Deutsche Geschichte Die Republik der Partei
Vor 60 Jahren erlaubte Stalin den ostdeutschen Kommunisten die Gründung der DDR
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Diese Briefmarke aus dem Jahr 1949, dem Gründungsjahr der DDR, zeigt den sowjetischen Diktator Josef Stalin (links) und Ostdeutschlands ersten Präsidenten Wilhelm Pieck (rechts) in Eintracht
Am 16. September 1949 flogen die drei höchsten Funktionäre der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Otto Grotewohl, Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht, nach Moskau. Vornehmlich als Dolmetscher war auch Fred Oelßner, Mitglied des Kleinen Sekretariats des Politbüros, mit von der Partie.
Am Tag zuvor hatte der Bundestag in Bonn Konrad Adenauer zum ersten Kanzler der Bundesrepublik gewählt, die westdeutsche Staatsgründung war damit nahezu abgeschlossen. Schon seit Längerem hatte die SED-Führung in Moskau darauf gedrängt, in der Sowjetischen Besatzungszone ebenfalls einen Staat zu gründen. Aber Diktator Josef Stalin zögerte sein Plazet hinaus.
Stalins Deutschland-Politik war mehrdeutig. Zum einen sorgte er dafür, dass seine Gefolgsleute von der KPD beziehungsweise SED in Ostdeutschland de facto eine Diktatur aufbauten. Gleichzeitig torpedierte er alliierte gesamtdeutsche Lösungen, da diese die sowjetische Machtposition in der Ostzone schwächen oder gar eliminieren würden.
Zum anderen behielt er ganz Deutschland im Blick und hatte gehofft, die geplante Staatsgründung West als »Spaltung Deutschlands« massenwirksam denunzieren und durch das Anfachen einer »nationalen« Volksbewegung vereiteln zu können. Als dies alles nicht funktionierte, ordnete er im Sommer 1948 die Blockade West-Berlins an, um die USA, Frankreich und England zur Aufgabe des Weststaat-Projektes zu zwingen. Die Erpressung scheiterte, die Bundesrepublik wurde Realität.
Am Nachmittag des 17. September 1949 konferierten die vier SED-Funktionäre mit Lawrentij Berija, Georgij Malenkow, Wjatscheslaw Molotow und anderen sowjetischen Spitzenpolitikern. Stalin nahm an der Sitzung nicht teil. Abends wurden die deutschen Gäste, wie Pieck notierte, mit »Kino im Speisesaal« unterhalten. Am nächsten Tag erkrankte er schwer: »Rheumatische Rückenschmerzen durch Zugluft im Auto […]. Kreml-Klinik: Untersuchung – 190 Blutdruck […], zurück ins Quartier, dort Blutabnahme durch Blutegel […]. Gürtelrose – linke Seite.« Bis zum 26. September musste er in Moskau das Bett hüten.
Wilhelm Pieck verkörperte den Typus des Veteranen der Arbeiterbewegung. 1895 war der Tischler der SPD, 1918 dann der KPD beigetreten und rasch aufgestiegen. Er profilierte sich als Parteibeamter, immer fleißig, immer loyal der gerade verordneten Linie. Im Moskauer Exil wurde er 1935 Vorsitzender der KPD und 1946, nach der Zwangsvereinigung der SPD in der Sowjetischen Besatzungszone mit der KPD, einer der beiden Vorsitzenden der SED.
- Datum 11.10.2009 - 19:09 Uhr
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- Serie Zeitläufte
- Quelle DIE ZEIT, 08.10.2009 Nr. 42
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