Brasilien Freudentränen eines TintenfischesSeite 2/2
Marxistische Intellektuelle schlossen sich damals den Arbeitern an, Lula waren Ideologien ziemlich egal. Auf die Frage, ob er Marxist, Sozialist oder Sozialdemokrat sei, antwortete er stets: »Ich bin Dreher.« In den achtziger Jahren, einer Zeit wirtschaftlicher Spannungen und politischer Liberalisierung, gründeten Lula und seine Mitstreiter die Arbeiterpartei Partido dos Trabalhadores (PT). 1982 brachte die Schuldenkrise das Land an den Abgrund, die Inflationsrate stieg auf mehr als 1000 Prozent. Drei Jahre später kehrte Brasilien zur Demokratie zurück, doch sollte das Land noch lange unter hohen Inflationsraten leiden, bis es dem späteren Präsidenten Fernando Henrique Cardoso 1994 mit seinem Plano Real gelang, die Wirtschaft zu stabilisieren.
Dreimal kandidierte Lula erfolglos für das Präsidentenamt, bis er 2002 mit 61,3 Prozent der Stimmen gewann. Zum ersten Mal saß in einem Land, in dem der Reichtum so ungleich verteilt ist wie in wenig anderen Ländern der Welt, ein Arbeiter auf dem Präsidentensessel. Das Volk jubelte, die Investoren brachen in Panik aus. Ein Linker als Präsident, noch dazu einer, der über wenig Schulbildung und noch weniger politische Erfahrung verfügte! Nur eine Amtszeit lang hatte er im Landtag gesessen, eine Zeit, die er selbst als langweilig bezeichnete.
Lula überraschte die Finanzwelt, indem er die stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik seines Vorgängers Cardoso fortführte und gleichzeitig umfassende Sozialprogramme auflegte. »Konservativ in der Wirtschaftspolitik, mutig in der Sozialpolitik«, lautet sein Motto. Im Grunde ist Lulas Sozialplan ein konservativer Klassiker: Wirtschaftswachstum und mehr Jobs. Damit hat er einige vergrätzt, die schneller mehr Wandel wollten, immerhin aber gelang es ihm, einige Millionen Menschen aus der Armut zu holen. Lebten 1990 noch 48 Prozent der 195 Millionen Brasilianer von weniger als zwei Dollar am Tag, waren es 2006 33 Prozent. »Das Neue ist, dass wir keinen Lula-Plan auflegen werden«, sagt der Präsident. »Brasilien braucht nicht schon wieder einen Präsidenten, der einen neuen Plan entwirft, ein wenig Erfolg damit hat und uns dann zehn Jahre später mit der Rechnung zurücklässt. Wir wollen es nachhaltig machen. Jeden Tag kommen wir ein paar Zentimeter voran, ganz ohne Wunder.« Sein Pragmatismus beschert dem Präsidenten im siebten und letzten Jahr seiner Amtszeit (die Verfassung verbietet es ihm, zum dritten Mal in Folge wiedergewählt zu werden) nicht nur Zustimmungsraten von 77 Prozent, er prägt auch seine globalen Ambitionen.
Lula kann mit George W. Bush genauso wie mit Hugo Chávez, selbst Barack Obama bekennt: »Ich liebe diesen Kerl.« Brasilien streckt überallhin seine Fühler aus. Entwickelt Satelliten mit China, baut Fabriken für Aids-Generika in Afrika, verhandelt mit Iran und streitet gemeinsam mit Deutschland, Japan und Indien für eine Reform der Vereinten Nationen. Es leitet die Friedensmission in Haiti, kämpft mit Südafrika und Indien für ein gerechteres Welthandelssystem und hat sich angeboten, im Nahostkonflikt zu schlichten. Vor allem aber hat Brasilien, traditionell eher den USA und Europa verbunden, die Vermittler- und Führungsrolle in Südamerika übernommen.
Das Eigenartigste ist, dass sich niemand daran zu stören scheint. Für gewöhnlich wird der Aufstieg eines Landes von anderen mit Argwohn betrachtet. Auch China hat die Olympiade bekommen, doch was gab das für eine Aufregung! China ist vielen zu groß und zu schnell, Venezuela zu laut, Iran zu furchteinflößend. Brasilien fehlt all das: Es bewegt sich langsam, behutsam, gleichsam auf Samtschuhen.
Jetzt muss es Brasilien nur noch schaffen, friedliche Spiele auszurichten. Einfach wird das nicht, im Schnitt wird in Rio alle dreieinhalb Stunden ein Mensch ermordet. 2016 könnte Lula übrigens noch Präsident sein. Er möchte bei den Wahlen 2014 wieder antreten.
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- Datum 11.10.2009 - 14:58 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.10.2009 Nr. 42
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.. die erste Olympiade Lateinamerikas wird das nicht sein, das war Mexiko 1968.
ist von Ölimporten unabhängig und hat der Weltbank und dem IWF den Kampf angesagt - zufall?
Wachstum kann man auch mit Steuererhöhunbgen für die Ober- und Mittelklasse sowie Erhöhung und Einführung von Sozialleistungen erreichen. Eine strenge Regulierung des Bankenwesens hat auch nicht geschadet.
Man sollte zuerst Rassismus dort bekämpfen.
Interesant ist ein Vergleich zwischen den beiden "sozialistischen" Präsidenten Lula und seinen Kollegen Hugo Chavez aus Venezuela. Während Lula es offenbar schafft dieses große Land mit all seinen Unterschieden und Problemem vorran zu bringen, besteht die Gefahr das Chavez einen Krieg mit Kolumbien anzetteln möchte, um under anderen auch von eigenden Problemem in seinen Land abzulenken.
Im Gegensatz zu Lula, dem Arbeiterkind, Metallarbeiter Gewerkschaftler, etc... handel es sich bei Chavez um einen "Matcho" - Militär, oder wie er von sich selbst sagt "einfachen Soldaten". Offenbar schafft er es nicht sein Land zu vereinigen und sozial und wirtschaftlich vorran zu bringen. Im Gegensatz, die sozialen und wirtschafltlichen Spannungen, etc... vertiefen sich in Venezuela!
Im totalen Gegensatz zu Lula ist Chavez "der einfache Soldat" eine Gefahr für sein Land, seine Nachbarn und den Lateinamerikanischen Kontinent!
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