Untersuchungsberichte Krieg der WerteSeite 2/2
Man könnte die Causa Goldstone als weiteres Kapitel im elenden politischen Drama des Nahostkonflikts abhaken – wäre da nicht Barack Obama. Unter seiner Regierung, so hatte Obama versprochen, werde es in Sachen Nahost kein business as usual geben. Sollte heißen: unverbrüchliche Solidarität mit dem israelischen Staat, aber keine reflexhafte Abwehr mehr von internationaler Kritik an Israel. In seiner Kairoer Rede im Juni verurteilte Obama ausdrücklich die »alltäglichen Erniedrigungen« der Palästinenser unter der Okkupation. Bei seinem Auftritt vor der UN-Generalversammlung las er jüngst nicht nur antisemitischen Scharfmachern von Mahmud Ahmadineschad bis Muammar al-Gadhafi die Leviten, sondern auch Israel und dem eigenen Land: Es gebe keine echte Sicherheit ohne Respekt für die Menschenrechte und die legitimen Ansprüche der Palästinenser. Genau das steht auch im Goldstone-Report. Indem die US-Regierung diesen nun in den Giftschrank packt, verspielt sie jenes politische Kapital im Nahen Osten, das Obama mit seinen Reden geschaffen hat.
Das ist nicht nur ein strategisches, sondern ein fundamentales Problem. Zum ersten Mal seit dem 11. September 2001 hat eine UN-Untersuchungskommission am Beispiel eines konkreten Konflikts unmissverständlich gefordert, dass sich Staaten auch in asymmetrischen Kriegen gefälligst an das Völkerrecht zu halten haben. Also vor allem an das Prinzip des größtmöglichen Schutzes der Zivilbevölkerung – auch wenn so das Risiko für die eigenen Soldaten wächst. In Afghanistan haben die USA sich diese Maxime jetzt zu eigen gemacht. Für Israel soll sie nicht gelten?
Solche strategisch motivierte Heuchelei Amerikas und der EU kommt den Ahmadineschads, al-Gadhafis, al-Baschirs, Mugabes und Mubaraks höchst gelegen. Die denunzieren immer lauter die Idee internationaler Ermittlungen und Strafgerichte als »neokoloniales Instrument« des Westens, als »Zwei-Klassen-Justiz«, die sich nur gegen afrikanische Kriegsherren und arabische Staatschefs wende, nicht aber gegen israelische Militärs, die Krankenhäuser beschössen, oder amerikanische Verteidigungsminister, in deren Papierkorb die Antifolterkonvention liege.
Natürlich ist solche Propaganda widerwärtig. Aber es geht auch gar nicht darum, die Diktatoren und Autokraten dieser Welt zu überzeugen. Es geht um die Bürgerrechtler, Anwältinnen, Journalisten, Ärztinnen und Gewerkschafter in ebenjenen Ländern, die für eine Idee von universellen Menschenrechten Kopf und Kragen riskieren und dabei auf den Westen setzen. Und die dabei immer wieder feststellen, dass dieser Westen mit zweierlei Maß misst, dass ein amerikanisches Leben mehr wert ist als ein afghanisches, ein israelisches mehr als ein palästinensisches.
Der Goldstone-Bericht bezeugt an mehreren Stellen Respekt für Mitglieder der israelischen und palästinensischen Zivilgesellschaft. Für Menschenrechtler in Tel Aviv, die Ermittlungen gegen die eigene Armee fordern, oder Lehrer im Gaza-Streifen, die sich trotz israelischer Blockade der Hasspropaganda von Hamas verweigern. Sie haben Goldstone eine Hoffnung in den Notizblock diktiert: dass dies der letzte Untersuchungsbericht dieser Art sein wird – und der erste, der endlich politische und juristische Konsequenzen hat.
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- Datum 11.10.2009 - 09:01 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.10.2009 Nr. 42
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Goldstone-Report ist doch nur ein Witz! Beispiel: Wer und vor allem was ist Hamas? Erstmal erfahren wir, was Hamas nicht ist: Eine Terrororganisation. Das Wort „Terrorist“ kommt im Bericht nur in Anführungsstrichen oder in Zitaten von Israelis vor. Hamas, Qassam-Brigaden et all. heißen bei Goldstone „armed groups“. Die Vorstellung, dass Leute die unzählige Selbstmordattentate mit hunderten Toten zu verantworten haben Terroristen sind kann man demnach getrost ad acta legen. Nachdem das geklärt ist können wir uns der Frage zuwenden, ob diese ominösen „armed groups“ den Spruch von Mao mit dem Fisch und dem Wasser etwas zu genau genommen haben, und gezielt aus Wohngebieten, Schulen, Krankenhäusern und Moscheen, kurzum mitten aus der Zivilbevölkerung, Angriffe auf israelische Soldaten oder den Beschuss israelischen Territoriums unternommen haben. Hmmm, wer könnte darauf wohl eine Antwort geben? Dumme Frage! Natürlich die zuständigen Behörden!
§496The Mission asked the Gaza authorities to provide information on the sites from where the Palestinian armed groups had launched attacks against Israel and against the Israeli armed forces in Gaza. The Mission similarly asked whether, to their knowledge, civilian buildings and mosques had been used to store weapons. Die Hamas-Regierung hat keine Ahnung davon, dass Hamas so was gemacht hat!
Ich weiß nicht, was ich von dem Artikel halten soll - einerseits spricht er erfreulich deutliche Worte, anderseits scheint auf die Autorin etwas von der "Zwei-Klassen-Justiz" abgefärbt zu haben. Wenn also einige Ausnahmen im Westen von eben dieser Justiz sprechen, davon dass mit zweierlei Maß gemessen wird, dann ist es die Wahrheit (stehe ich voll dahinter), wenn aber "Ahmadineschads, al-Gadhafis, al-Baschirs, Mugabes und Mubaraks" genau das tun, dann ist es widerwärtige Propaganda? Da blicke ich nicht mehr durch...und Wahrheit bleibt Wahrheit, selbst wenn der Teufel persönlich sie ausspricht.
Der asymetrische Krieg im Nahen Osten war schon immer durch die Behauptung gekennzeichnet, dass Angriffe de Palästinenser aus zivilen Schutzzonen, wie Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten etc. erfolgen würden.
Mit keinem Wort wird auf den Wahrheitsgehalt dieser grundsätzlichen Beschuldigung in diesem Artikel eingegangen.
Ich habe auch keine Ahnung ob in dem ursprünglichen Bericht darauf eingegangen wird.
Sollte dieser Vorwurf der Wahrheit entsprechen, so bleibt anzumerken das dann jeder Angriff gegenüber solchen Einrichtungen vom Völkerrecht gedeckt wäre, die Verantwortung für die "Kollateralschäden" dann derjenigen Partei zukommt, die diese Einrichtungen missbraucht. Mithin in diesem Falle die Hamas eine Organisation von Kriegsverbrechern wäre.
Schutz für Nichtkombantanten kann nach dem Völkerrecht eben nur gewährt werden, wenn diese aus dem Kampfgeschehen rausgehalten werden.
Wer Kinder als Schutzschilde missbraucht, macht sie damit zu aktiven Kriegsteilnehmern und begeht ein Kriegsverbrechen, das gleiche gilt für Stellungen in Krankenhäuser etc.
Um also eine Bewertung zum Themas seriös abgeben zu können, ist zwingend eine Beantwortung dieser Frage vonnöten.
H.
...aber aus anderem Grund.
Wo es keinen Schutz durch die Allgemeinheit gibt, also die UNO die Personen jedes Landes nicht schützt, hat es und auch kein Anderer das legitime Recht seiner Regierung zu sagen, es dürfe nicht tun, was notwendig ist, um eine Gefahr abzuwenden.
Wenn Truppen der UNO dort Frieden schaffen und die Menschen schon im Vorfeld schützen, dann dürfen sie auch die Mittel und Methode bestimmen. Wenn der Autor seinen Sohn abstellt in eine solche Truppe, wird ein solcher Artikel seriös sein und nicht mehr gutmenschlich gefährlich.
Solange es aber dort keinen allgemeinen Schutz für Israelis und Palistinenser gibt und sie selbst ihre Leute schützen müssen, ist das deren Sache und es ist für sie legitim zu tun, was man für notwendig hält. Reports wie nun von der UNO sind dabei schädlich, da sie eingreifen ohne Verantwortung für die Lösung zu haben. Die UNO Schützt nicht. Wo ist dann ihre Legitimität?
Eigentlich ist es verwunderlich, das die US-Regierung nicht offensiver gegen den Goldstone Bericht vorgeht.
Um was gehts denn eigentlich? Um Palästinenser, Israelis und Menschenrechte? Wohl kaum.
Denn das war nie Element einer amerikanischen Außenpolitik. Erst recht nicht nach Afghanistan und Irak; da rüttelt auch kein jüngst ernannter Friedensnobelpreisträger dran.
Vielmehr geht es um Souveränität: sollte der Goldstone Bericht es in den Sicherheitsrat schaffen, so würden die USA aus dem sog. Friedensprozess aus Nahost schlicht und ergreifend rausfliegen. Dieser sog. Friedensprozess ist aber seid Jahren einer der wichtigsten cornerstones amerikanischer Außenpolitk, damit lässt sich eine Menge in der Region rumargumentieren (man denke da nur an die Hintertürpolitik, die mir dem Iran betrieben wird).
Weiterhin dürfte das realistische Lager der US-Außenpolitik mit einem historischen Argument aufwarten: damals hat es der konstruktivistische Ansatz der UN nicht geschafft, warum sollte er es heute tun?
Insofern können wir lange drauf warten, bis sich die Obamas erbarmen, endlich den Weg für eine ertragreiche Debatte freizumachen.
Was müsste passieren, damit sich das ändert? Im Prinzip müssten sich andere Regierungen zusammenfinden und dem unilateralen Gebähren endlich Paroli bieten. Dazu wurde Obama ja auch gewählt. Von alleine wird der das Ruder wohl kaum umreißen. Im Prinzip sind wir dabei eine einmalige historische Chance zu verspielen. Toll.
Kriegsverbrechen sind Kriegsverbrechen - egal, wer sie begeht.
Israel steht im Goldstone-Report zu Recht auf einer Stufe mit der Hamas.
DAS stört Israel, die USA und Europa: Der selbe Masstab für alle.
Zunächst einmal ist es schon bemerkenswert einen solchen Artikel bei uns überhaupt zu lesen. Dafür sei gedankt.
Der Goldstone -Report als solcher ist nicht so sehr von Belang.
Von Belang hingegen ist, dass man auch in Deutschland, oder eben gerade in Deutschland über isrealisch-amerikanische Verbrechen der letzten 60 Jahre diskutiert, ohne dafür gleich zum "Antisemiten" abgestempelt zu werden (mit Ausnahme von M. Friedman, dem man in diesem Zusammenhang wohl Narrenfreiheit zubilligt). Ich würde mir in unseren Medien viel mehr Mut zur Wahrheit auch und ganz besonders gegenüber Israel und den USA wünschen. Sogar israelische Menschenrechtsorganisationen wünschen dies. Solange systematische Enteignung, Vertreibung, Folter, Mord, Massen- und vielleicht sogar Völkermord durch den Staat Israel gegenüber den Palästinensern nicht nachhaltig unterbunden, ja nicht einmal ausgesprochen werden dürfen, sollte nicht im entfertesten über einen Frieden in Nah- und Mittelost nachdenken.
Noch eins: Obama ist der erste amerikanische Präsident, der mutig genug war, wenigstens ansatzweise Kritik zu üben. Er ist gut damit beraten, dies weiterhin vorsichtig zu tun, um zu vermeiden, auskeknipst zu werden.
So, ein antisemitisches, hauptsächlich aus Diktaturen, davon einer vielzahl islamischer, bestehendendes Gremium, das 90% seiner Zeit damit verbring, Israel zu denunzieren, hat eine Gruppe zusammen gestellt, derer Mitglieder Israel schon verurteilt haben, bevor die Gruppe überhaupt formiert wurde. Von der so zusammen gestellter Gruppe hat das Gremium einen Bericht bestellt, das Israel verurteilt, und hat ihn jetzt angenommen. Welche Überraschung!
"»Einseitig« und »mit schweren Fehlern behaftet« – so kommentierte die amerikanische Regierung Goldstones Abschlussreport [...] Nach der Lektüre fragt man sich, warum."
Vielleicht deshalb (Zitat aus der NZZ):
"Allerdings hätte man erwarten dürfen, dass sich der Bericht ausgewogen mit der Verantwortung beider Kriegsparteien auseinandersetzt. Dies ist nicht geschehen. Die Beschiessung Israels mit Raketen aus dem Gazastreifen wird kursorisch abgehandelt, gänzlich unerörtert bleiben die politischen Auswirkungen dieser Angriffe."
?
Oder vielleicht, weil der Bericht, der im Namen des Völkerrechts geschrieben wurde, genau dieses Völkerrecht mit den Füßen tritt und in sein Gegenteil pervertiert. Ich poste folgendes schon seit Jahren und habe noch nie eine begründete Antwort bekommen, wogegen Israel verstoßen haben soll:
[cont.]
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