Psychotherapie Nebenwirkungen inklusive
Wie kann sich der Psychotherapie-Patient vor Scharlatanen schützen?

Viele streben nach seelischer Gesundheit. Psychiater sollen ihnen dabei helfen, doch die Qualität und Nebenwirkungen der Therapien werden oft nur unzureichend kontrolliert
Ein Psychiater erlebt im Laufe seines Berufslebens so manche Merkwürdigkeit. Manfred Lütz, Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln-Porz und rheinische Frohnatur, berichtet gern davon.
Einmal etwa sei ein »bekannter Medienmensch« zu ihm gekommen, der tief verstört war. Ein Psychotherapeut hatte ihm eingeredet, sein öffentlich zur Schau getragenes Selbstbewusstsein sei nur aufgesetzt; tatsächlich sei er innerlich ganz unsicher. Das hatte den Hilfesuchenden so schwer getroffen, dass er sich in stationäre ärztliche Behandlung begeben hatte, wo er sich, wie Lütz sagt, »von morgens bis abends seinen psychischen Bauchnabel angucken musste und es ihm dadurch noch schlechter ging«.
Dem Verunsicherten gab Lütz einen simplen Rat: »Das ist alles Quatsch. Sie wissen doch selbst, Sie sind ein selbstbewusster Mensch und bringen tolle Leistungen.« Das wirkte. Zwei Tage später trat der Mann wieder auf und verzichtete fortan auf psychotherapeutische Hilfe.
»Auch die Psychotherapie kann Nebenwirkungen haben«, sagt Lütz, der soeben das Buch Irre! Wir behandeln die Falschen veröffentlichte. Was bei Lütz allerdings vorwiegend heiter daherkommt, kann in anderen Fällen dramatische Folgen haben.
- Zentrale Fragen
Keine wirksame Therapie ist frei von Nebenwirkungen, das trifft auch auf die Psychotherapie zu. Aber es lässt sich einiges tun, um fragwürdige Therapien zu vermeiden. So empfehlen sich etwa zum Einstieg drei zentrale Fragen an potenzielle Therapeuten: Was für eine Ausbildung haben Sie? Wie wollen Sie mich therapieren? Und was sind die Nebenwirkungen? »Einen Therapeuten, der darauf gekränkt reagiert, würde ich nicht nehmen«, empfiehlt der Psychiater Manfred Lütz.
- Zweite Meinung
Wer sichergehen will, nicht aufs falsche therapeutische Gleis zu geraten, kann noch mehr tun. Normalerweise beginnt jede Psychotherapie mit drei probatorischen Sitzungen. In dieser Anfangsphase, raten Experten, sollte man möglichst eine zweite Meinung einholen – auch wenn das dadurch erschwert wird, dass es meist mühsam ist, Termine zu bekommen.
- Supervision
In der Therapie ist das erste und wichtigste Kriterium: Fühle ich mich wohl mit dem Therapeuten? Günstig ist es auch, wenn der Psychotherapeut sich mit anderen Kollegen in einer Supervision austauscht. Und zwei Dinge haben in einer Psychotherapie gar nichts zu suchen: Drogen und alle Arten von körperlicher Annäherung des Therapeuten an den Klienten. HAL
Jüngstes Beispiel ist der Tod zweier Menschen vergangene Woche in Berlin in der Praxis des Psychotherapeuten Garri R. Im Rahmen einer sogenannten psycholytischen Therapie hatten sie einen – offenbar verheerenden – Drogencocktail geschluckt. Nun ist das zugegebenermaßen ein Extremereignis, das nicht typisch für den Berufsstand ist. Dennoch wirft der Zwischenfall die Frage auf, wie es in der Psychotherapie eigentlich um Themen wie Qualitätssicherung und Nebenwirkungen bestellt ist. Die Antwort: Nicht gut.
»In kontrollierten Studien von Psychotherapien wird nie über Nebenwirkungen berichtet«, sagt zum Beispiel Michael Linden von der Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation an der Berliner Charité, »es gibt noch nicht mal einen Fragebogen dafür. Das gehört nicht zur Tradition.«
Dabei hatte sich die Psychotherapie mit dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes 1999 von Scharlatanerie und Esoterik absetzen und den Weg in eine größere Seriosität antreten wollen. So werden heute nur noch drei wissenschaftlich fundierte Verfahren von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, die analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie. Und zweifellos hat seither die Wissenschaftlichkeit der Psychotherapie allgemein zugenommen.
Aber wie steht es um die Qualität der einzelnen Therapeuten? Wer verhindert, dass Patienten in die falsche Therapieform geraten? Wer prüft, ob ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten unfähig oder gar gefährlich sind?
Auch kassenzugelassene Therapeuten haben weitgehende Therapiefreiheit
In Berlin war der Ärztekammer-Präsident Günther Jonitz zuständig für Garri R., den obskuren, aber kassenzugelassenen Therapeuten im Berliner Stadtteil Hermsdorf. Jonitz ist Mitgründer des Aktionsbündnisses Patientensicherheit und Gesellschafter der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung.
Trotzdem ist er schon gegen das Praxisschild von Garri R., auf dem dieser für »Psycholytische Einzel- und Gruppentherapie« wirbt, machtlos. »Das hat uns das Bundesverfassungsgericht 2002 eingebrockt«, sagt Jonitz. »Der Arzt darf auf sein Schild schreiben, wovon er überzeugt ist, dass es einen besonderen Behandlungsschwerpunkt darstellt, und wofür er eine seriöse Ausbildung vorweisen kann.«
Dass damit keineswegs gewährleistet ist, dass es sich um eine etablierte Therapieform handelt, ahnt der Laie nicht. Er liest auf dem Schild in Hermsdorf nur »Alle Kassen« und ist beruhigt. Auf Flugblättern behauptete Garri R. sogar, er hätte die Erlaubnis der Berliner Ärztekammer, seine psycholytische Therapie anzuwenden. Erst als die Kammer sich gegen diese Behauptung wehrte und mit berufsrechtlichen Konsequenzen drohte, gab der Arzt nach.
Doch auch wenn Garri R. auf seinem Praxisschild lediglich eine der drei Richtlinien-Psychotherapien angegeben hätte, wäre er daran nicht gebunden gewesen. Ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 1991 garantiert die Therapiefreiheit, damit nicht durch zu rigide Normen der Fortschritt in der Medizin gebremst wird. »Die Anwendung nicht allgemein anerkannter Therapieformen und sogar ausgesprochen paraärztlicher Behandlungsformen ist rechtlich grundsätzlich erlaubt«, heißt es in dem Urteil.
Natürlich ist die Voraussetzung für jedwede »paraärztliche« Behandlung, dass die Patienten aufgeklärt und nur legale Substanzen eingesetzt werden – was bei Garri R. offensichtlich nicht der Fall war. Doch der Drogenarzt hatte der Berliner Ärztekammer versichert, er wolle nur Salbeiextrakte, Baldrian und Bilsenkraut verwenden. Daher hatte die Kammer keine Handhabe gegen ihn. »Drei Jahre lang gab es keine Beschwerden oder einen Hinweis auf den Einsatz illegaler Drogen«, sagt Jonitz rückblickend, »deshalb gab es auch keinen Anlass einzuschreiten.«
Nun sind Drogenexperimente sicher die Ausnahme. Aber nach der Einführung des Psychotherapeutengesetzes haben viele Therapeuten diverser Richtungen die zeitlich befristete Chance genutzt, sich fortzubilden, um einen der begehrten Kassensitze zu erhalten. Manch einer gibt sich dabei vordergründig krankenkassenkonform, praktiziert aber noch immer seine alte Lieblingsmethode.
Urschreitherapie, tantrische Seminare oder auch die umstrittene Familienaufstellung sind nach wie vor weit verbreitet. Und selbst wenn ein ärztlicher oder ein psychologischer Psychotherapeut nur die Therapieformen anwendet, die das strenge Prüfsiegel des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen erhalten haben, ist nicht garantiert, dass jeder Patient auch eine gute Therapie erhält.
Dabei gibt es im Prinzip viele Instrumente zur Qualitätssicherung – Psychotherapeuten können sich in Supervisionen und Intervisionen mit Kollegen austauschen; Anträge auf eine Psychotherapie werden von Gutachtern geprüft, und während der Behandlung müssen die Therapeuten regelmäßig Berichte an die Krankenkassen verfassen; doch im Zweifelsfall sind all diese Instrumente nicht wirklich scharf.
Auch die Pflicht der Psychotherapeuten zur Weiterbildung besteht lediglich darin, dass sie in fünf Jahren 188 Fortbildungsstunden nachweisen müssen. Ob sie dabei in der letzten Reihe eines Seminars schlummern oder sich regelmäßig den intensiven Nachfragen der Kollegen aussetzen, ist ihnen überlassen.
So bleiben wesentliche Fragen zur Effizienz einer Therapie meist offen. Wie oft führt sie zum erwünschten Ziel? Wie oft gibt es Komplikationen? Und treten bei einigen Psychotherapeuten mehr Komplikationen auf als bei anderen? Was in der Humanmedizin seit einigen Jahren selbstverständlich ist – eine bundesweite Statistik über aktenkundige Behandlungsfehler –, fehlt in der Psychotherapie.
Zwar nehmen die Landespsychotherapeutenkammern entsprechende Beschwerden entgegen. Aber nirgendwo werden die Daten der 16 Länder zusammengeführt. Überhaupt erscheint vieles, was in Bezug auf Qualitätssicherung in der körperorientierten Medizin bereits geschieht, in der Psychotherapie noch nicht angekommen zu sein.
»Die Psychotherapeuten, insbesondere die ärztlichen Psychotherapeuten und ganz besonders die Psychoanalytiker, hinken hinter der Ärzteschaft her«, sagt Thomas Ruprecht von der Techniker Krankenkasse. »Es gibt einfach keine Qualitätssicherung in der Psychotherapie.« Also hat er ein Modellprojekt zum Qualitätsmonitoring angeschoben.
Am Starnberger See ballen sich die Psychoanalytiker
Wie dringend eine Überprüfung der Szene wäre, zeigt eine Auswertung Ruprechts aus dem Jahr 2005 über Patienten, die an einer depressiven Episode litten. In Dortmund landeten sie alle beim Verhaltenstherapeuten oder beim tiefenpsychologisch orientierten ärztlichen Psychotherapeuten. »In München und Umgebung sind dagegen 29 Prozent bei Psychoanalytikern in Behandlung«, sagt Ruprecht.
Ein Analytiker habe ihm das Münchner Phänomen plausibel erklärt: »Da gibt es eben ein psychoanalytisches Ausbildungsinstitut, und die fertigen Therapeuten bleiben dann in der Gegend.« Ob ein Patient unter diesen Umständen noch eine passende und effiziente Therapie erhalte, sei mehr als fraglich.
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- Datum 01.10.2009 - 16:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
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Das Bilsenkraut gehört zu den Nachtschattengewächsen und ist giftig. Es wirkt halluzinogen und kann zum Tod durch Atemlähmung führen http://de.wikipedia.org/w...
Ich danke Ihnen für die Veröffentlichung dieses Artikels! Obwohl Klaus Grawe schon 1994 den Wandel der Psychotherapie von der Konfession zur Profession propagiert hatte, ist der Streit der Schulen in der Therapeutenausbildung doch noch deutlich zu spüren. Da Psychologen nur dann als psychologische Psychotherapeuten praktizieren können, wenn sie nach ihren Studium eine mehrjährige, kostenbflichtige (ca. 10.000-20.00 Euro) Weiterbildung absolviert haben, möchte niemand gerne zugeben, dass die Methoden, für deren Erwerb er oder sie einmal tief in die Tasche greifen mussten, überholt seien könnten.
Größer als das Problem einer nicht mehr adäquaten Behandlung scheint mir jedoch das Problem der Unterversorgung zu sein. Wenn ein Patient, beispielsweise mit Depressionen, mitunter sechs Monate auf einen ambulanten Therapieplatz warten muss, dann kann es nicht erstaunen, dass die Überprüfung der Kompetenzen des Therapeuten nicht mehr im Vordergrund steht, angenommen er hatte die Möglichkeiten in dieses sechs Monaten einer stationären Aufnahme oder schlimmerem zu entgehen.
Letztendlich spricht für mich aus der aktuellen Situation der noch immer vorhandenen Unterschied in der Bewertung von körperlichen und psychischen Erkrankungen durch die Gesellschaft. Werden einer Person bei chronischem Rückenleiden Anteilnahme und Fürsorge zuteil, so muss eine Person mit Ängsten oder Depressionen mit Zurückweisung und Stigmatisierung rechnen.
Das eine solche Sichtweise die Transparenz im Sektor Psychotherapie erschwert kann angenommen werden.
Was bleibt sind leidende Menschen, die sich schämen um kompetente Hilfe zu bitten!
Von einer Zeitung wie der ZEIT hätte ich mir an dieser Stelle eindeutig eine differenziertere Darstellung gewünscht. Herr Albrecht fällt weitgehend frei von Fakten, dafür angereichert mit einer Fülle von Meinungen, ein Urteil über Qualität(ssicherung) in der Psychotherapie, das so aus meiner Sicht tendentiell und unausgewogen ist. Als sowohl in der stationären Rehabilitation als auch (gegenwärtig noch im Rahmen meiner immens kosten- wie auch zeitintensiven Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten) im ambulanten Setting tätiger Psychotherapeut sehe ich mich Tag für Tag mit einer Unmenge an qualitätssichernden Maßnahmen konfrontiert, die sicher nicht in jedem Fall zum gewünschten Ziel einer qualitativ ‚guten’ Therapie beitragen. Das wiederum ist aber nur zu einem Teil ein Problem der Psychotherapie, zu einem anderen Teil eben auch ein Problem des üblichen Qualitätsmanagements, in dessen Standards sich ein so komplexes Geschehen wie das eines psychotherapeutischen Prozesses nur unzureichend abbilden lässt. In diesem Sinne stimme ich Herrn Albrecht zu, dass eine Weiterentwicklung qualitätssichernder Maßnahmen notwendig ist – bin aber trotzdem der Ansicht, dass in seinem Artikel ein Teil der Sachlage systematisch unter den Tisch gefallen ist.
Herr Albrecht,
schade. Wie kann man nur so einen schlechten Artikel über ein eigentlich sehr spannendes Thema schreiben. Da freut man sich auf "Die Zeit" und muss feststellen, doch auf Boulevardniveau gelandet zu sein.
Ihr Grundmuster "Ich will ja nicht alle über einen Kamm scheren, aber ... " und dann alle über einen Kamm zu scheren, das ist schon nicht einmal mehr Schülerzeitungsniveau. Mal völlig abgesehen von Recherche-Qualität, mangelnder Skepsis gegenüber standespolitischen Ideologien und dem völligen Fehlen eines Hauches von journalistischer Ausgewogenheit.
Einfach peinlich.
Schreibt Ihnen ein Nicht-Psychotherapeut.
Thema verfehlt, setzen, sechs.
Verschonen Sie uns bitte mit weiteren Ergüssen.
Herr Albrecht zeichnet sich weder durch Fachkenntnis, noch durch die
Fähigkeit aus, dem leser hilfreiche Informationen zu vermitteln. Er
wirft mit dem Begriff "psychiatrisch" und "psychotherapeutisch" um
sich, ohne dem Leser zu erkennen zu geben, dass es sich bei einem
Psychiater und einem psychologischen Psychotherapeuten keineswegs um
den selben Beruf handelt. Ein psychologischer Psychotherapeut darf
schlichtweg keine Medikamente oder Drogen einsetzen, er handelt somit
rechtswidrig. Über die Durchführung und den Effekt der bestehenden
Qualitätskontrollen kann man mit denen der physisch arbeitenden Ärzte
durchaus Parallelen ziehen, denn die Protokollpflicht besteht; über die
Hintergehung dieser Pflicht auf die mögliche Qualität der
Psychotherapie im Allgemeinen schließen zu wollen, ist hahnebüchen. Wie
ernst wird denn in Deutschland die Qualitätssicherung bei ärztlicher Behandlung genommen, wenn
Kollegen 48 Stunden am OP-Tisch stehen und die Verabreichung von
Medikamentencocktails ohne weitere Kontrolle der Wechselwirkungen
möglich ist?
Auch ist die Behandlung des erwähnten Promis sehr
polemisch dargestellt. Indem ich einem Menschen etwas sage, was sein
momentanes Befinden hebt, ist ihm noch lange nicht immer geholfen,
möglicherweise wurde von dem hier erwähnten Psychiater auch die Phase der Introspektion veralbernd dargestellt.
Zu guter Letzt sollte sich Herr Albrecht darüber informieren, dass es a)durchaus nebenwirkungsfreie Therapien gibt, wenn vielleicht auch nicht im Bereich der Schulmedizin und b) Patienten im Allemeinen durchaus darüber aufgeklärt werden, wie eine Psychotherapie oder Psycholanalyse wirken kann, ferner ist es üblich, dem Patienten zu sagen, dass s i e die Therapie an sich durchführen, nicht der Therapeut an ihnen. Dass eine psychotherapeutische Behandlung wesentlich multidimensionaler ist
als die meisten physischen Behandlungen durch die Schulmedizin und ein Wirkungskatalog damit kaum verallgemeinernd erstellt werden kann, ist wohl selbstredend. Bitte um bessere fachliche Kontrolle in Ihrer Zeitung, danke!
Ihrem Artikel zufolge gehöre ich zu der Berufsgruppe der Scharlatane, denn ich biete als niedergelassener Heilpraktiker vor allem Tantraseminare an. Was ich von meinen Klienten oft zu hören bekomme ist, wie wenig "anerkannte psychotherapeutische Methoden" ihnen helfen konnten, das würde Bibiotheken füllen. Und das ist in der "Humanmedizin" keinen Deut besser. Da mag es zwar Statistiken über Behandlungsfehler geben, aber die meisten unzufriedenen Patienten bleiben in der Regel doch einfach weg oder wechseln den Arzt. Das taucht in keiner Statistik auf.
Und wer will das bitte alles prüfen? Dieser Weg führt m.E. vollkommen in die Irre, immer alles kontrollieren und prüfen zu wollen. Ich bin froh, dass ich in relativer Freiheit meine Arbeit tun kann und betrachte Qualitätssicherung als wichtiges Element davon. Allerdings braucht es dafür mündige Patienten und Therapeuten, die sich grundsätzlich und systematisch das Feedback ihrer Patienten einholen. Dazu werden Ärzte nicht ausgebildet. Ich habe noch nie(!) in meinem Leben bei einem Arztbesuch erlebt, dass sich ein Arzt nach der Behandlung bei mir erkundigt hätte, ob ich mit der Behandlung zufrieden sei. Da wäre für mich der Hebel anzusetzen. Denn aktenkundige Behandlungsfehler sind ja nur die Spitze vom Eisberg. Ganz normal ist es aber, dass auch aufwendigste Verfahren nichts bringen oder gar schaden, aber dies als "anerkannte Nebenwirkung". Da ist es ein Segen, dass es in diesem Land Therapiefreiheit gibt.
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