Basketball Die Körbe hängen hoch
Deutscher Meister im Basketball ist Oldenburg, aber wer weiß das schon? Zum Saisonstart hat dieser Sport noch mehr Probleme
© Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Von wegen körperlos - Basketball ist eine dynamische, kämpferische Sportart
Dramatischer kann eine Entscheidung nicht fallen: Im Finale der Deutschen Meisterschaft standen sich im Juni die Basketballer von Oldenburg und Bonn gegenüber. Erst zwölf Sekunden vor Schluss drehte sich das Spiel – und Oldenburg errang zum ersten Mal die so begehrte wie unansehnliche Acryltafel des Meisters.
Der Erfolg der EWE Baskets überraschte vor allem die Oldenburger selbst. Denn die sportliche Situation in der höchsten Spielklasse ähnelt der in der Fußball-Bundesliga: Ein Verein, Alba Berlin, dominiert seit Langem das Geschehen. Wenige andere – Bamberg, Bonn und Frankfurt – kämpfen um Anschluss und überflügeln Berlin ab und an. Achtmal hieß der Meister in den letzten fünfzehn Jahren Alba.
Nun also Oldenburg, war das eine Euphorie! Kaum ein Ladenbesitzer, der nicht ein Trikot der siegreichen Mannschaft ins Schaufenster hängte, kein Tag ohne neue Details in der Lokalzeitung, keine Schule, in der sich nicht eine neu gegründete Basketball-AG um Netze bemühte. Wer interessierte sich noch für den Fünftligafußball des VfB? Oder für die Bundesliga-Handballerinnen des VfL? Oldenburg war plötzlich Basketballstadt.
Und nun? In dieser Woche startet die Bundesliga in eine neue Saison, die Begeisterung ruht. Die Einzelhändler haben ihre Auslagen auf Herbst getrimmt, die Schulhöfe sind von Laub bedeckt, und die Netze setzen Moos an. Derzeit wird wieder mehr über Werder diskutiert als über die Baskets. Sogar der Verein dämpft die Erwartungen. Titelverteidigung? Die Rede ist von »zunehmender Leistungsdichte«, davon, dass Erfolg »nicht planbar« sei.
Die Ziele der Konkurrenz klingen kaum anders: »den Abstieg verhindern«, »ein bisschen besser werden«, »gerne unter die ersten acht kommen«. Allein Alba Berlin gibt sein Ziel ohne Umschweife aus: Meisterschaft!
Was für ein Sport ist das, der vor dem Saisonstart so wenig Ehrgeiz zeigt? Größer als die finanziellen Erfolge der Vereine in letzter Zeit scheinen die strukturellen Probleme zu sein. Niemand weiß genau, wie es um den deutschen Basketball steht.
Einerseits ist das Interesse groß. Durchschnittlich vier von fünf Sitzplätzen waren in der vergangenen Saison belegt, mehr als eine Million Eintrittskarten wurden verkauft. Die Nachfrage steigt, auch wenn Handball, Eishockey und natürlich Fußball deutlich mehr Zuschauer anziehen. Andererseits war deutscher Basketball jahrelang kaum im Fernsehen zu sehen. In der letzten Saison zeigte der Sender Eurosport nur die Endrunde – die Übertragung des entscheidenden Spiels scheiterte an den Forderungen der Liga. Das soll nun anders werden, der Sender DSF wird einige Spiele übertragen. Was aber, wenn die Quote die hohen Kosten nicht rechtfertigt?
Die Manager der Vereine messen den Erfolg an ihren Einnahmen. Für Geld tun sie viel. Seit ein paar Tagen heißt die Bundesliga nach der Firma Beko, einem türkischen Haushaltsgerätehersteller. Eine Million Euro bringt die Allgegenwart seines Signets in den Arenen. Auch viele Mannschaften nennen sich nach ihren Geldgebern, nach einem Energieerzeuger wie die EWE Baskets oder nach Müllentsorgern, Autoteilelieferanten, Werkzeugherstellern, Bekleidungshäusern.
Die Identifikation erschwert das ungemein. Ratiopharm Ulm, LTi Gießen 46ers, da ist schlecht Anfeuern. Und wie viel Leidenschaft entfacht ein Verein, der mit dem Geldgeber den Namen wechselt? Die Deutsche Bank Skyliners aus Frankfurt traten kürzlich noch als Opel Skyliners an. Das Bamberger Team benannte sich in den letzten zwanzig Jahren gleich fünf Mal um – gegen Tapeten-Teppichboden-Land uniVersa Basketball Bamberg klingt der heutige Name Brose Baskets fast schnittig.
Viele Namen sind nicht sehr deutsch, und das gilt auch für die Zusammensetzung der Mannschaften. Nur vier der zwölf Spieler eines Teams müssen einen deutschen Pass haben. Dem Bundestrainer Dirk Bauermann ist das zu wenig. Er wünscht sich zusätzliche Einsatzzeiten seiner international recht erfolglosen Schützlinge, mindestens ein deutscher Spieler solle immer auf einem Bundesligafeld stehen.
Die Klubs lehnen diesen Vorschlag ab: Eine Pyramide baue man nicht von oben, sagen sie, und verweisen auf ihre Nachwuchsförderung. Die ist allerdings ganz neu, bislang haben sie lieber günstige Spieler aus den Vereinigten Staaten eingekauft.
Von nun an will man mit Grundschulen zusammenarbeiten, um schon die Jüngsten für Basketball zu begeistern. Kein Talent soll mehr unerkannt bleiben. Künftig wollen alle Bundesligaklubs dasselbe Ziel verfolgen: Jährlich ein deutscher Nachwuchsspieler soll in die erste Mannschaft integriert werden. Nebenbei könnte dies die Identifikation mit der heimischen Basketballmannschaft auf einfache Weise stärken.
Freitag ist Saisonstart in der Haushaltsgeräte-Bundesliga. Aber so richtige Spannung wird erst bei der Meisterschaftsrunde im Mai aufkommen: Selbst der Achte in der Tabelle kann dann noch Deutscher Meister werden. Diese eigenartige Dramaturgie verhindert wohl auch ein größeres Basketballfieber im Lande.
- Datum 09.10.2009 - 10:25 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.10.2009 Nr. 42
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Wow ich wusste bis jetzt nicht, wie es um den deutschen Basketball besteht. Jedenfalls nicht sehr gut.
Ich glaube auch, dass Problem sind die vielen eingekauften amerikanischen Spieler. Mehr Jugendförderung und mehr Spieler, mit denen man sich identifizieren kann wären toll.
Der bekannteste Basketballer spielt ja leider in der NBA.
Was das Thema deutsche Spieler in der Basketball-Bundesliga betrifft, kann ich nur zustimmen: 4 von 12 ist einfach zu wenig, um den deutschen Basketball weiterzuentwickeln und zu fördern! Noch witzloser, dass noch nicht einmal ein einziger Deutscher immer auf dem Platz stehen muss... kein Wunder, wenn (bessere) Amis und Osteuropäer dem nationalen Nachwuchs keine Chance lassen.
Zum Thema "eigenartige Dramaturgie" des Playoff-Systems: Was ist das denn bitteschön für ein Quatsch? 8 von 18 Vereinen haben nach 34 Spieltagen die Möglichkeit, um den Titel zu spielen. Gerade das macht doch den Reiz der Playoffs aus: Ein gut platziertes "Underdog-Team" kann den Großen das Fürchten lernen. Im Fußball gibt's das viel zu selten! Mal ehrlich, die Meisterschaft vom VfL Wolfsburg 2009 war eine Ausnahme.
Der DFB-Pokal tickt nach ähnlichem Muster: selbst der 64. beste/schlechteste Klub kann bei dem Wettbewerb theoretisch mit 6 Siegen am Stück den Pott holen. "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze" und jeder erfreut sich daran. Dieses Argument zieht Null.
Einzig wenn die (zumal meisterschafts-entscheidenden) Spiele nicht im TV gezeigt werden, schießt sich die "Haushaltsgeräte-Bundesliga" ins eigene Bein...
"Tapeten-Teppichboden-Land uniVersa Basketball Bamberg"
Und ich dachte das "Playmobilstadion" in Fürth wäre der amüsänteste Markenname......
Genau solche Berichte haben auch ihren Anteil, dass Basketball in Deutschland nicht den Stellenwert hat, den die Sportart eigentlich verdient hätte.
Da wird alles schlecht geredet ! Der Meister setzt sich nicht offiziell das Ziel der Titelverteidigung ... Hat der VFL Wolfburg das denn gemacht ? Oder die Tatsache, dass nur 4 Deutsche dem Kader angehören müssen - gibt es eine solche Vorgabe im Fussball ?
Und spätestens bei der Anmerkung über die Playoffs frage ich mich ob der Autor des Artikel schon mehr als ein Basketballspiel besucht hat. Natürlich kann auch der Achtplatzierte nach der Hauptrunde noch Meister werden, muss dazu aber ersteinmal den Tabellenersten 3x schlagen! Die Chancen sind da, natürlich. Aber genau das macht ja den Reiz und die Spannung der Playoffs aus.
Basketball ist ein toller Sport. Temporeich, spektakulär, spannend. Und die Stimmung in den Hallen ist fantastisch - trotz, und teilweise vielleicht auch wegen LTi, Brose, Ratiopharm und wie Sie alle heißen.
Ich habe den Autor anders verstanden. Ich denke er sieht weniger in den Playoffs selbst ein Problem (auch wenn er sie "eigenartig" nennt), sondern mehr in deren Auswirkungen auf die regulæren Spiele.
Es wære der Stimmung zu Saisonstart sicher zutræglich, wenn das erste Spiel schon fuer die Endtabelle mitzæhlt (ist vielleicht auch antrainiert, man ist es halt von Fussball, Handball etc. so gewøhnt).
Dadurch, dass das nicht so ist, passiert die Saison ueber erst mal lange wenig spannendes. In den Playoffs natuerlich umso mehr, aber wer die Saison vorher nicht verfolgt hat, wird dafuer nur schwehr zu erreichen sein.
Ich habe den Autor anders verstanden. Ich denke er sieht weniger in den Playoffs selbst ein Problem (auch wenn er sie "eigenartig" nennt), sondern mehr in deren Auswirkungen auf die regulæren Spiele.
Es wære der Stimmung zu Saisonstart sicher zutræglich, wenn das erste Spiel schon fuer die Endtabelle mitzæhlt (ist vielleicht auch antrainiert, man ist es halt von Fussball, Handball etc. so gewøhnt).
Dadurch, dass das nicht so ist, passiert die Saison ueber erst mal lange wenig spannendes. In den Playoffs natuerlich umso mehr, aber wer die Saison vorher nicht verfolgt hat, wird dafuer nur schwehr zu erreichen sein.
Ich habe den Autor anders verstanden. Ich denke er sieht weniger in den Playoffs selbst ein Problem (auch wenn er sie "eigenartig" nennt), sondern mehr in deren Auswirkungen auf die regulæren Spiele.
Es wære der Stimmung zu Saisonstart sicher zutræglich, wenn das erste Spiel schon fuer die Endtabelle mitzæhlt (ist vielleicht auch antrainiert, man ist es halt von Fussball, Handball etc. so gewøhnt).
Dadurch, dass das nicht so ist, passiert die Saison ueber erst mal lange wenig spannendes. In den Playoffs natuerlich umso mehr, aber wer die Saison vorher nicht verfolgt hat, wird dafuer nur schwehr zu erreichen sein.
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