Geschlechter Armer Mann, was nun?Seite 5/5

Wenn die Frau ihren Mann aber doch einmal übertrumpft – muss das denn gleich die Beziehung gefährden? Und: Würde die Frau ein gutes Jobangebot ausschlagen, nur weil sie danach mehr verdient als ihr Mann – wäre ihre Partnerschaft dann nicht erst recht in Gefahr?

Überlisten Sie Ihr Beuteschema, so hat der Münchner Paartherapeut Stefan Woinoff sein Buch überschrieben, in dem er Paaren Mut macht, sich von den alten Rollenbildern zu verabschieden und Neues auszuprobieren. Woinoff hat festgestellt, dass es bei Problemen in Beziehungen tatsächlich nur oberflächlich ums Geld geht. Die Paare kommen vielmehr aus dem Gleichgewicht, wenn sie das Gefühl haben, ihr Rollenbild verändere sich in eine Richtung, die sie ablehnen. Zum Beispiel, wenn der Mann die traditionelle Versorgerrolle aufgibt und beide das als »Verweiblichung« ansehen.

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In der Therapie versucht Woinoff, die Ursachen dieser Missachtung aufzudecken, sodass die Paare wieder lernen, sich gegenseitig anzuerkennen, nach neuen Kriterien: »Vielleicht ist der Mann kein Alphatier im Büro, aber die Frau könnte ihn dafür bewundern, dass er ein guter Sportler oder Koch ist.« Dazu müssen allerdings beide ihr Statusdenken aufgeben. Macht man sich von den Normen der Arbeitswelt erst einmal frei, dann erscheint plötzlich auch ein erfolgreicher Börsenmakler, der den ganzen Tag auf seinen Bildschirm starrt, gar nicht mehr als so männlich.

Woinoff, der zugunsten seiner Frau und der zwei Töchter nur dreieinhalb Tage in der Woche arbeitet, kennt selbst die mitleidigen Blicke der Hausfrauen, wenn er an einem Wochentag vormittags in den Supermarkt geht und den Familieneinkauf erledigt. »Der ist wohl arbeitslos«, signalisieren diese Blicke. Dass es trotzdem Hoffnung auf gesellschaftlichen Wandel gibt, begründet der Psychotherapeut mit einem Vergleich: »Zumindest in den Großstädten stört sich niemand mehr an einem homosexuellen Paar als Nachbarn.« Für ihn zählt, dass Menschen nicht nach gesellschaftlichen Zuschreibungen leben, sondern so, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht. »Es gibt ja auch Frauen, denen die Mutterrolle einfach nicht liegt«, sagt Woinoff, »warum sollen die sich in ein Schema pressen lassen, das sie unglücklich macht?«

Natürlich können manche Paare den Erfolg der Frau einfach genießen. Wenn man mit den Managerinnen aus dem Netzwerk EWMD spricht, hat man den Eindruck, dass es sogar ähnlich viele sind wie die unglücklichen. Auffällig ist, dass in den gelungenen Beziehungen die Männer einen anderen Beruf als ihre Frau haben und häufig Künstler oder Wissenschaftler sind. Sie verdienen vielleicht keine üppigen Gehälter, erwerben sich aber allein durch ihre Kreativität oder ihre Klugheit Anerkennung. Ihr Erfolg wird in einer anderen Währung berechnet als der ihrer Frauen.

Menschen, die in kreativen Berufen arbeiten, sind es gewohnt, unkonventionell zu denken. Vielleicht ist das auch der Grund, warum es bei meinem Freund und mir kein Thema ist, wer von uns beiden nun mehr verdient. Aber schließlich verdient auch jeder von uns sein eigenes Geld, und keiner muss über Jahre der Ernährer des anderen sein. Das ist nämlich das Problem meines Bekannten C.

C. sagt von sich selbst, er sei »in die Mutterfalle getappt«. Er hat zu lange in seinem Beruf ausgesetzt, und weil der Erfolg seines Romans bislang ausblieb, ist er nun angewiesen auf seine Partnerin. Ein Fehler, den vor ihm schon viele Frauen gemacht haben. C.s größte Angst ist nun, dass seine Frau ihn bedrängt, den Roman zur Seite zu legen und wieder mehr Geld zu verdienen. Er sollte sich nicht allzu sehr sorgen: Abhängigkeit, das hat die Geschichte gezeigt, macht nicht glücklich. Vielleicht ist seine Beziehungskrise seine große Chance.

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