Bill Haley und Elvis Presley sorgen für weitere Gefährdung der Jugend
Bill Haley und Elvis Presley sorgen für weitere Gefährdung der Jugend
Ein Buch mit dem Titel Kinder erwerbstätiger Mütter rüttelte 1956 die Nation auf. Sein Autor, der Münchner Pädagoge Otto Speck, beklagte darin ein Heer von »Schlüsselkindern«, mindestens drei Millionen, die täglich ohne die Fürsorge ihrer Mutter sich selbst überlassen seien. Speck entfesselte eine heftige Polemik gegen berufstätige Mütter. Aus egoistischen Interessen, so diagnostizierte er, vernachlässigten sie die Familie, »einerlei ob es sich um eitle Vergnügungssucht, ungesunde Intellektualität, Geldgier, Koketterie oder sonstige Schwächen handelt«.
Specks »Daten« waren aus der Befragung von Lehrern gezogen, die Schulaufsätze zum Thema hatten schreiben lassen. Dass »Schlüsselkinder« seelischen Schaden nähmen, gehörte rasch zum gesellschaftlichen Konsens. Erwerbstätige Frauen sahen sich unter Legitimationszwang gesetzt. Vonseiten der Politik durften sie keine Hilfe erwarten: So gab es 1957 nur für etwa ein Fünftel der vier Millionen Kleinkinder Plätze in Horten und Kindergärten.
Minister Wuermeling kamen Specks »Forschungen« sehr gelegen. Der fünffache Familienvater erklärte die weibliche Erwerbstätigkeit für gemeinschaftszerstörend, denn »für Mutterwirken gibt es nun einmal keinen vollwertigen Ersatz«. Dies richtete sich nicht zuletzt gegen die DDR, wo schon Mitte der fünfziger Jahre mehr als 50 Prozent der Frauen arbeiteten. Mit staatlichen Familienbeihilfen wie Kindergeld, Steuerfreibeträgen und Preisermäßigungen bei der Bahn (»Wuermeling-Pass«) setzte er Initiativen in Gang, um Mütter grundsätzlich von der Berufstätigkeit abzuhalten.
Zumal weitere Gefährdung der Jugend aus Amerika drohte. Vor allem die Musik, der Aufstieg von Bill Haley und Elvis Presley zu Weltstars Mitte der fünfziger Jahre, sorgte für Schrecken. Rock ’n’ Roll, so lautete eine weitverbreitete Auffassung, verweichliche die jungen Männer und sorge für sexuelle Enthemmung unter den Mädchen und Frauen. Die Aufregung um die sogenannten Halbstarkenkrawalle zwischen 1956 und 1958, als randalierende Jugendliche Konzert- und Kinosäle zerlegten und sich Straßenkämpfe mit der Polizei lieferten, war erneut Anlass, gegen die »Ami-Kultur« vorzugehen.
Doch gerade diese Schlacht ging besonders gründlich verloren. Denn die Kultur des Westens erwies sich als unteilbar: Wer zur »freien Welt« gehören wollte, konnte Rockmusik nicht verbieten. Hinzu kam, dass sich mit dem Wohlstand und den damit verbundenen sozialen Veränderungen die Rollenzuschreibungen der Geschlechter wandelten. Teilzeitarbeit avancierte seit Mitte der Sechziger zum neuen typisch weiblichen Erwerbsmodell, wozu die fortschreitende Technisierung des Haushalts ebenfalls beitrug. Neue Lebensentwürfe entstanden und veränderten das Geschlechterverhältnis.
In der Adenauerzeit indes hatte sich gezeigt, dass ein freiheitlicher Staat die Demokratisierung der Geschlechterordnung nicht automatisch vorantreibt, ja ihrer nicht einmal bedarf. Geschlechtsspezifische Ungleichheit erwies sich als erstaunlich kompatibel mit den Normen des liberalen Verfassungsstaates, die bürgerliche Gesellschaft selbst als gewohnt indolent. Es bedurfte jedenfalls langer Kämpfe und Umwälzungen, bis ein solches Bild wie am 27. September 2009 möglich wurde: eine CDU-Kanzlerin im Hosenanzug und ein schwuler Mann von der FDP als ihr designierter Vize, der seinem Freund nach dem Wahlsieg in die Arme sinkt. 50 Jahre zuvor hätte dieser Anblick die Parteigenossen nach dem Arzt rufen lassen – und nach dem Staatsanwalt.
Die Autorin ist Historikerin an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und hat zuletzt über die Gesellschaftsgeschichte der »sexuellen Revolution« gearbeitet
- Datum 16.10.2009 - 18:50 Uhr
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- Serie Zeitläufte
- Quelle DIE ZEIT, 15.10.2009 Nr. 43
- Kommentare 11
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Der Artikel von Sybille Steinbacher besteht auf den ersten Blick aus einer Aneinanderreihung von Kalenderweisheiten.
"In der Adenauerzeit indes hatte sich gezeigt, dass ein freiheitlicher Staat die Demokratisierung der Geschlechterordnung nicht automatisch vorantreibt, ja ihrer nicht einmal bedarf."
Sollte sich geschlechtsspezifische Ungleichheit tatsächlich als erstaunlich kompatibel mit den Normen des liberalen Verfassungsstaates erweisen, wie Sybille Steinbacher meint, dann liefert sie immerhin ein schlagkräftiges Argument gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan.
>>Sollte sich geschlechtsspezifische Ungleichheit tatsächlich als erstaunlich kompatibel mit den Normen des liberalen Verfassungsstaates erweisen, wie Sybille Steinbacher meint, dann liefert sie immerhin ein schlagkräftiges Argument gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan.<<
Warum denn das? Diesen Zusammenhang verstehe ich nicht.
Im Übrigen stimme ich Frau Steinbacher in diesen Dingen keinesfalls zu. Ein Staat mag sich als liberale Demokratie SEHEN, aber wenn er Frauen so dem Diktat der Männer ausliefert wie es die Bundesrepublik gegen ihr eigenens GG in den 1950er Jahren tat, ist er trotzdem keine, sondern ein demokratisches Dach über x Millonen kleinen Diktaturen.
Es kommt noch schlimmer:
>>Ledige Mütter waren hingegen eine soziale Bedrohung für die »natürliche« Ordnung, und es galt als gerechtfertigt, sie und ihre »Bastarde« der öffentlichen Schande auszusetzen, ihnen Rechte und Erbansprüche zu verweigern.<<
Mit welchem verdammten Recht das? Selbst wenn man konzedierte, dass sich die Mütter falsch verhalten hätten (wenn sie nicht Opfer von Vergewaltigungen geworden waren, und das war damals häufiger als heute, und Krieg und der "big rape" lagen nicht lang zurück), wäre eine Diskriminierung der "Bastarde", die für ihre Herkunft nichts können, noch immer durch nichts zu rechtfertigen. Jemanden wegen seiner Geburt oder Abstammung zu diskriminieren, ist aber nicht besser als Rassismus, und der kennzeichnete das untergegangene "Dritte Reich".
>>Sollte sich geschlechtsspezifische Ungleichheit tatsächlich als erstaunlich kompatibel mit den Normen des liberalen Verfassungsstaates erweisen, wie Sybille Steinbacher meint, dann liefert sie immerhin ein schlagkräftiges Argument gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan.<<
Warum denn das? Diesen Zusammenhang verstehe ich nicht.
Im Übrigen stimme ich Frau Steinbacher in diesen Dingen keinesfalls zu. Ein Staat mag sich als liberale Demokratie SEHEN, aber wenn er Frauen so dem Diktat der Männer ausliefert wie es die Bundesrepublik gegen ihr eigenens GG in den 1950er Jahren tat, ist er trotzdem keine, sondern ein demokratisches Dach über x Millonen kleinen Diktaturen.
Es kommt noch schlimmer:
>>Ledige Mütter waren hingegen eine soziale Bedrohung für die »natürliche« Ordnung, und es galt als gerechtfertigt, sie und ihre »Bastarde« der öffentlichen Schande auszusetzen, ihnen Rechte und Erbansprüche zu verweigern.<<
Mit welchem verdammten Recht das? Selbst wenn man konzedierte, dass sich die Mütter falsch verhalten hätten (wenn sie nicht Opfer von Vergewaltigungen geworden waren, und das war damals häufiger als heute, und Krieg und der "big rape" lagen nicht lang zurück), wäre eine Diskriminierung der "Bastarde", die für ihre Herkunft nichts können, noch immer durch nichts zu rechtfertigen. Jemanden wegen seiner Geburt oder Abstammung zu diskriminieren, ist aber nicht besser als Rassismus, und der kennzeichnete das untergegangene "Dritte Reich".
7 Millionen mehr Frauen als Männer, die nur mit Erlaubnis des (nicht vorhandenen) Ehemanns arbeiten durften, weil sie damit nicht nur sich, sondern oft auch ein paar Halbwaisen/Kinder ernähren mussten. Und das bei rund 51 % (280 zu 550) des durchschnittlichen Einkommens der Männer.
Eigentlich hat sie der Adenauerstaat schikaniert.
dass wir von Verhältnissen, wie sie heute in vielen islamischen Ländern herrschen, auch nicht so weit entfernt sind. Das zeigt deutlich, dass das Gerede von der Überlegenheit der christlichen Aufklärung (was ja eigentlich schon ein Widerspruch in sich ist) über einen angeblich finsteren mittelalterlichen Islam reichlich verlogen ist.
Mir ist mit den Jahren zunehmend schleierhaft, warum sich so viele Menschen in den Mythos einer bürgerlichen Familie verlieben. Manchmal gewinne ich sogar den Eindruck, sie vermuten hinter der Bürgerlichkeit so etwas wie den letzten Anstand gegen eine abweichende Gesellschaft. Überhaupt diese sehr ernste Idee, man wolle mit der Bürgerlichkeit etwas schützen, das bedroht ist, finde ich sehr, sehr befremdlich und gefährlich. Die sehr ernsten Bürgerlichen erscheinen im Licht einer apokalyptischen Romantik. Bei ihnen gehe immer etwas zugrunde - und daher müsse das Alte, das dann jede Epoche leicht gedreht wird, unter menschenausschließenden Umständen aufrecht erhalten werden. Dass das Alte aber selbst nicht immer war, ahnen einige wahrscheinlich nicht. Sie unterfüttern ihre Arbeitswelt mit Mythen der Buddenbrooks und des Humanismus, sprechen von Güte, Väterlichkeit, und grenzen sich gegen andere lieber aus. Auf eine subtile Art ist die bürgerliche Familie eine sehr interessante Autofiktion, ein spannender Eingriff in die Auratisierung der Gemeinschaft. Dieses klassische Muster des Innen und Außen finde ich bedenklich und albern. Es ist so schade, dass der Marxismus die Bürgerlichkeit so stark konnotiert, hierdurch ist eine entspannte Diskussion über diese gesellschaftliche Mode kaum möglich. Die Gespräche werden schnell wirtschaftlich und politisch.
In meiner Erinnerung, Jg.1951, ist die Adenauer-Zeit, gefühlt bis ca 1966, ein einziger großer,staubiger, alles erstickender Mief, kombiniert mit Kleinstbürgerlichkeit, Prügelpädagogik und blindem fanatischen Antikommunismus.
Die 68er sind mit dieser Bürgermischpoke noch viel zu zimperlich umgegangen.
In meiner Wahrnehmung ist die deutsche Gegenwart ein einziger großer, staubiger, alles erstickender Mief, kombiniert mit linker Kleinstbürgerlichkeit, Kuschelpädagogik und blindem fanatischen Haß gegen die eigene Kultur.
Ab ins Altenheim mit der verbürgerlichten 68er-Mischpoke!
In meiner Wahrnehmung ist die deutsche Gegenwart ein einziger großer, staubiger, alles erstickender Mief, kombiniert mit linker Kleinstbürgerlichkeit, Kuschelpädagogik und blindem fanatischen Haß gegen die eigene Kultur.
Ab ins Altenheim mit der verbürgerlichten 68er-Mischpoke!
In meiner Wahrnehmung ist die deutsche Gegenwart ein einziger großer, staubiger, alles erstickender Mief, kombiniert mit linker Kleinstbürgerlichkeit, Kuschelpädagogik und blindem fanatischen Haß gegen die eigene Kultur.
Ab ins Altenheim mit der verbürgerlichten 68er-Mischpoke!
...........ach ja......................!!
...sollte sich darüber im Klaren sein, dass es ohne gerade die Verhältnisse in den 1950er Jahren, also die Bunkermentalität des Kalten Krieges, die Diskriminierung und sexuelle Unterdrückung der Frauen und die teilweise Rehablitierung von NS-Tätern vermutlich keine derartige Radikalisierung der damaligen Jugend gegeben hätte.
Man könnte fast sagen, der rückwärtsgewandte Zeitgeist vergewaltigte die Gesellschaft und zeugte dabei die Rebellion der 1968er.
Thema Sittlichkeit und Kirchen: Während sittenstrenge Kirchenmänner dem vermeintlichen gesellschaftlichen Verfall geißelten und sich wacker für die Diskriminierung lediger Mütter und ihrer gänzlich unschuldigen Kinder stark machten, wurden in kirchlichen Heimen zeitgleich Waisenkinder misshandelt und auch vergewaltigt - noch bis in die 1970er Jahre! Ich frage mich, wie der Glaube solcher Leute ausgesehen haben mag. Wenn man jedenfalls an einen gerechten Gott glaubt, müsste man so etwas, wenn nicht aus Anstand, zumindest aus Angst vor dem ewigen Feuer unterlassen.
Da denkt man, dergleichen würde sich nur in finsteren Diktaturen ereignen, aber nein, es war hier, in einem Staat, der die Würde des Menschen als heiligen Wert anerkannt hatte.
entweder sie sitzen im bunker oder im beichtstuhl oder sie profitienen ebenfalls von den errungenschaften der 60er und 70er in richtung sexuelle befreiung und ent-talibanisierung des gewalttätigen muffs des mittelalters
kuschelpädagogik finde ich eindeutig besser als prügelpädagogik!
gaddafi, mixa & co sieht das natürlich anders
...........ach ja......................!!
...sollte sich darüber im Klaren sein, dass es ohne gerade die Verhältnisse in den 1950er Jahren, also die Bunkermentalität des Kalten Krieges, die Diskriminierung und sexuelle Unterdrückung der Frauen und die teilweise Rehablitierung von NS-Tätern vermutlich keine derartige Radikalisierung der damaligen Jugend gegeben hätte.
Man könnte fast sagen, der rückwärtsgewandte Zeitgeist vergewaltigte die Gesellschaft und zeugte dabei die Rebellion der 1968er.
Thema Sittlichkeit und Kirchen: Während sittenstrenge Kirchenmänner dem vermeintlichen gesellschaftlichen Verfall geißelten und sich wacker für die Diskriminierung lediger Mütter und ihrer gänzlich unschuldigen Kinder stark machten, wurden in kirchlichen Heimen zeitgleich Waisenkinder misshandelt und auch vergewaltigt - noch bis in die 1970er Jahre! Ich frage mich, wie der Glaube solcher Leute ausgesehen haben mag. Wenn man jedenfalls an einen gerechten Gott glaubt, müsste man so etwas, wenn nicht aus Anstand, zumindest aus Angst vor dem ewigen Feuer unterlassen.
Da denkt man, dergleichen würde sich nur in finsteren Diktaturen ereignen, aber nein, es war hier, in einem Staat, der die Würde des Menschen als heiligen Wert anerkannt hatte.
entweder sie sitzen im bunker oder im beichtstuhl oder sie profitienen ebenfalls von den errungenschaften der 60er und 70er in richtung sexuelle befreiung und ent-talibanisierung des gewalttätigen muffs des mittelalters
kuschelpädagogik finde ich eindeutig besser als prügelpädagogik!
gaddafi, mixa & co sieht das natürlich anders
...........ach ja......................!!
ging hoch her, damals ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Sünderin
Frdl. Gruß
Pf.
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