Am Starnberger See ballen sich die Psychoanalytiker
Dabei gibt es im Prinzip viele Instrumente zur Qualitätssicherung – Psychotherapeuten können sich in Supervisionen und Intervisionen mit Kollegen austauschen; Anträge auf eine Psychotherapie werden von Gutachtern geprüft, und während der Behandlung müssen die Therapeuten regelmäßig Berichte an die Krankenkassen verfassen; doch im Zweifelsfall sind all diese Instrumente nicht wirklich scharf.
Auch die Pflicht der Psychotherapeuten zur Weiterbildung besteht lediglich darin, dass sie in fünf Jahren 188 Fortbildungsstunden nachweisen müssen. Ob sie dabei in der letzten Reihe eines Seminars schlummern oder sich regelmäßig den intensiven Nachfragen der Kollegen aussetzen, ist ihnen überlassen.
So bleiben wesentliche Fragen zur Effizienz einer Therapie meist offen. Wie oft führt sie zum erwünschten Ziel? Wie oft gibt es Komplikationen? Und treten bei einigen Psychotherapeuten mehr Komplikationen auf als bei anderen? Was in der Humanmedizin seit einigen Jahren selbstverständlich ist – eine bundesweite Statistik über aktenkundige Behandlungsfehler –, fehlt in der Psychotherapie.
Zwar nehmen die Landespsychotherapeutenkammern entsprechende Beschwerden entgegen. Aber nirgendwo werden die Daten der 16 Länder zusammengeführt. Überhaupt erscheint vieles, was in Bezug auf Qualitätssicherung in der körperorientierten Medizin bereits geschieht, in der Psychotherapie noch nicht angekommen zu sein.
»Die Psychotherapeuten, insbesondere die ärztlichen Psychotherapeuten und ganz besonders die Psychoanalytiker, hinken hinter der Ärzteschaft her«, sagt Thomas Ruprecht von der Techniker Krankenkasse. »Es gibt einfach keine Qualitätssicherung in der Psychotherapie.« Also hat er ein Modellprojekt zum Qualitätsmonitoring angeschoben.
Am Starnberger See ballen sich die Psychoanalytiker
Wie dringend eine Überprüfung der Szene wäre, zeigt eine Auswertung Ruprechts aus dem Jahr 2005 über Patienten, die an einer depressiven Episode litten. In Dortmund landeten sie alle beim Verhaltenstherapeuten oder beim tiefenpsychologisch orientierten ärztlichen Psychotherapeuten. »In München und Umgebung sind dagegen 29 Prozent bei Psychoanalytikern in Behandlung«, sagt Ruprecht.
Ein Analytiker habe ihm das Münchner Phänomen plausibel erklärt: »Da gibt es eben ein psychoanalytisches Ausbildungsinstitut, und die fertigen Therapeuten bleiben dann in der Gegend.« Ob ein Patient unter diesen Umständen noch eine passende und effiziente Therapie erhalte, sei mehr als fraglich.
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- Datum 01.10.2009 - 16:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 01.10.2009 Nr. 41
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Ich danke Ihnen für die Veröffentlichung dieses Artikels! Obwohl Klaus Grawe schon 1994 den Wandel der Psychotherapie von der Konfession zur Profession propagiert hatte, ist der Streit der Schulen in der Therapeutenausbildung doch noch deutlich zu spüren. Da Psychologen nur dann als psychologische Psychotherapeuten praktizieren können, wenn sie nach ihren Studium eine mehrjährige, kostenbflichtige (ca. 10.000-20.00 Euro) Weiterbildung absolviert haben, möchte niemand gerne zugeben, dass die Methoden, für deren Erwerb er oder sie einmal tief in die Tasche greifen mussten, überholt seien könnten.
Größer als das Problem einer nicht mehr adäquaten Behandlung scheint mir jedoch das Problem der Unterversorgung zu sein. Wenn ein Patient, beispielsweise mit Depressionen, mitunter sechs Monate auf einen ambulanten Therapieplatz warten muss, dann kann es nicht erstaunen, dass die Überprüfung der Kompetenzen des Therapeuten nicht mehr im Vordergrund steht, angenommen er hatte die Möglichkeiten in dieses sechs Monaten einer stationären Aufnahme oder schlimmerem zu entgehen.
Letztendlich spricht für mich aus der aktuellen Situation der noch immer vorhandenen Unterschied in der Bewertung von körperlichen und psychischen Erkrankungen durch die Gesellschaft. Werden einer Person bei chronischem Rückenleiden Anteilnahme und Fürsorge zuteil, so muss eine Person mit Ängsten oder Depressionen mit Zurückweisung und Stigmatisierung rechnen.
Das eine solche Sichtweise die Transparenz im Sektor Psychotherapie erschwert kann angenommen werden.
Was bleibt sind leidende Menschen, die sich schämen um kompetente Hilfe zu bitten!
Von einer Zeitung wie der ZEIT hätte ich mir an dieser Stelle eindeutig eine differenziertere Darstellung gewünscht. Herr Albrecht fällt weitgehend frei von Fakten, dafür angereichert mit einer Fülle von Meinungen, ein Urteil über Qualität(ssicherung) in der Psychotherapie, das so aus meiner Sicht tendentiell und unausgewogen ist. Als sowohl in der stationären Rehabilitation als auch (gegenwärtig noch im Rahmen meiner immens kosten- wie auch zeitintensiven Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten) im ambulanten Setting tätiger Psychotherapeut sehe ich mich Tag für Tag mit einer Unmenge an qualitätssichernden Maßnahmen konfrontiert, die sicher nicht in jedem Fall zum gewünschten Ziel einer qualitativ ‚guten’ Therapie beitragen. Das wiederum ist aber nur zu einem Teil ein Problem der Psychotherapie, zu einem anderen Teil eben auch ein Problem des üblichen Qualitätsmanagements, in dessen Standards sich ein so komplexes Geschehen wie das eines psychotherapeutischen Prozesses nur unzureichend abbilden lässt. In diesem Sinne stimme ich Herrn Albrecht zu, dass eine Weiterentwicklung qualitätssichernder Maßnahmen notwendig ist – bin aber trotzdem der Ansicht, dass in seinem Artikel ein Teil der Sachlage systematisch unter den Tisch gefallen ist.
Herr Albrecht,
schade. Wie kann man nur so einen schlechten Artikel über ein eigentlich sehr spannendes Thema schreiben. Da freut man sich auf "Die Zeit" und muss feststellen, doch auf Boulevardniveau gelandet zu sein.
Ihr Grundmuster "Ich will ja nicht alle über einen Kamm scheren, aber ... " und dann alle über einen Kamm zu scheren, das ist schon nicht einmal mehr Schülerzeitungsniveau. Mal völlig abgesehen von Recherche-Qualität, mangelnder Skepsis gegenüber standespolitischen Ideologien und dem völligen Fehlen eines Hauches von journalistischer Ausgewogenheit.
Einfach peinlich.
Schreibt Ihnen ein Nicht-Psychotherapeut.
Thema verfehlt, setzen, sechs.
Verschonen Sie uns bitte mit weiteren Ergüssen.
Herr Albrecht zeichnet sich weder durch Fachkenntnis, noch durch die
Fähigkeit aus, dem leser hilfreiche Informationen zu vermitteln. Er
wirft mit dem Begriff "psychiatrisch" und "psychotherapeutisch" um
sich, ohne dem Leser zu erkennen zu geben, dass es sich bei einem
Psychiater und einem psychologischen Psychotherapeuten keineswegs um
den selben Beruf handelt. Ein psychologischer Psychotherapeut darf
schlichtweg keine Medikamente oder Drogen einsetzen, er handelt somit
rechtswidrig. Über die Durchführung und den Effekt der bestehenden
Qualitätskontrollen kann man mit denen der physisch arbeitenden Ärzte
durchaus Parallelen ziehen, denn die Protokollpflicht besteht; über die
Hintergehung dieser Pflicht auf die mögliche Qualität der
Psychotherapie im Allgemeinen schließen zu wollen, ist hahnebüchen. Wie
ernst wird denn in Deutschland die Qualitätssicherung bei ärztlicher Behandlung genommen, wenn
Kollegen 48 Stunden am OP-Tisch stehen und die Verabreichung von
Medikamentencocktails ohne weitere Kontrolle der Wechselwirkungen
möglich ist?
Auch ist die Behandlung des erwähnten Promis sehr
polemisch dargestellt. Indem ich einem Menschen etwas sage, was sein
momentanes Befinden hebt, ist ihm noch lange nicht immer geholfen,
möglicherweise wurde von dem hier erwähnten Psychiater auch die Phase der Introspektion veralbernd dargestellt.
Zu guter Letzt sollte sich Herr Albrecht darüber informieren, dass es a)durchaus nebenwirkungsfreie Therapien gibt, wenn vielleicht auch nicht im Bereich der Schulmedizin und b) Patienten im Allemeinen durchaus darüber aufgeklärt werden, wie eine Psychotherapie oder Psycholanalyse wirken kann, ferner ist es üblich, dem Patienten zu sagen, dass s i e die Therapie an sich durchführen, nicht der Therapeut an ihnen. Dass eine psychotherapeutische Behandlung wesentlich multidimensionaler ist
als die meisten physischen Behandlungen durch die Schulmedizin und ein Wirkungskatalog damit kaum verallgemeinernd erstellt werden kann, ist wohl selbstredend. Bitte um bessere fachliche Kontrolle in Ihrer Zeitung, danke!
Ihrem Artikel zufolge gehöre ich zu der Berufsgruppe der Scharlatane, denn ich biete als niedergelassener Heilpraktiker vor allem Tantraseminare an. Was ich von meinen Klienten oft zu hören bekomme ist, wie wenig "anerkannte psychotherapeutische Methoden" ihnen helfen konnten, das würde Bibiotheken füllen. Und das ist in der "Humanmedizin" keinen Deut besser. Da mag es zwar Statistiken über Behandlungsfehler geben, aber die meisten unzufriedenen Patienten bleiben in der Regel doch einfach weg oder wechseln den Arzt. Das taucht in keiner Statistik auf.
Und wer will das bitte alles prüfen? Dieser Weg führt m.E. vollkommen in die Irre, immer alles kontrollieren und prüfen zu wollen. Ich bin froh, dass ich in relativer Freiheit meine Arbeit tun kann und betrachte Qualitätssicherung als wichtiges Element davon. Allerdings braucht es dafür mündige Patienten und Therapeuten, die sich grundsätzlich und systematisch das Feedback ihrer Patienten einholen. Dazu werden Ärzte nicht ausgebildet. Ich habe noch nie(!) in meinem Leben bei einem Arztbesuch erlebt, dass sich ein Arzt nach der Behandlung bei mir erkundigt hätte, ob ich mit der Behandlung zufrieden sei. Da wäre für mich der Hebel anzusetzen. Denn aktenkundige Behandlungsfehler sind ja nur die Spitze vom Eisberg. Ganz normal ist es aber, dass auch aufwendigste Verfahren nichts bringen oder gar schaden, aber dies als "anerkannte Nebenwirkung". Da ist es ein Segen, dass es in diesem Land Therapiefreiheit gibt.
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