Europas Linke Der Kampf geht weiterSeite 3/3
Die Zukunft der Linken liegt in der Aktion, nicht in der Antragskommission
Was soll darüber aus der klassischen Politik werden, den Abgeordneten zum Beispiel, und was aus den Wahlen, die man doch nicht aus kindischem Trotz ignorieren darf? Es wäre ja schon mal nicht schlecht, wenn solche Fragen überhaupt aufgeworfen würden, die Fragen nach dem Sinn des Ganzen. Die Debatte müsste den Parlamentarismus keineswegs relativieren, sie könnte stattdessen seine Zwecke erweitern. Wahlkämpfe, Parlamentsarbeit und Regieren, nicht als Ganzes, sondern als Teil einer Strategie gesehen, würden eher an Gewicht gewinnen. Aus einer solchen Neubestimmung des Politischen ergeben sich möglicherweise neue Wahlkampfthemen und Kandidatenlisten.
Eine wachsende Tendenz unter den französischen Sozialisten will über ihre Strategie auch nicht mehr die Partei allein entscheiden lassen. Sie strebt sehr offene Primärwahlen an, aus denen ein Präsidentschaftskandidat der Linken hervorgeht, ebenso ein Programm. Das ist, in Ermangelung eines historischen Projekts, immerhin ein Gedanke. Er ließe sich fortführen. In der Geschichte gesehen, sind es stets die Kämpfe um konkrete Emanzipation gewesen, aus denen die Ziele, die Strategien und das Führungspersonal der Linken entstanden.
Also Wühlarbeit. Sie setzt kein Programm voraus. Der Widerspruch zwischen der Selbstbeschreibung unserer westlichen Gesellschaften und ihrer Wirklichkeit allein reicht schon aus, Bewegung zu erzeugen. »Nichts ist menschlicher, als zu überschreiten, was ist«, sagte Ernst Bloch in seiner Tübinger Antrittsvorlesung von 1961. Das Prinzip Hoffnung jedenfalls kann niemand der Linken nehmen. Und wer glaubt, Hoffnung sei nicht viel, der hat noch nie hoffen müssen.
- Datum 09.10.2009 - 12:19 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.10.2009 Nr. 42
- Kommentare 18
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selten habe ich von Ihnen einen buchstäblich so aufwühlenden Artikel gelesen, da scheint Ihnen einiges sehr persönlich unter die Haut gefahren zu sein. Und ich verstehe Sie, vor allem wenn man Flores d'Arcais' Bemühungen verfolgt, dem Partito Democratico so etwas wie einen gemeinsamen Nenner, wenn schon nicht eine Identität einzuhauchen.
Der beschworene Internationalismus, früher argumentative Speerspitze, ist durch die "Globalisierung" überholt und damit sinnentleert worden. Und die ist nicht "systembedingt", sondern ua. Frucht eines (technischen) Fortschritts, an dessen Folgen und Präkursorien wir laborieren. Gerade die buchstäblichen Schlagworte von "links" haben sich daher gegen sie selbst gekehrt, nicht philosophisch, nicht doktrinär, sondern de facto. Wobei das Verschwinden eines Machtblocks, der zum Untergang des PCI beitrug, auch eine Rolle spielen mag.
Der neue "linke" Gedanke muss erst wieder neu definiert werden, man wird schon im dialektischen Fundus' eine Begrifflichkeit für "Progressivität" finden müssen,um einen fruchtbaren Antagonismus neu aufzubauen, der sich auch in politischer Münze niederschlägt. Ohne jedoch das Lagerdenken als Postulat, links und rechts haben ihre Bedeutung verloren, es merkt nur kaum jemand. Insoweit sind wir immer noch unbelehrbar konservativ.
Die sogenannte Globalisierung ist kein unabwendbares Naturgesetz, wie Gero von Randow unterstellt, sondern ein Euphemismus für den modernen, individualisierenden Kapitalismus, der zur Durchsetzung seiner Herrschaft handlungsfähige Kollektive und Kulturen gezielt zerstört.
... was wir unter Globalisierung verstehen (und auf die unsere phantasielosen Politker mit "Pragmatismus" und Sachzwanggerede reagieren) ist gewollte und ideologisch betriebene Politik, nichts weiter.
Und dazu muss man keine Verschwörungstheorien bemühen, dazu reicht es die Äußerungen der Kanzlerin zu hören, wie sie den "Protektionismus" in Bausch und Bogen verteufelt. Der absolute und bedingungslose Freihandel und die nahezu unkontrollierbare Freizügigkeit fürs Kapital machen uns erpressbar. Die WTO selbst erlaubt Handelsbeschränkungen, wenn es sonst zu extremen Ungleichgewichten kommt, allein man ist zu verblendet diese anzuwenden.
Und Herr Randow hat insofern recht, der Traum von der grenzenlosen Freiheit und Gemeinschaft, ein linker Traum, war naiv und müsste mal gründlich überdacht werden. Man kann nicht gleichzeitig allen Menschen auf der Welt helfen und im Vorbeigehen eine Art Utopia erzeugen. Die Welt ist einfach ein bisschen zu komplex für sowas und der Linken würde es nicht schaden, ein bisschen nationaler zu denken, denn nur so kann sie überhaupt wieder politischen Spielraum für linke Ideen und Ideale schaffen.
... was wir unter Globalisierung verstehen (und auf die unsere phantasielosen Politker mit "Pragmatismus" und Sachzwanggerede reagieren) ist gewollte und ideologisch betriebene Politik, nichts weiter.
Und dazu muss man keine Verschwörungstheorien bemühen, dazu reicht es die Äußerungen der Kanzlerin zu hören, wie sie den "Protektionismus" in Bausch und Bogen verteufelt. Der absolute und bedingungslose Freihandel und die nahezu unkontrollierbare Freizügigkeit fürs Kapital machen uns erpressbar. Die WTO selbst erlaubt Handelsbeschränkungen, wenn es sonst zu extremen Ungleichgewichten kommt, allein man ist zu verblendet diese anzuwenden.
Und Herr Randow hat insofern recht, der Traum von der grenzenlosen Freiheit und Gemeinschaft, ein linker Traum, war naiv und müsste mal gründlich überdacht werden. Man kann nicht gleichzeitig allen Menschen auf der Welt helfen und im Vorbeigehen eine Art Utopia erzeugen. Die Welt ist einfach ein bisschen zu komplex für sowas und der Linken würde es nicht schaden, ein bisschen nationaler zu denken, denn nur so kann sie überhaupt wieder politischen Spielraum für linke Ideen und Ideale schaffen.
"Verschwörungstheoretiker aller Länder, vereinigt euch" ist nicht wirklich eine Alternative. Es braucht zwar Phantasie, aber nicht die eines Romanciers oder, altmodisch gesagt, eines Fabulierers.
Der letzte Teil des Artikels erscheint mir widersprüchlich. "Wühlarbeit" ohne Programm wird nicht zielführend sein. Mann muss erstmal klar wissen was man wie gesatlten will, um tatsächlich tatkräftig werden zu können. Das Problem der Linken in der Vergangenheit ist immer auch ihre Unbestimmtheit im Ziel.
... was wir unter Globalisierung verstehen (und auf die unsere phantasielosen Politker mit "Pragmatismus" und Sachzwanggerede reagieren) ist gewollte und ideologisch betriebene Politik, nichts weiter.
Und dazu muss man keine Verschwörungstheorien bemühen, dazu reicht es die Äußerungen der Kanzlerin zu hören, wie sie den "Protektionismus" in Bausch und Bogen verteufelt. Der absolute und bedingungslose Freihandel und die nahezu unkontrollierbare Freizügigkeit fürs Kapital machen uns erpressbar. Die WTO selbst erlaubt Handelsbeschränkungen, wenn es sonst zu extremen Ungleichgewichten kommt, allein man ist zu verblendet diese anzuwenden.
Und Herr Randow hat insofern recht, der Traum von der grenzenlosen Freiheit und Gemeinschaft, ein linker Traum, war naiv und müsste mal gründlich überdacht werden. Man kann nicht gleichzeitig allen Menschen auf der Welt helfen und im Vorbeigehen eine Art Utopia erzeugen. Die Welt ist einfach ein bisschen zu komplex für sowas und der Linken würde es nicht schaden, ein bisschen nationaler zu denken, denn nur so kann sie überhaupt wieder politischen Spielraum für linke Ideen und Ideale schaffen.
Ein bekanntes Beispiel für die Zerstörung handlungsfähiger Kollektive ist die Entmachtung der englischen Gewerkschaften durch die frühere Premierministerin Thatcher.
Der Kampfbegriff "Globalisierung" wurde durch den Einfluß der Ökonomen nach dem Zusammenbruch der Zentralverwaltungswirtschaften zu Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zum Allgemeingut.
Die "Globalisierung" ist keine Verschwörung, sondern ein politisches Programm.
Ein bekanntes Beispiel für die Zerstörung handlungsfähiger Kollektive ist die Entmachtung der englischen Gewerkschaften durch die frühere Premierministerin Thatcher.
Der Kampfbegriff "Globalisierung" wurde durch den Einfluß der Ökonomen nach dem Zusammenbruch der Zentralverwaltungswirtschaften zu Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zum Allgemeingut.
Die "Globalisierung" ist keine Verschwörung, sondern ein politisches Programm.
Ein bekanntes Beispiel für die Zerstörung handlungsfähiger Kollektive ist die Entmachtung der englischen Gewerkschaften durch die frühere Premierministerin Thatcher.
Der Kampfbegriff "Globalisierung" wurde durch den Einfluß der Ökonomen nach dem Zusammenbruch der Zentralverwaltungswirtschaften zu Beginn der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zum Allgemeingut.
Die "Globalisierung" ist keine Verschwörung, sondern ein politisches Programm.
... mit der Verschwörung ging an ed2morrow's Kommentar. Sorry für das dadurch entstandene Missverständnis.
... mit der Verschwörung ging an ed2morrow's Kommentar. Sorry für das dadurch entstandene Missverständnis.
... mit der Verschwörung ging an ed2morrow's Kommentar. Sorry für das dadurch entstandene Missverständnis.
"Der Seitenhieb mit der Verschwörung ging an ed2morrow's Kommentar."
Meiner auch und keinesfalls an Sie.
Ich stimme aus voller Überzeugung Ihrer Aussage, die sogenannte Globalisierung ist "gewollte und ideologisch betriebene Politik, nichts weiter", zu!
"Der Seitenhieb mit der Verschwörung ging an ed2morrow's Kommentar."
Meiner auch und keinesfalls an Sie.
Ich stimme aus voller Überzeugung Ihrer Aussage, die sogenannte Globalisierung ist "gewollte und ideologisch betriebene Politik, nichts weiter", zu!
den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wenn der vom Raubtierkapitalismus geprägte, durchseuchte Neoliberalismus hoffentlich bald fertig hat!
Dann könnte es zum längst überfälligen Paradigmenwechsel kommen, wenn die Menschen endlich Augen und Ohren öffnen - idealerweise auch einmal den Verstand - und erkennen, dass die derzeitig primär lobby-gesteuerten Regierungen mit ihrer Wahlpropaganda und Schei**haus-Parolen komplett auf dem Holzweg sind und uns alle in den Untergang hinein bugsieren!
Es ist eben nicht sozial was Arbeit schafft, wenn diese Arbeit nicht einmal sicher stellt, dass sie ihren Mann ernähren kann, will schweigen von seiner Familie! In dieser Weise fördert Arbeit nur die zunehmende Armut der Menschen einerseits, und zunehmenden Reibach der Großkapitalisten andererseits: Das muss aufhören! Wir wurden lange genug für dumm verkauft, geknechtet und ausgenommen!! Schluss damit!!!
Der erste, dringend notwendige Schritt wäre die gesamte widerwärtig schleimige Lobbyismus-Brut auf den Fuß zu nehmen und achtkanntig aus dem Dunstkreis von Legislative und Exekutive zu entsorgen. Und zwar rückstandsfrei!
Dann kann endlich der komplette Umbau des, in jeder Hinsicht, kränkelnden Systems beginnen; Weg vom kapitalismushörigen, hin zu einem Menschen- und umweltfreundlichen System! Hinein in eine Zukunft, in der ökologische Ökonomie und Menschenwürde, Solidarität und die angemessene Teilhabe aller Bürger am Gesellschaftsleben endlich die ihr gebührende, zentrale Rolle spielen!!
wenn man solche Hass-Tiraden liest wie die Ihrigen: "Der erste, dringend notwendige Schritt wäre die gesamte widerwärtig schleimige Lobbyismus-Brut auf den Fuß zu nehmen und achtkanntig aus dem Dunstkreis von Legislative und Exekutive zu entsorgen. Und zwar rückstandsfrei!"
Wie weit ist es von hier aus noch bis zum Bombenwerfen à la Herbst 77?
wenn man solche Hass-Tiraden liest wie die Ihrigen: "Der erste, dringend notwendige Schritt wäre die gesamte widerwärtig schleimige Lobbyismus-Brut auf den Fuß zu nehmen und achtkanntig aus dem Dunstkreis von Legislative und Exekutive zu entsorgen. Und zwar rückstandsfrei!"
Wie weit ist es von hier aus noch bis zum Bombenwerfen à la Herbst 77?
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