen werden, passt in jede überfüllte U-Bahn am Morgen und ist Anzug- und kostümtauglich und somit ideal für den mobilen Großstadtnomaden.
Die zwei Studenten von der Hochschule Coburg entwickelten das Faltrad VELO FLINK nach ECO Design-Gesichtspunkten. Besuchen Sie die Seite www.veloflink.com/
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