ZEITmagazin Autotest Sich einmal wie der große Bruder fühlen

Peter Dausend fährt den VW Eos 2.0 TDI.

Ein Hauch von Schwabing: Der VW Eos

Ein Hauch von Schwabing: Der VW Eos

Als ich einsteige, fällt mir ein, dass ich noch nie Cabrio gefahren bin. Mein Bruder hatte mal für kurze Zeit eins, aber er fuhr es durch Saarbrücken, ich wohnte in Berlin, und die wenigen Male, die ich ihn in seiner Cabrio-Zeit traf, regnete es. Thomas hat seine Cabrio-Erfahrungen einmal in der Erkenntnis zusammengefasst, dass man in anderen Autos attraktiven Frauen hinterherschauen muss, während sie in ein Cabrio von sich aus hineinschauen. Thomas gefiel das deutlich besser als seiner Beifahrerin, weshalb das Cabrio nur eine Episode blieb.

Mein bis dato intensivstes Cabrio-Erlebnis ist daher ein geliehenes. Es stammt aus der Achtziger-Jahre-Filmschnulze Zeit der Zärtlichkeit mit Jack Nicholson. Nicholson braust in einem Cabrio über einen Sandstrand und schmettert den Wellen des Pazifiks ein beherztes »Wind in den Haaren...« entgegen. Shirley MacLaine sitzt neben ihm.

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Nun sitze ich also in diesem VW Eos 2.0 – und es regnet. Na toll. Kaum fahre ich an, beginnt das Auto zu piepen, später fiept es, und dann piept es wieder. Mal bin ich nicht angeschnallt, mal fahre ich zu nah an eine Mauer, mal zu dicht an meinen Vordermann heran. Ich mag Autos, die mich zuverlässig von A nach B bringen – und unterwegs die Klappe halten. Dieser Eos ist so geschwätzig wie R2-D2, der Reparatur-Droide aus Krieg der Sterne. Unterwegs lade ich zwei Kollegen ein, wir sind zu einem Hintergrundgespräch mit einem Politiker verabredet. Als sie sehen, womit ich vorfahre, sagt der eine: »Ich dachte, du hättest zwei Kinder.« Und der andere, ein Kenner, weiß, dass beim Eos der Rücksitzbereich äußerst großzügig sei für ein Cabrio. Er steigt hinten ein. Eine Viertelstunde später – die Kollegen, R2-D2 und ich haben uns unterwegs prächtig unterhalten – schält sich der Kollege aus dem Rücksitz, steht mit einem Bein bereits auf der Straße, zieht das andere nach. Zerrung.

Am nächsten Tag scheint die Sonne. Endlich, mein erstes Mal. Ich drücke den Wunderknopf – und der Himmel ist das Dach. Plötzlich verändert sich alles: das Raumgefühl, das Gespür für Geschwindigkeit, vor allem aber ändere ich mich selbst. Beim ersten Ampelstopp setze ich eine Sonnenbrille auf, beim zweiten schaue ich blasiert durch alle Fußgänger hindurch, beim dritten bin ich schon ganz Schwabing. Das Auto formt den Menschen. Ich gebe Gas und richte mich auf. Wind in den Haaren... Nur leider weit und breit keine Shirley MacLaine.

Peter Dausend ist Redakteur im ZEIT-Hauptstadtbüro

Technische Daten:

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 103 kW (140 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 206 km/h
CO2-Emission: 148 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,6 Liter
Basispreis: 31.500 Euro

 
Leser-Kommentare
  1. Bitte behalten Sie sich das Recht vor von langweiligen Textwagen nur in Form von Bildern zu berichten. Das mag zwar mehr Farbe kosten, spart aber die Zeit des Lesens.

    Schließlich: "Das Auto formt den Menschen!" Das gilt für alle.

  2. artikel :) (nur zu welchem volksvertreter man unterwegs war,
    hätte mich ja auch interessiert - eigentlich sollten journalisten mehr vordergrundgespräche führen, der transparenz bezueglich des wunders der journalistischen meinungsbildung wegen..)
    tja, der eos. mag sein, daß man sich drinnen wohlfült - im vw erbeerkörbchen bin ich auch gerne mitgefahren - aber von außen
    trifft der eos nicht meine designvorlieben. in der "preiswerteren" cabrioregion finde ich den 1´ser-bmw am gelungensten. der a3 ist mir zu stummelheckig.

  3. Ich lese die Auto-Kolumne im Zeitmagazin selbst als absoluter Autoignorant aufgrund der netten Texte.
    Dies war auch dieses Mal so, aber eine Sache fiel mir auf: Der ewig geschwätzige Droid bei Star Wars ist nicht R2-D2, der kleine Dicke auf Rollen, der sich nur über Pfeif- und Pieptöne mitteilt, sondern sein Kumpel, C-3PO, der lange, güldene. Er ist ein Protokoll-Droid, beherrscht 6 Millionen Sprachen und wurde von Anakin Skywalker (später Darth Vader), dem Vater von Luke Skywalker gebaut.
    Genug Nerdwissen preisgegeben, einen schönen Tag und viele tolle Autos wünsche ich!

  4. daß der Autor nicht für ein Cabrio, und sei es auch nur das langweiligste wie den Eos nicht geboren ist. Meine Empfehlung, wenn
    es schon VW sein muß:
    VW Golf Plus, natürlich mit Stinker-TDi, in silber-grau ( wegen dem Wiederverkaufswert ).

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