Buchmesse Der Reichtum, die Fülle und die Herrlichkeit des alten ChinaSeite 3/3

Die deutschsprachige Sinologie mag im strengen Sinne zwar nur eine hundertjährige Geschichte haben, doch sie kann auf große Übersetzungsleistungen, sowohl quantitativ wie qualitativ, verweisen. Vieles von dem, was seit Jahrzehnten auf Deutsch vorliegt, das Gesamtwerk von Li Bai und Du Fu etwa, ist bislang im angloamerikanischen Sprachraum noch nicht einmal in Angriff genommen worden. Die Herausgeber konnten also auf eine wahre Fülle von Übertragungen zurückgreifen. Leider haben sie dennoch hie und da nicht der Versuchung zur Nachübersetzung aus dem Englischen widerstanden. Da das Amt für Presse und Publikationswesen der Volksrepublik China die Veröffentlichung dieser Sammlung finanziell unterstützt hat, hätte es jeder chinesische Dichter oder Philosoph eigentlich verdient, stets nach dem Original übertragen zu werden.

Ein weiteres leidiges Problem ist das der unterschiedlichen Transkriptionssysteme, welche die Herausgeber nicht zu vereinheitlichen gewusst haben. Das ist durchaus verständlich, da der Zeitaufwand unverhältnismäßig hoch gewesen wäre, doch für eine normale Leserschaft ist der vielfache Wechsel bei der phonetischen Wiedergabe äußerst verwirrend. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei einem Unternehmen wie diesem Fehler oder Ungenauigkeiten unterlaufen. Auch hätte ich mir in dem einen oder anderen Fall mehr »Tiefe« von Einleitung und Kommentar gewünscht. Doch dieses Konvolut richtet sich sicherlich nicht an ein Fachpublikum, sondern an den interessierten Laien, und der mag durchaus von der Fülle und dem Reichtum des chinesischen Geistes überwältigt werden.

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Wolfgang Kubin (geb. 1945), Universität Bonn, ist Sinologe, Übersetzer und Schriftsteller. Er verfasste unter anderem »Die Geschichte der chinesischen Literatur im 20. Jahrhundert«

Eine Sammlung chinesischer Klassiker. Herausgegeben von Eva Schestag und Daniel Ibáñez Gómez:

Das alte China. Die Anfänge der chinesischen Literatur  und Philosophie; hrsg. von Eva Schestag; 360 S., 25,– € 

Von Kaiser zu Kaiser. Die klassische chinesische Lyrik  und Kunstprosa; hrsg. von Eva Schestag und Olga Barrio Jiménez; 360 S., 25,– € 

Die goldene Truhe. Chinesische Novellen; hrsg. und  übersetzt von Wolfgang Bauer und Herbert Franke; 448 S., 25,– € 

Der Aufstand der Zauberer. Ein Roman aus der Ming-Zeit;  hrsg. und aus dem Chinesischen von Manfred Porkert; 672 S., 28,– € 

Drei-Zeichen-Klassiker. Ein Lehrgedicht für Schüler;  übersetzt und eingeleitet von Eva Schestag; mit Kommentaren von  Daniel Ibáñez Gómez und Kalligrafien von Wang Ning (Beigabe zum Schuber)  Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2009; Schuber, zus. 1840 S., 89,– €

 
Leser-Kommentare
  1. Das Titelbild des Artikels zeigt chinesische Schriftzeichen in Holz geschnitzt. Die Zeichen auf dem Bild stehen auf dem Kopf. Steht nun das Bild auf dem Kopf oder ist das Kunstwerk eine Art Stempel, das auf Papier ausgerollt wird?

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    Wie man etwa hier sehen kann, liegen die Schriftzeichen auf dem Boden, die Orientierung ist also für den Laien nicht sofort erkennbar:

    http://www.badische-zeitu...

    Mir ist schon öfter aufgefallen, dass Künstler chinesische Schriftzeichen mitunter kopfüber in ihre Werke integriert haben, mir ist nicht klar, warum. Chinesische Schriftzeichen werden von rechts nach links und von oben nach unten gepinselt, d.h. die Richtung des Zeichens ist auch für den totalen Laien völlig offensichtlich, weil wir das ja auch nicht anders machen.

    Wie man etwa hier sehen kann, liegen die Schriftzeichen auf dem Boden, die Orientierung ist also für den Laien nicht sofort erkennbar:

    http://www.badische-zeitu...

    Mir ist schon öfter aufgefallen, dass Künstler chinesische Schriftzeichen mitunter kopfüber in ihre Werke integriert haben, mir ist nicht klar, warum. Chinesische Schriftzeichen werden von rechts nach links und von oben nach unten gepinselt, d.h. die Richtung des Zeichens ist auch für den totalen Laien völlig offensichtlich, weil wir das ja auch nicht anders machen.

  2. Wie man etwa hier sehen kann, liegen die Schriftzeichen auf dem Boden, die Orientierung ist also für den Laien nicht sofort erkennbar:

    http://www.badische-zeitu...

    Mir ist schon öfter aufgefallen, dass Künstler chinesische Schriftzeichen mitunter kopfüber in ihre Werke integriert haben, mir ist nicht klar, warum. Chinesische Schriftzeichen werden von rechts nach links und von oben nach unten gepinselt, d.h. die Richtung des Zeichens ist auch für den totalen Laien völlig offensichtlich, weil wir das ja auch nicht anders machen.

    Antwort auf "Verwirrend"

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