SPD-Führung Die Nahles
Jetzt ist sie die neue Mitte: In der SPD geht nichts mehr ohne Andrea Nahles, die einstige Linke. Aus gutem Grund
© Andreas Rentz/Getty Images

Andrea Nahles, 39 Jahre alt, Tochter eines Maurers, Germanistin, Generalsekretärin in spe
Sie ist die ungemein Lebendige in einer müden Partei. Und als eines der größten Talente der SPD hatte die junge Frau aus der Eifel lange Zeit immer etwas mehr Macht, als ihr guttat. Doch langsam finden die Frau und die Macht zusammen, soweit man von Macht in der SPD noch sprechen kann. In den vergangenen Jahren spielten nur Andrea Nahles und Franz Müntefering in allen Schlüsselszenen ihrer Partei eine zentrale Rolle. Der geht nun. Sie bleibt.
Natürlich hat sie weit links angefangen, sich als Sozialistin bezeichnet und die Agenda 2010 bekämpft. Das ist normal. Doch zuletzt war sie es, die Parteilinke, die versuchte, Frank-Walter Steinmeier zu retten. Andrea Nahles, 39 Jahre alt, Tochter eines Maurers, Germanistin, Generalsekretärin in spe, ist jetzt die Hoffnungsträgerin der SPD. Kann sie so viel Hoffnung tragen?
Am 1. November 2005 sitzen wir in ihrem winzigen, vollgemöbelten Abgeordnetenbüro und würgen billige Croissants herunter. Andrea Nahles würgt auch an ihren Tränen. Sie hat kein Auge zugemacht. Denn am Tag zuvor ist Franz Müntefering zurückgetreten, ihretwegen. Sie hatte seinen Wunschkandidaten für das Amt des Generalsekretärs aus dem Rennen geworfen. Dass der große, alte Münte deswegen abtreten würde, das hätte sie niemals für möglich gehalten. Sie hat es bewirkt, aber nicht beabsichtigt. Sie erlebt die Geschichte von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen. Und es lernte.
Am 14. Mai 2008 passiert ihr etwas Ähnliches. Die SPD-Spitze diskutiert schon seit Wochen intern, ob sie Bundespräsident Horst Köhler das Plazet für eine zweite Amtszeit geben oder einen eigenen Kandidaten aufstellen soll. Unterwegs im Auto kaut Andrea Nahles an der Frage herum. Was soll die Unentschlossenheit der SPD-Führung? Nahles testet die Grenzen ihrer Möglichkeiten aus – und gibt einer Nachrichtenagentur ein Interview, in dem sie Gesine Schwan ins Spiel bringt. Die damals großen Männer der Sozialdemokratie, Kurt Beck, Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier, beraten sich, Gesine Schwan ist auch dabei. Doch trotz großer Bedenken, weil die eigene Kandidatin nur mit den Stimmen der Linkspartei wählbar wäre, bringen sie es nicht über sich, Nein zu sagen. Also sagen sie Ja.
Und Nahles merkt langsam, wie wackelig die Macht der anderen sein kann, wenn man ihr mit Entschlossenheit begegnet: Ich muss jederzeit damit rechnen, dass ich mich durchsetze. In dieser Phase hört die ewige Juso-Frau auf, eine Flügelpolitikerin sein. Nicht unbedingt in ihren politischen Positionen, aber in Sachen Verantwortung. Sie denkt immer mehr von der Mitte her.
Einmal noch spielt sie die eigene Stärke aus, ohne dabei ein ernstes Ziel zu verfolgen, eher aus sportlich-sadistischen Motiven. Am 7. September 2008 tagt Andrea Nahles mit anderen aus der SPD-Führung in der Nähe des Schwielowsees. Der Putsch gegen Kurt Beck ist im Gange, aber Frank-Walter Steinmeier will nicht so recht raus mit der Sprache, er will, so erinnert sie sich, nicht sagen: Ich mache nur den Kanzlerkandidaten, wenn Münte wieder Parteichef wird. Nahles ahnt es und dringt in ihn, quält ihn zur Klarheit. Am Ende kommt es so: Steinmeier wird Kandidat, Müntefering Vorsitzender, Nahles bleibt Stellvertreterin. Einmal noch hat sie nur gespielt.
Am 31. August 2009 begeht die SPD in Hannover ihren Wahlkampfauftakt. Steinmeier redet gut und lange. Seine Wahlkampfmannschaft steht mit auf der Bühne, darunter Sigmar Gabriel, zumeist mit feinem, ironischem Lächeln. Und eben Andrea Nahles, im knallroten Kleid. Die Farbe, das spürt man am selben Abend beim Gespräch am Maschsee, signalisiert Wut. Da geht es schon um den Tag nach der Wahl. Eine Frage genügt: Müssen nicht Steinmeier und Müntefering nach einer Niederlage die Macht in der SPD behalten, weil nur sie ein rot-rotes Bündnis schließen können, ohne den Kontakt zur Mitte zu verlieren?
Und nun, ruft sie über den See hinaus, sollen die anderen die Partei führen?
Sie hasst diese Logik. Schon seit 1998, als Oskar Lafontaine ihr erklärt hat, dass Schröder Kanzlerkandidat werden muss, weil er als Rechter mehr Stimmen holt. Und nun, ruft sie auf den erkaltenden See hinaus, und nun sollen die, die uns so weit runtergebracht, die »gröbste Fehler« begangen haben, zur Belohnung wieder die Partei führen dürfen? Erst in den Abgrund und dann wieder raus? Die Antwort gibt sie sich selbst, zähneknirschend: Ja. Andrea Nahles hat endgültig das Fürchten gelernt, sie weiß, dass die Krise ihrer Partei existenziell ist.
Genau einen Monat später, fünf Tage vor der Wahl, hat Andrea Nahles sich Klarheit verschafft. Wir treffen uns in einem Café in Andernach, einem kleinen Städtchen am Rhein, nah ihrer Heimat. Hier kennt sie Hinz und Kunz und natürlich auch die Kellnerin. Nahles trägt ein blaues Jackett, dasselbe, das auch draußen auf ihren Plakaten zu sehen ist. Wahlkämpferinnenuniform. Doch der Kampf, um den es hier geht, ist nicht der gegen die Union, sondern der um die SPD. Nahles hat einen Plan. Sie will mit Steinmeier reden, unter vier Augen. Und mit Müntefering, allein. Den einen will sie dabei unterstützen, nach der Wahl Partei- und Fraktionsvorsitzender zu werden. Dem anderen sagen, dass seine Zeit vorbei ist. Von Wut keine Spur mehr, sie ist jetzt ganz nüchtern. Sie weiß, dass es ohne »die Rechten« nicht geht, sie weiß, dass das unvermeidliche Zusammengehen mit der Linkspartei der SPD-Linken eher schadet, aber das ist ihre Sorge nicht mehr. Sie weiß auch, dass sie künftig große Teile der Agenda wird verteidigen müssen, damit die SPD ihre Selbstachtung nicht verliert. »Ich will mit anderen zusammen ein neues Zentrum bilden«, sagt sie. Für sich selbst hat sie zwei Vize-Posten vorgesehen, einen in der Partei, einen in der Fraktion.
Zwei Tage vor der Wahl sitzt sie mit Steinmeier im Auswärtigen Amt und unterbreitet ihm ihr Angebot. Eine Dreiviertelstunde dauert das Gespräch, doch der Mann, an dem so vieles hängt in diesen Tagen, gibt keine klare Antwort. Zumindest hört sie keine heraus. Am Wahlsonntag versucht sie es noch einmal. Um zwei Uhr mittags, die ganz niederschmetternden Prognosen sind noch nicht angekommen, redet sie in der Parteizentrale mit dem Mann, den sie zum Parteivorsitzenden machen will. Wieder ohne Ergebnis.
Von da an geht alles ganz schnell. Abwärts. Die SPD sinkt auf 23 Prozent, die Macht von Müntefering und Steinmeier verfällt im Stundentakt. Der Kanzlerkandidat erhebt Anspruch auf den Fraktionsvorsitz, nicht aber auf das höchste Parteiamt. Sie denkt, weil er es nicht wagt, Müntefering an die Seite zu schieben. Und weil er ihr nicht vertraut. Fast rechtzeitig also ist sie in die Mitte gerückt, fast ganz ist er zum echten Machtpolitiker gereift. Jedoch, die logische Sekunde, da ein Bündnis Steinmeier/Nahles möglich scheint, verstreicht. Ab Montagmittag gilt eine neue Logik.
Doch auch in dieser neuen Logik spielt Andrea Nahles eine zentrale Rolle. Sie soll, so nennen es die Medien, zur Aufpasserin des designierten SPD-Vorsitzenden werden. Nun würde niemand, nicht mal Sigmar Gabriel, bestreiten, dass Sigmar Gabriel ab und an einen Aufpasser braucht. Ihr jedoch würde das nicht reichen.
Andrea Nahles ist keine Linke mehr, schon weil sie, anders als früher, nicht mehr die Parteilinke meint, wenn sie »wir« sagt, sondern die SPD. Sie ist aber auch keine Rechte, weil sie die Partei »wirklich gernhat«, anders wohl als Schröder oder auch als Gabriel, Männer, die der SPD zwar dankbar sind, aber sie nicht so mögen, wie sie geht und steht. Gerade eben hat Gabriel wieder gesagt, er sei vor 30 Jahren in die SPD eingetreten. Damals sei sie eine Partei der Lehrer gewesen. Heute sei sie eine Partei der alten Lehrer. Das, meint Andrea Nahles, stimme zwar, aber was soll es bringen, jetzt die alten Lehrer alt zu nennen? »Dann sagen die doch nur, dann machen wir eben auch nichts mehr. Und wir haben schließlich keine zweite Partei im Koffer.«
Sie behauptet von sich, die Hälfte der Parteitagsdelegierten beim Vornamen zu kennen. Das klingt ein bisschen angeberisch, stimmt aber vermutlich. Fragt sich nur: warum? Was bringt eine junge, fröhliche, wortgewaltige, talentierte Frau dazu, sich so intim mit einer alten, etwas traurigen und oft resignierten Partei zu beschäftigen?
Vielleicht muss man an der SPD erkranken, um sie zu heilen
Das »sozialökologische Konzept«, schießt es aus ihr heraus. Das bedeutet: Die Grünen kümmern sich um die Ökologie, sind aber eine bürgerliche Partei, die das Soziale nicht so ernst nimmt, und darum bin ich als Arbeiterkind der SPD beigetreten. Wir sind jetzt wieder an ebender Stelle im Gespräch, da sich die Frau, die im Leben steht, in eine Funktionärin verwandelt. Schon schnurren die Vokabeln, »inhaltliche Querschnittsgruppe«, »Koordinierungsebene«, »Struktur«, sodann prasseln die Vornamen, der Björn und der Frank und der Olaf, auch der Münte, der Lars und der Sigmar. Eine eigene Welt.
Vielleicht ist das so, vielleicht muss man an der SPD erkranken, um sie heilen zu können. Bei Andrea Nahles scheint beides möglich.
Welchen Erfolg aber hat sie im Land? Noch einmal zurück in ihr Land, nach Andernach. An jenem Tag war auch Klaus Wowereit zu Besuch. Die beiden gingen durch die Einkaufszone. Er übernahm gleich die Führung beim Ansprechen vereinzelt auftretenden Volkes. Die Leute waren begeistert, Frauen mittleren Alters sind seine Spezialität. Eine ließ sich von ihm bereitwillig etwas von ihrem Softeis wegschlecken. Nahles hingegen lief nebenher, kam nicht richtig ran ans Volk. Wowereit verteilte Autogrammkarten en masse, Nahles ein paar rote Kugelschreiber. Auf denen stand »Die Nahles«. Die Nahles ist das Klischee, das die Leute von ihr haben. Die Linke, die mit der Partei kann, die in eine andere Richtung zu sprechen scheint, die nicht uns meint. Das ist ihre Begrenzung, bisher. In ihrem Wahlkreis holte sie nur 24,4 Prozent.
Aber was bedeutet das schon? Vor 20 Jahren hatte eine andere junge Frau große Anfangsschwierigkeiten mit dem Volk, weil sie aus dem Sozialismus kam. Etwas später musste auch diese Frau ihre Partei retten. Heute ist sie Kanzlerin.
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- Datum 11.10.2009 - 10:46 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.10.2009 Nr. 42
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Wer sich mal ein Bild von der engsten Vertrauten von Nahles, der früheren PDS-Vize, Angela Marquardt, machen will: sie hat den "Protestzug" in Leipzig unter dem Motto: "Still not lovin' Germany" gegen die Feierlichkeiten zum 9. Oktober 1989 angemeldet.
Also, wenn das die Zukunft der SPD ist ...
"(...) Im Vorfeld hatte die Demo für politischen Ärger ausgerechnet in der SPD gesorgt. Grund war die Anmeldung durch Marquardt. Sie gilt als Vertraute der künftigen SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. „Der Aufruf zu dieser Demonstration ist eine Beleidigung der Leipziger und vieler Bürger in diesem Land“, kritisierte Leipzigs SPD-Fraktionschef Axel Dyck.
Der mehrseitige Aufruf zum Aufzug, verfasst unter anderem vom Antifaschistischen Frauenblock und der Leipziger Antifa, liest sich wie eine Generalkritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen in Deutschland. „Menschenverachtende Ideologien wie Rassismus und Antisemitismus“, heißt es darin, würden „von der Mehrheit der Deutschen getragen“, die hiesige Bevölkerung habe sich noch nicht vollends „von ihrem völkischen Verständnis von Gemeinschaft“ gelöst. (...)"
http://www.lvz-online.de/...
Und zwar auch dann nicht, wenn dies der Autor gleich mehrfach ganz mutig behauptet. Denn das, was dann beschrieben wird, ist nicht etwa eine Hinwendung der Andrea Nahles zu den Themen und Grundeinstellungen der Mitte der Bevölerung, sondern eine von Opportunismus und taktischem Machtdenken getragene Hinwendung zu Figuren, die in der SPD als "rechts" gelten. Die SPD der Andrea Nahles unterscheidet sich bis zur Unkenntlichkeit nicht mehr von den Positionen der LINKEN, und das ist schon lange der Fall. Für die Wähler der LINKEN ist die SPD völlig uninteressant, weil sie eben nicht das Orignal ist. Sich durch eine Linsbewegung diesem, von der SPD als ureigenem Milieu empfundenen Personenkreis annähern zu wollen, ist deshalb völlig unsinnig, eben weil der linke Flügel der SPD nicht die bessere Alternative zu bieten hat, sondern "dasselbe in rot". Je mehr die "Parteilinken" versuchen, aus Selbsthass den bürgerlichen Flügel zu amputieren, desto mehr treiben sie die SPD in die Bedeutungslosigkeit, denn für die echte Mitte der Gesellschaft (von Gerd Schröder dereinst als "Neue Mitte" gepriesen) wird sie so endgültig unwählbar.
Solange Andrea Nahles den Beweis nicht erbringt, dass hinter dem ganzen Text, den sie absondert, auch Realitätssinn steckt, solange sie nicht beweist, dass sie nicht nur Politik für "das untere Drittel" der Gesellschaft macht und den Rest als Melkkuh missbrauchen will, ist jemand wie sie nicht der Neuanfang der SPD, sondern ihr Untergang.
habe ich einen Artikel gelesen, der offen den jahrzehntelangen Wählerbetrug der SPD so eben nebenbei thematisiert und für völlig selbstverständlich hält, weil Macht Vorrang vor dem Wählerwillen hat.
Denn der linke Flügel ist nicht mehrheitsfähig, ist es nie gewesen, weshalb man immer rechte Galionsfiguren brauchte, um darunter eine andere Politik durchsetzen zu können.
Genau so habe ich die SPD seit meiner Jugend immer wahrgenommen und deshalb immer für unwählbar gehalten, trotz Zielen die meinen Vorstellungen am nächsten kamen.
Genau das ist meiner Meinung nach auch der Grund warum die SPD so dramatisch verloren hat. Die Bürger haben das Spiel durchschaut. Begriffe und Inhalte sind eben nicht dasselbe, der Anspruch auf Ziele bedeutet eben nicht, dass man dazu auch am befähigsten ist.
Ja, die Mehrheit will eine soziale Politik, ja die Mehrheit will einen Sozialstaat und einen Staat mit sozialem Gewissen. Aber nein, die Mehrheit will dies nicht, so wie die Linke oder der linke Flügel sich das vorstellt.
Die Weigerung die überholte traditionelle Sicht der Dinge aufzugeben, eine schlüssige Sozialpolitik jenseits des klassischen links / Rechtsdenkens zu formulieren hat. Der mögliche Verlust liebgewordener Besitzstände und Machtinstrumente hat die Partei korrumpiert, am deutlichsten noch bei Herrn Lafontaine, bei dem Nichts sozial sein kann, was offensichtlich seiner Eitelkeit und Macht schadet.
H.
"Vor 20 Jahren hatte eine andere junge Frau große Anfangsschwierigkeiten mit dem Volk, weil sie aus dem Sozialismus kam. Etwas später musste auch diese Frau ihre Partei retten. Heute ist sie Kanzlerin."
Ein wesentliches Detail: Diese Frau hatte ein Leben vor der Politik, Nahles Leben ist Politik - Nahles hat nie was anderes als "Politik" gemacht. Das begrenzt zusammen mit ihrem Charakter ihre Möglichkeiten - besonders die zur Rettung der SPD.
Ebenso ist Nahles nicht die Mitte. Das, was die SPD zusammenhalten könnte wäre eine Integrationsfigur aus der Mitte und nicht jemand aus dem Dunstkreis des linken Flügels.
Die Methoden wie Postengeschacher, Intrigenspiele, usw. beherrscht Nahles bis zur Perfektion. Genau diese Methoden sind es aber, die der Untergang der SPD sind. Nahles Gesicht ist ein Januskopf, dies zeigt das Interview.
Derjenige der die SPD retten könnte, wäre jemand, der alle Strömungen der Partei ernst nimmt und politisch umsetzt. Keine unlösbare Aufgabe. Diese Aufgabe erfordert Entschlossenheit im richtigen Moment, Mut und - auch die Gabe einmal über den eigenen Schatten springen zu können, Lebenserfahrung (auch außerhalb der Politik). Wichtig noch: Ehrlichkeit zu sich selber, den Genossen und zu den Wählern. Nahles hat noch nicht einmal 50% der Kriterien. Die SPD muss die Besten ihrer Mitglieder fördern und nach vorne bringen, und nicht das Mittelmaß mit Versorgungsmentalität und Intrigenspiele durch Postengeschachere an der Spitze halten.
Den Beginn Ihres Kommentars kann ich ja noch nachvollziehen, auch wenn die Inhalte nicht teile.
Aber was soll der plumpe Versuch Herrn Lafontaine noch einen mitzugeben, der zumindest seinen Positionen gefolgt ist und die SPD aus inhaltlichen Gründen verlassen hat. Hier reiten Sie die dumpfe Welle der Vorurteile. Setzen Sie sich doch inhaltlich mit O.L. auseinander und man kann Sie vielleicht ernst nehmen.
"Vor 20 Jahren hatte eine andere junge Frau große Anfangsschwierigkeiten mit dem Volk, weil sie aus dem Sozialismus kam. Etwas später musste auch diese Frau ihre Partei retten. Heute ist sie Kanzlerin."
Ein wesentliches Detail: Diese Frau hatte ein Leben vor der Politik, Nahles Leben ist Politik - Nahles hat nie was anderes als "Politik" gemacht. Das begrenzt zusammen mit ihrem Charakter ihre Möglichkeiten - besonders die zur Rettung der SPD.
Ebenso ist Nahles nicht die Mitte. Das, was die SPD zusammenhalten könnte wäre eine Integrationsfigur aus der Mitte und nicht jemand aus dem Dunstkreis des linken Flügels.
Die Methoden wie Postengeschacher, Intrigenspiele, usw. beherrscht Nahles bis zur Perfektion. Genau diese Methoden sind es aber, die der Untergang der SPD sind. Nahles Gesicht ist ein Januskopf, dies zeigt das Interview.
Derjenige der die SPD retten könnte, wäre jemand, der alle Strömungen der Partei ernst nimmt und politisch umsetzt. Keine unlösbare Aufgabe. Diese Aufgabe erfordert Entschlossenheit im richtigen Moment, Mut und - auch die Gabe einmal über den eigenen Schatten springen zu können, Lebenserfahrung (auch außerhalb der Politik). Wichtig noch: Ehrlichkeit zu sich selber, den Genossen und zu den Wählern. Nahles hat noch nicht einmal 50% der Kriterien. Die SPD muss die Besten ihrer Mitglieder fördern und nach vorne bringen, und nicht das Mittelmaß mit Versorgungsmentalität und Intrigenspiele durch Postengeschachere an der Spitze halten.
Den Beginn Ihres Kommentars kann ich ja noch nachvollziehen, auch wenn die Inhalte nicht teile.
Aber was soll der plumpe Versuch Herrn Lafontaine noch einen mitzugeben, der zumindest seinen Positionen gefolgt ist und die SPD aus inhaltlichen Gründen verlassen hat. Hier reiten Sie die dumpfe Welle der Vorurteile. Setzen Sie sich doch inhaltlich mit O.L. auseinander und man kann Sie vielleicht ernst nehmen.
Der Artikel vermittelt den Eindruck, die SPD sollte zu einer Partei werden wie die CDU, nur ohne das "C". Gut. Frau Nahles kommt aus einem katholischen Elternhaus. Die katholische Soziallehre geht vom Grundgedanken eines Ordo Socialis (“Soziale Ordnung”) aus, also einer vernünftigen Ordnung des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Je mehr eine Sozial-, Rechts- und Wirtschaftsordnung an die Prinzipien der Personalität, Solidarität, Subsidiarität und des Gemeinswohls angenähert werden, umso mehr entspricht die politische oder wirtschaftliche Realität dem prinzipiell erreichbaren Ideal sozialer Gerechtigkeit.
Folgt Frau Nahles v.g. Grundsätzen, dann ist sie keine Linke i.S. des platten Sozialismus, sondern ein Mensch in der Mitte der Gesellschaft. Allerdings wäre sie damit immer noch meilenweit von einem Pragmatismus entfernt, der es nur darauf anlegt, den Neoliberalismus zu modifizieren.
"Vor 20 Jahren hatte eine andere junge Frau große Anfangsschwierigkeiten mit dem Volk, weil sie aus dem Sozialismus kam. Etwas später musste auch diese Frau ihre Partei retten. Heute ist sie Kanzlerin."
Ein wesentliches Detail: Diese Frau hatte ein Leben vor der Politik, Nahles Leben ist Politik - Nahles hat nie was anderes als "Politik" gemacht. Das begrenzt zusammen mit ihrem Charakter ihre Möglichkeiten - besonders die zur Rettung der SPD.
Ebenso ist Nahles nicht die Mitte. Das, was die SPD zusammenhalten könnte wäre eine Integrationsfigur aus der Mitte und nicht jemand aus dem Dunstkreis des linken Flügels.
Die Methoden wie Postengeschacher, Intrigenspiele, usw. beherrscht Nahles bis zur Perfektion. Genau diese Methoden sind es aber, die der Untergang der SPD sind. Nahles Gesicht ist ein Januskopf, dies zeigt das Interview.
Derjenige der die SPD retten könnte, wäre jemand, der alle Strömungen der Partei ernst nimmt und politisch umsetzt. Keine unlösbare Aufgabe. Diese Aufgabe erfordert Entschlossenheit im richtigen Moment, Mut und - auch die Gabe einmal über den eigenen Schatten springen zu können, Lebenserfahrung (auch außerhalb der Politik). Wichtig noch: Ehrlichkeit zu sich selber, den Genossen und zu den Wählern. Nahles hat noch nicht einmal 50% der Kriterien. Die SPD muss die Besten ihrer Mitglieder fördern und nach vorne bringen, und nicht das Mittelmaß mit Versorgungsmentalität und Intrigenspiele durch Postengeschachere an der Spitze halten.
...es gibt zwei Wege in der SPD zur Macht:
- von rechts eine steile Felswand hinauf zum Gipfel
- von links einen langen, beschwerlichen Anstieg entlang
Der Weg von links ist mühsam aber sicher.
Drum ist Schröder ihn gegangen, drum geht auch Nahles diesen Weg.
Wie Schröder weiss Sie, da links unten, im Tal, da gewinnt man keine Macht.
Wie er macht sie sich ihr Ziel zu erreichen, wie bei ihm ist das Ziel NICHT, etwas für die Menschen zu bewegen, sondern derjenige zu sein der BEWEGT, egal wie, egal was.
Ein Unterschied besteht aber:
- Schröder hatte Charisma, er wurde gewählt.
- Nahles hat (noch) kein Charisma, sie wird nicht gewählt
Können wir Großes von ihr erwarten ?
Schauen wir mal.
Grundsätzlich muss man (Tages-)Politik als Ablenkungsmanöver verstehen. Welche Rolle die ZEIT in Bezug auf die SPD spielt, ist wohl ebenfalls hinlänglich bekannt.
Warum so viele Menschen einen nicht mehr vorhandenen Demokratie-Acker bestellen wollen, ist mir wirklich schleierhaft. Es ist geradezu unheimlich, wie sehr die Menschen die Augen vor der Realität verschließen.
Tatsächlich hat die ZEIT doch schon längst den postdemokratischen Aufhänger vorgegeben, über den aktuell zu diskuttieren ist. Vielleicht war dies aber auch nur ein Versuchsballon, um den Grad der Gehirnwäsche des Durchschnittsbürgers zu testen?
http://www.zeit.de/2009/41/
Darin heißt es sinngemäß: Die Demokratie ist am Ende. Der Wähler hat keinen Einfluss mehr auf das politische Geschehen, denn auch die Politik ist nur noch Erfüllungsgehilfe der Wirtschaft. Die Wirtschaft schreibt in Deutschland die Gesetze.
Und wie würde man so ein System nennen? Das ist keine Demokratie, das ist Faschismus!
"Kommentator: Ja, Sie haben ja Recht, Dr. Sorglos, aber ist es nicht ein Ding, was die Nahles jetzt..."
Der Kaiser ist wohl doch noch nicht nackt?
Sie haben völlig Recht.
Es ist unübersehbar und ein Trend, daß primär medial auf m.E. fast schon volksverhetzende Weise Politik an sich diffamiert wird.
Das zeigt sich in Büchern, die sich als Speerspitze der Intellektualität ausgeben (könnte man nicht auch überlegen, ob sie inhaltlich eher das Gegenteil sind, z.B. von Weizsäcker: Warum ich mich nicht für Politik interessiere), in Fernsehtalkrunden, in Zeitungskommentaren. Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber sehr scharf, daß die ganze Politikablehnung, Politikerkritik, Politikdämmerung in Deutschland einzig und allein von der vierten Gewalt ausgeht. Es wäre verfehlt, über Absichten zu spekulieren, vielleicht ist es nur irgendeine narzistische Kränkung der journalistischen Zunft.
Aber es zeigt, daß dies nicht unbedingt die Wahrheit sein muß. Von wegen Postdemokratie.
Der Link ist schon gekappt worden! Hoffe doch für die ZEIT, dass das reiner Zufall ist, eine technische Unmöglichkeit sozusagen. Oder will man uns da etwas vorenthalten? Das die ZEIT manipulativ geworden ist, ist sicher nicht nur meine Wahrnehmung.
Mal sehen, ob mein leise Kritik wegzensiert wird...
Sie haben völlig Recht.
Es ist unübersehbar und ein Trend, daß primär medial auf m.E. fast schon volksverhetzende Weise Politik an sich diffamiert wird.
Das zeigt sich in Büchern, die sich als Speerspitze der Intellektualität ausgeben (könnte man nicht auch überlegen, ob sie inhaltlich eher das Gegenteil sind, z.B. von Weizsäcker: Warum ich mich nicht für Politik interessiere), in Fernsehtalkrunden, in Zeitungskommentaren. Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber sehr scharf, daß die ganze Politikablehnung, Politikerkritik, Politikdämmerung in Deutschland einzig und allein von der vierten Gewalt ausgeht. Es wäre verfehlt, über Absichten zu spekulieren, vielleicht ist es nur irgendeine narzistische Kränkung der journalistischen Zunft.
Aber es zeigt, daß dies nicht unbedingt die Wahrheit sein muß. Von wegen Postdemokratie.
Der Link ist schon gekappt worden! Hoffe doch für die ZEIT, dass das reiner Zufall ist, eine technische Unmöglichkeit sozusagen. Oder will man uns da etwas vorenthalten? Das die ZEIT manipulativ geworden ist, ist sicher nicht nur meine Wahrnehmung.
Mal sehen, ob mein leise Kritik wegzensiert wird...
Frau Nahles ist für mich die Verkörperung von Machtspielchen und Postengeschacher - für alles das, wofür die Bürger die Politik hassen.
Eines hat sie tatsächlich mit Angela Merkel gemein - sie muss sich als weibliche Kampfsau in einer Machowelt durchsetzen, was in der SPD kaum leichter ist als in der CDU. Wahrscheinlich hat sie innerparteilich noch weniger Unterstützer als Merkel einst. Dafür hat sie meinen Respekt.
Leider sagen sie in Ihrem Artikel nichts über ihre Positionen: Das sind linke Stammtischparolen und Juso-Utopien.
Die Jusos sind eine peinliche Versammlung von Lehrersöhnchen und Möchtegern-Bolschewisten.
Schauen Sie sich nur mal an, welche Positionen die akuelle Vorsitzende Frau Drohsel vertritt!
Sieht so moderne Sozialdemokratie aus?
Leider hat sich die SPD offenbar entschieden genau diesen Weg zu gehen: Abkehr von der Agenda und scharfer Linksruck.
Mit dieser Politik für Verlierer und von Verlierern kann die SPD nur verlieren - schließlich haben wir schon eine linke Partei, die bürgerliche Interessen missachtet.
Die JUSOs in Baden Württemberg sind ein positives Gegenbeispiel zu den von Ihnen beschriebenen JUSOs. Die Baden Württemberger JUSOs zeigen wie gute Basisarbeit mit vernünftigen Ideen und Zielen funktionieren kann. Schade, dass dies nicht auf Bundesebene bekannt ist.
Angesichts der rohen Weise, wie sie Bevölkerungsgruppen als Verlierer verunglimpfen, kann man Ihnen fast nur wünschen, daß Sie selber mal dazugehören und als Verlierer behandelt werden. Viel Spaß dabei!
Ihrer Meinung kann ich mich nur voll und ganz anschließen!
Die JUSOs in Baden Württemberg sind ein positives Gegenbeispiel zu den von Ihnen beschriebenen JUSOs. Die Baden Württemberger JUSOs zeigen wie gute Basisarbeit mit vernünftigen Ideen und Zielen funktionieren kann. Schade, dass dies nicht auf Bundesebene bekannt ist.
Angesichts der rohen Weise, wie sie Bevölkerungsgruppen als Verlierer verunglimpfen, kann man Ihnen fast nur wünschen, daß Sie selber mal dazugehören und als Verlierer behandelt werden. Viel Spaß dabei!
Ihrer Meinung kann ich mich nur voll und ganz anschließen!
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