ZEITmagazin: Sind Sie ein Extremist?

Reinhold Messner: Das bin ich nicht. Ich bin ein extremer Bergsteiger gewesen. Heute nenne ich mich lieber einen Grenzgänger an den Rändern der Erde, zwischen möglich und unmöglich.

ZEITmagazin:Wie erfahren Sie, was unmöglich ist?

Messner: Durch meine Nase und meine Angst.

ZEITmagazin: Kennen Sie Angst auch vor der psychischen Schwäche?

Messner: Das ist die sehr gefährliche Situation der Angst vor der Angst. Unsere Angst hat uns so im Griff, dass wir sie schon empfinden, wenn wir uns einer Situation, die wir nicht schaffen können, nur nähern, und das ist auch gut so.

ZEITmagazin: Wenn Sie diese in einer extremen Situation ereilt, ist das stimulierend oder hindernd?

Messner: Nach meiner Erfahrung kommt die Angst, wenn es um alles geht, nicht mehr. Ein Schreck kann kommen, das ja, aber wenn es ernst wird, stellt mein Wesen die Angst still, damit ich ruhig reagieren kann.

ZEITmagazin: Sie können nicht schwimmen. Was löst der Anblick eines Gewässers in Ihnen aus, in dem Sie untergehen könnten?

Messner: Wenn ich auf dem Schiff bin, vertraue ich dem Kapitän.

ZEITmagazin: Ist die Angst immer dieselbe, oder hat sie viele Farben?

Messner: Die Angst hat viele Farben. Und sie kommt heute viel früher als vor vierzig Jahren.

ZEITmagazin: Wird der Körper mit der Zeit durchsichtiger, sodass Sie Ihre Schwächen besser sehen?

Messner: Ja, aber es ist eher eine instinktive Erkenntnis, durch die mir der Körper sagt: Es klappt nicht mehr.