Pakistan In der Zange
Pakistan leidet unter den Taliban – und unter der Kriegsführung eines Verbündeten: den USA
© Roshan Khan/AFP/Getty Images

Kampf gegen die Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan: Ein pakistanischer Grenzschützer in der Provinz Süd-Waziristan
Pakistan meint es ernst mit seinem Krieg gegen die Taliban und al-Qaida. Daran erinnert die Bombe, die diese Woche in Islamabad in einem Büro des World Food Program explodierte. Sie tötete fünf Menschen und brachte Ban Ki Moon, den Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), dazu, alle Büros der UN in Pakistan vorübergehend zu schließen. Das ist ein harter Schlag für Millionen Menschen, die vor Kämpfen zwischen den Taliban und der pakistanischen Armee geflohen sind und auf humanitäre Hilfe vor allem der UN angewiesen sind. Die pakistanische Regierung ließ sich von dem Anschlag jedoch nicht beeindrucken. Sie versprach, weiter hart gegen die Taliban vorzugehen. In wenigen Tagen soll eine große Militäroperation in Waziristan beginnen, dem Herzland der Taliban oder, wie es die Armee nennt: dem »Bauch des Biestes«.
Die Entschlossenheit Pakistans ist erstaunlich. Jahrelang galt das Land als unsicherer Kantonist, der bei Tag den Freund der USA gab, bei Nacht aber die Taliban unterstützte. Dieses Doppelspiel hatte der General Pervez Musharraf, Präsident und Generalstabschef in Personalunion, gut beherrscht. Eine Folge davon war, dass die Taliban sich immer weiter ausbreiteten. Doch dann kam die Wende, und sie kam aufgrund eines Fehlers der Taliban.
Im März hatten die Taliban das Swati-Tal praktisch unter ihre Kontrolle gebracht. Als sie dort ihre krude Form der Scharia umsetzten und Bilder von öffentlichen Auspeitschungen gezeigt wurden, jagte ein erster Schauer der Angst durch Pakistan. Wenig später rückten einige Dutzend Taliban bis auf sechzig Kilometer an Pakistans Hauptstadt heran. Das löste weltweit Alarm aus, denn man fürchtete, dass das nuklear bewaffnete Land in die Hände der Taliban fallen würde. So übertrieben diese Furcht war, so wirksam aber war sie nach innen. Aus der Angst der Pakistaner wurde die Entschlossenheit, sich zu wehren.
Die Pakistaner begriffen, dass die Taliban nicht ein Problem sind, das auf die Grenzregionen zu Afghanistan beschränkt bleibt, sondern eine reale Bedrohung für das Land. Die Regierung, die Armee und die große Mehrheit des Landes schlossen sich zu einer informellen, wirksamen Koalition zusammen. Der Krieg der pakistanischen Armee genießt seither eine breite Legitimation.
Dieser Krieg ist aber auch der Krieg der USA, besonders, seit Barack Obama zum Präsidenten gewählt worden ist. Im März, fast zeitgleich mit dem »Vormarsch« der Taliban, stellte er seine sogenannte Afpak-Strategie vor. Sie gründet auf dem Gedanken, dass Afghanistan nur gewonnen werden kann, wenn die Taliban in Pakistan geschlagen werden. Mit anderen Worten: Obama weitete den Krieg auf Pakistan aus.
Zuerst geschah das durch den verstärkten Einsatz von unbemannten Drohnen. Die Drohnen sind inzwischen für das Pentagon zur Lieblingswaffe im Kampf gegen den Terror geworden. Fast täglich feuern sie Raketen auf Ziele in den Grenzgebieten ab. Mindestens 600 Menschen sind nach Schätzungen der amerikanischen Brookings Institution bisher dadurch ums Leben gekommen. »Diese Zahl legt nahe, dass für jeden getöteten Kämpfer zehn Zivilisten sterben«, heißt es in einem Bericht. Zu den prominenten getöteten Kämpfern gehört auch Baitullah Mehsud, der Führer der pakistanischen Taliban.
Die Drohnen sind aber nur die Speerspitze einer umfassenden, neuen Pakistanpolitik der USA. Der Kongress verabschiedete in diesen Tagen ein Gesetz, das das Verhältnis zwischen USA und Pakistan detailgenau regelt. Im Kern bieten die USA dem Land eine über fünf Jahre gestaffelte Hilfe von 1,5 Milliarden Dollar an und stellen dafür Bedingungen. Ob das Geld ausgezahlt wird, soll jedes Jahr neu entschieden werden, und zwar auf der Grundlage einer Lagebeurteilung des State Department. Präsident Asif Zardari hat diesen Pakt mit den USA bereits gutgeheißen, aber in Pakistan regt sich beträchtlicher Widerstand. Viele fühlen sich an ein Gesetz des britischen Empires aus dem Jahr 1859 erinnert. Nach diesem Gesetz mussten die britischen Behörden in Indien der Regierung in London jährlich einen Bericht über den »moralischen und materiellen Fortschritt Indiens« vorlegen. Mit anderen Worten: Die Pakistaner fühlen sich in Zeiten des Kolonialismus zurückversetzt.
- Datum 09.10.2009 - 09:50 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.10.2009 Nr. 42
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So richtig der pakistanische Kampf gegen die innere Bedrohung ist, so falsch ist die Politik der USA und UN, die jetzt sogar ihre Büros im Land geschlossen haben und damit den Opfern des Krieges die Hilfe verweigern...
Es scheint nun, mehr als zuvor, dass der Westen sich entscheiden muß. Und dies wird nachaltig bestimmen welchen Eindruck die Menschen in der Region Afghanistans und Pakistans von uns haben werden. Einerseits überall mitreden und mitbestimmen zu wollen, aber die "Kastanien nicht aus dem Feuer ziehen" wollen, wird sicher nicht als Stärke gesehen werden.
Die westlichen Nationen müssen sich nun entscheiden, ob sie in der Region bleiben und mit aller Kraft mithelfen, Taliban und Al-Quaida in die Schranken zu weisen, und den Menschen dort den Aufbau einer gesunden friedlichen Zivilisation zu ermöglichen (was mind. noch ein Jahrzehnt dauern wird). Oder ob man lieber abzieht und sich raushält; mit allen dazu gehörenden Konsequenzen. Das hieße auch in kauf zu nehmen, dass die Taliban in einigen Jahren die Pakistanische Regierung stürzen und die Kontrolle über deren Atomprogramm erlangen.
Was wiederum dazu führen könnte, dass man dann eine A-Bombe auf jene Menschen werfen muß, die man zuvor noch hatte retten wollen. Dafür würden die Überlebenden die westlichen Länder wiederum noch mehr hassen.
Der Westen muß sich nun entscheiden.
quote
Der Westen muß sich nun entscheiden.
/quote
Und Praesident Obama ist die Hauptfigur im Entscheidungsprozess.
Was machte er heute?
Er kuemmert sich um irgendetwas mit den Schwulen in Florida.
Er "kaempft" fuer eine Gesundheitsreform, die keiner versteht, und sehr wenige Amerikaner wollen.
Er nahm den Nobel Preis "humbly " an, am Freitag, und sagte er haette ihn nicht verdient.
Er haelt mucksmaeuschenstill, wenn Demonstranten gegen Ahmadinejad und den Mullahs eines nach dem anderen abgeschlachtet werden.
Er hat den Dalai Lama, einen Friedens-Nobelpreis-Kollege, immer noch ausgeladen, um des "Frieden's mit den Chinesen" Willen
Er versucht den von ihm im Maerz eingesetzten General McCrystal in Afghanistan, und dessen Juni Bericht, zu vermeiden, wo es nur geht.
Ja, der Westen wird sehr bald sehr viel Ei im Gesicht haben.
Gerd
quote
Der Westen muß sich nun entscheiden.
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Und Praesident Obama ist die Hauptfigur im Entscheidungsprozess.
Was machte er heute?
Er kuemmert sich um irgendetwas mit den Schwulen in Florida.
Er "kaempft" fuer eine Gesundheitsreform, die keiner versteht, und sehr wenige Amerikaner wollen.
Er nahm den Nobel Preis "humbly " an, am Freitag, und sagte er haette ihn nicht verdient.
Er haelt mucksmaeuschenstill, wenn Demonstranten gegen Ahmadinejad und den Mullahs eines nach dem anderen abgeschlachtet werden.
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Ja, der Westen wird sehr bald sehr viel Ei im Gesicht haben.
Gerd
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