Traditionsberufe Angestaubt

Schüler halten wenig vom Beruf des Buchhändlers. Der Beruf habe kein glanzvolles Image. Nur Politiker sind unbeliebter.

Es gibt viele Merkwürdigkeiten auf dieser Welt. Eine davon ist regelmäßig in der Berufsprestigeskala des Allensbacher Instituts für Demoskopie nachzulesen. Seit 1966 wird dort folgende Frage gestellt: "Hier sind einige Berufe aufgeschrieben. Könnten Sie bitte die fünf davon heraussuchen, die Sie am meisten schätzen, vor denen Sie am meisten Achtung haben?" Zur Auswahl stehen 17 Berufe, darunter Arzt, Lehrer, Atomphysiker, Hochschulprofessor, Journalist, Politiker – und Buchhändler. Und seit vielen Jahren findet der sich auf dem (vor)letzten Rang. Oft noch hinter dem Gewerkschaftsführer, abgeschlagen mit sieben, manchmal nur fünf Prozent. Warum so wenig Achtung vor dem Buchhändler, ist das nicht der Traumberuf zahlloser Deutschleistungskursler?

In Allensbach sieht man die Dinge nicht so dramatisch. Unter den zur Wahl stehenden Berufen sei der des Buchhändlers eben der am "wenigsten machtvolle". Also kein absolutes Urteil, nur eine Frage des Umfelds. Trotzdem schwante dem Börsenverein des deutschen Buchhandels wohl schon Übles, als er jüngst eine einschlägige Studie bei der Gesellschaft für Konsumforschung in Auftrag gab, befragt wurden unter anderem Schülerinnen.

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Die Ergebnisse sind im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel nachzulesen und niederschmetternd. Auf einer Liste von zwölf kaufmännischen Berufen landete der des Buchhändlers auf dem letzten Platz bei den Jungen, auf Rang sieben bei den Mädchen. "Verstaubt" sei der Beruf, "brotlos" und "aussterbend". Kein Wunder plagen die Branche Nachwuchssorgen. Man will nun das Image aufbessern und von 2010 an mit einem novellierten Berufsbild ausbilden.

Ein Trost, wie üblich nur ein schwacher, mag das Leid eines anderen Berufes sein: Ist der Buchhändler bei den Allensbach-Umfragen immerhin auf seinem – wenn auch niedrigen – Niveau geblieben, hat der Politiker dagegen einen sehenswerten Sturzflug hingelegt: In den siebziger Jahren hatten noch 27 Prozent der in Westdeutschland Befragten besonderen Respekt vor dem Politikerberuf, nach der Wiedervereinigung noch 15, bei der letzten Erhebung im Jahr 2008 waren es noch 6 Prozent.

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    "befragt wurden unter anderem Schülerinnen": Wieso werden denn hier die Schülerinnen besonders hervorgehoben?
    (Ich fände es übrigens sehr komisch, Schülerinnen nicht zu befragen.)

  2. Das Foto zeigt keinen Buchhändler, sondern offenbar einen Antiquar; außerdem wurde es anscheinend bewusst mit dieser grün-gelblichen Kunstbeleuchtung auf abstoßend und widerwärtig getrimmt. Sehr manipulativ; eine real existierende Buchhandlung sieht anders aus!

    Im Übrigen überrascht die Umfrage nicht: Den Wert eines Buches weiß schon bei den Erwachsenen nur eine Minderheit zu schätzen; warum sollte es bei den Jugendlichen anders sein? Lesen, sowohl von Sachbüchern wie von Belletristik, erweitert in jeder Hinsicht den Horizont und eröffnet Zugang zu Gedanken, Ideen, Vorstellungen, ja zu Welten, von denen sich der Leser nichts träumen lässt. Aber es ist nunmal wie alles Lohnende mit einer gewissen Anstrengung verbunden. Da ist doch viel cooler, quasi ganz mühelos bei Bohlen & Co. Popstar oder Supermodel zu werden und dafür von allen bewundert zu werden.

  3. ... denn es ist zudem anzumerken (und den Befragten sicher bewusst) dass die Erwartung an Buchhändler recht hoch ist (er/sie soll alles wissen und einordnen, bspw. "Mäusepeng" als Guy de Maupassant übersetzen können) dabei aber ein Gehalt auf Einzelhandels-Niveau zu erwarten ist. Das ist nicht attraktiv.

    Mein Vorschlag zu einer neuen Untersuchung: Buchhändler, die den Buchhandel verlassen haben und jetzt an anderen Positionen resp. Branchen arbeiten, suchen und nach den Gründen für den Wechsel fragen.

  4. Obwohl ich gerne Buchhändler war, fiel es mir nach 3 Jahren mageren Lohnes wirklich nicht schwer, die Branche zu wechseln. Wenn der Beruf nicht so schlecht entlohnt werden würde, um das Wissen, das ein Buchhändler für gewöhnlich hat, auch zu belohnen, würde sich auch wieder mehr Nachwuchs finden. Wozu ein breites Fachwissen haben, wenn man dann doch weniger verdient als die Einzelhandelskauffrau beim Discounter?

  5. Ich finde es sehr schade für die Angestellten im Buchhandel, aber die meisten Läden bieten kein attraktives Angebot. Schön sind solche Läden die neben einem breiten Sortiment auch noch eine Ecke haben in der man sich hinsetzen, vllt. einen Kaffee trinken (notfalls bezahlt) und ein wenig schmökern kann. Ich kenne ein paar Büchereien die auch viel sehr Altes zum Angebot haben, da fühlt man sich beim Stöbern wie ein Archäologe und nimmt jedes Mal mehr mit nach Hause als man ursprünglich wollte.

    Leider sind die meisten Buchläden eher nicht so. Dort ist nie das Buch auf Lager dass man will und was anderes Cooles gibt's auch nicht zu sehen - man fragt sich dann, warum man nicht gleich beim Online-Riesen bestellt hat. Meine Erfahrung, muss nicht repräsentativ sein. Ich würde mich freuen mehr von den erstgenannten Läden zu sehen.

  6. Wie die Firma Allensbach selber betont, ist die niedrige Wertschätzung des Buchhändler(Innen)berufs ein Ergebnis des Auswahlkataloges. In einer anderen Konstellation des Auswahlkataloges, etwa mit dem Angebot von Betonbauer(in), Maurer(in), Elektronistallateur(in) oder Metzgereifachverkäufer(in) etc. hätte womöglich das derart plötzlich aufkommende Interesse für den Buchhändler(in)beruf den deutschen Buchhandel zu orgastischen Höhenflügen getrieben. Und mal ehrlich: wie gross ist die Chance, jemals Gewerkschaftsführer zu werden, ganz davon abgesehen, dass noch immer kein klares Berufsbild samt Bildungseinrichtungen für diese Berufsgattung besteht. Sorgen machen sollten sich die Gewerkschaften, aber auch die Politiker - sie sitzen in der Nachwuchsfalle.

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