Rechtsstreit in Schottland Trump gegen Forbes
Ein amerikanischer Milliardär will einen schottischen Arbeiter zwingen, ihm Land zu verkaufen. Nun tobt der Golfkrieg von Aberdeen, ein Lehrstück über Macht und Eigensinn
© ED Jones/AFP/Getty Images

Blick auf Balmedie Beach in der Provinz Aberdeenshire in Schottland. Hier will Donald Trump sein Golf Resort bauen
Es fängt an wie im Film. Ein schottisches Dorf, ein amerikanischer Magnat, ein großer Plan. Im Film will ein von Burt Lancaster gespielter Texaner anstelle des Dorfes eine Raffinerie bauen. Es ist 1984, Schottland ist im Ölrausch, die Dörfler sind begeistert. Sie wollen nur den besten Preis für ihre Häuser herausschlagen. Ein exzentrischer Einsiedler, dem ein Streifen Strand gehört, legt sich quer. Der ebenso exzentrische Ölboss erkennt in ihm einen Seelengefährten und bläst sein Vorhaben ab. Happy End. Local Hero wurde ein Kultfilm aller Schottlandfans.
Ein Vierteljahrhundert später taucht erneut ein amerikanischer Magnat in einem Dorf auf. Er hat ebenfalls exzentrische Züge, eine honigblonde Zuckerwattefrisur krönt sein Haupt, die Washington Post berichtet, in seiner Welt sei alles »fabelhaft, aufsehenerregend und hat die größten Titten«. Seiner Pressesprecherin zufolge geht seine Leidenschaft für Schottland auf seine Mutter zurück, eine einfache, mit Gälisch aufgewachsene Frau von den Äußeren Hebriden.
Donald Trump landet in seiner Boeing 727 in Aberdeen. Aberdeen ist Schottlands Ölhauptstadt, doch der Nordseeboom geht seinem Ende entgegen. Das Land setzt seine Hoffnung auf den Tourismus. In der Heimat des Golfs gibt es, gemessen an der Bevölkerung, zwar jetzt schon mehr Golfplätze als irgendwo sonst auf der Welt, jeder amerikanische Golfer, der auf sich hält, reist einmal im Leben nach Schottland, zieht sich kurios karierte Hosen an und stapft im Nieselregen hinter den weißen Bällchen her.
Trump besitzt neben dem Trump Tower und dem Trump World Tower – zwei der höchsten Wolkenkratzer New Yorks – bereits neun nach ihm benannte Golfklubs in den USA und in karibischen Ferienparadiesen. Nun will er nördlich von Aberdeen das »großartigste Golfresort der Welt« bauen. Zwei Plätze, ein neugotisches 450-Betten-Hotel, 950 Ferienhäuser. Er träumt von den Open Championships und vom Ryder Cup. Er protzt mit einer Milliarde Pfund, die er lockermachen will, und verspricht 1400 Arbeitsplätze.
Das Dorf heißt Balmedie. Die Bauern verkaufen glückstrahlend ihr Land. Die Dörfler hoffen, dass ihre grau verputzten Einfamilienhäuser durch die exklusive Nachbarschaft an Wert gewinnen. Sie hoffen, den Golfplatz und das geplante Wellnesszentrum zum Vorzugspreis nutzen zu dürfen. Nur einer legt sich quer, ein bärbeißiger Kauz namens Michael Forbes.
Forbes, 56 Jahre alt, ist Vorarbeiter in einem nahe gelegenen Steinbruch. In seiner Freizeit fischt er Lachse. Er besitzt neun Hektar Land, die direkt an den geplanten Golfplatz grenzen. Ein holpriger Weg führt zu dem schäbigen Bungalow, in dem er mit seiner Frau haust. Seine 85-jährige Mutter Molly wohnt in einem Caravan. Auf den sauren Wiesen liegen Ölfässer herum, neben dem Haus steht ein rostiger Traktor. Auf einer mit ausrangierten Farmmaschinen vollgestopften Scheune steht in großen roten Lettern: HIER KEIN GOLF .
Trump bietet Forbes 350.000 Pfund für seine Klitsche. Der sagt Nein. Trump bietet ihm 375.000 Pfund. Er winkt ab. Trump trägt ihm eine Leibrente von 50.000 Pfund im Jahr an. Der Kleinhäusler erklärt, wenn er ihm 1,5 Millionen Pfund böte, würde er vielleicht zwei Minuten zögern, aber auch diese Offerte ablehnen.
- Datum 07.10.2009 - 14:11 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.10.2009 Nr. 42
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Jetzt könnte man mal wieder den bösen Reichen und den guten Armen aus Tapet bringen. Aber hätte die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland und anderswo die Eintellung des Mr. Forbes, sähe unsere Infrastruktur ganz anders aus. Immerhin soll ja keine stinkende Fabrik gebaut werden. Ich bin nicht auf seiner Seite.
Zitat: "Aber hätte die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland und anderswo die Eintellung des Mr. Forbes, sähe unsere Infrastruktur ganz anders aus. Immerhin soll ja keine stinkende Fabrik gebaut werden."
Ja, würde nur die überwiegende Mehrheit der Menschen sich aus dem Fernsehsessel erheben und wie Mr. Forbes reagieren. Tatsächlich sähe die Infrastruktur anders aus. Keine stinkende Fabrik. So What?
Nein, eine stinkende Fabrik wird zwar nicht gebaut, aber die Natur wird trotzdem sehr stark in Mitleidenschaft gezogen durch einen Golfplatz (u.a. starke Pestizide), das vermehrte Verkehrsaufkommen, die Verbauung der Landschaft mit hässlichen Ferienbungalows etc. Die Grundstückpreise werden in die Höhe schnellen, so dass die Einheimischen keine Wohnungen mehr finden (kennt man zu genüge von Orten wie Zermatt), die meisten Arbeitsplätze sind nicht auf Dauer, da irgendwann fertig gebaut ist und keine Bauerarbeiter mehr benötigt werden. Der Strand genügt bald den Ansprüchen der reichen Klientel sicher auch nicht mehr, folglich muss er richtiggehend "umgebaut" werden und neuer Sand herangekarrt werden... Die Einheimischen werden gegeneinander ausgespielt und der Dorffrieden so zerstört. Nein, ich sehe da kaum Vorteile, da die geplante Anlage nicht auf einen nachhaltigen; "sanften" Tourismus setzt.
Zitat: "Aber hätte die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland und anderswo die Eintellung des Mr. Forbes, sähe unsere Infrastruktur ganz anders aus. Immerhin soll ja keine stinkende Fabrik gebaut werden."
Ja, würde nur die überwiegende Mehrheit der Menschen sich aus dem Fernsehsessel erheben und wie Mr. Forbes reagieren. Tatsächlich sähe die Infrastruktur anders aus. Keine stinkende Fabrik. So What?
Nein, eine stinkende Fabrik wird zwar nicht gebaut, aber die Natur wird trotzdem sehr stark in Mitleidenschaft gezogen durch einen Golfplatz (u.a. starke Pestizide), das vermehrte Verkehrsaufkommen, die Verbauung der Landschaft mit hässlichen Ferienbungalows etc. Die Grundstückpreise werden in die Höhe schnellen, so dass die Einheimischen keine Wohnungen mehr finden (kennt man zu genüge von Orten wie Zermatt), die meisten Arbeitsplätze sind nicht auf Dauer, da irgendwann fertig gebaut ist und keine Bauerarbeiter mehr benötigt werden. Der Strand genügt bald den Ansprüchen der reichen Klientel sicher auch nicht mehr, folglich muss er richtiggehend "umgebaut" werden und neuer Sand herangekarrt werden... Die Einheimischen werden gegeneinander ausgespielt und der Dorffrieden so zerstört. Nein, ich sehe da kaum Vorteile, da die geplante Anlage nicht auf einen nachhaltigen; "sanften" Tourismus setzt.
Ich schon.
Es dreht sich um Mr.Forbes' Eigentum, welches um KEINEN Deut weniger wert ist, als die Wünsche des allmächtigen grandiosen Mr.Trump.
Wo steht geschrieben, dass die Kleinen zu kuschen haben, wenn' s den Großen gefällt ?
Natuerlich ist Forbes Eigentum keinen Deut weniger wert, als jeder andere, auch wenn er Trump oder Rumpelstilzchen heisst.
Aber bei allem Respekt:
Was bringt Fanatismus, gepaart mit Sturheit? Hat es nicht immer nur Leid gebracht ? Und sind hier nicht andere Interessen (Arbeitsplaetze, hoeherer Wert saemtlicher anderer Grundstuecke, mehr Einkuenfte fuer die Gemeinde durch Golf Tourismus etc.) ueber den Interessen eines einzelnen, der ja offenbar nur aus purer Sturheit (denn so wie es beschrieben wird, scheint er ja auch nicht sooo gut zu leben) den anderen die Chance verbaut. Und gerade deswegen gibt es ja wohl auch die Moeglichkeit bei den Schotten, bei uebergeordnetem Interesse der Allgemeinheit die Interessen eines einzelnen zu opfern. Und er wird ja fuerstlich entschaedigt. 50.000 Pfund jaehrliche Apanage, da kann er doch wirklich nicht meckern. Wahrscheinlich kann er das sogar noch erhoehen. Sicher ist Trump ein Mann, der auch ueber Leichen geht und der macht das sicher nicht aus Barmherzigkeit. Aber in diesem Fall scheint mir doch das Interesse der Allgemeinheit ueber dem Interesse eines einzelnen, der ausserdem keinen Schaden dadurch hat, zu stehen.
Alles klar Donald! Aber man könnte deinen Plan, einen Golfplatz mit Hilfe von Enteignung zu bauen, ja auch reine Sturheit nennen. Verstehe nicht, was den anderen für Chancen verbaut werden. Die sollen dann im Ressort als ungelernte Dorfbewohner arbeiten oder was? Was hat denn die Allgemeinheit davon, wenn ein Golfplatz für wenige Reiche gebaut wird? Ihre Argumentation hinkt gewaltig!
Alles klar Donald! Aber man könnte deinen Plan, einen Golfplatz mit Hilfe von Enteignung zu bauen, ja auch reine Sturheit nennen. Verstehe nicht, was den anderen für Chancen verbaut werden. Die sollen dann im Ressort als ungelernte Dorfbewohner arbeiten oder was? Was hat denn die Allgemeinheit davon, wenn ein Golfplatz für wenige Reiche gebaut wird? Ihre Argumentation hinkt gewaltig!
Zitat: "Aber hätte die überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland und anderswo die Eintellung des Mr. Forbes, sähe unsere Infrastruktur ganz anders aus. Immerhin soll ja keine stinkende Fabrik gebaut werden."
Ja, würde nur die überwiegende Mehrheit der Menschen sich aus dem Fernsehsessel erheben und wie Mr. Forbes reagieren. Tatsächlich sähe die Infrastruktur anders aus. Keine stinkende Fabrik. So What?
Dann hätte man die Leute sicher anders in Lohn und Brot gebracht. Ohne Wasserleitungen, Arzneimittel, Transportmöglichkeiten und bequemes Warmhaben und alles was die Industrie so an Komfort gebracht hat , wäre unser unser Leben aus heutiger Sicht sicher viel angenehmer. Aber ob die damals Lebenden das gewusst und bemerkt hätten?
Dann hätte man die Leute sicher anders in Lohn und Brot gebracht. Ohne Wasserleitungen, Arzneimittel, Transportmöglichkeiten und bequemes Warmhaben und alles was die Industrie so an Komfort gebracht hat , wäre unser unser Leben aus heutiger Sicht sicher viel angenehmer. Aber ob die damals Lebenden das gewusst und bemerkt hätten?
Nur darum geht es. Wer sich dem Willen der Reichen und Mächtigen nicht unterordnet, der wird mit Hilfe des Staates gefügig gemacht und/oder enteignet oder gar unter die Erde gebracht.
So ist das seit Jahrtausenden mehr oder weniger "sozial kompatibel" gelöst. Heutzutage wohl eher als Mangement by Bulldozer.
Die Kommentiere #1 und #3 sollten mal zur Kenntnis nehmen, das die Gesetze für alle gelten (sollen), und nicht nur für eine keleine handvoll Menschen mit viel Geld und Macht im Rücken.
So ein klein wenig erinnert die geschichte auch an das aktuelle Koalitionsgeschacher - denn das Grundprinzip ist das Gleiche.
Die kleinen Leute (sind ja nur über 80%) interessieren in keiner Weise, damit die 20% frählich weiter zocken, ausbeuten und geld verdienen können. Denn offensichtlich geht es immer deutlicher nur noch darum.
Sollten Sie gerne verreisen mit dem Auto oder mit dem Zug, werden sie über etlich KM enteigenten Grundes fahren. Das ist nur kein Problem, weil Enteignungen durch den Staat das Präjudiz des Allgemeinwohls haben. Überprüft wird dieses eher von den reichen Leuten. Die "Armen" nehmen die Entschädigung, zu anderen Zeiten wurde zwangsenteignet, und wir sind froh von A nach B zu kommen.
Sollten Sie gerne verreisen mit dem Auto oder mit dem Zug, werden sie über etlich KM enteigenten Grundes fahren. Das ist nur kein Problem, weil Enteignungen durch den Staat das Präjudiz des Allgemeinwohls haben. Überprüft wird dieses eher von den reichen Leuten. Die "Armen" nehmen die Entschädigung, zu anderen Zeiten wurde zwangsenteignet, und wir sind froh von A nach B zu kommen.
Glauben Sie wirklich, dass die Einwohner dieses Dorfes einen Nutzen aus dem Bau eines Golfressorts haben? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mr. Trump seine elitären Gäste mit der Anwesenheit "primitiver" Eingeborener brüskieren möchte... Und so kann mir beim besten Willen nicht wirklich vorstellen, wem außer Trump und seinen Gästen, dieser Golfplatz nützen sollte. Und dieser "Nutzen für die Allgemeinheit" ist - wie eigentlich in sehr vielen Fällen - nicht für die Allgemeinheit, sondern für einen relativ geringen Teil derselben.
Ich muss gestehen, dass mein Herz eher für diesen schottischen Dickschädel schlägt...
Danke, das ist ein gutes flankierendes Argument.
Danke, das ist ein gutes flankierendes Argument.
Soso, der Forbes ist also stur, fanatisch und wirtschaftsfeindlich? Nur weil Herr Trump sich zu fein ist, dessen kleines Anwesen neben seinem elitären Golfclub zu dulden? Einfach unfassbar, solche Aussagen.
Sie sollten mir nichts in die Schrift legen, was ich nicht geschrieben habe. Mir persönlich wären schnatternde Gänse neben dem Abschlag auch egal. Ich bin auch für Sport im Freien und die Gelegenheiten müssen nicht künstlich angelegt und sollten so natürlich wie möglich sein.
Ich habe lediglich das Interesse eines Einzelnen gegen den allgemeinen Vorteil abgewogen. Und da bin ich diesmal für den allgemeinen Vorteil. Ob dabei ein Reicher eine Rolle spielt, habe ich bewusst ausser acht gelassen. Ebenso die Methoden, die ich überhaupt nicht billige.
In der Gegend, wo ich wohne wurde auch schon mal eine Autobahn völlig umgeplant, weil im ersten Entwurf der Wohnort eines Politikers nicht berücksichtigt wurde. Und im Anschluus wurden die Prozesse mit den reichen Leuten geführt.
Sie sollten mir nichts in die Schrift legen, was ich nicht geschrieben habe. Mir persönlich wären schnatternde Gänse neben dem Abschlag auch egal. Ich bin auch für Sport im Freien und die Gelegenheiten müssen nicht künstlich angelegt und sollten so natürlich wie möglich sein.
Ich habe lediglich das Interesse eines Einzelnen gegen den allgemeinen Vorteil abgewogen. Und da bin ich diesmal für den allgemeinen Vorteil. Ob dabei ein Reicher eine Rolle spielt, habe ich bewusst ausser acht gelassen. Ebenso die Methoden, die ich überhaupt nicht billige.
In der Gegend, wo ich wohne wurde auch schon mal eine Autobahn völlig umgeplant, weil im ersten Entwurf der Wohnort eines Politikers nicht berücksichtigt wurde. Und im Anschluus wurden die Prozesse mit den reichen Leuten geführt.
Wenn es um Patente geht dann sollen die Patenteigner nicht so stur auf ihrem Eigentum sitzen. Wenn es um Musik geht, dann sollen die Label nicht so kleinkarriert ihr Eigentum verteidigen. Aber wenn es um einen Arbeiter und sein Land geht, dann ist Eigentum das Höchste und Größste in der Welt. Wie war das nochmal? Die Erde gehört nicht uns, wir haben sie nur gemietet? ...
Ach so! Und dann finden Sie es völlig unbedenklich, dass das ein Einzelner mit dicker Brieftasche die Naturschutzgesetze außer Kraft setzen und die Umweltbehörde mundtot machen kann???
Wer von den Befürwortern der tollen Infrastruktur hat sich denn schon mal Gedanken darüber gemacht, wieviel Nitrat und Pestizid ein Golfplatz braucht?
Ich bin kein passionierter Gegener des Golfsports! Aber in die Abwägung muss dies ebenso einbezogen werden, wie die teilweise völlig unnatürliche Veränderung der Landschaftsoberfläche.
Genau das ist das Dilemma, welches nicht durch die Schablonen reich und arm, rechts und links, gut und böse, gelöst werden können.
Ach so! Und dann finden Sie es völlig unbedenklich, dass das ein Einzelner mit dicker Brieftasche die Naturschutzgesetze außer Kraft setzen und die Umweltbehörde mundtot machen kann???
Wer von den Befürwortern der tollen Infrastruktur hat sich denn schon mal Gedanken darüber gemacht, wieviel Nitrat und Pestizid ein Golfplatz braucht?
Ich bin kein passionierter Gegener des Golfsports! Aber in die Abwägung muss dies ebenso einbezogen werden, wie die teilweise völlig unnatürliche Veränderung der Landschaftsoberfläche.
Genau das ist das Dilemma, welches nicht durch die Schablonen reich und arm, rechts und links, gut und böse, gelöst werden können.
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