Untersuchungsberichte Krieg der Werte

In Gaza wie in Georgien: Das erste Opfer militärischer Einsätze ist meist die Wahrheit. Wer bringt sie ans Licht?

Verlesung des Goldstone-Reports: Der UN-Menscherechtsrat in Genf

Verlesung des Goldstone-Reports: Der UN-Menscherechtsrat in Genf

Gibt es eine Wahrheit nach dem Krieg? Und wenn ja, wie viele? Und wer darf sie verkünden?

Zwei Kriege, zwei Untersuchungskommissionen, zwei Berichte. Im Auftrag der EU haben internationale Experten den Georgienkrieg untersucht und festgestellt, was längst unumstritten war: dass Georgien diesen Krieg begonnen hat, Russland mit völlig unverhältnismäßiger Gewalt reagierte und dass gegen Völkerrecht verstoßen wurde. Politische oder juristische Folgen wird dieser Report nicht haben.

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Ganz anders der Bericht einer UN-Kommission unter Leitung des südafrikanischen Völkerrechtlers Richard Goldstone über den Gaza-Krieg. Er hat einen politischen Sturm der Empörung ausgelöst, weil er tatsächlich etwas bewirken könnte.

»Einseitig« und »mit schweren Fehlern behaftet« – so kommentierte die amerikanische Regierung Goldstones Abschlussreport und verhinderte nun mit Rückendeckung der EU bis auf Weiteres, dass der Bericht im Rahmen der UN irgendwelche Folgen hat. Nach der Lektüre fragt man sich, warum.

Auf 575 Seiten schildern Goldstone und seine Ermittler detailliert israelische Militärschläge im Gaza-Streifen ebenso wie Raketenangriffe von Hamas auf israelische Städte und Siedlungen. Beide Kampfparteien werden dabei der Kriegsverbrechen beschuldigt. Goldstone wirft Hamas vor, sie habe mit ihrem Raketenbeschuss Terror auf die israelische Zivilbevölkerung ausgeübt. Israel beschuldigt er, mit seinen Attacken auf palästinensische Krankenhäuser, Moscheen und Fabriken während der Operation »Gegossenes Blei« sich nicht nur gegen terroristische Angriffe gewehrt, sondern eine ganze Bevölkerung »kollektiv bestraft« zu haben.

Bei Kriegsverbrechen misst der Westen mit zweierlei Maß

Israel und Hamas werden in dem Bericht aufgefordert, umgehend selbst diese Verbrechen zu untersuchen und zu ahnden. Auf beiden Seiten dürfte dieser Appell leider ein frommer Wunsch bleiben, weshalb Goldstone empfohlen hat, den Bericht an den UN-Sicherheitsrat und von dort notfalls weiter an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu verweisen.

Das war dann doch zu viel der Wahrheitsfindung.

Leser-Kommentare
  1. Goldstone-Report ist doch nur ein Witz! Beispiel: Wer und vor allem was ist Hamas? Erstmal erfahren wir, was Hamas nicht ist: Eine Terrororganisation. Das Wort „Terrorist“ kommt im Bericht nur in Anführungsstrichen oder in Zitaten von Israelis vor. Hamas, Qassam-Brigaden et all. heißen bei Goldstone „armed groups“. Die Vorstellung, dass Leute die unzählige Selbstmordattentate mit hunderten Toten zu verantworten haben Terroristen sind kann man demnach getrost ad acta legen. Nachdem das geklärt ist können wir uns der Frage zuwenden, ob diese ominösen „armed groups“ den Spruch von Mao mit dem Fisch und dem Wasser etwas zu genau genommen haben, und gezielt aus Wohngebieten, Schulen, Krankenhäusern und Moscheen, kurzum mitten aus der Zivilbevölkerung, Angriffe auf israelische Soldaten oder den Beschuss israelischen Territoriums unternommen haben. Hmmm, wer könnte darauf wohl eine Antwort geben? Dumme Frage! Natürlich die zuständigen Behörden!
    §496The Mission asked the Gaza authorities to provide information on the sites from where the Palestinian armed groups had launched attacks against Israel and against the Israeli armed forces in Gaza. The Mission similarly asked whether, to their knowledge, civilian buildings and mosques had been used to store weapons. Die Hamas-Regierung hat keine Ahnung davon, dass Hamas so was gemacht hat!

  2. 2.

    Ich weiß nicht, was ich von dem Artikel halten soll - einerseits spricht er erfreulich deutliche Worte, anderseits scheint auf die Autorin etwas von der "Zwei-Klassen-Justiz" abgefärbt zu haben. Wenn also einige Ausnahmen im Westen von eben dieser Justiz sprechen, davon dass mit zweierlei Maß gemessen wird, dann ist es die Wahrheit (stehe ich voll dahinter), wenn aber "Ahmadineschads, al-Gadhafis, al-Baschirs, Mugabes und Mubaraks" genau das tun, dann ist es widerwärtige Propaganda? Da blicke ich nicht mehr durch...und Wahrheit bleibt Wahrheit, selbst wenn der Teufel persönlich sie ausspricht.

  3. Der asymetrische Krieg im Nahen Osten war schon immer durch die Behauptung gekennzeichnet, dass Angriffe de Palästinenser aus zivilen Schutzzonen, wie Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten etc. erfolgen würden.
    Mit keinem Wort wird auf den Wahrheitsgehalt dieser grundsätzlichen Beschuldigung in diesem Artikel eingegangen.
    Ich habe auch keine Ahnung ob in dem ursprünglichen Bericht darauf eingegangen wird.
    Sollte dieser Vorwurf der Wahrheit entsprechen, so bleibt anzumerken das dann jeder Angriff gegenüber solchen Einrichtungen vom Völkerrecht gedeckt wäre, die Verantwortung für die "Kollateralschäden" dann derjenigen Partei zukommt, die diese Einrichtungen missbraucht. Mithin in diesem Falle die Hamas eine Organisation von Kriegsverbrechern wäre.
    Schutz für Nichtkombantanten kann nach dem Völkerrecht eben nur gewährt werden, wenn diese aus dem Kampfgeschehen rausgehalten werden.
    Wer Kinder als Schutzschilde missbraucht, macht sie damit zu aktiven Kriegsteilnehmern und begeht ein Kriegsverbrechen, das gleiche gilt für Stellungen in Krankenhäuser etc.

    Um also eine Bewertung zum Themas seriös abgeben zu können, ist zwingend eine Beantwortung dieser Frage vonnöten.

    H.

    • joG
    • 11.10.2009 um 11:32 Uhr

    ...aber aus anderem Grund.
    Wo es keinen Schutz durch die Allgemeinheit gibt, also die UNO die Personen jedes Landes nicht schützt, hat es und auch kein Anderer das legitime Recht seiner Regierung zu sagen, es dürfe nicht tun, was notwendig ist, um eine Gefahr abzuwenden.
    Wenn Truppen der UNO dort Frieden schaffen und die Menschen schon im Vorfeld schützen, dann dürfen sie auch die Mittel und Methode bestimmen. Wenn der Autor seinen Sohn abstellt in eine solche Truppe, wird ein solcher Artikel seriös sein und nicht mehr gutmenschlich gefährlich.
    Solange es aber dort keinen allgemeinen Schutz für Israelis und Palistinenser gibt und sie selbst ihre Leute schützen müssen, ist das deren Sache und es ist für sie legitim zu tun, was man für notwendig hält. Reports wie nun von der UNO sind dabei schädlich, da sie eingreifen ohne Verantwortung für die Lösung zu haben. Die UNO Schützt nicht. Wo ist dann ihre Legitimität?

  4. Eigentlich ist es verwunderlich, das die US-Regierung nicht offensiver gegen den Goldstone Bericht vorgeht.

    Um was gehts denn eigentlich? Um Palästinenser, Israelis und Menschenrechte? Wohl kaum.
    Denn das war nie Element einer amerikanischen Außenpolitik. Erst recht nicht nach Afghanistan und Irak; da rüttelt auch kein jüngst ernannter Friedensnobelpreisträger dran.
    Vielmehr geht es um Souveränität: sollte der Goldstone Bericht es in den Sicherheitsrat schaffen, so würden die USA aus dem sog. Friedensprozess aus Nahost schlicht und ergreifend rausfliegen. Dieser sog. Friedensprozess ist aber seid Jahren einer der wichtigsten cornerstones amerikanischer Außenpolitk, damit lässt sich eine Menge in der Region rumargumentieren (man denke da nur an die Hintertürpolitik, die mir dem Iran betrieben wird).
    Weiterhin dürfte das realistische Lager der US-Außenpolitik mit einem historischen Argument aufwarten: damals hat es der konstruktivistische Ansatz der UN nicht geschafft, warum sollte er es heute tun?

    Insofern können wir lange drauf warten, bis sich die Obamas erbarmen, endlich den Weg für eine ertragreiche Debatte freizumachen.

    Was müsste passieren, damit sich das ändert? Im Prinzip müssten sich andere Regierungen zusammenfinden und dem unilateralen Gebähren endlich Paroli bieten. Dazu wurde Obama ja auch gewählt. Von alleine wird der das Ruder wohl kaum umreißen. Im Prinzip sind wir dabei eine einmalige historische Chance zu verspielen. Toll.

  5. Kriegsverbrechen sind Kriegsverbrechen - egal, wer sie begeht.

    Israel steht im Goldstone-Report zu Recht auf einer Stufe mit der Hamas.

    DAS stört Israel, die USA und Europa: Der selbe Masstab für alle.

  6. Zunächst einmal ist es schon bemerkenswert einen solchen Artikel bei uns überhaupt zu lesen. Dafür sei gedankt.
    Der Goldstone -Report als solcher ist nicht so sehr von Belang.
    Von Belang hingegen ist, dass man auch in Deutschland, oder eben gerade in Deutschland über isrealisch-amerikanische Verbrechen der letzten 60 Jahre diskutiert, ohne dafür gleich zum "Antisemiten" abgestempelt zu werden (mit Ausnahme von M. Friedman, dem man in diesem Zusammenhang wohl Narrenfreiheit zubilligt). Ich würde mir in unseren Medien viel mehr Mut zur Wahrheit auch und ganz besonders gegenüber Israel und den USA wünschen. Sogar israelische Menschenrechtsorganisationen wünschen dies. Solange systematische Enteignung, Vertreibung, Folter, Mord, Massen- und vielleicht sogar Völkermord durch den Staat Israel gegenüber den Palästinensern nicht nachhaltig unterbunden, ja nicht einmal ausgesprochen werden dürfen, sollte nicht im entfertesten über einen Frieden in Nah- und Mittelost nachdenken.
    Noch eins: Obama ist der erste amerikanische Präsident, der mutig genug war, wenigstens ansatzweise Kritik zu üben. Er ist gut damit beraten, dies weiterhin vorsichtig zu tun, um zu vermeiden, auskeknipst zu werden.

  7. So, ein antisemitisches, hauptsächlich aus Diktaturen, davon einer vielzahl islamischer, bestehendendes Gremium, das 90% seiner Zeit damit verbring, Israel zu denunzieren, hat eine Gruppe zusammen gestellt, derer Mitglieder Israel schon verurteilt haben, bevor die Gruppe überhaupt formiert wurde. Von der so zusammen gestellter Gruppe hat das Gremium einen Bericht bestellt, das Israel verurteilt, und hat ihn jetzt angenommen. Welche Überraschung!

    "»Einseitig« und »mit schweren Fehlern behaftet« – so kommentierte die amerikanische Regierung Goldstones Abschlussreport [...] Nach der Lektüre fragt man sich, warum."

    Vielleicht deshalb (Zitat aus der NZZ):

    "Allerdings hätte man erwarten dürfen, dass sich der Bericht ausgewogen mit der Verantwortung beider Kriegsparteien auseinandersetzt. Dies ist nicht geschehen. Die Beschiessung Israels mit Raketen aus dem Gazastreifen wird kursorisch abgehandelt, gänzlich unerörtert bleiben die politischen Auswirkungen dieser Angriffe."

    ?

    Oder vielleicht, weil der Bericht, der im Namen des Völkerrechts geschrieben wurde, genau dieses Völkerrecht mit den Füßen tritt und in sein Gegenteil pervertiert. Ich poste folgendes schon seit Jahren und habe noch nie eine begründete Antwort bekommen, wogegen Israel verstoßen haben soll:

    [cont.]

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