Adenauerzeit (Teil 3) »Sex« – das Wort war neu
Die fünfziger Jahre waren eine dynamische Epoche. Doch im Ehe- und Familienleben, in der Ordnung der Geschlechter und der Sexualmoral wurde die Zeit mit Macht angehalten.
© George Marks/Retrofile/Getty Images

Frauen hatten in den fünfziger Jahren im Arbeitsalltag nichts zu suchen. Vielmehr wurde die »Hausfrauenehe« zum verbindlichen Ziel
Mit einem harten politischen Kampf hat Elisabeth Selbert eigentlich nicht gerechnet. Die Kasseler Juristin gehört 1948/49 zu den vier Frauen in Bonns Parlamentarischem Rat. Sie ist sich sicher, dass die rechtliche Gleichheit von Mann und Frau auf allen Gebieten in Staat und Gesellschaft im Grundgesetz der neuen Republik verankert wird. Eine Diskussion über eine solche Selbstverständlichkeit – das erscheint der Sozialdemokratin nun wirklich nicht mehr nötig!
Da aber hat sie sich sehr geirrt. Denn kaum steht das Thema auf der Tagesordnung, hebt eine heftige Debatte an. Die große Mehrheit ihrer 61 männlichen Kollegen sieht plötzlich allerlei Klärungsbedarf, und nicht einmal die vier Frauen im Rat scheinen in diesem Punkt einig zu sein. Kern des Streits ist die Frage, ob die staatsbürgerliche Gleichheit von Männern und Frauen, die schon 1919 die Weimarer Verfassung gewährt hat, auf alle gesellschaftlichen Bereiche ausgedehnt werden, also auch Familie und Erwerbsleben einschließen soll.
CDU/CSU und FDP lehnen jeden Vorstoß in diese Richtung mit Verve ab, zur Begründung verweist man auf die »Nuancierungen der Natur«. Als das Ratsgremium den Antrag der SPD ablehnt, in der Verfassung Frauen und Männern gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu garantieren, initiiert Elisabeth Selbert eine Kampagne: Frauenverbände und Gewerkschaften rufen zum Protest auf, waschkörbeweise treffen die Briefe ein. Am Ende steht nach insgesamt drei Anläufen in Artikel 3 Absatz 2: »Männer und Frauen sind gleichberechtigt.«
Die Hierarchie der Geschlechter hatte sich mit der Etablierung der bürgerlichen Familie Ende des 18. Jahrhunderts herausgebildet und galt seither (über nationale Grenzen hinweg) als naturgegeben und unveränderbar: Mit der Heirat gab die Frau ihre Rechte auf, verpflichtete sich zu Gehorsam und Dienstleistung gegen ihren Gatten und fand ihren »natürlichen« Ort in der Familie. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts schrieben Gesetze den eheherrlichen Patriarchalismus fest. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) blieb bis weit in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts ein Hort der Rechtsungleichheit zwischen den Geschlechtern.
Wie sehr die Geschlechterhierarchie in der Adenauerzeit ein Ergebnis der Rechtsordnung war, zeigen die einschlägigen Paragrafen eindrücklich: Ehefrauen besaßen keine Verfügungsgewalt über ihr Vermögen. War keine Gütertrennung vereinbart worden, konnte der Mann mit dem Geld seiner Frau nach Gutdünken verfahren.
Wollte eine verheiratete Frau einem Beruf nachgehen, musste sie ihren Gatten um Erlaubnis fragen und ihm zusichern, dass sie ihre Hausfrauenpflichten nicht vernachlässigen würde. Tat sie es doch, konnte er ihr Arbeitsverhältnis gerichtlich beenden lassen. Bei ehelichen Unstimmigkeiten lag das »Letztentscheidungsrecht« beim Ehemann, dem »Haupt der Familie«, der auch die Erziehungsgewalt über die Kinder besaß (was durchaus wörtlich zu nehmen ist: Das elterliche Züchtigungsrecht wurde in Deutschland erst im Jahr 2000 abgeschafft).
Wollte eine Frau die Trennung, weil sie einen anderen liebte, galt dies im Bürokratendeutsch als »Mehrverkehr«. Eine »schuldig« geschiedene Ehefrau erhielt keinen Unterhalt; heiratete sie wieder, blieb das Sorgerecht für ihre Kinder beim Exmann, der auch das Recht auf die Nutznießung ihres Vermögens behielt.
- Datum 16.10.2009 - 18:50 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | Auf einer Seite lesen
- Serie Zeitläufte
- Quelle DIE ZEIT, 15.10.2009 Nr. 43
- Kommentare 11
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Der Artikel von Sybille Steinbacher besteht auf den ersten Blick aus einer Aneinanderreihung von Kalenderweisheiten.
"In der Adenauerzeit indes hatte sich gezeigt, dass ein freiheitlicher Staat die Demokratisierung der Geschlechterordnung nicht automatisch vorantreibt, ja ihrer nicht einmal bedarf."
Sollte sich geschlechtsspezifische Ungleichheit tatsächlich als erstaunlich kompatibel mit den Normen des liberalen Verfassungsstaates erweisen, wie Sybille Steinbacher meint, dann liefert sie immerhin ein schlagkräftiges Argument gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan.
>>Sollte sich geschlechtsspezifische Ungleichheit tatsächlich als erstaunlich kompatibel mit den Normen des liberalen Verfassungsstaates erweisen, wie Sybille Steinbacher meint, dann liefert sie immerhin ein schlagkräftiges Argument gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan.<<
Warum denn das? Diesen Zusammenhang verstehe ich nicht.
Im Übrigen stimme ich Frau Steinbacher in diesen Dingen keinesfalls zu. Ein Staat mag sich als liberale Demokratie SEHEN, aber wenn er Frauen so dem Diktat der Männer ausliefert wie es die Bundesrepublik gegen ihr eigenens GG in den 1950er Jahren tat, ist er trotzdem keine, sondern ein demokratisches Dach über x Millonen kleinen Diktaturen.
Es kommt noch schlimmer:
>>Ledige Mütter waren hingegen eine soziale Bedrohung für die »natürliche« Ordnung, und es galt als gerechtfertigt, sie und ihre »Bastarde« der öffentlichen Schande auszusetzen, ihnen Rechte und Erbansprüche zu verweigern.<<
Mit welchem verdammten Recht das? Selbst wenn man konzedierte, dass sich die Mütter falsch verhalten hätten (wenn sie nicht Opfer von Vergewaltigungen geworden waren, und das war damals häufiger als heute, und Krieg und der "big rape" lagen nicht lang zurück), wäre eine Diskriminierung der "Bastarde", die für ihre Herkunft nichts können, noch immer durch nichts zu rechtfertigen. Jemanden wegen seiner Geburt oder Abstammung zu diskriminieren, ist aber nicht besser als Rassismus, und der kennzeichnete das untergegangene "Dritte Reich".
>>Sollte sich geschlechtsspezifische Ungleichheit tatsächlich als erstaunlich kompatibel mit den Normen des liberalen Verfassungsstaates erweisen, wie Sybille Steinbacher meint, dann liefert sie immerhin ein schlagkräftiges Argument gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan.<<
Warum denn das? Diesen Zusammenhang verstehe ich nicht.
Im Übrigen stimme ich Frau Steinbacher in diesen Dingen keinesfalls zu. Ein Staat mag sich als liberale Demokratie SEHEN, aber wenn er Frauen so dem Diktat der Männer ausliefert wie es die Bundesrepublik gegen ihr eigenens GG in den 1950er Jahren tat, ist er trotzdem keine, sondern ein demokratisches Dach über x Millonen kleinen Diktaturen.
Es kommt noch schlimmer:
>>Ledige Mütter waren hingegen eine soziale Bedrohung für die »natürliche« Ordnung, und es galt als gerechtfertigt, sie und ihre »Bastarde« der öffentlichen Schande auszusetzen, ihnen Rechte und Erbansprüche zu verweigern.<<
Mit welchem verdammten Recht das? Selbst wenn man konzedierte, dass sich die Mütter falsch verhalten hätten (wenn sie nicht Opfer von Vergewaltigungen geworden waren, und das war damals häufiger als heute, und Krieg und der "big rape" lagen nicht lang zurück), wäre eine Diskriminierung der "Bastarde", die für ihre Herkunft nichts können, noch immer durch nichts zu rechtfertigen. Jemanden wegen seiner Geburt oder Abstammung zu diskriminieren, ist aber nicht besser als Rassismus, und der kennzeichnete das untergegangene "Dritte Reich".
7 Millionen mehr Frauen als Männer, die nur mit Erlaubnis des (nicht vorhandenen) Ehemanns arbeiten durften, weil sie damit nicht nur sich, sondern oft auch ein paar Halbwaisen/Kinder ernähren mussten. Und das bei rund 51 % (280 zu 550) des durchschnittlichen Einkommens der Männer.
Eigentlich hat sie der Adenauerstaat schikaniert.
dass wir von Verhältnissen, wie sie heute in vielen islamischen Ländern herrschen, auch nicht so weit entfernt sind. Das zeigt deutlich, dass das Gerede von der Überlegenheit der christlichen Aufklärung (was ja eigentlich schon ein Widerspruch in sich ist) über einen angeblich finsteren mittelalterlichen Islam reichlich verlogen ist.
Mir ist mit den Jahren zunehmend schleierhaft, warum sich so viele Menschen in den Mythos einer bürgerlichen Familie verlieben. Manchmal gewinne ich sogar den Eindruck, sie vermuten hinter der Bürgerlichkeit so etwas wie den letzten Anstand gegen eine abweichende Gesellschaft. Überhaupt diese sehr ernste Idee, man wolle mit der Bürgerlichkeit etwas schützen, das bedroht ist, finde ich sehr, sehr befremdlich und gefährlich. Die sehr ernsten Bürgerlichen erscheinen im Licht einer apokalyptischen Romantik. Bei ihnen gehe immer etwas zugrunde - und daher müsse das Alte, das dann jede Epoche leicht gedreht wird, unter menschenausschließenden Umständen aufrecht erhalten werden. Dass das Alte aber selbst nicht immer war, ahnen einige wahrscheinlich nicht. Sie unterfüttern ihre Arbeitswelt mit Mythen der Buddenbrooks und des Humanismus, sprechen von Güte, Väterlichkeit, und grenzen sich gegen andere lieber aus. Auf eine subtile Art ist die bürgerliche Familie eine sehr interessante Autofiktion, ein spannender Eingriff in die Auratisierung der Gemeinschaft. Dieses klassische Muster des Innen und Außen finde ich bedenklich und albern. Es ist so schade, dass der Marxismus die Bürgerlichkeit so stark konnotiert, hierdurch ist eine entspannte Diskussion über diese gesellschaftliche Mode kaum möglich. Die Gespräche werden schnell wirtschaftlich und politisch.
In meiner Erinnerung, Jg.1951, ist die Adenauer-Zeit, gefühlt bis ca 1966, ein einziger großer,staubiger, alles erstickender Mief, kombiniert mit Kleinstbürgerlichkeit, Prügelpädagogik und blindem fanatischen Antikommunismus.
Die 68er sind mit dieser Bürgermischpoke noch viel zu zimperlich umgegangen.
In meiner Wahrnehmung ist die deutsche Gegenwart ein einziger großer, staubiger, alles erstickender Mief, kombiniert mit linker Kleinstbürgerlichkeit, Kuschelpädagogik und blindem fanatischen Haß gegen die eigene Kultur.
Ab ins Altenheim mit der verbürgerlichten 68er-Mischpoke!
In meiner Wahrnehmung ist die deutsche Gegenwart ein einziger großer, staubiger, alles erstickender Mief, kombiniert mit linker Kleinstbürgerlichkeit, Kuschelpädagogik und blindem fanatischen Haß gegen die eigene Kultur.
Ab ins Altenheim mit der verbürgerlichten 68er-Mischpoke!
In meiner Wahrnehmung ist die deutsche Gegenwart ein einziger großer, staubiger, alles erstickender Mief, kombiniert mit linker Kleinstbürgerlichkeit, Kuschelpädagogik und blindem fanatischen Haß gegen die eigene Kultur.
Ab ins Altenheim mit der verbürgerlichten 68er-Mischpoke!
...........ach ja......................!!
...sollte sich darüber im Klaren sein, dass es ohne gerade die Verhältnisse in den 1950er Jahren, also die Bunkermentalität des Kalten Krieges, die Diskriminierung und sexuelle Unterdrückung der Frauen und die teilweise Rehablitierung von NS-Tätern vermutlich keine derartige Radikalisierung der damaligen Jugend gegeben hätte.
Man könnte fast sagen, der rückwärtsgewandte Zeitgeist vergewaltigte die Gesellschaft und zeugte dabei die Rebellion der 1968er.
Thema Sittlichkeit und Kirchen: Während sittenstrenge Kirchenmänner dem vermeintlichen gesellschaftlichen Verfall geißelten und sich wacker für die Diskriminierung lediger Mütter und ihrer gänzlich unschuldigen Kinder stark machten, wurden in kirchlichen Heimen zeitgleich Waisenkinder misshandelt und auch vergewaltigt - noch bis in die 1970er Jahre! Ich frage mich, wie der Glaube solcher Leute ausgesehen haben mag. Wenn man jedenfalls an einen gerechten Gott glaubt, müsste man so etwas, wenn nicht aus Anstand, zumindest aus Angst vor dem ewigen Feuer unterlassen.
Da denkt man, dergleichen würde sich nur in finsteren Diktaturen ereignen, aber nein, es war hier, in einem Staat, der die Würde des Menschen als heiligen Wert anerkannt hatte.
entweder sie sitzen im bunker oder im beichtstuhl oder sie profitienen ebenfalls von den errungenschaften der 60er und 70er in richtung sexuelle befreiung und ent-talibanisierung des gewalttätigen muffs des mittelalters
kuschelpädagogik finde ich eindeutig besser als prügelpädagogik!
gaddafi, mixa & co sieht das natürlich anders
...........ach ja......................!!
...sollte sich darüber im Klaren sein, dass es ohne gerade die Verhältnisse in den 1950er Jahren, also die Bunkermentalität des Kalten Krieges, die Diskriminierung und sexuelle Unterdrückung der Frauen und die teilweise Rehablitierung von NS-Tätern vermutlich keine derartige Radikalisierung der damaligen Jugend gegeben hätte.
Man könnte fast sagen, der rückwärtsgewandte Zeitgeist vergewaltigte die Gesellschaft und zeugte dabei die Rebellion der 1968er.
Thema Sittlichkeit und Kirchen: Während sittenstrenge Kirchenmänner dem vermeintlichen gesellschaftlichen Verfall geißelten und sich wacker für die Diskriminierung lediger Mütter und ihrer gänzlich unschuldigen Kinder stark machten, wurden in kirchlichen Heimen zeitgleich Waisenkinder misshandelt und auch vergewaltigt - noch bis in die 1970er Jahre! Ich frage mich, wie der Glaube solcher Leute ausgesehen haben mag. Wenn man jedenfalls an einen gerechten Gott glaubt, müsste man so etwas, wenn nicht aus Anstand, zumindest aus Angst vor dem ewigen Feuer unterlassen.
Da denkt man, dergleichen würde sich nur in finsteren Diktaturen ereignen, aber nein, es war hier, in einem Staat, der die Würde des Menschen als heiligen Wert anerkannt hatte.
entweder sie sitzen im bunker oder im beichtstuhl oder sie profitienen ebenfalls von den errungenschaften der 60er und 70er in richtung sexuelle befreiung und ent-talibanisierung des gewalttätigen muffs des mittelalters
kuschelpädagogik finde ich eindeutig besser als prügelpädagogik!
gaddafi, mixa & co sieht das natürlich anders
...........ach ja......................!!
ging hoch her, damals ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Sünderin
Frdl. Gruß
Pf.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren