Mein Bekannter C. ist ein Mann, bei dem Frauen ins Schwärmen geraten und Männer schlechte Laune bekommen. Schuld daran sind weniger seine beeindruckenden blauen Augen, auch nicht sein Doktortitel und sein enormes Literaturwissen. Männer, die C. kennenlernen, mögen ihn nicht, weil er ihnen ein schlechtes Gewissen bereitet. Denn C. ist der neue Mann, den sich die emanzipierte Großstadtfrau erträumt. Seine Karriere als freier Fernsehjournalist hat er aufgegeben, um seiner Frau, die den besseren Job bei einem Sender hatte, den Rücken frei zu halten. Er passt auf die beiden Kinder auf, wenn seine Frau abends länger arbeiten muss. Er akzeptiert, dass sie mehr verdient als er. Einfach so, weil er findet, dass sich die Vaterschaft nicht mit seinem bisherigen Zwölfstundenjob vertrage. Er nimmt nur noch wenige Aufträge an und schreibt ansonsten an seinem ersten Roman.

Aber der neue Mann C. leidet. Das wurde mir bei unserer letzten Begegnung klar. Wir trafen uns auf einer Vernissage, die Ausstellung trug den Titel Kunstkammer des Unbewussten. Es waren interessante junge Leute da, Grafikerinnen, Filmemacher, und jeder hatte von einem spannenden Projekt zu berichten, an dem er gerade arbeitete. Nur mein Bekannter C. stand verloren herum. Er sah nicht gut aus, und das lag nicht an dem grünen Licht, das von der Decke auf sein Gesicht schien.

Draußen vor der Tür erzählte er, was los war. Während seine Frau befördert worden war, kam C. mit seinem Roman nicht voran. Aus lauter Neid sehe er sich ihre Beiträge im Fernsehen nicht mehr an. Er wolle sich auch ihre Geschichten aus dem Büro nicht mehr anhören, wenn sie abends heimkomme. Es nerve ihn ungeheuer, dass sie die Kosten des letzten Familienurlaubs getragen habe. C. wusste selbst nicht, was mit ihm los war. »Geld und Karriere waren mir nie wichtig«, sagte er. Aber jetzt hatte er doch ein Problem. Als habe sich die Natur quasi durch die Hintertür seines Verstandes bemächtigt und ihn reprogrammiert auf die Rolle des Versorgers, die seit Jahrtausenden für ihn vorgesehen ist.

Besonders erstaunlich an seiner Erzählung war: Auch die Frau des neuen Mannes schien zu leiden. C. sagte, sie sei plötzlich gar nicht mehr so zufrieden damit, dass sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren könne. In den letzten Wochen hatten sich zu Hause die Rechnungen angehäuft, Kindergarten- und Musikschulgebühren, eine Mieterhöhung, alles musste sie bezahlen. Seine Frau fühle sich unter Druck gesetzt, weil nun vor allem sie das Geld verdiene – seltsam, einen Mann habe ich so noch nie klagen gehört.

Ist das etwa der Stand der Gleichberechtigung im Jahr 2009: der Mann ein missgünstiger Platzhirsch, der es nicht ertragen kann, wenn seine Frau mehr Erfolg und mehr Geld hat als er – und die Frau eine allenfalls Pseudoemanzipierte, die in Wahrheit weiter versorgt werden will?

Dabei könnte es so gut aussehen für uns Frauen. 56 Prozent der Abiturienten sind weiblich, wir haben eine Kanzlerin, und seit 2007 gibt es das Elterngeld, eingeführt von einer Ministerin, die sieben Kinder hat und einen fleißigen Ehemann, der ihr Lebensmodell mitträgt. Auch wenn heute noch oft Frauen für den gleichen Job weniger Geld bekommen als Männer: Keine Frau muss mehr von einem Mann finanziell abhängig sein.

Das Problem ist nur: Der Mann sieht sich gerne in der Versorgerrolle. So steht es auch in der neuen Brigitte- Studie »Frauen auf dem Sprung«. »Die jahrhundertealte Kultur des männlichen Ernährermodells ist noch deutlich zu erkennen«, resümiert die Leiterin dieser Umfrage, Jutta Allmendinger, die auch Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin ist. »Geld ist für Männer ein Zeichen von Macht.« Und eine besser verdienende Frau untergräbt diese Macht. Liebe allein scheint vielen Männern als Sicherheit für eine stabile Beziehung nicht zu genügen.