Ein Kinogenre, das im Wesentlichen um den gewaltsamen Austausch von Körperflüssigkeit kreist, ist vor allem eines: eine drastische Liebesmetapher. Mit blutverschmierten Lippen, durchbohrten Arterien und gierigen Saugbewegungen erzählt der Vampirfilm von den Abgründen des Begehrens, von der Zerstörungs- und Selbstzerstörungskraft der Liebe, aber eben auch von der Sehnsucht nach dem ewigen Leben im Schutze der triebgesteuerten Nacht. Entlang der Blutspur seiner Helden erkundet er die morbide Wahrheit, die entfesselte Unterseite der Zivilisation. Seine Schattenwelten sind der schwarze Spiegel all dessen, was verdrängt und sublimiert wird.

Was aber geschieht, wenn der Vampirfilm sein Metapherndasein über den Haufen wirft? Wenn er ganz buchstäblich von der Erotik der Gewalt und der Gewalt der Erotik erzählt. Und sogar ganz eindeutig von Macht- und Geschlechterkämpfen, kurz: von der Liebe als Schlachtfeld?

Kuss und Biss, Sex und Saugen sind kaum zu unterscheiden

Durst von dem koreanischen Regisseur Park Chan-wook ist ein extremer Liebesfilm (bei den Filmfestspielen von Cannes gewann er den Preis der Jury). Er erzählt von Hingabe und Selbstaufgabe erst im theologischen und dann im erotisch-sexuellen Sinn. Und er beginnt mit einer perfiden Pointe: der Geburt des Vampirismus aus dem Geist der Nächstenliebe. Sang-hyun, ein katholischer Priester aus Südkorea, meldet sich freiwillig als Testperson für ein christliches Forschungsprojekt. Als er durch eine künstliche Virusinfektion stirbt, erweckt ihn eine Bluttransfusion zu neuem Leben. Durch das fremde Blut wird der Geistliche zum – zunächst noch christlichen – Vampir. Seine Nahrung saugt er rücksichtsvoll aus einem Komapatienten im Krankenhaus. Manchmal füllt er das Blut fein säuberlich in Vorratsfläschchen ab. Kann man Gutes tun, wenn man zum Überleben schlecht sein muss? Ist es Gottes Wille, der mich zum Vampir gemacht hat, und was führt der Allmächtige dabei wohl im Schilde? Auf so makabre wie komische Weise richtet sich der Priester in seinem Glaubenskonflikt ein.

Aber bald lassen sich Katholizismus und Vampirismus nicht mehr verbinden: Mit dem Durst auf fremdes Plasma erwacht auch das Begehren. Song-hyun verliebt sich in die attraktive junge Frau eines Schulfreundes. Man könnte auch sagen: Er lechzt nach ihren Körperflüssigkeiten.

Im Wechsel von streng komponierten Bildern und geradezu saugenden Zooms, wuchtigen Tableaus und klaustrophobischen Nahaufnahmen stürzt sich der Film in diese Leidenschaft. Alles kulminiert in einer großartigen Szene: Nachdem sich der Priester zum Mord am Ehemann seiner Geliebten verführen ließ, bricht er der Skrupellosen das Genick – um sie gleich darauf als Vampirin zu neuem Leben zu erwecken. Während er seine durchschnittene Pulsader auf ihre Lippen presst, saugt er Blut aus ihrem Handgelenk. Zu wogender Musik entsteht ein Kreislauf aus Geben und Nehmen, Hingabe und Hass, Leidenschaft und Gewalt. Es ist der pure Exzess, der Sieg der Triebe über die Priesterlichkeit, der Triumph des Begehrens über die katholische Sublimierung des Fleisches.

In Durst ist der Vampirismus nicht die Metapher, sondern die Essenz obsessiver Liebe. Kuss und Biss, die Ekstase von Sex und Saugen, im Liebesakt und im Todeskampf ineinander verschränkte Körper sind hier kaum mehr zu unterscheiden.

Der Koreaner Park Chan-wook mag das Genre des Vampirfilms mit Verve zu einer Art Endpunkt führen. Doch sein Film ist nicht so einzelgängerisch, wie er zunächst scheinen mag.