Suizide in Frankreich Flucht in den TodSeite 2/2

Schon veröffentlicht die kommunistische L’Humanité Selbstmordzahlen aus dem Umweltministerium, die zwar nicht belastbarer sind als diejenigen für die Télécom, der Debatte aber weitere Nahrung geben. Zwingt nicht die Sarkozy-Regierung fast den kompletten Staatsapparat, sich in einen Dienstleistungsbetrieb mit Zielvereinbarungen, Jahresgesprächen und Kundenfeedback zu verwandeln? Wird nicht demnächst auch die Post in eine Aktiengesellschaft umgewandelt? Da hört für viele Franzosen die Gemütlichkeit auf. So erklärt sich der präsidiale Zorn auf Didier Lombard: Seine Equipe modernisiert das Unternehmen mit einer Brutalität, die ausgerechnet jenen recht gibt, die in Staat und Wirtschaft den alten Trott beibehalten wollen. Die Krise wird damit politisch.

Bis zum 31. Oktober sind nun sämtliche Versetzungen im Unternehmen gestoppt, es werden zusätzlich Personalberater eingestellt. Und man will alles überdenken. Womöglich war der Frankreich-Chef Wenès nicht das letzte Bauernopfer.

Unterdessen geht die Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns weiter wie bisher. Etwa mit dem Orange-Fußballwettbewerb. Als der Pariser Verein PSG am Samstag zum Heimspiel gegen AS Nancy antrat, durften per Los ausgesuchte Fans in der Halbzeit versuchen, aus Elfmeterentfernung die Torlatte zu treffen; wem es gelänge, dem war ein Auto versprochen. Wider Erwarten trafen gleich zwei mit ihrem ersten Schuss. Daraufhin der Moderator: "Pech, wir haben nur ein einziges Auto, na ja, das bekommt jetzt der, der als Erster geschossen hat."

Pfiffe und Gebrüll im Stadion. France Télécom macht im Moment nichts, aber auch gar nichts richtig.

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Leser-Kommentare
  1. Wenn die Selbsternannten Eliten erst mal am Drücker sind, hat das solche Folgen:

    http://www3.ndr.de/sendun...

    Die Kosten werden dann sozialisiert, Unternehmensgewinne dagegen privatisiert, zur Not hoffen die Herren Mäntscher ja, dass sie irgendwo einen böhmischen Gefreiten finden, der ihr feines System der Selbstbereicherung auf Kosten der Allgemeinheit aufrecht erhält.

    Dumm, dass es im Moment verboten ist, handgreiflich gegen solche Mänätschers vorzugehen. Eine andere Sprache wird in den scheinbar vornehmen Etagen anscheinend nicht verstanden.

  2. Nachdem nun schon vor etlicher Zeit Suizide insbesondere in Frankreich Eingang in die semi-wissenschaftliche Literatur der Arbeitsforschung vor allem durch Vereinsmitglieder des Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e. V. in München fanden, war es ganz offenbar lediglich eine Frage der Zeit, neurasthenische Syndrome auch von so genannten vordenkenden Journalisten berichten zu lassen und damit ein anderes Feld zu betreten; wobei nach wie vor große Zweifel an dessen Fruchtbarkeit bleiben. Immerhin ließ die Ehefrau des an solcher Syndromatik jüngst in Nordamerika verstorbenen Künstlers Patrick Swayze seinen Lieblingsgaul mit umgedrehten Stiefeln im Steigbügel von ihm Abschied nehmen und bezeichnete außerdem zuvor bereits dessen Tod laut einer deutschen Boulevardzeitschrift als, wortwörtlich, Sieg; und vergaß darüber den Umstand, dass sich diese Syndromatik stets nicht unendlich ausbreiten kann, sondern sich physikalisch von vornherein an der nach dem Physiker Heisenberg vor Jahrzehnten benannten Unschärferelation brechen muss, wenn sie nicht ohne Not für den Einzelnen immer wieder durch andere in die Verlängerung zu gehen hätte.

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