Kohlekraftwerke Erst sauber werden, dann bauen!

Der schwarz-gelbe Atomkurs ist auch eine Gelegenheit: Der Staat sollte Kohlekraftwerke nur erlauben, wenn sie die Bedingung der Sauberkeit erfüllen. Von Uwe Jean Heuser

Wie ernst meint es die Bundeskanzlerin mit ihrem einstigen Lieblingsthema, dem Klimaschutz? Sie könnte ein Signal setzen.

Derzeit werden in Deutschland 29 neue Kohlekraftwerke geplant oder bereits gebaut. Das lässt Klimaforscher verzweifeln, weil die neuen Meiler ein halbes Jahrhundert laufen. Will Deutschland der weithin akzeptierten Einsicht nachkommen, dass Industrieländer ihren CO₂-Ausstoß bis 2050 um 80 oder 90 Prozent mindern müssen, dann stünden die Werke bedenklich im Weg. Trotz aller Effizienzfortschritte würden gut 20 moderne Kohlekraftwerke reichen, um zur Mitte des Jahrhunderts die CO₂-Latte für das gesamte Land zu reißen. Mag ja sein, dass bis dahin längst das CO₂ von der Kohle mittels neuer Technik abgeschieden und in der Erde gebunkert werden kann – aber schwören mag darauf niemand.

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Also dürfte der Staat neue Kohlemeiler eigentlich nur noch erlauben, wenn sie in einigen Jahren ohne den Ausstoß von Klimagas arbeiten. De facto wäre das zunächst ein Kohle-Moratorium, weil wohl kein Versorger das technische Risiko einginge. Erst sauber werden, dann bauen, hieße das, und nicht: erst bauen und dann eventuell sauber werden.

"Versorgungslücke!", droht an der Stelle die Energiewirtschaft. Doch gerade jetzt ergibt sich eine Gelegenheit. Schwarz-Gelb will Atomkraftwerke länger laufen lassen als geplant – auch aus ökologischen Gründen. Egal, wie man dazu steht, wäre das der Moment, im Gegenzug neue Kohlekraftwerke nur noch unter der Bedingung der Sauberkeit zuzulassen. Die Energiewirtschaft hätte einen neuen Anreiz, in die Technik zur CO₂-Abscheidung zu investieren – und die Regierung könnte zeigen, dass sie in der Klimapolitik nicht einem Lager folgt, sondern einem Ziel.

 
Leser-Kommentare
    • Deviam
    • 08.10.2009 um 20:53 Uhr

    Mit der Laufzeitverlängerung könnte sich die neue Bundesregierung in Sachen "sauberer" Kohle (CCS) kräftig ein Bein stellen. Eine solche Verlängerung würde nämlich zuerst einmal dem wirtschaftlichen Einsatz von CCS im Weg stehen. Wegen der hohen Investitionskosten und der schlechten Regelbarkeit zukünftiger CCS-Anlagen können diese nur als klassische Grundlastanlagen betrieben werden. Schlechte Regelbarkeit, weil Kohle und vor allem Braunkohle ohnehin hohe An- und Abfahrkosten aufweisen und diese durch die angeschlossene Infrastruktur (CO2-Pipelines und Verpressung) noch deutlich ansteigen dürften.
    Genau in diesem Punkt stehen Kernkraft und CCS dann in direkter Konkurrenz um den durch den Ausbau erneuerbarer Energien zukünftig immer weniger werdenden Bedarf an Grundlastkapazitäten. Mit dem Unterschied, dass die Kernkraftanlagen deutlich niedrigere Stromgestehungskosten aufweisen und außerdem abgeschrieben sind. De facto dürfte eine Laufzeitverlängerung im großen stiel für 10 Jahre bewirken, dass sich auch der Einsatz von CCS um 10 Jahre verschiebt.
    Für Deutschland kein großes Problem, international jedoch ein Drama, denn CCS wird dringend benötigt um den chinesischen und indischen Energiehunger zu säubern. Dort wird CCS aber nur eingesetzt werden, wenn es vorher in den Industrieländern bewiesen hat, dass die Technologie funktioniert und bezahlbar ist.

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    ... soll das vom Verbraucher werden, ist ja klar.

    Dann doch lieber über die 20-40 Euro im Jahr fürs EEG meckern.

    CCS (CO2-Abscheidung und unterirdische Verpressung) mag VIELLEICHT für Deutschland und die Nordsee-Anrainerstaaten möglich sein:
    Die haben (seltenes Glück) EVENTUELL geeignete Speicherkapazitäten (Aquifere! Gaskavernen etc. sind Peanuts).

    China (und auch dessen weitere Umgebung) hat jedoch kaum CO2- Aufnahmemöglichkeiten!

    CCS ist daher kaum geeignet, um in China (genauso wie in den meisten Regionen der Welt) eine klimaemissionsarme Energiewirtschaft zu ermöglichen.

    Energiesparen, Energie-Effizienz und Ausbau regenerativer Energie samt geeigneter Netze sind daher weltweit unabdingbar.
    Das wird sehr teuer!

    Noch teurer werden jedoch die Klimaschaden-Vermeidungskosten.

    ... soll das vom Verbraucher werden, ist ja klar.

    Dann doch lieber über die 20-40 Euro im Jahr fürs EEG meckern.

    CCS (CO2-Abscheidung und unterirdische Verpressung) mag VIELLEICHT für Deutschland und die Nordsee-Anrainerstaaten möglich sein:
    Die haben (seltenes Glück) EVENTUELL geeignete Speicherkapazitäten (Aquifere! Gaskavernen etc. sind Peanuts).

    China (und auch dessen weitere Umgebung) hat jedoch kaum CO2- Aufnahmemöglichkeiten!

    CCS ist daher kaum geeignet, um in China (genauso wie in den meisten Regionen der Welt) eine klimaemissionsarme Energiewirtschaft zu ermöglichen.

    Energiesparen, Energie-Effizienz und Ausbau regenerativer Energie samt geeigneter Netze sind daher weltweit unabdingbar.
    Das wird sehr teuer!

    Noch teurer werden jedoch die Klimaschaden-Vermeidungskosten.

  1. dann weiterbetreiben! Die Befürworter der Kernkraftwerke und deren Laufzeitverlängerung drücken sich um diese Frage weiterhin konsequent herum. Die Endprodukte der "billigen und sauberen" Energie werden diskret zwischengelagert und irgendwann dem Gemeinwesen /Steuerzahler zur weiteren Bearbeitung / Finanzierung übergeben. So ist gut Billigrechnen. Da sehen die Kohleverbrenner schlecht aus. Bei ihnen ist alles, was aus Schloten und Aschewägen kommt, sicht- und bilanzierbar.
    Somit geht die Energiewirtschaft den gleichen erfolgreichen Weg der Finanzwirtschaft: Nichts darf nachvollziehbar oder transparent sein. Die Gewinne werden geteilt zwischen Staat und Wirtschaft, die Kosten werden irgendwann der Gesellschaft in kleinen, bequemen Raten angerechnet.
    Aber das alles ist gerechtfertigt, es dient dem Aufschwung durch Wachstum. Was wächst, ist allerdings nur die Welle, die diese Gesellschaft vor sich her schiebt.
    Die mir hier verbleibende Restlaufzeit von 533 Buchstaben gebe ich ab an meinen Enkelsohn, der kann sie vielleicht irgendwann dringend gebrauchen. Bitte bunkern oder zwischenlagern!

  2. ... soll das vom Verbraucher werden, ist ja klar.

    Dann doch lieber über die 20-40 Euro im Jahr fürs EEG meckern.

  3. und mit zuviel Ideologie aufgeheizt.
    Die Forderung Kraftwerke nur zu genehmigen, wenn sie gewisse Umweltauflagen erfüllen muss sich, was meistens unterbleibt, auch Wirtschaftlichkeitserwägungen unterwerfen.
    Nicht jeder wünschenswerte oder zu schnell umgesetzte Umweltschutz ist am Ende sinnvoll, was nützt uns ein strenger Umweltschutz dort, wo er wichtige und notwendige Vorhaben blockiert oder so verteuert, dass die Kosten am Ende soziale Verluste produziert, die letztlich immer auch zu Umweltverlusten führen?
    Die Frage wie wir unsere Energie gewinnen ist zweifelsohne wichtig, aber auch der Umweltschutz hat einen Preis, der für so Manchen am Ende höher sein dürfte als die Risiken der Atomkraft oder von Kohlekraftwerken.
    Es wäre viel seriöser, wenn die Umweltlobby den Preis für ihre Forderungen auch beziffern würde und nicht so täte, als sei das Umsonst zu haben. Das aber würde auch die Aufgabe eines Glaubensbekenntnisses bedeuten zugunsten einer pragmatischen Sachlichkeit.
    Das bisherige Verhalten der Umweltlobby lässt das allerdings nicht erwarten, zu viel Macht ist bei Ihnen an zu vielen Lufblasen und einer bewussten Unschärfe gebunden, die selbst absurde oder widersprüchliche Forderungen einbindet.
    Das ist genau das Problem, die Desillusionierung der Umweltideologie steht noch aus, ein großer Teil ihrer Schubkraft ist diesem Religionsersatz geschuldet. Es ist aber absolut fraglich, ob das am Ende mehr Nutzen als Schaden anrichtet.

    H.

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    Ideolgisch handelt selbstverständlich immer nur der Gegenüber. Mal selbst ist ja immer sooo rational!

    Im Ernst, es gibt keine letztendliche Weisheit, den mehrdimensionalen Zielkonflikt aus Umweltschutz, Energiesicherheit, Wirtschaftlichkeit und sozialer Akzeptanz auf eine objektive deterministische Zielgröße zu vereinen (verengen). Es ist immer auch ein politischer (gesellschaftlicher) Prozess vonnöten, wenn ein bestehender Zielkonflikt beurteilt und entschieden werden muss. Diese Entscheidung kann man dann gerne als Ideologie bezeichnen; die Ablehnung umgekehrt aber nicht weniger!

    Ideolgisch handelt selbstverständlich immer nur der Gegenüber. Mal selbst ist ja immer sooo rational!

    Im Ernst, es gibt keine letztendliche Weisheit, den mehrdimensionalen Zielkonflikt aus Umweltschutz, Energiesicherheit, Wirtschaftlichkeit und sozialer Akzeptanz auf eine objektive deterministische Zielgröße zu vereinen (verengen). Es ist immer auch ein politischer (gesellschaftlicher) Prozess vonnöten, wenn ein bestehender Zielkonflikt beurteilt und entschieden werden muss. Diese Entscheidung kann man dann gerne als Ideologie bezeichnen; die Ablehnung umgekehrt aber nicht weniger!

  4. Ideolgisch handelt selbstverständlich immer nur der Gegenüber. Mal selbst ist ja immer sooo rational!

    Im Ernst, es gibt keine letztendliche Weisheit, den mehrdimensionalen Zielkonflikt aus Umweltschutz, Energiesicherheit, Wirtschaftlichkeit und sozialer Akzeptanz auf eine objektive deterministische Zielgröße zu vereinen (verengen). Es ist immer auch ein politischer (gesellschaftlicher) Prozess vonnöten, wenn ein bestehender Zielkonflikt beurteilt und entschieden werden muss. Diese Entscheidung kann man dann gerne als Ideologie bezeichnen; die Ablehnung umgekehrt aber nicht weniger!

    • hmedl
    • 09.10.2009 um 22:18 Uhr

    Herzlichen Glückwunsch für diese brillante Analyse!

    Da kann man sich freuen - Kohlekraft oder Atommeiler! CO2-Verklappung (energieaufwändig und Technologie im Forschungsstadium) oder radioaktiver Müll. Das begeistert mich!

    Es scheint keine weiteren Alternativen zu geben ...

  5. CCS (CO2-Abscheidung und unterirdische Verpressung) mag VIELLEICHT für Deutschland und die Nordsee-Anrainerstaaten möglich sein:
    Die haben (seltenes Glück) EVENTUELL geeignete Speicherkapazitäten (Aquifere! Gaskavernen etc. sind Peanuts).

    China (und auch dessen weitere Umgebung) hat jedoch kaum CO2- Aufnahmemöglichkeiten!

    CCS ist daher kaum geeignet, um in China (genauso wie in den meisten Regionen der Welt) eine klimaemissionsarme Energiewirtschaft zu ermöglichen.

    Energiesparen, Energie-Effizienz und Ausbau regenerativer Energie samt geeigneter Netze sind daher weltweit unabdingbar.
    Das wird sehr teuer!

    Noch teurer werden jedoch die Klimaschaden-Vermeidungskosten.

  6. Ich stimme Ihnen vollständig zu, gerade deshalb ist es ja so wichtig den Menschen klar zu machen, was ein Gewinn auf der einen Seite für einen Verlust auf der anderen Seite bedeutet.

    Wenn das unterbleibt ist das ein undemokratischer Schwindel, der lediglich die äußere Form von Demokratie wahrt.

    Letztlich müssen die Wähler dann für sich die Prioritäten setzen, es ist nicht seriös das dies Parteien oder Politiker tun, wenn die Zustimmung darauf beruht, dass ihre Wähler sich über die Konsequenzen auf anderen Gebieten im Unklaren sind.

    H.

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