Haneke im Porträt »Er lässt uns Zeit«

Am Set mit dem Regisseur Michael Haneke

Ich kenne Michael Haneke seit sehr vielen Jahren und hatte das große Glück, als Schauspielerin seine Aufmerksamkeit zu erregen.

Seine Filme sind so, wie ich mir Katastrophen immer vorgestellt habe: zufällig, erbarmungslos, unerklärlich.

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Diese Filme sind so berührend, weil sie im Kopf des Zuschauers stattfinden und keine Fremdvorführung sind, sie packen jeden, der sie anschaut, und das absolut persönlich, weil sie sich mit existenziellen Ängsten beschäftigen, ohne die ganze Problematik des »Wie konnte es dazu kommen« zu verzuckern. Etwa in Funny Games, einem Film über sinnlose Gewalt, die jeden treffen kann, der ahnungslos die Haustür aufmacht. Etwa ein Drittel meiner Freunde und Kollegen hat, sich entschuldigend, den Film gar nicht angesehen, aus Angst.

Aber wer Funny Games gesehen hat, vergisst ihn nie. So wie ich zum Beispiel Caché von Michael Haneke nie vergessen werde. Und ich wage zu behaupten, dass auch Das weiße Band einen unauslöschlichen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlässt.

Ich wurde oft gefragt, ob Michael Haneke so hart sei wie seine Filme. Das wäre ja eine Erklärung: ein Regisseur, der eine gewisse Lust hat, gerade solche erbarmungslosen Situationen abzufilmen. Das Gegenteil ist der Fall. Er ist ein Regisseur, der sich mit Demut, Menschlichkeit und Konsequenz den wirklich elementaren Fragen des Lebens nähert. Er hat den größten Respekt vor den Gefühlen des Zuschauers und Respekt vor den Gefühlen, die seine Filmfiguren erleben.

Ein Beispiel: Die lange Szene in Funny Games, in der die Eltern ihr Kind verlieren, wollte er nicht inszenieren, er sagte: »Es gibt keine Großaufnahmen, das ist geschmacklos, was sollt ihr in dieser Situation für ein Gesicht machen, das will ich als Zuschauer nicht sehen. Es gibt eine Totale und keinen Schnitt. Nehmt euch Zeit, spielt es.«

Und er ließ uns unendlich viel Zeit, zu beginnen. Keiner bewegte sich, das ganze Team saß still auf den Stühlen, und blickte auf den Boden. Es war eine Zeit von solcher Konzentration und solchem Respekt, die uns Schauspielern erst ermöglicht hat, die Situation zu empfinden, ohne sie schauspielerisch zu kommentieren.

Wie ist die Arbeit mit Michael Haneke?

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