Nobelpreis für Physik 2009 Licht rein, Licht raus

Der Physiknobelpreis würdigt diesmal technische Raffinesse, die zur Grundlage des Informationszeitalters wurde.

Licht vorne rein, Licht hinten raus, so einfach geht das, Charles Kao sei Dank. Der mit dem Physiknobelpreis geehrte Forscher hat es mit seiner Entdeckung möglich gemacht, Licht über weite Strecken durch ein Glasfaserkabel zu leiten

Licht vorne rein, Licht hinten raus, so einfach geht das, Charles Kao sei Dank. Der mit dem Physiknobelpreis geehrte Forscher hat es mit seiner Entdeckung möglich gemacht, Licht über weite Strecken durch ein Glasfaserkabel zu leiten

Gunnar Öquist mag innerlich aufgeatmet haben, als die Entscheidung über den Physiknobelpreis gefallen war. Oft genug muss der Generalsekretär der Schwedischen Akademie der Wissenschaften bei der Verkündung abstrakte Teilchenphysik oder bizarre Quantenphänomene umschreiben, deren Namen die meisten nicht einmal aussprechen können. Dieses Jahr hatte er es leichter.

Öquist und seine Adjutanten brachten zur Pressekonferenz einen Laserpointer und eine Glasfaser mit, die sie quer über den Tisch legten. Licht vorne rein, Licht hinten raus, so einfach geht das, Charles Kao sei Dank. Und als Willard Boyle und George Smith für die Erfindung des CCD-Chips gewürdigt wurden, holte der Kollege rechts auf dem Podium kurz seine Digitalkamera hervor, schraubte das Objektiv ab, und klick – »da hinten befindet sich ein CCD-Chip«.

Anzeige

Tatsächlich werden mit dem diesjährigen Physiknobelpreis zwei Grundlagen des modernen Informationszeitalters gewürdigt. Der gebürtige Chinese Charles Kao entwarf mit der Entwicklung optischer Glasfasern gleichsam die Kanäle des Informationsflusses; Boyle und Smith verdanken wir, dass diese Kanäle heute überlaufen. Kein Medium braucht so viel Kapazität wie die digitalen Filme und Fotos, die dank CCD-Chips heute jeder Urlauber aufnehmen kann.

Die Preise für Kao, Boyle und Smith verraten allerdings nicht nur etwas über unseren Umgang mit Information, sie stehen für mehr: für die aufgehende Sonne der chinesischen Wissenschaft – und für den sinkenden Stern der einst legendären Bell Labs.

Nobelpreise
Alle Hintergründe zu den diesjährig Geehrten auf ZEIT ONLINE (bitte klicken Sie auf das Bild)

Alle Hintergründe zu den diesjährig Geehrten auf ZEIT ONLINE (bitte klicken Sie auf das Bild)

Der Nobelpreis für Smith und Boyle ist nunmehr der siebte für Arbeiten aus den Laboratorien in Murray Hill bei New York. Und mit Kao wird – nach der offiziellen Zählung des Nobelkomitees – zum sechsten Mal ein gebürtiger Chinese ausgezeichnet. Es spricht einiges dafür, dass man von China in Zukunft mehr und von den Bell Labs immer weniger hören wird.

Zwar hat auch Charles Kuen Kao – wie schon vor ihm die chinesischstämmigen Physiker Daniel C. Tsui (Preisträger 1998), Chen Ning Yang und Tsung-Dao Lee (ausgezeichnet 1957) – seine Karriere hauptsächlich im Ausland gemacht. Aber der in Shanghai geborene Forscher hat immer seine Verbindungen zur Heimat gepflegt, von 1987 bis 1996 war er sogar Vizekanzler der Chinesischen Universität in Hongkong.

Das werden Chinas Parteiführer vermutlich groß herausstellen. Schließlich will man künftig nicht nur wirtschaftlich ernst genommen werden, sondern auch wissenschaftlich anknüpfen an die glorreiche Zeit, als das Reich der Mitte mit Erfindungen wie Schießpulver und Kompass Technologieführer war. In diesem Klima der nationalen Anstrengung wird jeder auch nur entfernt chinesisch angehauchte Nobelpreisträger sofort vereinnahmt.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service