Folkmusik Geister der LandstraßeSeite 2/2
Was Bob Dylan also Woody Guthrie war, ist Wainwright Charlie Poole: ein Medium, über das er auf seine alten Tage noch einmal Kontakt aufnimmt mit den Geistern der Landstraße. High Wide & Handsome wäre aber nicht die gelungene Hommage an einen vergessenen Pionier des Folksongs, ließe die Botschaft sich nicht zugleich in umgekehrter Richtung lesen. Es sind ja – neben verdienten Mitstreitern wie Produzent Dick Connette oder Chaim Tannenbaum – die eigenen Kinder und Kindeskinder, die dem kargen historischen Material Kolorit und Würze geben: Tochter Martha, Nichte Lucy, diverse Schwippschwager und Angeheiratete mit dem ein oder anderen Instrumental- oder Vokalbeitrag, nicht zu vergessen Rufus, der verlorene Sohn und heutige Konkurrent um die Gunst des Publikums, der auf Old And Only In The Way eine kongeniale Zweitstimme beisteuert…
So gesehen ist das Charlie-Poole-Projekt auch eine Art erweitertes Familientreffen: Der Wainwright-Clan versammelt sich um den Grabstein eines amerikanischen Gossen-Orpheus, um sein Lob zu singen und sich im selben Atemzug in seinen Songs weiterzuzeugen. Ein Ende des Liedes ist, zum Glück für Loudon und zum Trost des armen Charlie, nicht abzusehen.
The family that plays together stays together.
Loudon Wainwright III: High Wide & Handsome. The Charlie Poole Project, 2 CDs
Charlie Poole: The Essential Charlie Poole, 4 CDs
Beide Proper Records/Rough Trade
- Datum 05.11.2009 - 15:04 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.10.2009 Nr. 42
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