Nobelpreis für Physik 2009 Licht rein, Licht raus
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Die Bell Labs haben ihren Ruf als Mekka der Physik eingebüßt

Je mehr Licht auf ein Pixel fällt, desto mehr elektrische Ladung wird in diesem Pixel erzeugt und – mit ein paar Tricks aus der Halbleiterphysik – gespeichert. So wird aus dem zweidimensionalen gerasterten Bild ein digitales Signal, das sich am Computer verarbeiten lässt. Für Farbbilder muss man die Pixel nur noch mit unterschiedlichen Filtern ausstatten, fertig ist die Digitalfotografie. Kein Film, kein Entwickler, keine Chemie – nur noch geruchlose Elektronik.

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Schon ein Jahr nach ihrem Treffen hatten die beiden Physiker eine erste Videokamera mit einem CCD-Chip entwickelt, fünf Jahre später wurden die ersten Digitalbilder überhaupt mit einer Kamera auf dem Mond aufgenommen. Die schöneren Fotos vom Mond stammten zwar von Neil Armstrongs Hasselblad, aber die musste man eben erst wieder zur Erde bringen, um die Filme zu entwickeln. Analog war schön, digital war praktisch. Mitte der neunziger Jahre kamen die ersten kommerziellen Digitalkameras auf den Markt, der Rest ist Geschichte, siehe Flickr, Facebook und YouTube.

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Die Bell Labs selbst haben allerdings seither ihren einstigen Ruf als Mekka der Physik eingebüßt. Noch Mitte der achtziger Jahre arbeiteten dort 20.000 Physiker, Ingenieure, Techniker und Materialwissenschaftler – 1000 von ihnen machten Grundlagenexperimente. Auf den Gängen begegnete man Autoritäten, beim Nachmittagstee diskutierten Nobelpreisträger über Halbleiter und Kristalldefekte. »Das war ein tolles Rezept: Die besten Forscher holen, die man finden kann, und ihnen nicht vorschreiben, was sie tun müssen«, erinnert sich der deutsche Nobelpreisträger Theodor Hänsch an seine Besuche in Murray Hill.

Doch Ende der achtziger Jahre ging es bergab. Bell wurde aufgespalten, die Forschungslabors wurden einer neuen Firma namens Lucent Technologies zugeschlagen. Analysten beklagten die zögerliche Umsetzung von Laborergebnissen, Lucent begann zu sparen. Die besten Forscher verließen die Labors. Nur noch einmal machten die Bell Labs Schlagzeilen in der Wissenschaft: als ihr Mitarbeiter Jan Hendrik Schön, ein Physiker aus Deutschland, einen der größten Fälschungsskandale der Physik auslöste.

Anschließend zog sich Lucent endgültig aus der Grundlagenforschung zurück. 2006 fusionierte die Firma mit Alcatel, im Juli 2008 arbeiteten noch vier Wissenschaftler an grundlegenden physikalischen Fragen, einen Monat später machte Alcatel-Lucent die Abteilung dicht. Der Nobelpreis für Boyle und Smith werde damit der letzte für die Bell Labs sein, prophezeit der dänische Wissenschaftshistoriker Helge Kragh.

Kragh war überrascht, als er am Dienstag von der Wahl des Nobelpreiskomitees erfuhr. Damit würden eher Erfindungen als Entdeckungen ausgezeichnet, sagt der Historiker, und das sei in der Tradition des Nobelpreises ungewöhnlich. Bis auf wenige Ausnahmen wurde der Physikpreis stets für Grundlagenforschung vergeben. »Die Würdigung von Glasfaser und CCD spiegelt die Tatsache wider, dass es in der grundlegenden Physik seit zwei Jahrzehnten kaum Fortschritte gibt«, analysiert Kragh.

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Da ist etwas dran: Schließlich sind die meisten Elementarteilchen entdeckt, die Quantentheorie ist bis ins letzte Detail ausformuliert, und die lang ersehnte Theorie für alles – die Vereinigung von Quanten- und Relativitätstheorie – liegt in weiter Ferne. Nun warten die Physiker der Welt auf Daten des Genfer Teilchenbeschleunigers LHC. Doch der steht seit einer Panne kurz nach dem Start still und soll erst im November wieder angefahren werden.

Der Nobelpreis für CCDs und Glasfaser ist, so gesehen, der ideale Stoff für eine Werbepause.

 
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