ZEITmagazin Autotest Noch nicht reif für eine Familie
Kai Biermann fährt den Volvo C30 T5 R-Design und resümiert: Wer von Familie träumt, ist gut darin aufgehoben, wer eine hat, wünscht sich mehr Spielraum
© Volvo

Design als Kaufargument: Der C30 ist Volvos Angebot in der Kompaktklasse
"Papa, kannst du nicht Bescheid sagen, bevor du Gas gibst?" Das Kind klammert sich verschreckt an die Lehnen seines Kindersitzes und schaut mich vorwurfsvoll an. An solche Beschleunigungskräfte ist es nicht gewöhnt. Auch Tochter Nummer zwei, anderthalb Jahre alt, meckert heftig über unser neues Gefährt. Beim Versuch, sie an dem nur ansatzweise zurückklappbaren Vordersitz vorbei auf die Rückbank zu hieven, stößt Papa regelmäßig ihren Kopf an den Türrahmen. Und die Frau lächelt genervt, während sie zusieht, wie ich versuche, den Kinderwagen, zwei Rucksäcke und die Einkäufe in dem, nennen wir es großzügig Kofferraum zu verstauen.
Volvo, dachte ich, das sind diese Großraumkutschen, die nur Familienväter, Cordhosenträger und Psychotherapeuten fahren. Und der Volvo C30, glaubte ich, wird wohl das Einstiegsmodell sein, der Lockvogel für junge Nicht-schlecht-Verdiener, die bald das erste Kind erwarten und bei Manufactum schon nach den Jacketts mit Lederellenbogen schielen.
Kein übles Image, sorgt es doch für kaufkräftige Kundschaft. Die ist nötig, schließlich kostet mein Testwagen 40000 Euro. Und dennoch scheint man in Göteborg mit dieser Marktposition nicht glücklich. Warum sonst sollte man ein Auto bauen, das beides will: schnell und doch familientauglich sein?
Das Ding besitzt einen Motor mit 230 PS und ist doch schmetterlingsleise. Es hat Aluminiumpedale im Fußraum und kurze Schaltwege und gleichzeitig Warnlampen in den Rückspiegeln, die den toten Winkel überwachen sollen. Es hat Sitze mit so viel Seitenhalt, dass man Steilkurven damit fahren könnte, und eine Federung, die wahrscheinlich Zähne locker rütteln kann, aber wer jetzt Rennfahrerträume bekommt, wird feststellen, dass sich das Antischlingersystem nicht abschalten lässt.
Wohin das alles führen soll? Offensichtlich wollte Volvo, jahrzehntelang Experte für Schlachtschiffe, nun in der Kompaktklasse nicht nur mitmachen, sondern gleich das Spitzenmodell des Marktführers, den Golf GTI, einholen. Der hat (bei einem ähnlichen Preis) zwar 20 PS weniger als der Volvo, dafür aber passen bei ihm 100 Liter mehr in den Kofferraum, mit umgelegter Rückbank sind es sogar 400 Liter Differenz. Für alle, denen Nachwuchs ins Haus steht, ist das sicher ein Argument. Ebenso die Tatsache, dass der T5 säuft wie ein Großer. Nice try, Volvo, aber dieses Auto ist eher etwas für Männer, die vom Familienleben nur träumen.
Kai Biermann ist Ressortleiter bei ZEIT ONLINE
- Datum 09.10.2009 - 08:21 Uhr
- Serie Autotest
- Quelle ZEIT Magazin Nr. 42, 08.10.2009
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Nun, der C30 ist halt das Ergebnis, wenn man versucht, den Volvo P 1800 ES auf Basis eines Ford Focus neu zu erfinden.
Ob das gelungen ist, die Frage möge sich jeder selber beantworten, indem man sich vorstellt, wie Simon Templar, alias The Saint, in einem Volvo C30…....äh, doch eher nicht.
Sportlich soll er sein, aber er darf natürlich den typischen Volvo – Fahrer auch nicht erschrecken.
Und er wird bestimmt als Sportwagen wahr genommen, zumindest auf dem Parkplatz beim Elternsprechtag in der Waldorfschule, so zwischen den ganzen Renault Scenic und Fiat Multiplas.
Schade ist es schon, dass nix Richtiges draus wurde, als Golf ist er zu eng und kann alles schlechter als ein aktueller GTI, die Performance ist ein Witz im Vergleich zu seinem Halbbruder, dem Focus RS und dass er auch kein elegantes Coupé im Sinne eines Gran Turismo ist, sieht man dann, wenn man einen Alfa Romeo Brera daneben stellen würde.
Also, nicht kaufen und ohne Reue runde 40.000,- Euro sparen….
... wir wollen mal die Kirch im Dorf lassen. Familienväter werden sich kaum einen Zweitürer kaufen, von welchem Hersteller auch immer. Natrülich ist es immer erstaunlich, dass VW als das Nonplusultra aller Autos herausgestellt wird. Biedere Autos gibt es kaum, dann lieber eines mit Stil - vielleicht nicht das beschriebene, aber ein Blick auf Alternativen ist es allemal wert....
Es gibt noch ein schlagkraeftiges Argument gegen GTI, Astra OPC und Focus RS: Wer ein Auto fahren mag, das man nicht jeden Tag zu Dutzenden sieht, findet in dem C30 sicherlich das richtige Exemplar. Selbst den "normalen" C30 sieht man nur selten. Und Preis/Leistungsverhaeltnisse zu diskutieren sollte sich bei einem Kompaktwagen fuer 40.000 Euro nun wirklich eruebrigen.
Mal ehrlich - würde hier ein Mercedes CLC oder ein dreitüriger 1er BMW besprochen werden, käme wohl kein Autotester der Welt auf die Idee, diese Wagen auf Kinderwagentauglichkeit oder Familienkompatibilität zu testen.
Volvo verfolgt doch mit dem C30 doch überhaupt nicht den Anspruch, ein vollwertiges Raumwunder für vierköpfige Familien zu verkaufen - das ist in etwa so, als würde ich mich mir einen Hummer kaufen und mich dann darüber aufregen, dass das Ding irgendwie so groß und unhandlich beim Einparken sei.
Für alle Familienbembel und Vollzeitfamilientäter vom Schlage des Herrn Biermann, die beim Stichwort Kompaktklasse sofort GOLF assoziieren und beim Kombi PASSAT und beim Van SHARAN käme ein Volvo sowieso nie in Frage, denn dann müsste man ja mal das Brett vom Kopf nehmen und den Horizont erweitern. Und die drei- oder vierköpfigen Familien, die Volvo mögen und auch mal mit dem Auto in den Urlaub fahren, kaufen sich sowieso einen V50 oder V70. Der C30 spricht eine völlig andere Zielgruppe an, eine, die vielleicht in Ausnahmefällen mal zu viert unterwegs ist, und wenn, dann sicher ohne Kinderwagen.
Kindertaugliche Autos erkennt man daran, dass sie hinten grosse Fenster haben.
Ich weiss ja nicht, welcher Döskopp als erster auf die Idee kam, aber
heutzutage haben sehr viele Autos eine hochgezogene Linie, und die Fenster hinten sind so hoch, dass Kinder gar nicht mehr durchschauen können.
Sieht aber gut aus - von aussen!
Hab mir deswegen erst kürzlich ein anderes Auto gekauft als das, das mir von aussen am Besten gefiel.
aj
In einer Steilkurve braucht man keinen Seitenhalt, weil keine Seitenkräfte wirken. Das ist der Trick einer Steilkurve...
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